Scheidungskinder


Hausarbeit, 2004

20 Seiten, Note: ohne


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zahlen und Grundlageninformationen
2.1. Was Scheidung für Kinder bedeutet
2.2. Altersspezifische Reaktionen
2.3. Geschlechtsspezifische Reaktionen

3. Langzeitfolgen
3.1. Sleeper- bzw. Time-bomb-Effekte
3.2. Resilienz

4. Anneke Napp-Peters: Familien nach der Scheidung
4.1. Einführung
4.2. Erste Erhebungsphase (Scheidung bzw. kurz danach)
4.3. Zweite Erhebung (zwölf Jahre später)
4.4. Besonderheiten
4.5. Geschlechtsspezifische Reaktionen
4.6. Zusammenfassung

5. Was kann zum Wohl der Kinder getan werden?

6. Zusammenfassung und Schlussbemerkungen

7. Literaturverzeichnis

8. Quellen – Internet

1. Einleitung

Scheidung ist ein vieldiskutiertes und sehr aktuelles Thema. Die Tendenz der Scheidungszahlen ist nach wie vor steigend. Damit steigt aber auch die Zahl der Mitbetroffenen, nämlich der Kinder.

Die betroffenen Kinder und die Frage danach, wie sie von einem solchen Ereignis betroffen sind, welche Folgen daraus für die entstehen, hat in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung und Aktualität gewonnen.

Was aber sind genau die Folgen, die sich aus einer Scheidung für die betroffenen Kinder ergeben? Mit welchen Belastungen und Gefühlen sehen sie sich nach einem solchen Ereignis konfrontiert, welche Schwierigkeiten entstehen daraus für sie? Reagieren Jungen anders als Mädchen? Und wie unterschiedlich sind diese Reaktionen in Abhängigkeit vom Alter, in dem das Kind sich diesem Geschehen gegenüber sieht?

Diese Arbeit soll sich besonders mit den alters- und geschlechts­spezifischen Problemen und Reaktionen auseinandersetzen, wird aber auch andere Bereiche der Thematik streifen.

Im Anschluss an die Einleitung sollen Überblicksinformationen zum Thema gegeben und grundlegende Gedanken geäußert werden. Die weitere Arbeit wird sich konkret mit einer Studie beschäftigen, die Kinder und deren Reaktionen auf elterliche Trennung betrachtet.

Literaturgrundlage für diese Arbeit sind Bücher, die sowohl aus pädagogischer, als auch aus psychologischer Sicht Bezug zu diesem Thema nehmen. Dort sind sowohl konkret die Probleme, die sich aus einer Scheidungssituation für die Kinder ergeben, als auch Präven­tions- und therapeutische Maßnahmen dargestellt. Die Informationsrecherche erstreckte sich auch auf das Internet.

Die Fülle des vorhandenen Materials zum Thema Scheidung, Scheidungs­kinder und Scheidungsfolgen lässt es jedoch nicht zu, alle Forschungser­gebnisse und Ansätze mit in diese Arbeit einzubeziehen.

2. Zahlen und Grundlageninformationen

Die Scheidungszahlen sind in den letzten Jahren, bis auf einige Aus­nah­men (Wendezeit und darauf folgende Jahre), beständig gestiegen. Die folgende Tabelle veranschaulicht das.[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aussagen wie: ’Heutzutage wird jede dritte Ehe geschieden’, gehören längst zum Leben dazu. Jedoch muss man beachten, dass mit der stei­genden Anzahl von Ehescheidungen immer auch die Anzahl der davon betroffenen Kinder steigt (siehe Tabelle à betroffene Minderjährige).

Besonders die Psychologie zählt die Scheidung zu den kritischen Ereig­nissen im Leben eines Menschen, denn Folgen ergeben sich daraus für alle Beteiligten. Aber: die Reaktionen darauf sind so unterschiedlich, wie die Menschen, von denen sie kommen. Für Kinder ist das Erleben eines solchen Trennungsprozesses noch weitaus dramatischer, als für die Erwachsenen. Es bedeutet für sie in erster Linie das Zusammenbrechen oder Sich-Auflösen eines bis dahin festen Systems, dessen integrativer Bestandteil sie waren.

Was aber bedeutet Scheidung genau?

„Scheidung ist [...] ein komplexer, ganzheitlicher Prozess, der auf sehr unterschiedlichen Ebenen und hier keineswegs immer zeitsynchron ab­läuft. [Scheidung] bedeutet die Auflösung eines Familienverbandes in rechtlicher, sozioökonomischer und psychosozialer Hinsicht.“[2]

Nun besteht für alle Personen vor allem die Problematik der Neuordnung und Neuorientierung, so auch für die Kinder. Mit der Auflösung dieses Familienverbandes ergeben sich in erster Linie auch Probleme in Bezug auf die kindlichen Bedürfnisse.

