Den beim Publikum und in der Klavierpädagogik durchaus beliebten zwölfteiligen Klavierzyklus Papillons op. 2 komponierte Robert Schumann in seiner Jugendzeit von 1829 bis 1832 (vgl. Loos 2005: 9). Doch was hält die „stark kontrastierenden Stücke mit raschen Szenenwechseln“ (vgl. Tadday 2006: 125) zusammen? Gibt es einen roten Faden, der sich durch das Werk zieht und die ihm zugeschriebene Bezeichnung „Zyklus“ rechtfertigt? Oder handelt es sich viel mehr um eine Reihe voneinander unabhängiger Tanz-und Charakterstücke (vgl. Jensen 1998: 141)?
Zur Untersuchung dieser vielschichtigen Frage prüft die vorliegende Arbeit zunächst die Entstehungsgeschichte der Papillons, um zu enthüllen, inwieweit das Werk nach einer bestimmten Leitlinie komponiert wurde. Danach rückt der Notentext in den Fokus, anhand dessen eine kurze tonart- und charakterbezogene Analyse Aufschluss über eventuelle Zusammenhänge geben soll, bevor das Programm von op.
2, das auf den ersten Blick alles andere als offensichtlich ist, behandelt wird. Liegt hier der Kern des Zyklus? Um diese Frage beantworten zu können, ist eine detailliertere Analyse der Papillons nötig, die musikalische Aspekte mit programmatischen
verbindet und ihre Übereinstimmung bewertet. Schließlich erfolgt ein Abgleich mit typischen Schumannschen Stilistiken. Sind sie auch in op. 2 leitende Prinzipien?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Entstehung
2 Tonart- und charakterbezogene Analyse
3 Programm
4 Musikalisch-programmatische Analyse
5 Weitere mögliche Leitgedanken
Fazit und Ausblick
Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturelle und programmatische Einheit des zwölfteiligen Klavierzyklus "Papillons" op. 2 von Robert Schumann. Ziel ist es, die Frage zu klären, ob das Werk als geschlossener Zyklus mit einem inneren "roten Faden" betrachtet werden kann oder als lose Aneinanderreihung unabhängiger Charakterstücke fungiert, wobei insbesondere der Einfluss von Jean Pauls Roman "Flegeljahre" analysiert wird.
- Entstehungsgeschichte und Kompositionsabsicht der "Papillons"
- Tonart- und charakterbezogene Analyse der Einzelstücke
- Untersuchung des programmatischen Bezugs zum Maskenball in den "Flegeljahren"
- Stilistische Einordnung und Vergleich mit typischen Schumannschen Kompositionsmerkmalen
- Bewertung des Zyklusbegriffs in Bezug auf das Werk
Auszug aus dem Buch
1 ENTSTEHUNG
Auf der Suche nach dem roten Faden der Papillons sind die Entstehungsgeschichte und die Kompositionsabsicht wichtige Mosaikstücke für die Problemlösung. Bestanden bereits vor Kompositionsbeginn ein gewisses Ziel oder eine grobe Skizze, die als Kerngedanke beziehungsweise Leitlinie dienten, oder ergab sich vielmehr spontan das eine Stück aus dem anderen?
Loos zitiert dazu einen Brief von Schumann, in dem sich letzterer wie folgt äußert: „Noch oft wendete ich die letzte Seite um: Denn der Schluß schien mir nur ein neuer Anfang – fast unbewußt war ich am Clavier und so entstand ein Papillon nach dem anderen.“ (Loos 2005: 15). Obwohl der Musikwissenschaftler Schumann die freie Improvisation am Klavier zugesteht (vgl. ebd.: 9), ist die Aussage des Komponisten nicht ganz richtig, da bestimmte Motive in op. 2 sowohl aus früheren Werken, Skizzen, Fugenversuchen und Kontrapunktstudien als auch aus Stücken anderer Komponisten stammen (vgl. Tadday 2006: 225).
