Soziale Ungleichheit bei Spätgeborenen in Großfamilien am Beispiel der Romanreihe "Harry Potter"

Eine Untersuchung mit der interpretativen Sozialforschungsmethode der Objektiven Hermeneutik


Seminararbeit, 2015

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Theorie

Analyse

Methodische und methodologische Einführung

Textanalyse

Theoretisierung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Romanreihe „Harry Potter“ ist ein Stilmix aus phantastischer Kinder- und Jugendliteratur mit Elementen aus Fantasy-, Kriminal-, Entwicklungs- und Internatsromanen, die auch bei älteren Lesern großen Erfolg verzeichnen konnte. Die fiktive Welt ist eine Mischung aus der Realität Großbritanniens Ende des 20. Jahrhunderts und einer parallelen Zauberwelt. In der Romanreihe geht es um einen jungen Zauberer, dessen Leben und Aufwachsen in der Zauberwelt, insbesondere im Zauberinternat „Hogwarts“, beschrieben wird. Außerdem geht es um seinen Kampf mit dem bösen Zauberer Voldemort.

Ich selbst habe die Romanreihe sowohl als Jugendlicher, als auch als Erwachsener mehrfach gelesen und empfand die Möglichkeit, im Rahmen des Seminars die Romanreihe unter wissenschaftlichen Aspekten und Fragestellungen auf soziale Ungleichheit hin zu untersuchen, sehr reizvoll und interessant. Meiner Meinung bietet sich die Buchreihe auch dafür an, da ein großer Bestandteil das Zusammenleben und Aufwachsen im Internat ist und somit die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass Aspekte von sozialer Ungleichheit in der Schule beschrieben werden. Dadurch dass es sich um eine fiktive Geschichte in einer fiktiven Welt handelt, eröffnet sich die Chance, mittels qualitativen Sozialforschungsmethoden (Hier die objektive Hermeneutik), auf den latenten Sinn, beziehungsweise „ein möglichst unverstelltes Protokoll […] sozialen Praxis“ (Wernet 2009, S.58) zur Weltsicht der Autorin im Hinblick auf soziale Ungleichheit schließen zu können. Laut Garz (vgl. S.250) kann man menschlicher Sprache, also auch geschriebener Sprache, eine Bedeutungsfunktion für die Lebenspraxis einer Person zuordnen. Und weiterhin „ist es plausibel, dass die Bildungsgeschichte einer an ein Subjekt gebundenen Lebenspraxis sich im Wechsel- und Zusammenspiel von universellen Regeln einerseits und sozio- historischen Regeln andererseits vollzieht.“ (Garz, S. 252f.)

Diese Arbeit wird sich unter Zuhilfenahme der objektiven Hermeneutik mit der Frage auseinandersetzen, ob und in wieweit soziale Ungleichheit in der Romanreihe „Harry Potter“ von J.K.Rowling ein Rolle spielen und wie diese sich mit gängigen Theorien über soziale Ungleichheit in der Realität in Einklang bringen lassen. Dazu wird, aufgrund des beschränkten Umfanges dieser Arbeit, ein Teilaspekt von sozialer Ungleichheit benannt und untersucht. Der Teilaspekt soll die Frage widerspiegeln, ob der Familienhabitus einer Großfamilie in Form von übermäßigem Leistungsdruck den Bildungs- bzw. Schulhabitus von Spätgeborenen negativ beeinflusst und somit zur sozialen Ungleichheit beiträgt.

Dazu wird zunächst nach diesen einleitenden Worten die Theorie der sozialen Ungleichheit näher betrachtet. Größtenteils wird dabei auf die Theorien von Bourdieu zu den Kapitalformen, dem Habitusbegriff und den Zusammenhang des Milieus mit dem Schulerfolg eingegangen, sowie auf das Zusammenspiel von Familienbeziehungen und Schulerfolg aus den Werken von Paasch und Masche erläutert werden. Im Anschluss daran wird eine kurze Einführung zur Objektiven Hermeneutik gegeben, um dann anhand einer Textstelle eine Analyse nach dieser Sozialforschungsmethode durchzuführen. Die Textstelle handelt von einem Bericht Ron Weasley bezüglich seiner Familie und die Erwartungshaltung seiner Schulkarriere. Die daran gewonnene Bedeutungsstruktur wird abschließend mit den vorgestellten Theorien abgeglichen und bewertet.