2.1. Was Scheidung für Kinder bedeutet

Kinder verbinden mit der Familie, sofern diese als intakt zu bezeichnen ist, und von diesem Fall wird hier ausgegangen, eine ganze Reihe von erfüllten und befriedigten Bedürfnissen. Ihre Lebensqualität richtet sich nach dem Maß der Erfüllung dieser Bedürfnisse. Die großen Bedürf­nisbereiche hat Jörg Fegert in Anlehnung an die UN-Kinderrechtskonven­tion wie folgt als basic needs of children beschrieben:

(1) Liebe, Akzeptanz und Zuwendung
(2) Stabile Bindungen
(3) Bedürfnis nach Ernährung und Versorgung
(4) Bedürfnis nach Gesundheit
(5) Bedürfnis nach Schutz vor Gefahren von materieller und sexueller Ausbeutung
(6) Bedürfnis nach Wissen, Bildung und Vermittlung hinreichender Erfahrung.[3]

Diese Bedürfnisse sehen Kinder, in Abhängigkeit vom Alter, unbewusst oder bewusst durch eine Scheidung gefährdet. Der Schutzraum Familie, der Garant für die Erfüllung dieser Bedürfnisse war, existiert nach einer Scheidung zumindest nicht mehr in der ursprünglichen Form.

Das erste Bedürfnis kann in sofern für ein Scheidungskind nicht mehr erfüllt sein, dass die Eltern oft streiten, sich dem Kind nicht mehr zuwen­den und dessen Wünsche kaum noch Beachtung finden. Alles scheint sich in diesem Augenblick um die Erwachsenen zu drehen, oft herrscht eine lieblose Atmosphäre und das Kind fühl sich vernachlässigt. Ebenso ist das Bedürfnis nach stabilen Bindungen für solche Kinder akut gefährdet, denn die stabile Familienbindung ist gerade im Sich-Auflösen begriffen. Mindestens eine dieser Bindungen, nämlich die Ehe, zerbricht. Auch das dritte Bedürfnis kann gefährdet sein, denn durch die mit der Scheidung verbundene Trennung der Haushalte kann der ursprüngliche finanzielle und materielle Standard gefährdet sein.[4] Das Bedürfnis nach Gesundheit kann durch psychosomatische Reaktionen seitens der Kinder gefährdet sein.

Aufgrund all dieser Sachen ergibt sich für alle Kinder eine Reihe von psychischen Aufgaben, die zu bewältigen sind und gewisse Folgen, mit deren Be- und Verarbeitung sie sich auseinander zu setzten haben.

2.2. Altersspezifische Reaktionen

Kinder unterscheiden sich in ihren Reaktionen auf Scheidung und die damit verbundenen Umstände vor allem altersmäßig. Sie reagieren unterschiedlich offensichtlich, gehen aber auch in der darauf folgenden Zeit ihres Lebens anders mit der Trennung der Eltern um, sie ziehen gewissermaßen unterschiedliche Konsequenzen daraus.

Die Reaktionen unterscheiden sich in Dauer und Intensität, das hängt einerseits mit der Persönlichkeit des entsprechenden Kindes zusammen, andererseits mit der Lebensphase, in der es sich gerade befindet. „Kinder, die die Scheidung ihrer Eltern vor dem fünften Lebensjahr erlebt hatten, zeigten zwei- bis dreimal häufiger emotionale Störungen und Störungen des Sozialverhaltens.“[5] Neuere Forschungen belegen bei Scheidungs­kinder im Jugendalter auch einen höheren Drogenkonsum.

Eine von mir zusammengestellte Tabelle soll an dieser Stelle eine nach Lebensalter des Kindes gestaffelte Übersicht über die Reaktionen auf elterliche Trennung geben. Eine Übersicht auf diese Weise zu geben, erscheint mir sinnvoll.

[...]


[1] http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2002/p3000023.htm

[2] vgl. Schneewind/Vierzigmann/Backmund in Oerter/Montada, S. 1101

[3] Fegert, S. 10 und 11

[4] vgl. auch Napp-Peters, S. 140

[5] Fegert, S. 35

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Scheidungskinder
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Familie und Familienformen heute
Note
ohne
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V29590
ISBN (eBook)
9783638310611
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Scheidungskinder, Familie, Familienformen
Arbeit zitieren
Stefanie Liebig (Autor), 2004, Scheidungskinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29590

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