Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten. Beschreibung, Umsetzung und Reflexion eines eigenen Podcasts


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
32 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Podcasts in den Bildungswissenschaften
2.1. Formen und Charakteristika von Podcasts
2.3. Motive und Funktionen von Podcasts

3. „Medienerziehung – Medienkompetenzvermittlung im Elementarbereich“ - Konzeption und Umsetzung eines Podcasts im Bildungskontext
3.1. (Bedarfs-) Analyse
3.1.1. Funktionen des Podcasts
3.1.2. Nutzungsmotive
3.2. Aufbau und Design
3.3. Development
3.4. Implementation
3.5. Reflektion
3.6. Evaluation

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die Entwicklung des Internets in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts und dessen Freigabe für die zivile und damit auch kommerzielle Nutzung haben in den letzten beiden Jahrzehnten die Welt des Computers und der Kommunikation revolutioniert (Internet Society, 2012). Mit dem Übergang vom Web 1.0 zum Web 2.0, in dem der Nutzer u.a. selbst zum Produzenten wird und sich als Mitglied der Net generation oder Generation Z auf interaktive und multimediale Art und Weise selbst informieren, darstellen und managen kann, erfuhr es einen neuerlichen Bedeutungsschub (O´Reilly, 2006; O´Reilly, 2005; Coens, Senecaut, Reynvoet, & Clarebout, 2011, S. 3858).

Voraussetzung für diesen Übergang waren die weltweit gestiegene Verfügbarkeit des Internets, eine zunehmende Netzabdeckung und eine steigende Zahl leistungsstarker Breitbandanschlüsse, die eine effiziente Übertragung großer Datenmengen gewährleisten können. So stieg beispielsweise in Deutschland die Zahl der DSL Anschlüsse von 1,9 Millionen im Jahr 2001 auf 23,8 Millionen im Jahr 2013, wobei die Verfügbarkeit von DSL Ende 2013 sowohl im mobilen wie leitungsgebunden Bereich über 95% betrug (statista, 2015a; statista 2015b; Ishfag & Tehmina, 2011, S. 5022). Damit gingen erweiterte Nutzungsmöglichkeiten des Internets im Alltag einher, die sich in allen Bereichen des menschlichen Lebens, der Alltagskommunikation, im beruflichen Bereich und immer stärker auch im Bildungsbereich widerspiegelt (Schümchen & Sellheim, 2009, S. 165). Im Bildungsbereich haben neben Blogs, virtuellen Klassenräumen und Lernumgebungen, Chat und Wikis, vor allem Podcasts als Form des E-Learnings an Bedeutung gewonnen. Sie profitieren von einem Trend zur digitalen Mobilität im Allgemeinen und einer neuen mobilen und digitalen Lernkultur – die wiederum durch technische Innovationen im Smartphone und Computerbereich gestützt, gefördert und verbreitet wird – im Speziellen (Schümchen & Sellheim, 2009, S. 165; Cebeci & Tekdal, 2006, S.47; Webb & Cavanagh, 2008, S. 3954). Die Möglichkeiten, die ein Podcast hinsichtlich Mobilität und Verfügbarkeit bietet, machen ihn in Bereichen der Aus- und Weiterbildung zum wichtigen Werkzeug. Allerdings bedarf es hier Kenntnis über ihre Beschaffenheit, Anwendungsmöglichkeiten und –grenzen, damit der Podcast als vielversprechendes Lernwerkzeug angemessen und effektiv eingesetzt werden kann (Bastiaens, 2014).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich dementsprechend mit den theoretischen Aspekten der Anwendung und Evaluation von Podcasts im Bildungsbereich und den Möglichkeiten und Grenzen dieser Aspekte in der praktischen Umsetzung. Anhand des – im Rahmen des MA Studiums Bildung und Medien: eEducation an der FernUniversität in Hagen – erstellten Podcasts „Medienerziehung - Medienkompetenzvermittlung im Elementarbereich“ sollen die verschiedenen Phasen der Podcast-Entwicklung und -Evaluation dargestellt und die Frage beantwortet werden, inwieweit er zur privaten Aus- und Weiterbildung der im Elementarbereich pädagogisch tätigen Personen geeignet erscheint.

