Paraguay und der Krieg gegen die Tripel-Allianz-Mächte von 1864 bis 1870


Seminararbeit, 2015
21 Seiten, Note: 6 (CH) / 1 (D)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die politische Konstellation in Südamerika
2.1 Spannungen zwischen den La-Plata-Staaten

3 Der Aufstieg der Nation Paraguay
3.1 Die politischen und sozialen Strukturen in Paraguay
3.2 Das paraguayische Nationalbewusstsein
3.3 Jahre des Aufschwungs und des Wohlstands

4 Der Weg Paraguays in den Krieg
4.1 Die Aussenpolitik Paraguays
4.2 Der Vorabend des Krieges

5 Der Tripel-Allianz-Krieg
5.1 Kriegsausbruch
5.2 Der Tripel-Allianz-Vertrag
5.3 Erste Kriegsphase: Paraguayische Offensive
5.4 Zweite Kriegsphase: Alliierte Humaitá-Kampagne
5.5 Dritte Kriegsphase: Totaler Krieg in Paraguay

6 Fazit

7 Bibliographie

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Im März 2010 jährte sich zum 140. Mal das Ende des sogenannten Tripel-Allianz-Krieges. Von 1864 bis 1870 lieferten sich die Republik Paraguay auf der einen und die Tripel-Allianz- Mächte bestehend aus dem brasilianischen Kaiserreich, der Republik Uruguay und Argentinien, auf der anderen Seite einen erbitterten, blutigen Krieg, der den südamerikanischen Kontinent erschütterte. Trotz seines blutigen Verlaufs blieb die gründliche Erforschung des Konflikts bruchstückhaft.

Obwohl die Forschung dem Konflikt kaum Beachtung geschenkte hatte, war der Tripel- Allianz-Krieg in mehrerer Hinsicht einzigartig. Er war der blutigste Konflikt, der auf südamerikanischen Boden ausgefochten wurde. Er trug wie der in Europa stattfindende Krimkrieg (1853-1856) und der auf nordamerikanischen Boden ausgefochtene Bürgerkrieg (1861-1865) erste Züge der modernen industrialisierten Kriegsführung. Im Falle Paraguays kann man vom ersten echten modernen „totalen“ Krieg reden, dessen blutiger Ausgang alles überstieg, was selbst das 20. Jahrhundert in zwei Weltkriegen prozentual an Opfern und Zerstörung gefordert hatte. Vor dem Krieg war Paraguay eine starke und aufblühende Nation gewesen, der eine avantgardistische Rolle in der Gestaltung Südamerikas zugesprochen wurde. Bei Kriegsausbruch hatte niemand geahnt, was für fatale Konsequenzen jener Konflikt für den starken südamerikanischen Musterstaat haben würde. Wie konnte es dazu kommen, dass ein starker und wohlhabender Staat wie Paraguay sich in einem Krieg widerfand, der seinen Untergang besiegelte?

Mit dieser Proseminararbeit versuche ich zu beschrieben, wie Paraguay als ein isoliertes und kleines Land aufstieg und sich in einem Krieg verfing, der so verheerende Folgen für diesen wirtschaftlich wohlhabenden autarkischen Musterstaat hatte, dass es sich von diesem bis heute nicht mehr erholt hatte.

