Filme ohne Filmmusik sind in der heutigen Zeit sicher kaum noch vorstellbar. Jeder Soundtrack, also die Musik zu einem Film, wird genauso vermarktet wie der Film an sich, sei es nun durch den Verkauf des Soundtracks als Tonträger, als Noten für Orchester und sonstige musikalischen Formationen, oder durch die Tatsache, dass bei vielen Filmen mindestens ein Song der Filmmusik an einen berühmten Künstler übertragen wird, der den Song teilweise genauso oder noch berühmter und bekannter macht als den Film selbst, so z.B. bei "Robin Hood" ("Everything I do" von Bryan Adams) oder "Armageddon" ("I don´t want to miss a thing" von Aerosmith).
Was genau macht Filmmusik mit dem Zuschauer? Grundsätzlich unterscheidet der schweizerische Musikwissenschaftler Hansjörg Pauli (1931-2007) drei verschiedene Formen von Filmmusik in seinem 1978 veröffentlichten "Erklärungsmodell zur Funktionsweise von Filmmusik": Paraphrasierung (Intensivierung des Filmgeschehens durch dazu passende Musik), Polarisierung (das Filmgeschehen wird durch die Musik in eine eindeutige Richtung gerückt) und Kontrapunktierung (Musik und Filmgeschehen widersprechen sich eindeutig. Hierbei wird bereits deutlich, dass Musik im Allgemeinen und hier nun Filmmusik im Speziellen eine große psychologische Wirkung auf den Zuschauer/Hörer hat. Die Verwendung von Filmmusik
verstärkt den Einfluss, welchen der Film auf die Konsumenten hat.
Die nachfolgende Arbeit beleuchtet die Filmmusik und deren psychologische Wirkung im Film "Jungle Fever", welcher 1991 von Regisseur Spike Lee produziert wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. "Jungle Fever"
2.1 Handelnde Personen
2.2 Handlung des Films
3. Spike Lee
3.1 Biographie
3.2 Thematisierung von Rassismusproblematik in Lee´s Filmen
4. Filmmusik
4.1 Terence Blanchard
4.2 Stevie Wonder
4.3 Rezeption der Filmmusik
5. Analyse ausgewählter Filmszenen – Handlung, Musik, psychologische Wirkung
6. Fazit
7. Literatur und Weblinks
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Filmmusik in Spike Lees Werk "Jungle Fever" (1991) und analysiert deren psychologische Wirkung auf den Zuschauer. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie durch den Einsatz von Musik – unter Anwendung der Funktionsmodelle von Hansjörg Pauli – die gesellschaftliche Rassismusproblematik im Film unterstrichen, kontextualisiert oder gezielt kontrapunktiert wird.
- Psychologische Wirkmechanismen von Filmmusik
- Funktionsmodelle nach Hansjörg Pauli (Paraphrasierung, Polarisierung, Kontrapunktierung)
- Der Einfluss von Stevie Wonder und Terence Blanchard auf die filmische Atmosphäre
- Die Darstellung von Rassismus und sozialen Konflikten bei Spike Lee
- Detaillierte Analyse ausgewählter Schlüsselszenen
Auszug aus dem Buch
1. Eröffnungsszene (00:00:33 – 00:03:39)
Die Eröffnungsszene ist relativ unspektakulär, was die Handlung betrifft. Über Großstadtbilder werden die Credits des Films in Form von Straßenschildern eingeblendet. Dazu erklingt der Titelsong des Soundtracks, "Jungle Fever" von Stevie Wonder, gemischt mit den Großstadtgeräuschen im Hintergrund. Natürlich ist die Musik hier nicht-diegetisch, klint also außerhalb der Handlung).
Der Song ist dem Genre Funk zuzuordnen, allerdings sehr Synthesizer-lastig, was typisch für Stevie Wonders Sound der späten 80er und frühen 90er ist. Die Musik passt zu den hektischen Großstadtbildern. Hauptsächlich wird der afroamerikanische Stadtteil Harlem gezeigt, in welchem Flipper Purify auch lebt. Da Funk zu dieser Zeit, den frühen 90ern, eine sehr von Afroamerikanern geprägte Musikrichtung war, wirkt die Musik hier paraphrasierend, passt also zu den Bildern.