Im Folgenden werden zunächst der Begriff des Podcasts näher bestimmt und die möglichen Motive und Funktionen in den Bildungswissenschaften dargestellt. Anschließend werden einzelnen Phasen der Konzeption, der praktischen Umsetzung und Evaluation aufgezeigt. Den Abschluss der Arbeit bilden ein Ausblick und ein kurzes Fazit.

2. Podcasts in den Bildungswissenschaften

Der Begriff des Podcasts setzt sich aus dem Namen des verbreiteten MP3-Players iPod und dem englischen Wort broadcasting zusammen, was mit Rundfunk, Sendung oder Übertragung übersetzt werden kann (Schümchen & Sellheim, 2009, S. 166; Bastiaens, 2014, S. 97). Der Ausbruch aus seinem Nischendasein gelang dem Podcast durch die Entwicklung der Verbreitungstechnik RSS 0.91 und die Integration in die Musikverwaltungssoftware iTunes, wodurch erstmals ein Massenpublikum erreicht werden konnte. Unterstützt wurde diese Entwicklung in der Folgezeit durch die rapide Verbreitung des Breitbandinternets und fallender Preise für Computerspeicher und Abspielgeräte (Bastiaens, 2014; O´Bannon & Lubke, 2011, S. 1143; Schümchen & Sellheim, 2009, S. 166).

2.1. Formen und Charakteristika von Podcasts

Ein Podcast steht nach Krugmann und Pallus (2008, S. 12) in der Regel kostenfrei im Internet zum Download zur Verfügung und ist somit orts- und zeitunabhängig nutzbar (Schümchen & Sellheim, 2009, S. 172). Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Mp3-Datei besteht bei einem Podcast die Möglichkeit des Abonnierens, wodurch er automatisch aktuell gehalten werden kann. Dies geschieht zumeist über einen RSS-Feed (Cebeci & Tekdal, 2006). Bastiaens (2014, S. 97) bezeichnet das Bereitstellen über einen solchen Feed als elementar, räumt aber ein, dass der RSS Feed keine zwingende Bedingung mehr für die Bezeichnung Podcast ist und auch Audiodateien, die im Internet zum Download angeboten werden, als Podcast bezeichnet werden können (Webb & Cavanagh, 2008, S. 3954).

Neben der ursprünglichen Form des Podcasts in einer rein auditiven Ausprägung existieren heute zusätzlich Vodcasts und Enhanced Podcasts. Während erstere neben einer Tonspur zusätzlich auch Videomaterial enthalten, ist für Enhanced Podcasts charakteristisch, dass eine visuelle Ergänzung durch Folien erfolgt, die neben Bildern und URLs auch Sprungmarken zur besseren Navigation enthalten können (Lori, 2011, S. 223; Bastiaens, 2014, S. 108; Schümchen & Sellheim, 2009, S. 167; Alby 2008, S. 78). Unabhängig von ihrer Form werden Podcasts, die Bildungs- und Lernkontexte mit der Podcast Technik kombinieren, im Allgemeinen als Educasts bezeichnet (Zorn, Seehagen, Auwärter & Krüger, 2013). Bei dem im Rahmen dieser Arbeit behandelten Podcast handelt es sich um einen solchen Educast, aus Gründen der Verständlichkeit und des Textflusses wird im weiteren Verlauf aber der Begriff des Educast unter dem des Podcast subsumiert.