2 Die politische Konstellation in Südamerika

2.1 Spannungen unter den La-Plata-Staaten

Die Wurzeln des Krieges lagen in der Kolonialisierungszeit während des 16. Jahrhunderts, in der Spanien und Portugal um die Vorherrschaft Südamerikas stritten.1 Als Erbe hinterliess die spanisch-portugiesische Kolonialzeit ein fragiles Gleichgewicht unter den vier Plata-Staaten Paraguay, Uruguay, Argentinien und Brasilien. Neben den traditionellen militärischen Konflikten zwischen Spanien und Portugal, die von den Nachfolgerstaaten Argentinien und Brasilien weitergeführt wurden und sich etwa in Konflikten wie dem Argentinisch- Brasilianischem-Krieg2 von 1823 bis 1825 entluden, herrschte eine Reihe von postkolonialen territorialen Streitigkeiten3 unter den vier Nationen. Mit Brasilien und Argentinien führte Paraguay ebenfalls Grenzstreitigkeiten und kämpfte um seine Anerkennung als unabhängiger Staat. So anerkannte Argentinien die Souveränität Paraguays bis 1825 nicht an, da es Paraguay für eine abtrünnige argentinische Provinz hielt und sie wieder angliedern wollte. Paraguay erhob im Gegenzug ebenfalls Ansprüche auf Argentiniens Territorien Misiones und Corrientes.4 Mit Brasilien stritt Paraguay5 um das Gebiet zwischen dem Rio Apa und dem Rio Paraguay im Nordosten Paraguays.6 Diese territorialen Streitigkeiten machten die La-Plata- Region zu einem politischen Pulverfass und waren Grundlage für den späteren Tripel-Allianz- Krieg.

3 Der Aufstieg der Nation Paraguay

3.1 Die politischen und sozialen Strukturen in Paraguay

Im La-Plata-Gebiet stach Paraguay trotz der politischen Probleme mit seinem bemerkenswerten Aufstieg vom kleinen unbedeutenden Land zu einer stabilen und starken Nation mit einheitlichem Nationalbewusstsein unter seinen Nachbarstaaten hervor. Aufgrund Paraguays weiter Entfernung zur spanischen Krone, des Fehlens von Edelmetallvorkommen und der frühzeitig erfolgten Vermischung von europäischen Konquistadoren und eingeborenen Guaraní-Indianern haben sich besondere politische und soziale Strukturen in Paraguay entwickelt, die so nirgendwo auf dem neuentdeckten amerikanischen Kontinent vorhanden waren. Durch die Übernahme der Eingeborenensprache, des Guaraní, durch die europäischen Eindringlinge hatte sich ein paraguayisches Eigenleben heraus gebildet, das es so auf dem gesamten amerikanischen Kontinent nicht gab.7 Ein auf Symbiose mit den Guaranís beruhendes Herrschaftsmodell etablierte sich. Die Symbiose mit den Guaranís und die zunehmende Autonomie der Kolonisten machten bald die Verbindungen zur spanischen Krone überflüssig. Erste Souveränitätsgedanken auf amerikanischen Boden kamen in Paraguay auf und verstärkten sich im Zuge der Comunero- Revolution.8 Das Land sagte sich schliesslich im Jahr 18119 von Spanien los. Die paraguayische Nation wurde gegründet.10

Der um sich greifenden Anarchie in den Nachbarländern und dem politischen Chaos nach den südamerikanischen Unabhängigkeitsbewegungen traten die Paraguayer mit einer stabilen Regierung entgegen. Bald übernahm der kreolische Anwalt Dr. José Gaspar Rodríguez de Francia die Geschicke des Landes. Er führte Paraguay in die Autarkie, welche es zum einzigen sich selbstversorgenden Land in ganz Südamerika werden liess. Er kapselte das Land gegenüber dem Ausland ab, um es vor destruktiven revolutionären Kräften zu schützen. Unter seiner Herrschaft wurde die „Paraguayisierung“ forciert. Die Vermischung der Guaranis mit den europäischen Kolonisten wurde zum politischen Programm erklärt. Die Oberschicht der Paraguayer wurde per Gesetz zu Mischehen gezwungen. Eine neue Bevölkerungsschicht entstand. Fortan fühlten sich Guaranís und Europäer neu als Paraguayer. Francia war es somit gelungen, ein einheitliches paraguayisches Nationalbewusstsein zu schmieden, auf dem seine Nachfolger aufbauen konnten. Zudem schuf er stabile, nachhaltige wirtschaftliche und soziale Strukturen, die so in keinem anderen südamerikanischen Land vorhanden waren. Alle paraguayischen Minderheiten waren gleichberechtigte Bürger des Landes.11