Theorie

Den Begriff der sozialen Ungleichheit kann man aus Bourdieus Arbeiten zu den Kapitalsorten, sowie Ecarius und Wahls Überlegungen zur Bildungsbedeutsamkeit von Familienhabitus extrahieren. So sagt er, dass Kapital dafür sorgt, „daß nicht alles gleich möglich oder gleich unmöglich ist“. (Bourdieu, S.183) Ebenso ist die ungleiche Verteilung von Kapital ein Produkt unserer differenzierten Gesellschaft und beeinflusst die Erfolgschancen ihrer Subjekte (vgl. Schwinn 2007, S14 und Bourdieu, S.183).

Bevor auf diese Erfolgschancen, in dieser Arbeit als der Inbegriff für soziale Ungleichheit, näher eingegangen werden kann, wird zunächst ein kurzer Überblick auf den Kapitalbegriff Bourdieus gegeben. Soziale Ungleichheit kann durch die unterschiedliche Verteilung der drei Kapitalsorten charakterisiert werden. Das ökonomische Kapital entspricht dem zur Verfügung stehenden Geld oder den in Geld umwandelbaren Besitz. Das kulturelle Kapital bezeichnet Bourdieu als maßgeblich für die Einschätzung des Schulerfolgs von Kindern (vgl. Bourdieu, S.183). Dabei unterscheidet er zwischen inkorporiertem, objektiviertem und institutionalisiertem Zustand.

Mit inkorporiertem Kulturkapital ist die individuell verinnerlichte Bildung gemeint, die man sich durch Auseinandersetzung mit kulturellen Begebenheiten selbst aneignet. Dieses Kapital ist nicht direkt vererbbar und muss größtenteils unbewusst angeeignet werden. Das Ausmaß der Aneignung inkorporierten kulturellen Kapitals ist desto größer, je größer das kulturelle Kapital während der Sozialisation in der Familie ist (vgl. Bourdieu, S.186f.).

Unter objektiviertem Kulturkapital versteht Bourdieu Sachgegenstände wie Bücher, Instrumente oder ähnliches. Wichtig dabei zu verstehen ist, dass nicht das materiell übertragbare Objekt entscheidend ist, sondern dass erst die Nutzung dieser Objekte mithilfe von inkorporiertem Kulturkapital, also der Fähigkeit anhand dieser Objekte zu lernen und sich weiterzubilden, zum Kulturkapital werden (vgl. Bourdieu, S.188f.).

Institutionalisiertes Kulturkapital ist von Institutionen wie Schulen oder Universitäten zugesichert und suggeriert Erhabenheit in Form von Titeln und Bildungsabschlüssen. Egal wie knapp man an der Ernennungsgrenze gescheitert ist, grenzt der Misserfolg von der garantierten Kompetenzzuschreibung ab und steht erneut unter Beweiszwang. Einmal erreichte Titel sichern einem die gesellschaftliche Anerkennung dauerhaft (vgl. Bourdieu, S.189f.).

Als dritte Kapitalform nennt Bourdieu das soziale Kapital als „Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von […] Beziehungen gegenseitigen Kennens und Anerkennens verbunden sind“(Bourdieu. Kapital, S.190).Damit verbunden ist auch, dass zum einen das Ausmaß der sozialen Beziehungen eine wichtige Bedeutung hat, aber auch der Umfang des Kapitals, dass die Bekanntschaften vorweisen können. Durch diese gegenseitige Abhängigkeit und Gemeinsamkeit entsteht oft ein institutionalisierter, in sich abgeschlossener sozialer Raum (vgl. Bourdieu, S.190f.). Hier hinzuzufügen ist noch die begrenzte Umwandelbarkeit der Kapitalsorten. Mit ökonomischem Kapital kann man sich die anderen Kapitalsorten aneignen. Gerade für das kulturelle Kapital benötigt man im gleichen Maße auch den Faktor Zeit. Kann man es sich zum Beispiel leisten, dass die Mutter zuhause bleiben kann, sind mehr Zeit und eine größere Chance da, dass den Kindern das familiale Kulturkapital und seine Bedeutung vermittelt werden kann. Ebenso erhalten Kinder durch einen verzögerten Eintritt in das Berufsleben eine längere Ausbildung und somit, eventuell auch durch außerschulische Weiterbildung, ein größeres Kulturkapital (vgl. Bourdieu, S.196f.).