2.3. Motive und Funktionen von Podcasts

Podcast erfüllen heute eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Funktionen. Während die ersten Podcasts vornehmlich unterhalten sollten, ist mit Entwicklung und Ausbau des Web 2.0 die Nutzung des Podcasts für Bildungszecke zentral geworden (Schümchen & Sellheim, 2009, S. 166; Zorn et al., 2013; Langbein, 2010). Nach Cruz und Carvalho (2007) stellt ein Podcast ein effektives Werkzeug zum Kommunizieren und Verbreiten von Lerninhalten dar. In Bildungskontexten können sie so Lernende auf verschiedene Arten unterstützen: sie können in pädagogischen Lernkontexten selbst entstehen, als Methode der Fernlehre dienen oder als Lernhilfe – beispielsweise zur Prüfungsvorbereitung – zum Einsatz kommen. In den Bereich der Lernhilfe fallen hier sowohl unkommentierte Aufzeichnungen von Vorlesungen, Seminaren, Gruppendiskussionen wie auch didaktisch aufbereitete Lern- und Kursmaterialien (Simonson, Smaldion, Albright, & Zvacek, 2009; Zorn et al., 2013; Ricks, Naquin, Vest, Hurtt, & Cole, 2011; Van Zanten, Somogyi, & Curro, 2012). Podcasts dienen nach Alby (2008, S. 81) darüber hinaus als Medium der Wissensvermittlung und -speicherung. In diesem Kontext fungieren sie als Informationsquelle und Distributionswerkzeug. Podcasts in Bildungskontexten können neben der Übertragung von Lerninhalten, Teilnehmer auch in zeit- und ortsunabhängige Diskussionen führen und damit ein flexibles und mobiles Lernen unterstützen, u.a. dadurch, dass der Zugriff auf Lernmaterial auch außerhalb der eigentlichen Lernsituation stattfinden kann, wenn z.B. reguläre Veranstaltungen wie Vorlesungen verpasst wurden (Richardson, 2009; Berlanger, 2005; Schneider, 2014, S. 169; Bastiaens, 2014, S. 46; Schmidt, Ketterl, & Morisse, 2007). Für den Bereich der Bildungswissenschaften wird deutlich, dass Podcasts dazu genutzt werden können, traditionelle Lehrkonzepte aufzubrechen und umzustrukturieren (Arnold, Kilian, Thillosen, & Zimmer, 2011, S. 184). Sie können zudem dazu beitragen, die Reputation der Lehreinrichtung und die Transparenz in der Lehre zu erhöhen. Gleichzeitig fördern sie als offene Bildungsmaterialien selbstgesteuertes und lebenslanges Lernen und verbessern so die individuellen Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe, der gesellschaftlichen Meinungsbildung und damit auch der Chancengleichheit (Zorn et al., 2013; Langbein, 2010; Popova, 2008).

Die Nutzung von Podcast geschieht aus unterschiedlichen Motiven heraus, einen wesentlichen Faktor stellt hierbei die Tatsache dar, dass ein Podcast unabhängig von Ort und Zeit genutzt werden kann und gleichzeitig kein spezielles technisches Wissen voraus gesetzt wird. Durch die wachsende Verbreitung und Verfügbarkeit von mobilen Geräten nehmen zudem die Möglichkeiten eines mobilen und flexiblen Lernens stetig zu (Cebeci & Tekdal, 2006, S. 49; Langbein, 2010. S. 1747; Webb & Cavanagh, 2008, S. 3954). Lernende sind dadurch in der Lage den Lernstoff frei nach ihren Bedürfnissen auszuwählen, zu wiederholen, zu bearbeiten und ggf. zu regulieren. Das eigene Lernen kann somit stärker an der eigenen individuellen Lebenswirklichkeit ausgerichtet werden, wodurch Podcasts ein großes Potential bergen motivierend, inspirierend und engagierend zu wirken (Zorn et al., 2013; O´Bannon & Lubke, 2011, S.1145; Cebeci & Tekdal, 2006, S. 50).

Nach Blok und Godsk (2009) findet die mobile und flexible Nutzung von Podcasts hauptsächlich im Freizeitbereich statt, für Lernzwecke würden Lerner vornehmlich auf PC und Laptop in heimischer und ruhiger Umgebung zurückgreifen (Schulze et al., 2007, S.240). Hinzu kommt, dass die Nutzung von Podcasts für viele Menschen nach wie vor eine relativ neue und unbekannte Technik darstellt, der sie mit fehlender Akzeptanz und geringer Motivation begegnen (O´Bannon & Lubke, 2011, S. 1144). Podcasts stellen also keine universale Antwort auf die Herausforderungen und Entwicklungen im (mobilen) E-Learning dar. Vielmehr müssen die gewählten Lernobjekte zum Podcast passen und umgekehrt. Darüber hinaus gilt es den individuellen Lernstil zu berücksichtigen und den Podcast in curriculare Zusammenhänge zu bringen, um eine anhaltende Lernmotivation zu gewährleisten (Cebeci & Tekdal, 2006; Zorn et al., 2013; Blok & Godsk, 2009).