3.2 Das paraguayische Nationalbewusstsein

Zur Zeit der spanischen Kolonialherrschaft umfasste das ursprüngliche Paraguay die „Provincia Gigante“, einen Grossteil des südamerikanischen Kontinents. Allmählich schrumpfte jedoch das riesige von der spanischen Krone zugewiesene Territorium von Paraguay auf die beiden Ströme Río Paraná und Río Paraguay zusammen, da sich die Spanier die teure Grenzerhaltung der Riesenprovinz nicht mehr leisten konnten. Das kleiner werdende Gebiet machte sich mit zunehmenden Gebietsverlusten verletzlich. Zwar wurden mit der Unabhängigkeit die Spanier vertrieben, doch die Angst um seine Grenzen und um Feinde, die jederzeit das Heimatland einnehmen konnten, nistete sich in den Köpfen der Paraguayer ein. Die Streifzüge wilder Indianer im Chaco-Gebiet, die schmerzvollen Erfahrungen der Abhängigkeit von Argentinien für den Kontakt zur Aussenwelt, der jahrhundertelange geführte Abwehrkampf gegen Brasilien und die Angst vor dem „Riesen im Norden“ schweissten die Paraguayer enger zusammen und verstärkten die von Francias geführte „Paraguayisierungspolitik.“ In keinem anderen südamerikanischen Land identifizierten sich die Einwohner so stark mit ihrer Nation wie in Paraguay.12

3.3 Jahre des Aufschwungs und des Wohlstands

Während der Herrschaft Dr. Francias13 wurden in Paraguay durch eine streng geführte autarkische Wirtschaftspolitik stabile politische und wirtschaftliche Strukturen geschaffen, die die Grundlagen für ein Nationalbewusstsein in Paraguay schufen und den wirtschaftlichen Wohlstand sicherten. Ein modernes Heer wurde aufgestellt. Unter den Nachfolgern Carlos Antonio López und Francisco Solano López wurden umfangreiche innere Modernisierungsbestrebungen und vorsichtige Kooperationen mit dem Ausland unternommen. Diese Modernisierungsbestrebungen und die Öffnung des Aussenhandels liessen Paraguay zu einem reichen und modernen Staat in Südamerika werden, das sogar für europäische Verhältnisse wohlhabend war. Es herrschte Vollbeschäftigung und jeder paraguayische Bürger hatte eine Schulausbildung abgeschlossen. Die Analphabetisierungsrate war gleich Null. Francia und die beiden Lopezpräsidenten schufen nicht nur wirtschaftlichen Wohlstand und politisch stabile Strukturen für den ersten klassischen Nationalstaat in Lateinamerika. Militärisch wurde ebenfalls aufgerüstet. Sie führten umfangreiche Heeresreformen durch, welche die Schlagfertigkeit der paraguayischen Armee gegenüber den Nachbarländern trotz der zahlenmässigen Unterlegenheit in der Bevölkerung erhöhte. Ausschlaggebend war, dass wegen der guten paraguayischen Infrastruktur viele Paraguayer schnell bewaffnet werden konnten und die Kampfmoral trotz Unerfahrenheit sehr hoch war. Ausländische Diplomaten sprachen aufgrund dieses für lateinamerikanische Verhältnisse ungewöhnlichen Fortschritts Paraguays vom neuen „Preussen“14 Südamerikas. Es war das erste Land mit einer eigenen Eisenbahnlinie in Südamerika, verfügte über eigene Eisengiessereien und besass eine globale Handelsflotte mit guten Beziehungen zu den europäischen Grossmächten. Es blieb als einziger Staat schuldenfrei und verzichtete auf ausländische Hilfe in Form von kaum rückzahlbaren Staatsanleihen. Paraguay baute zudem das erste Telegraphennetzwerk in Südamerika.15

