In der Hauptseminararbeit „Die Neue deutsche Ostpolitik der sozialliberalen Koalition und die deutsch-französischen Beziehungen zwischen 1969-1974“ wird analysiert, welche internationalen und nationalen Gründe und Hintergründe für die ‚Neue Ostpolitik’ der Regierung Brandt bestanden und welche neuen politischen Aspekte die außenpolitische Arbeit der sozialliberalen Koalition in Deutschland und ihr französisches Pendant in der ‚Ära Brandt-Pompidou’ kennzeichneten.
Dabei richtet sich das Hauptaugenmerk einmal auf das Verhältnis zwischen der Außenpolitik der deutschen Regierungen bis 1969 und der von SPD-FDP bestimmten Außenpolitik vom Regierungswechsel 1969 bis zum Übergang zu Helmut Schmidt im Jahre 1974, und zweitens auf die Frage, wie die westdeutsche Ostpolitik und die damit verbundenen Fragen vom Nachbarland Frankreich aufgenommen wurden.
Zuerst geht die Arbeit auf die Rahmenbedingungen und zu Grunde liegenden Gegebenheiten ein, mit denen sich die Bundesrepublik bezüglich der Außenpolitik konfrontiert sah und welche eigenen Akzente bis 1969 selber gesetzt wurden. Der Übergang von einer internationalen Konfrontationspolitik zu einer Entspannungspolitik wird hervorgehoben und die Frage geklärt, ob die Regierung Brandt außenpolitischen Neuorientierungen und Umbrüchen unterworfen war oder sich doch eher in einer außenpolitischen Kontinuität befand.
Darauf folgt eine genauere Betrachtung der Außenpolitik Brandts und seines Außenministers Scheel. Es wird die Frage gestellt, welche Relevanz und Bedeutung ihre außenpolitisch gesteckten Ziele hatten, welche Notwendigkeiten einer Ostpolitik bestanden und wie sich die Politik in den internationalen Kontext einordnen lässt.
Um die Abläufe und das Ergebnis dieser Brandt’schen Außenpolitik mitsamt den Reaktionen aus Paris ersichtlicher erscheinen zu lassen, soll in einzelnen Kapiteln genauer auf die Verträge von Moskau und Warschau sowie den Grundlagenvertrag und das Viermächteabkommen eingegangen werden. Neben den wichtigsten Ergebnissen und Hintergründen kann besonders in diesen Unterkapiteln deutlich gemacht werden, in welcher Weise Frankreich die eigenen Interessen berührt sah, welche Konsequenzen die Ostpolitik aus französischer Sicht mit sich zogen und inwiefern die deutsche Politik befürwortet, gefürchtet oder abgelehnt wurde.
Abschließend wird der Blick auf die Auswirkungen der Ostpolitik nach 1974 geworfen und ein Fazit der deutsch-französischen Beziehungen zwischen 1969-1974 formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Übergang von der Konfrontationspolitik zur Entspannungspolitik vor 1969
2.1 Vorfeld und Rahmenbedingungen
2.2 Die Ostpolitik de Gaulles vor 1969
3 Die ‚Neue Ostpolitik’ der Regierung Brandt / Scheel und die deutsch-französischen Beziehungen
3.1 Hintergründe der ‚Neuen’ deutschen Ostpolitik und französische Positionen
3.2 Moskauer Vertrag von 1970
3.3 Warschauer Vertrag von 1970
3.4 Viermächteabkommen von 1971
3.5 Grundlagenvertrag von 1972 und französisch-ostdeutsche Beziehungen
4 Auswirkungen der ‚Neuen Ostpolitik’
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die internationale und nationale Ausrichtung der „Neuen Ostpolitik“ der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt zwischen 1969 und 1974. Dabei wird insbesondere untersucht, wie diese außenpolitische Neuorientierung, die eine Abkehr von der bisherigen Konfrontationspolitik darstellte, von Frankreich aufgenommen wurde und wie sich die deutsch-französischen Beziehungen in dieser Phase der europäischen Entspannungspolitik entwickelten.