An dieser Ausführung der Kapitalsorten kann man ablesen, dass sich soziale Ungleichheit durch diesen Begebenheiten produzieren lässt. Es wird deutlich, dass die Herkunft maßgeblich daran beteiligt ist, wie die Chancen eines Kindes stehen, sich in der Gesellschaft zu positionieren.

Dies wird umso deutlicher, wenn man sich die Überlegungen von Ecarius und Wahl im Anschluss an Bourdieu näher anguckt. Darin geht es um die Verbindung von Familie und Schule. Zunächst wird im Anschluss der Kapitalsorten der Habitusbegriff eingeführt. Im Habitus einer Person manifestiert sich die gesamte Identität, insbesondere seine „Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster“ (Ecarius 2010, S.13). Der Habitus setzt sich auch im Bildungshabitus als Teilhabitus einer Person und im Familienhabitus als Zusammenschluss fort und enthält mehrere Dimensionen, die jeweils unterschiedlich gestaltet sind und sich gegenseitig beeinflussen können. Die Familie ist neben der Schule der Ort, an dem die meiste Zeit verbracht wird und dadurch auch hier der größte Einfluss auf die Entwicklung des persönlichen Habitus genommen wird. Der Familienhabitus wiederum ist teilweise geprägt durch das vorherrschende Milieu, stellt aber auch die Grundlage für die Einordnung beziehungsweise die Konstituierung desselbigen. (vgl. Ecarius 2010, S.14). Unter sozialem Milieu ist die soziale Gruppierung mit ähnlicher Mentalität, Umfeld, Lebensgestaltung und Beziehungsformen zu verstehen, in dem ein Kind aufwächst (vgl. Ecarius 2010, S.21f.). Großen Einfluss auf den Habitus und die gesellschaftlichen Erfolgschancen hat auch das bereits oben erwähnte ökonomische, soziale und ganz besonders das kulturelle Kapital. Denn gerade das kulturelle Kapital wird innerhalb der Familie weitergegeben und das sowohl in objektivierter Form, wie Büchern, Gemälden, aber auch und vor allem als inkorporiertes Kapital wie „Stil und Auftreten […] Umgangsformen, Geschmackspräferenzen oder einen bestimmten Sprachduktus“ (Ecarius 2010, S.15).

Somit wird klar, dass der Familienhabitus einen großen Anteil daran hat, dass soziale Ungleichheit sich selbst reproduziert. Denn das kulturelle Kapital der Familie entscheidet maßgeblich über den Schülerhabitus und die Erfolgschancen, so dass bei gering ausgeprägtem Familienhabitus die nächste Generation ein niedrigeres Startkapital aufweisen kann. Dieser Einfluss wird durch die voranschreitende Technisierung und damit der leichtere Zugang zu Wissen, und durch die größer werdende Konkurrenz der Wissensvermittlung durch die Schule etwas abgeschwächt. (vgl. Ecarius 2010, S.16f.) Eine Auswirkung des Milieus und des Familienhabitus ist es, dass Kinder aus der Mittelschicht einen aus der Familie vermittelten „Berechtigungssinn“ besitzen, so dass sie es als natürliche Legitimation ansehen, die Institution Schule für sich nutzen zu können und dadurch Vertrauen in die Schule und gleichzeitig Vertrauen in die eigene Handlungsmöglichkeit gegenüber der Institution Schule haben. Kinder aus der Arbeiterschicht hingegen haben einen „Beschränkungssinn“, da sie die Schule als Zwang entgegen der elterlichen Tradition empfinden und dieser Institution dementsprechend skeptisch und passiv gegenüber stehen. (vgl. Ecarius 2010, S. 21)

