Die Arbeit beschäftigt sich im Kern mit der Frage, wie Verwaltungen sensibler für soziale und gesellschaftspolitische Zusammenhänge sowohl innerhalb der Verwaltung, als auch im Außenverhältnis werden können. Die Betrachtung konzentriert sich vor allem darauf, wie ein Verwaltungscontrolling beschaffen sein muss, um hierzu in einem positiven Sinne beitragen zu können. Zur sozialen Realität gehören allerdings nicht nur in Zahlen, Daten und Fakten darstellbare Zusammenhänge, sondern auch Stimmungen, organisationskulturelle Besonderheiten, persönliche Beziehungen und zahlreiche andere subtile Interdependenzen von Faktoren, die in einer rein an wirtschaftlichen Kennzahlen orientierten Betrachtungsweise leicht aus der Betrachtung fallen können. Soziale Zusammenhänge scheinen jedenfalls nicht bis ins Letzte in operationalisierter Form darstellbar zu sein.
Ziel dieser Arbeit ist, Ideen und praktische Vorschläge dahingehend zu entwickeln, wie ein Verwaltungscontrolling sogenannte „soft facts“ besser berücksichtigen kann. Hierbei soll Verwaltungscontrolling aber nicht für sich isoliert, sondern vielmehr als Teil eines Ganzen, nämlich des Konzeptes des New Public Managements (NPM) betrachtet werden.
Die Arbeit nähert sich der Fragestellung daher von der Seite allgemeiner und kritischer Betrachtungen zum NPM und insbesondere dessen Kundenbegriff. Hierbei soll ein besonderes Augenmerk auf die sozialethische Komponente dieses Kundenbegriffes gerichtet werden.
Es wird von der Annahme ausgegangen, dass die Berücksichtigung dieser sozialethischen Komponente des Kundenbegriffes unverzichtbar für den Erfolg moderner Verwaltungsorganisationen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Fragestellung, Begriffe und Methoden der Arbeit
1.1 Zur Fragestellung und Methodik dieser Arbeit
1.2 New Public Management und Operationalisierung- Zu den Begriffen
1.3 Verwaltungscontrolling als notwendiger Bestandteil des NPM
1.4 Warum eine sozioökonomische Betrachtung?
2 Von gegenwärtigen Problemen des NPM hin zu erweiterten Controllingverständnissen
2.1 Die Kritik am Modell des NPM und mögliche Zusammenhänge mit dem Verwaltungscontrolling
2.2 Probleme der Operationalisierung- Hard facts gegen soft facts
2.3 Verschiedene Controllingverständnisse- Vom rechnungswesenorientierten Controlling bis zum reflexionsorientierten Controlling
2.4 Einsatzmöglichkeiten von Methoden der qualitativen Sozialforschung im Verwaltungscontrolling
3 Fazit: Der Controller als innerorganisationaler Sozialforscher
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie ein Verwaltungscontrolling im Rahmen des New Public Managements (NPM) sensibler für soziale und gesellschaftspolitische Zusammenhänge gestaltet werden kann, indem es über rein ökonomische Kennzahlen hinausgeht und qualitative Faktoren ("soft facts") stärker einbezieht.
- Kritische Analyse des NPM und dessen Kundenbegriffs unter sozialethischen Gesichtspunkten.
- Untersuchung der Grenzen einer rein operationalisierten Steuerung in der Verwaltung.
- Gegenüberstellung von "hard facts" (Kennzahlen) und "soft facts" (Organisationskultur, Stimmungen).
- Evaluierung verschiedener Controllingverständnisse im Hinblick auf ihre Eignung für eine ganzheitliche Steuerung.
- Erörterung des Potenzials qualitativer sozialwissenschaftlicher Methoden zur Ergänzung des Verwaltungscontrollings.
Auszug aus dem Buch
2.2 Probleme der Operationalisierung- Hard facts gegen soft facts
Aufgabe des Controllings ist das Überprüfen betrieblicher Ziele und ihrer Umsetzung. Es koordiniert die Informationsversorgung und –verwendung und leistet so einen Beitrag zur Steuerung und Kontrolle des Leistungsprozesses einer Organisation. Thorsten Franz spricht hier von einer „Rationalisierung durch Information“. Controlling strebt also einen rationalen Erkenntnisgewinn über die Realität innerhalb einer Organisation an.
Aktuellere Sichtweisen des betrieblichen Controllings zielen hierbei nicht nur auf Gewinnung von Informationen über die ökonomische Realität ab, sondern streben einen Gesamtüberblick an, um damit die Rationalität von Führungsentscheidungen zu sichern. Auf die verschiedenen Verständnisse von Controlling wird im nächsten Abschnitt noch ausführlicher eingegangen.