Diese politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung, die im Gegensatz zu Paraguay von Chaos und Anarchie geplagten Nachbarländer und die enge ethnische Bindung der Guaranís an den Staatsbildungsprozess liessen Intellektuelle vom „paraguayischen Experiment“ sprechen. In Diplomatenkreisen wurde Paraguay eine avantgardistische Rolle in der Entwicklung und Gestaltung des lateinamerikanischen Kontinents zugesprochen. Diese fortschrittliche Entwicklung wurde der Nation jedoch zum aussenpolitischen Verhängnis. Kaiser Pedro II in Brasilien, die Rebellenarmee unter dem abtrünnigen General Venancio Flores in Uruguay, und der Präsident Bartolomé Mitre in Argentinien sahen in Paraguay und dessen Staatswesen eine wirtschaftliche und politische Bedrohung für die eigenen stark gefährdeten Staatsstrukturen.16 Brasiliens Herrschaftssystem beruhte auf Sklaverei. In Argentinien prägte der ewige Konflikt zwischen Porteños und Caudillos die politische Landschaft. Paraguay hingegen kannte weder die Sklaverei, noch herrschte Uneinigkeit in der politischen und sozialen Landschaft. Beide Staaten liess Paraguay mit seiner Sonderentwicklung und seiner erfolgreichen Staats- und Gesellschaftsstruktur in einem schlechten Licht erscheinen.

4 Der Weg Paraguays in den Krieg

4.1 Die Aussenpolitik Paraguays

Paraguays Aussenpolitik war stark vom Ringen um Souveränität und um nationale Anerkennung von seinen Nachbarstaaten geprägt. Es musste sich teils diplomatischer, teils kriegerischer Mitteln bedienen, um seine aussenpolitische Forderungen gegenüber seinen Nachbarn, wie zum Beispiel den offenen Meereszugang17 zum Atlantik und damit zur Aussenwelt, durchzusetzen. Die wirtschaftlichen und demographischen Grössenverhältnisse waren für Paraguay ebenfalls spürbar, denn die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die demographische Beschaffenheit Brasiliens und Argentiniens warfen einen langen Schatten18 auf Paraguay. Ein Krieg mit einem von beiden, mit beiden oder gar mit allen drei Nachbarländern hätte zwangsläufig eine existenzielle Bedrohung für Paraguay bedeutet.19

Die beiden López-Präsidenten versuchten daher eine Gleichgewichtspolitik der La-Plata- Staaten, insbesondere zwischen Brasilien und Argentinien, zu betreiben. Paraguay setzte dabei auf die traditionelle historische Rivalität zwischen den beiden La-Plata-Grössen in Form eines diplomatischen Doppelspiels. In dessen Rahmen agierte Paraguay auf der einen Seite als Dämpfer expansionistischer argentinischer Territorialbestrebungen in der La-Plata- Region und andererseits als Bollwerk gegen brasilianisch-imperiale Expansionsbestrebungen.20 Es konnte gegen Argentinien auf die militärische Unterstützung des Kaiserreichs Brasiliens zählen, welches Paraguay mit Waffen belieferte und mit jenem Paraguay ein Defensivbündnis im Jahr 1850 abschloss. Auf der anderen Seite pflegte Paraguay die freundschaftlichen Beziehungen zu den argentinischen Caudillos, um die Porteños in Buenos Aires in Schach zu halten.21 Damit sicherte es sich ebenfalls die argentinische Unterstützung gegen Brasilien. Um das Gleichgewicht weiter abzusichern, setzte Paraguay auf umfangreiche innere Modernisierungen im Wirtschafts- und im Militärbereich. Das Militär zeichnete sich durch einen starken Nationalismus und strikte Disziplin aus. Diese Gleichgewichtsdoktrin war für Paraguay die einzige Möglichkeit, sich ein stetiges und friedliches Wachstum zu sichern und zur politischen Grösse im La-Plata- Becken zu werden.22

4.2 Der Vorabend des Krieges

Mit dem Tod des zweiten Paraguayischen Präsidenten Carlos Antonio López ging die Regentschaft Paraguays in die Hände seines Sohnes Francisco Solano López über.23 Eine Ära des inneren und äusseren Friedens, der Stabilität, des Wohlstandes und des Wachstums ging zu Ende. Zu Beginn der 1860er Jahre wurde die aussenpolitische Situation in Paraguay brenzliger. Ursache hierfür war das Wiederaufflammen des Bürgerkriegs in Uruguay zwischen den „liberalen“Colorados und den „konservativen“Blancos. Besonders an diesem Bürgerkrieg in Uruguay war es, dass sich die beiden Grossmächte Brasilien und Argentinien auf die Seite der liberalen Colorados stellten und damit Partei gegen die amtierende konservative Blanco -Regierung Partei ergriffen.24

[...]