- Analyse der außenpolitischen Rahmenbedingungen vor 1969
- Untersuchung der Motive und Hintergründe der neuen Ostpolitik
- Auswertung der wichtigsten Verträge (Moskau, Warschau, Grundlagenvertrag)
- Reflexion der französischen Haltung zur deutschen Ostorientierung
- Beurteilung der Auswirkungen auf das europäische Staatensystem
Auszug aus dem Buch
3.1 Hintergründe der ‚Neuen’ deutschen Ostpolitik und französische Positionen
Mit dem Amtsantritt der sozialliberalen Koalition 1969, sollte eine bedrohende Isolierung abgewendet und mit einer „ostpolitischen Wende ... eine Bereinigung der Verhältnisse im Rahmen des Möglichen“ erreicht werden, um dadurch „Bewegungsfähigkeit für die deutsche Politik zurückzugewinnen.“ Die Regierung Brandt wollte in den nachfolgenden Jahren durch eine Revision der früheren ostpolitischen Ansätze weiträumiger und facettenreicher handeln als die Große Koalition, die sich als unfähig erwies, „die Lähmung, die Stagnation unserer Ostpolitik zu überwinden.“
So entstand die Ostpolitik im Grunde direkt im geteilten Berlin, dort wo die Spaltung Deutschlands am sichtbarsten wurde, die Mauer wurde somit zum Ausgangspunkt einer prinzipiellen Neugestaltung. Die Ostpolitik war die vernünftige Antwort auf die Mauer, der beharrliche Versuch, einen Krisenherd abzukühlen und Entspannung zu schaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage hinsichtlich der Beweggründe der neuen Ostpolitik und deren Rezeption in Frankreich.
2 Übergang von der Konfrontationspolitik zur Entspannungspolitik vor 1969: Analyse der adenauerschen Außenpolitik und der ersten Entspannungsversuche durch de Gaulle.
3 Die ‚Neue Ostpolitik’ der Regierung Brandt / Scheel und die deutsch-französischen Beziehungen: Untersuchung der Vertragsschlüsse und der französischen Reaktion auf die neue Bonner Politik.
4 Auswirkungen der ‚Neuen Ostpolitik’: Darstellung der multilateralen Einbindung der Ostpolitik durch KSZE und MBFR.
5 Fazit: Zusammenfassende Bilanz zur erfolgreichen Versöhnungspolitik und deren Einbettung in die deutsch-französische Partnerschaft.
Schlüsselwörter
Neue Ostpolitik, Willy Brandt, deutsch-französische Beziehungen, Entspannungspolitik, Hallstein-Doktrin, Moskauer Vertrag, Warschauer Vertrag, Grundlagenvertrag, Berlinabkommen, Georges Pompidou, Westbindung, europäische Friedensordnung, DDR, Sowjetunion, Souveränität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die außenpolitische Neuausrichtung der Bundesrepublik Deutschland durch die sozialliberale Koalition von 1969 bis 1974 und deren Rückwirkung auf das Verhältnis zu Frankreich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die „Neue Ostpolitik“, die deutsch-französische Zusammenarbeit im Kontext der europäischen Entspannung sowie der Umgang mit der deutschen Teilung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu analysieren, ob die sozialliberale Ostpolitik eine Zäsur darstellte und wie die französische Führung unter Pompidou auf diese deutsche Politik reagierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von historischen Verträgen, politischen Dokumenten sowie der fachwissenschaftlichen Literatur zur Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der historischen Rahmenbedingungen, die Betrachtung der bedeutenden Verträge mit den Ostblockstaaten und deren spezifische Auswirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Entspannungspolitik, Ostpolitik, Westbindung, deutsch-französische Beziehungen und Souveränität.
Warum war der Regierungswechsel in Frankreich 1969 von Bedeutung?
Der Übergang von de Gaulle zu Pompidou brachte eine veränderte französische Außenpolitik mit sich, die stärker europäisch eingebunden war und auf die neuen deutschen Ostinitiativen reagieren musste.
Welche Rolle spielte der „Kniefall von Warschau“?
Der Kniefall fungiert als zentraler symbolischer Akt der Vergangenheitsbewältigung und verdeutlichte den moralischen Neuanfang der westdeutschen Außenpolitik.
- Quote paper
- Alexander Stock (Author), 2004, Die Neue Deutsche Ostpolitik der sozialliberalen Koalition und die deutsch-französischen Beziehungen von 1969-1974, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29580