Vor diesem Hintergrund eignen sich Podcasts grundsätzlich vor allem zur Umstrukturierung traditioneller Lehrkonzepte und als Ergänzung zu traditionellen Lernmitteln. Daneben bieten sie sich im Rahmen eines konstruktivistisch geprägten Einsatzes an, das Engagement und die Übernahme von Verantwortung für ein selbstgesteuertes und kooperatives Lernen positiv zu beeinflussen (Cruz & Carvalho, 2007, S. 318; Krüger, 2010; McLoughlin & Lee, 2007).

3. „Medienerziehung – Medienkompetenzvermittlung im Elementarbereich“ - Konzeption und Umsetzung eines Podcasts im Bildungskontext

Nach Mandl, Gruber und Renkl (2002, S. 140) kann „Wissen nicht einfach von einer Person auf die andere weiter gereicht werden“, daher bedarf eine effiziente Konzeption nach Niegemann et al. (2004, S. 91) ein „von Beginn an systematisch begleitendes und koordinierendes Projektmanagement“. Hierzu werden zur Konzeption des Podcasts die Verfahrensschritte des Instructional Design zugrunde gelegt. Diese eignen sich nach Reinmann (2013, S. 33) dazu, bekannte Lehr- und Lernprinzipien für die Planung von Lehr- Lernsituationen nutzbar zu machen, u.a. durch Einsatz authentischer, die reale Situation einbeziehender Bildungsmaterialien und Lernaufgaben (Bastiaens, 2014, S. 20 ff.). Als spezifisches Planungsmuster des ID kommt das ADDIE Modell zum Einsatz, das aufgrund der integrierten Evaluation eine unmittelbare Qualitätssicherung ermöglicht. Das Modell untergliedert sich in die systematisch aufeinander folgenden Verfahrensschritte Analyse, Design, Development, Implementation und Evaluation (Kramer, 2013, S. 647; Czerkawski, 2013, S. 10). Da dem Faktor Motivation eine herausragende Bedeutung in der Frage einer selbstgesteuerten und selbstregulierten Weiterbildung zukommt, wird auch das ARCS Modell nach Keller berücksichtigt.

3.1. (Bedarfs-) Analyse

Tapscott (2009) bezeichnet sie als net generation und Mitchell (2008) als generation Z, beide beziehen sich mit diesen Begriffen auf die technologisch am weitesten fortgeschrittene Generation und meinen damit jene Kinder und Jugendliche, die sich von Geburt an in einer von digitalen Technologien und der zunehmenden Verfügbarkeit von Wissen geprägten Welt bewegen (Kübler, 2010; Mutsch & Schrammel, 2010, S. 77; Bachmair, 2010; Bastiaens, 2014, S. 13 ff.). Daraus ergibt sich die große Herausforderung, dass diese Kinder und Jugendliche Medienkompetenz als „Fähigkeit, sich die Welt […] mit Hilfe von allen Medien zur Kommunikation und Handlung anzueignen“ erwerben (Baake, 1999, S.11). Medienkompetenz umfasst dabei die Kompetenzen Medienkunde, Medienkritik, Mediennutzung und Mediengestaltung (Kübler, 2013, S. 104). Erworben werden kann Medienkompetenz auf sehr unterschiedliche Arten, beispielsweise über das Elternhaus oder eine Medienerziehung in den nationalen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Problematisch ist hierbei allerdings, dass die Betrachtung und Erkenntnissuche hinsichtlich der Wirkung von Medien auf Kinder erst mit dem Eintritt in die Schule beginnt und das obwohl bereits 80% aller 3-5jährigen den Fernseher mehrmals die Woche nutzen und über die Hälfte in dieser Altersgruppe bereits über Erfahrungen am PC oder der Spielekonsole verfügen. Mediennutzung und die damit eng verwobene und oftmals beiläufige Medienkompetenzentwicklung findet somit bereits in erheblichem Maße vor dem Schulalter statt, wobei Eltern das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit den verschiedenen Medien nicht automatisch als erforderlich ansehen (Bastiaens, 2014, S. 17; Kübler, 2013, S. 102 ff.; Six & Gimmler, 2007).