Es dürfte aber kaum zu bestreiten sein, dass eine rationale Entscheidungsfindung in einer Organisation kaum unter ausschließlicher Betrachtung ökonomischer Faktoren und Ausklammerung der sozialen Realität zu bewerkstelligen sein dürfte.
Die Verwaltung ist in ein politisches, soziales und ökonomisches Umfeld eingebettet.
So kann beispielsweise die Zufriedenheit der Mitarbeiter und Kunden entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg sein, während diese Zufriedenheit (oder Unzufriedenheit) wieder dadurch beeinflusst werden kann, welche ökonomischen Ressourcen zur Befriedigung von Bedürfnissen vorhanden sind. Wenn Mitarbeiter einer Verwaltung zum Beispiel, aufgrund mangelnder Ressourcen, in Unterbesetzung in einem baufälligen Gebäude mit veralteter Büroausstattung arbeiten müssen, so kann sich dies negativ auf ihre Zufriedenheit und damit auch ihre Kundenorientierung auswirken. Ein Controlling, welches vor einem solchen Hintergrund nur die Einsparung von Kosten für Sanierungen und Büromaterial im Blickfeld hätte, könnte damit kaum zu einer rationalen Entscheidungsfindung der Verwaltungsführung beitragen.
Die Notwendigkeit zu einer Betrachtung der sozialen Realität sowohl im Inneren der Organisation, als auch im Verhältnis nach außen, ergibt sich für die Verwaltung in besonderem Maße, da die Verwaltung keine rein ökonomische Zielsetzung hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Fragestellung, Begriffe und Methoden der Arbeit: Einführung in die Thematik der Sensibilisierung von Verwaltungen für soziale Zusammenhänge und Definition der zentralen Begriffe NPM sowie Operationalisierung.
2 Von gegenwärtigen Problemen des NPM hin zu erweiterten Controllingverständnissen: Kritische Auseinandersetzung mit dem NPM, Analyse der Problematik "Hard vs. Soft Facts" und Vorstellung verschiedener Controlling-Ansätze sowie qualitativer Methoden.
3 Fazit: Der Controller als innerorganisationaler Sozialforscher: Synthese der Ergebnisse mit dem Plädoyer für ein erweitertes Rollenverständnis des Controllers als Forscher, um soziale Realitäten besser in die Steuerung einzubeziehen.
Schlüsselwörter
Verwaltungscontrolling, New Public Management, Sozioökonomie, Operationalisierung, Soft Facts, Hard Facts, Kundenorientierung, Verwaltungssteuerung, Organisationskultur, Qualitätssicherung, qualitative Sozialforschung, reflexionsorientiertes Controlling, Verwaltungsreform, soziale Verantwortung, Verwaltungsführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Optimierung des Verwaltungscontrollings im New Public Management, um soziale und organisationskulturelle Faktoren neben den rein wirtschaftlichen Kennzahlen angemessen zu berücksichtigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Kritik am NPM-Modell, die Bedeutung von "soft facts" für den Verwaltungserfolg sowie die Weiterentwicklung von Controllingmethoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Vorschläge zu entwickeln, wie Verwaltungscontrolling durch die Einbeziehung qualitativer Aspekte und sozioökonomischer Perspektiven rationaler und sozial verantwortlicher gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, der existierende Controlling-Konzepte kritisch hinterfragt und mit Erkenntnissen der qualitativen Sozialforschung verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Schwächen des NPM hinsichtlich der "Verdinglichung" sozialer Probleme, stellt klassische Controllingmethoden gegenüber und prüft die Erweiterung des Instrumentariums durch qualitative Forschungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Verwaltungscontrolling, NPM, Operationalisierung, Soft Facts, Kundenorientierung und sozioökonomische Betrachtung.
Wie unterscheidet sich der Kundenbegriff des NPM von dem der Privatwirtschaft?
Laut Arbeit umfasst der Kundenbegriff des NPM nicht nur zahlungskräftige Nachfrager, sondern als Metapher für die Öffnung der Verwaltung alle Bürger, unabhängig von ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit.
Was bedeutet die Metapher des "Controllers als Sozialforscher"?
Sie beschreibt ein neues Rollenbild, in dem der Controller nicht nur Messwerte liefert, sondern aktiv zur Reflexion über soziale Realitäten und die Auswirkungen des Verwaltungshandelns beiträgt.
- Citation du texte
- Florian Klaede (Auteur), 2014, Verwaltungscontrolling in der Systematik des New Public Managements, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295841