So taucht ein Walzer aus den Papillons in den Skizzenbüchern II und III gleich drei Mal auf einmal sogar in einer Reihe anderer Walzer, die später in op. 2 aufgenommen wurden (vgl. Wendt 1987: 115). Eine andere offensichtliche Quelle sind die aus Schumanns Jugendzeit stammenden Acht Polonaisen für Klavier zu vier Händen, wie die genauere Analyse zeigen wird. Da die Polonaisen jedoch erst 1933 posthum veröffentlicht wurden, war dieser Zusammenhang erst spät sichtbar.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik der "Papillons" als Zyklus und Darstellung der Forschungsfrage sowie des methodischen Vorgehens.
1 Entstehung: Analyse des Entstehungsprozesses unter Berücksichtigung von Schumanns Aussagen, Skizzenbüchern und früheren Jugendwerken.
2 Tonart- und charakterbezogene Analyse: Untersuchung der tonalen Kontraste und der Vielfalt der musikalischen Charaktere innerhalb der zwölf Stücke.
3 Programm: Erörterung der literarischen Bezüge zum Roman "Flegeljahre" von Jean Paul und der Rolle des Maskenballs als außermusikalischer Bezugspunkt.
4 Musikalisch-programmatische Analyse: Detaillierte Betrachtung der einzelnen Stücke hinsichtlich ihrer musikalischen Struktur im Verhältnis zu den Romanpassagen.
5 Weitere mögliche Leitgedanken: Diskussion weiterer stilistischer Gemeinsamkeiten wie Zitate, motivische Kürze und die Vorliebe für Mysterien.
Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung, ob die "Papillons" einen roten Faden aufweisen, und Einordnung des Werks als "geistige Einheit".
Bibliographie: Verzeichnis der herangezogenen Primär- und Sekundärliteratur sowie Lexika und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Robert Schumann, Papillons op. 2, Jean Paul, Flegeljahre, Klavierzyklus, Maskenball, Musikwissenschaft, Programmmusik, musikalische Analyse, Walzer, Romantik, Formanalyse, Struktur, Intertextualität, Zyklusbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die musikalische und programmatische Struktur von Robert Schumanns Klavierzyklus "Papillons" op. 2, um zu klären, ob es sich um eine einheitliche Komposition oder eine lose Sammlung von Stücken handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entstehungsgeschichte des Werks, die tonale und charakterliche Analyse der Einzelstücke sowie die Verbindung zur Literatur, insbesondere zu Jean Pauls Roman "Flegeljahre".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, nach einem möglichen "roten Faden" zu suchen, der das Werk als Zyklus legitimiert, trotz der offensichtlichen Kontraste zwischen den einzelnen Abschnitten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine methodische Kombination aus historischer Analyse der Entstehungsgeschichte, musikalischer Werk- und Stilanalyse sowie dem Vergleich mit literarischen Vorlagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Tonarten und Charakteristika der Sätze analysiert, gefolgt von einer detaillierten programmatischen Untersuchung, die jedes einzelne Stück mit den entsprechenden Ereignissen aus Jean Pauls Roman in Verbindung bringt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Robert Schumann, Papillons, Jean Paul, Flegeljahre, Zyklusbildung, Programmmusik und musikalische Struktur.
Wie bewertet der Autor die Rolle des literarischen Programms?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Programm des Maskenballs aus den "Flegeljahren" nachträglich als stabilisierender Faktor fungiert, der dem Werk einen programmatischen Zusammenhang verleiht, den die Musik allein nicht zwingend vorgibt.
Warum wird die Bezeichnung "Zyklus" kritisch diskutiert?
Die Bezeichnung wird diskutiert, weil die Stücke einerseits starke Kontraste aufweisen und nicht aus einem einzigen organischen Guss entstanden sind, aber andererseits durch motivische Bezüge und eine "geistige Einheit" miteinander verbunden sind.
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- Susanne Becker (Author), 2014, Zum roten Faden in Schumanns Papillons op. 2, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295871