Textlich nimmt der Song die Kernhandlung bereits vorweg: der Refrain lautet "I´ve got jungle fever, she´s got jungle fever, we´ve got jungle fever, we´re in love. She´s gone black-boy crazy, I´ve gone white-girl hazy, ain´t no thinking maybe, we´re in love". Beschrieben wird aus der Perspektive des männlichen Partners eine Liebe zwischen einem Afroamerikaner und einer Weißen, die so von dem sogenannten "Jungle Fever" ergriffen sind, dass sie sich keine Gedanken über eventuelle Konsequenzen ihrer Beziehung machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Begriffsdefinition von Filmmusik und Darstellung des theoretischen Rahmens durch das Funktionsmodell von Hansjörg Pauli.
2. "Jungle Fever": Vorstellung der handelnden Charaktere und Zusammenfassung der tragischen Filmhandlung um die Familie Purify.
3. Spike Lee: Biografische Eckdaten des Regisseurs und Einordnung seiner filmischen Auseinandersetzung mit Rassismus in den USA.
4. Filmmusik: Porträt der beteiligten Musiker Terence Blanchard und Stevie Wonder sowie eine kurze Übersicht der Kritikermeinungen zum Soundtrack.
5. Analyse ausgewählter Filmszenen – Handlung, Musik, psychologische Wirkung: Detaillierte Untersuchung von acht Schlüsselszenen hinsichtlich ihrer diegetischen oder nicht-diegetischen musikalischen Gestaltung.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der musikalischen Kontrapunktierung als Mittel zur Darstellung gescheiterter zwischenmenschlicher Beziehungen aufgrund rassistischer Vorurteile.
7. Literatur und Weblinks: Auflistung der verwendeten Quellen und Internetverweise.
Schlüsselwörter
Spike Lee, Jungle Fever, Filmmusik, Rassismus, Stevie Wonder, Terence Blanchard, Hansjörg Pauli, Paraphrasierung, Kontrapunktierung, psychologische Wirkung, Afroamerikaner, Soundtrack, Filmbiographie, Analyse, Funktionsweise von Filmmusik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und psychologische Wirkung der Filmmusik in Spike Lees Film "Jungle Fever" vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Rassenkonflikte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Analyse musikalischer Funktionsmodelle (nach Hansjörg Pauli), die Filmbiografie von Spike Lee und die Darstellung von Rassismus in den USA der frühen 90er Jahre.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Musik gezielt eingesetzt wird, um die psychologischen Spannungsfelder der Filmfiguren und deren gesellschaftliche Isolation zu unterstreichen oder zu konterkarieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse angewandt, die den Film in einzelne Szenen unterteilt und diese mittels der Funktionsmodelle von Filmmusik (Paraphrasierung, Polarisierung, Kontrapunktierung) untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Filmhandlung, der Hintergrund des Regisseurs, die beteiligten Komponisten und eine detaillierte Szenenanalyse präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Filmmusik, Kontrapunktierung, Spike Lee, Rassismus, Stevie Wonder und psychologische Wirkung.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Vaters im Film?
Der Autor sieht in Reverend Doctor Purify eine widersprüchliche Figur, deren religiöse Strenge und musikalische Untermalung in krassem Gegensatz zu seinem menschlichen Versagen und seinem latenten Rassismus stehen.
Warum wird die Musik in der Eröffnungsszene als paraphrasierend bezeichnet?
Die Musik wird als paraphrasierend eingestuft, da der Funk-Sound der frühen 90er Jahre die hektischen, afroamerikanisch geprägten Bilder des Stadtteils Harlem musikalisch direkt unterstützt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, "Jungle Fever" von Spike Lee. Analyse und psychologische Aspekte der Filmmusik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295813