Vor diesem Hintergrund erscheint eine institutionalisierte, geleitete und handlungsorientierte Medienerziehung, die bereits im Vorschulbereich beginnt, unabdingbar. Es geht nach Spanhel (2006, S. 280) um die "Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung der grundlegenden Medienkompetenzen, der Fähigkeiten zum Zeichengebrauch und der kommunikativen und sprachlichen Kompetenzen, die in der frühen Kindheit und der Familie angeeignet werden konnten". Wenn es darum geht die Lebenswelten der Heranwachsenden zu reflektieren und bereits im frühsten Kindesalter, die Grundlagen für lebensbegleitende Bildungsprozesse zu legen, stehen die elementaren Bildungseinrichtungen in der Pflicht. Gerade hier stellt sich die praktische Umsetzung von Medienerziehung aktuell als defizitär dar, wobei Coblenz und Klisma (2010) bei den betreffenden Erziehern durchaus ein Bewusstsein für die Relevanz der Medienerziehung verorten. Ursächlich sind für diese Defizite zum einen die unterschiedlichen föderalen Bildungsplänen und zum anderen die unzureichenden Wissensstände auf Erzieherebene bezüglich der Mediennutzung von Kindern, ihren Auswirkungen und der Vermittlung von Medienkompetenz. Nach Kübler (2013) sind medienpädagogische Bestrebungen in einem großen Umfang vom Engagement und den Qualifikationen der Verantwortlichen abhängig, wobei eine kontinuierliche öffentliche Betrachtung in medienerzieherischen Fragen nachgelassen hat (Six & Gimmler, 2007, Kübler, 2013).

Die bildungswissenschaftliche Relevanz des Themas Medienerziehung im Elementarbereich nimmt vor allem die in diesem Bereich pädagogisch Handelnden in die Pflicht. Als Dreh- und Angelpunkt einer effektiven Medienerziehung gilt es, sie in medienerzieherischen Fragen aus- und kontinuierlich weiterzubilden, ein Bewusstsein für die Bedeutung von Medienkompetenz im Vorschulalter zu schaffen und sie sich der eigenen Rolle in diesem schwierigen Prozess gewahr werden zu lassen. Aufgrund der genannten Schlüsselrolle, die Erzieher im Vorschulbereich bei der Vermittlung der Medienkompetenz einnehmen, stellen sie die primäre Zielgruppe des vorliegenden Podcasts dar. Da Medienerziehung allerdings vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung für die gesellschaftliche Teilhabe und Meinungsbildung, eine Querschnittsaufgabe aller erzieherisch handelnden Personen darstellt, richtet sich der Podcast auch Eltern, Geschwister, Betreuer, Lehrer usw..