Die Institution Schule ist der Ort, an dem soziale Ungleichheit starke Auswirkungen hat und sich auskristallisiert. Dies liegt daran, dass die Schule der Inbegriff von institutionalisiertem kulturellem Kapital ist und dabei autonom organisiert die Befähigung besitzt, Bildungstitel zu vergeben. Die Hauptaufgabe ist, den Schülerhabitus auf Grundlage des familialen Habitus so anzugleichen und Kompetenzen zu vermitteln, dass Kinder unabhängig ihrer sozialen Herkunft im System Schule und später in der Gesellschaft partizipieren können. Die Bewertungsgrundlage von schulischer Leistung ist auf das Prinzip des „Lernen des Lernens“ und damit auf eine kompetenzorientierte Bewertung angelegt, um diese Gleichheit zu gewährleisten. Doch da Kinder aus unterschiedlichen Milieus auch unterschiedliche Befähigungen mitbringen, ist diese Leistungsbewertung ungerecht. (vgl. Ecarius 2010, S.22ff.) Durch diese formale Gleichheit, die in ihrer Konsistenz von den oberen Milieus festgesetzt wurde, entsteht eine Begabungsideologie, da schulischer Erfolg augenscheinlich nur auf individuelle Talente zurückgeführt wird. Kinder die aufgrund eines bildungsnahen Familienhabitus schon die wichtigen Kompetenzen mitbringen, werden als begabter bezeichnet und Tugenden wie Fleiß, Mühe und Strebertum, die von Kindern aus bildungsfernen Schichten gezeigt werden, erhalten weniger Anerkennung. (Ecarius 2010, S.25f.) Diese soziale Ungleichheit reproduziert sich sogar noch dadurch, dass sich die Erwartungen innerhalb der Familie und damit der Familienhabitus an dieser Begebenheit anpassen. Schlechte Schulleistung wird auf fehlende Begabung zurückgeführt und senkt die elterliche Motivation und den Glauben an eine Verbesserung durch die Schule, was eine Distanzierung zum Bildungshabitus zur Folge hat. Decken sich die kulturellen Strategien des Familienhabitus mit dem Bildungshabitus, entwickeln die Kinder durch das kulturelle Kapital und die Unterstützung der Eltern ihr Begabungsdenken und haben von Beginn an die Fähigkeiten und den Glauben an den schulischen Erfolg. (vgl. Ecarius 2010, S.27f.) Auch wenn es dazu kommt, dass ein Kind aus dem unteren Milieu Schulerfolg hat, verstärkt das nur den Glauben in die Begabungsideologie. Dies alles hat zur Folge, dass der Familienhabitus in den mittleren Milieus am stärksten auf Verbesserung der Situation durch Bildung ausgelegt ist. Die Schule wird als Chance gesehen, mit einem entsprechenden familial geprägten Schülerhabitus den sozialen Aufstieg schaffen zu können. (vgl. Ecarius 2010, S.27f.)

Nachdem hier der Zusammenhang von Schulerfolg mit dem Familienhabitus und der Institution Schule aufgezeigt wurde, soll jetzt der Einfluss der Familienstruktur auf den Schülerhabitus noch näher beschrieben werden. Viele Studien belegen, dass die familiären Lebensbedingungen ein zentraler Faktor für den Schulerfolg von Kindern sind (vgl. Paasch 2014, S.11). Dabei spielt vor allem der sozioökonomische Status der Familie eine Rolle bei der Wahl eines Bildungsganges und dem Verlauf der Schulkarriere (vgl. Paasch 2014, S.17f.). Die soziökonomische Stellung ergibt sich aus dem bereits oben beschriebenen Ausmaß des Kapitalbesitzes und „der relativen Position, welche die Eltern in der sozialen Hierarchie innehaben“(Paasch 2014, S.57). Eine Herkunft aus einer höheren Schicht erhöht die Chance einen besseren Bildungsgang anzustreben und zu bestehen (vgl. Paasch 2014, S.18). Trotz der geringeren Chancen gelingt es auch Kindern aus benachteiligten Milieus schulisch erfolgreich zu sein. Dies hängt damit zusammen, dass der Schulerfolg auch durch andere sogenannte Risiko- und Schutzfaktoren beeinflusst wird (vgl. Paasch 2014, S.76). Auch innerhalb eines Milieus können diese Faktoren unterschiedlich verteilt sein. So zählen zu den Risikofaktoren sowohl personenbezogene, wie auch umweltbezogene Einflüsse dazu. Dazu können zum Beispiel ein Migrationshintergrund, schlechte Bildung der Eltern, eintönige Freizeitgestaltung, Gewalt, gefühlsarme Eltern- Kind- Bindung, ein schwieriges Temperament oder inkonsequente Erziehung gezählt werden (vgl. Paasch 2014, S.77). Risikofaktoren können in unterschiedlicher Mischung auftreten und beeinträchtigen die Entwicklung des Kindes unterschiedlich stark und in Abhängigkeit des Alters und des Entwicklungsstandes des Kindes (vgl. Paasch 2014, S.78). Dem gegenüber stehen die Schutzfaktoren, die einer negativen Entwicklung entgegen wirken können. Dazu zählen unter anderem ein emotionales Verhältnis zu einer Bezugsperson innerhalb oder außerhalb der Familie, ein starker familiärer Zusammenhalt, Bewältigungsstrategien von Problemen, ein weibliches Geschlecht und das erstgeborene Kind zu sein (vgl. Paasch 2014, S.79). Wie genau diese Aspekte mit dem Schulerfolg zusammenhängen, ist noch nicht eindeutig in der Forschung geklärt. „Dennoch ist ein schwacher sozialer Hintergrund ein nicht zu vernachlässigendes Risiko für den schulischen Erfolg. Dieses Risiko wird […] durch umweltbezogene schützende Faktoren und personenbezogene Resilienzmerkmale der Schulleistung abgemildert“(Paasch 2014, S.183).