1 Ein Versuch diese Streitigkeiten einzudämmen wurde im Rahmen des Vertrages von Tordesillas von 1492 unternommen, in dem Papst Alexander VI einen Schiedsspruch verabschiedete, der die Territorialstreitigkeiten zwischen Spanien und Portugal mithilfe einer Demarkationslinie des 38 Längengrades beenden sollte.

2 Nach dem Ende des Argentinisch-Brasilianischem Kriegs wurde im Banda Oriental die Unabhängigkeit der Republik Uruguay ausgerufen, um das sich die argentinischen Provinzen und das brasilianische Kaiserreich stritten. Massgeblich an der Bildung der Unabhängigkeit war England beteiligt, das sich dadurch die Öffnung der Häfen für den Handel und die Erschliessung des südamerikanischen Marktes sichern wollte.

3 Brasilien beanspruchte etwa den Río de la Plata als natürliche Südgrenze, welche den grössten Teil Uruguays eingenommen hätte, während Argentinien auf Widerherstellung des ehemaligen spanischen Vizekönigreichs bestand. Um ein Gegengewicht zum „Riesen im Norden“ zu bilden, beanspruchte Argentinien ebenfalls Teile Uruguays.

4 Beide Regionen waren dicht von Guaraní-Indianern besiedelt, welche sich stark mit dem paraguayischen Nationalbewusstsein identifizierten. Historiker spekulierten, dass die López-Präsidenten von einem grossparaguayischen Reich indianischer Prägung träumten. Eindeutige Beweise für diese These wurden jedoch nicht gefunden.

5 Die Grenzstreitigkeiten von 1855 zwischen den beiden Nationen hätte beinahe zum Krieg geführt, welcher dank des diplomatischen Geschicks Carlos Antonio López’ verhindert werden konnte.

6 Ralph Rotte, Paraguays „Guerra Grande“ gegen die Tripel-Allianz, 1864-1870. in: Discussion Paper No. 33 RWTH Institut für Politische Wissenschaft 2009, S. 3.

7 Hein Joachim Domnick, Der Krieg der Tripel-Allianz in der deutschen Historiographie und Publizistik. Zur Erforschung des historischen Lateinamerikabildes im 19. Und 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 1990, S.9.

8 Während der Kolonialzeit hatten sich während des 17. Jahrhunderts europäische Jesuiten in Paraguay niedergelassen. Unter ihrer Regentschaft hatte sich ein effizientes Verwaltungsgebiet in Paraguay entwickelt, in dem die Guaranís als Arbeitskräfte eingesetzt wurden. In Rahmen dieses Integrationsprozesses der Guaranís in eine arbeitsteilige Gesellschaft wurden die ersten Fundamente für ein solides Staatswesen gelegt, von dem Francia später Gebrauch machte. Dass sich die Jesuiten so erfolgreich verbreitet hatten und den Spaniern aufgrund der guten Arbeitsbedingungen und fairen Lohnzahlungen drohten, die Gauraníarbeiter wegzunehmen, hatte zur Folge, dass ein Aufbäumen der spanischen Oberschicht in Form der Communero- Revolution stattfand.

9 Die Unabhängigkeit Paraguays verlief im Gegensatz zu seinen Nachbarstaaten relativ unspektakulär. Nach der Abdankung des spanischen Gouverneurs entsandte aber Argentinien Truppen, um die „Provinz“ Paraguay an das neu gegründete Reich „Vereinigte Provinzen des Rio de la Plata“ mit Hauptsitz in Buenos Aires anzugliedern. Die Truppen stiessen dabei auf eine starke paraguayische Kavallerie, welche die Eindringlinge zurückschlagen konnte.