3.1.1. Funktionen des Podcasts

Aus der relativ weit gefassten Zielgruppe ergeben sich verschiedene Funktionen, die der Podcast „Medienerziehung – Medienkompetenzvermittlung im Elementarbereich“ übernehmen kann und soll. Er soll zuallererst dem kognitivistischen Ansatz entsprechend als Informationsquelle dienen und ermöglichen, dass Erzieher etc. bereits durch Zuhören allgemeine und didaktisch aufbereitete Wissensinhalte aufnehmen können. Daneben soll er aber auch im Rahmen eines konstruktivistischen Lernens als Lernhilfe und –Werkzeug dienen und die Überführung des erworbenen Sachwissens in die pädagogische Praxis gewährleisten. Gleichzeitig sollen die im Elementarbereich tätigen Personen dazu animiert werden, eine erworbene kognitive Kompetenz zu nutzen, um neues Wissen selbstständig zu konstruieren und aktiv in der alltäglichen Praxis anzuwenden, zu überprüfen und zu reflektieren (Zorn et al., 2013; Schneider, 2014; Bastiaens, 2014, S. 31 ff.; Arnold & Gómez Tutor, 2007). Die medienerzieherisch Tätigen sollen über die Vermittlung von wissenschaftlichen Definitionen und Positionen die Möglichkeit der objektiven Selbstverortung innerhalb laufender Debatten erhalten. Sie sollen so in die Lage versetzt werden, eigene Positionen zu finden und vertreten zu können und daraus resultierend eine höhere Identifikation und Zufriedenheit mit der eigenen medienerzieherischen Praxis erfahren. (Six & Gimmler, 2007) Davon ausgehend, dass Medienkompetenz nie abschließend beherrscht werden kann, sondern immer einer kontinuierlichen Weiterbildung bedarf, soll der Podcast einen Beitrag zu einem aktiven, selbstgesteuerten, selbstregulierten und lebenslangen Lernen leisten, wie es vor dem Hintergrund sich kontinuierlich verändernder gesellschaftlicher und individueller Anforderungen, immer wieder gefordert wird (BLK, 2004; Bastiaens, 2014; Zorn et al., 2013).

3.1.2. Nutzungsmotive

Die Nutzung des Podcast und eine damit verbundene mögliche Weiterbildung im medienpädagogischen Bereich dürften für Erzieher nur in seltenen Fällen mit finanziellen oder direkten beruflichen Vorteilen verbunden sein. Die maßgebliche Motivation kann daher nur intrinsischer Natur sein, also vor allem aus der Relevanz des Themas für die Lernenden resultieren (Bollinger, Supanakorn, & Boggs, 2010; Bastiaens, 2014, S. 19; Schneider, 2014 33 ff.). Durch den asynchronen Charakter des Podcasts, d.h. der Möglichkeit diesen orts- und zeitunabhängig zu gebrauchen, erfahren Nutzer neben einem Gewinn an Flexibilität und Mobilität zusätzliche Möglichkeiten der Nutzung (Berlanger, 2005; McLoughlin & Lee, 2007; Schmidt et al., 2007; Bastiaens, 2014, S. 27). Erzieher können sich vor diesem Hintergrund neben dem Beruf weiterbilden, und zwar zu einer Zeit und einem Ort, den sie für passend halten. Ihre Lernaktivitäten können sie mittels des einfach zu bedienenden, wiederverwendbaren und zeitsparenden Podcasts selbst steuern und regulieren (Hew, 2009; Van Zanten et al., 2012; Cruz & Carvalho, 2007; Schulmeister, 2001; Zorn et al., 2013.). Durch diese Vorteile soll erstens den individuellen Lebenswirklichkeiten der Erzieher Rechnung getragen werden, die eben nicht noch eine unbegrenzte Zeit zur eigenständigen Weiterbildung investieren können und zweitens ein möglichst hohes Motivationsniveau erreicht und gehalten werden können (Carvalho & Aguiar, 2009; Schulmeister, 2001, S.4). Von Bedeutung ist diese hohe Motivation zum einen im Zusammenhang mit einer geringen Bereitschaft seitens der Erzieher sich beruflich oder privat weiterzubilden und zum anderen in Bezug auf defizitäre, uneinheitliche föderale Bildungskonzeptionen im Bereich der Medienerziehung (Six & Gimmler, 2007).

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten. Beschreibung, Umsetzung und Reflexion eines eigenen Podcasts
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung)
Veranstaltung
Modul 3: Gestaltung und Entwicklung Neuer Medien
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
32
Katalognummer
V295876
ISBN (eBook)
9783656938378
ISBN (Buch)
9783656938385
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eEducation, Podcast, Neue Medien, Bildungswissenschaft, Medienkompetenz, Elementarbereich
Arbeit zitieren
Jan Sydow (Autor), 2015, Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten. Beschreibung, Umsetzung und Reflexion eines eigenen Podcasts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295876

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