Es ist also ersichtlich, dass der familiale Einfluss auf den Schulerfolg erheblich ist. Darauf stellt sich die Frage, in welcher Weise und in welchen Bereichen die Familie in der Haltung des Kindes eine Rolle spielt. Untersuchungen ergaben, dass sowohl Eltern, als auch Kinder der Meinung sind, dass Eltern in bestimmten Bereichen das Recht haben, Verhaltensweisen vorzuschreiben, beziehungsweise einfordern zu dürfen und in anderen Bereichen beratend handeln dürfen. Mit voranschreitender Adoleszenz verschieben sich diese Meinungen teilweise asynchron. Zu den am längsten gültigen Bereichen zählt das Aufstellen von familieninterner Verhaltensweise und gesellschaftskonformen Auftreten. Beratend sind Eltern legitimiert, über persönliche Vorlieben wie Hobbys, Peer und Kleidung mitentscheiden zu dürfen. Die asynchrone Verschiebung dieser Legitimation birgt das größte Konfliktpotenzial innerhalb der Familie. (vgl. Masche 1998, S.80f.)

Im Hinblick auf den elterlichen Einfluss auf die Schuleinstellung des Kindes ist zu sagen, dass Eltern mit autonomen, intellektuell anspruchsvollen Anforderungen im Beruf ihre Kinder auch zur Selbstständigkeit im Lernen erziehen, während Eltern mit niedrigeren kognitiven Hilfsarbeiten ihre Kinder eher zum konsumierenden Lernen erziehen (vgl. Masche 1998, S.99) . Ein weiterer Aspekt von Schulerfolg ist auch die Anzahl der Geschwister in der Familie. So steigt die Wahrscheinlich von erfolgreichen Bildungskarrieren, je weniger Geschwister man hat (vgl. Masche 1998, S. 102). Dies könnte daran liegen, dass das Vorhandensein von Geschwistern das Risiko von Rivalitäten erhöht. So kann es unter Geschwister zum Wettkampf und Vergleich kommen, wobei jeder einzelne versucht, möglichst hoch gesteckte Ziele zu erreichen, die Zuneigung der Eltern für sich zu gewinnen oder materielle Dinge zu besitzen. Dies führt im Idealfall zur inneren Zufriedenheit, kann aber auch Frustration, Neid oder eine geringere Selbstachtung zur Folge haben. Als Schutzreaktion hat dies das kindliche Bestreben von Abgrenzung und Unterscheidung von den Geschwistern zur Folge. So entwickeln sich unterschiedliche Vorlieben, Interessen und Fähigkeiten. (vgl. Masche 1998, S.135f.) Insgesamt zeigt sich, dass jüngere Geschwister von den Eltern kritischer beurteilt werden (vgl. Masche 1998, S.250), was die theoretische Überlegung zur Fragestellung abschließen soll, damit über die Textanalyse weiter zu diesem Thema der sozialen Ungleichheit diskutiert werden kann.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Soziale Ungleichheit bei Spätgeborenen in Großfamilien am Beispiel der Romanreihe "Harry Potter"
Untertitel
Eine Untersuchung mit der interpretativen Sozialforschungsmethode der Objektiven Hermeneutik
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Harry Potter - Ist soziale Ungleichheit in Hogwarts wirk-mächtig?
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V295904
ISBN (eBook)
9783656946953
ISBN (Buch)
9783656946960
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale, ungleichheit, spätgeborenen, großfamilien, beispiel, romanreihe, harry, potter, eine, untersuchung, sozialforschungsmethode, objektiven, hermeneutik
Arbeit zitieren
Leonard Harnack (Autor), 2015, Soziale Ungleichheit bei Spätgeborenen in Großfamilien am Beispiel der Romanreihe "Harry Potter", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295904

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