10 Thomas Whigham, The Paraguayan War. Causes and early conduct, University of Nebraska 2002, S.48-50. 4

11 Thomas Whigham, The Paraguayan War. Causes and early conduct, University of Nebraska 2002, S.55.

12 Hein Joachim Domnick, Der Krieg der Tripel-Allianz in der deutschen Historiographie und Publizistik. Zur Erforschung des historischen Lateinamerikabildes im 19. Und 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 1990, S.11ff.

13 1842 schaffte Carlos Antonios López die Sklaverei ab mit den Worten: „Es ist mir egal, ob die Sklaverei gut oder schlecht ist. Ich bestimme, dass sie abgeschafft wird und so wird es auch getan.“ Ein reibungsloser Prozess, bedenkt man doch, dass in Brasilien das gesamte Wirtschaftssystem auf der Sklaverei aufbaute und in Amerika ein Bürgerkrieg unter anderem wegen der Sklavenfrage angefangen wurde.

14 Von der nationalkonservativer Seite wurde der Krieg vor allem als Heldenkampf eines autoritären Musterstaats gegen eine liberale, vom britischen Imperialismus gesteuerte Verschwörung einer übermächtigen Allianz interpretiert, dem sich das kleine starke Paraguay mit seinem funktionierenden autarkischen, autoritären Staatssystem entgegenstellte.

15 Hein Joachim Domnick, Der Krieg der Tripel-Allianz in der deutschen Historiographie und Publizistik. Zur Erforschung des historischen Lateinamerikabildes im 19. Und 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 1990, S.12- 13.

16 Hein Joachim Domnick, Der Krieg der Tripel-Allianz in der deutschen Historiographie und Publizistik. Zur Erforschung des historischen Lateinamerikabildes im 19. Und 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 1990, S.12-

17 Der Río de la Plata mündete in den Río Paraná, einer von zwei Flüssen Paraguays. Im späteren Verlauf des Tripel-Allianz-Krieges folgten blutige Schlachten um die Kontrolle der Flüsse Río Paraná und Río Uruguayana. Es waren die einzigen zwei Flüssen, auf denen Paraguay Handel mit der Aussenwelt betreiben konnte. Zu Paraguays geschätzten Handelspartnern zählten Preussen, Frankreich und die Vereinigten Staaten von Amerika.

18 Paraguay und Uruguay mit jeweils 400’000-500'000 und 200’000-250'000 Einwohnern standen die Schwergewichte Brasilien und Argentinien gegenüber mit jeweils 1.5-1.7 Millionen bzw. 9 Millionen. Auch in der wirtschaftlichen Umsatzfähigkeit spiegelten sich die ungleichen Verhältnisse wider. Das jährliche Umsatzvolumen Paraguays im Aussenhandel betrug 560'000 Pfund Sterling und die Staatseinnahmen betrugen gut 300'000 Sterling Pfund. Demgegenüber standen Brasilien mit 24 Millionen bzw. 4.4 Pfund Sterling, Argentinien mit knapp 9 Millionen bzw 1.8 Millionen Pfund Sterling und Uruguay mit 3.6 bzw. 870'000 Millionen Pfund Sterling.

19 Ralph Rotte, Paraguays „Guerra Grande“ gegen die Tripel-Allianz, 1864-1870. in: Discussion Paper No. 33 RWTH Institut für Politische Wissenschaft 2009, S. 4-5.

20 Uruguay erfüllte ebenfalls die Funktion einer Pufferzone zwischen Argentinien und Brasilien. Uruguays Unabhängigkeit wurde von den Paraguayern wie von den Engländern unterstützt.

21 In Buenos Aires regierten die Porteños, eine aristokratische Herrscherschicht, die ein zentralistisch regiertes Argentinien mit Sitz in Buenos Aires als Vision hatten. Dabei orientierten sie sich an die aufklärerischen europäischen Staaten. Ihnen gegenüber standen die Caudillos, die für den Geist des Föderalismus einstanden. Dieser ständige Kampf zwischen Porteños und Caudillos in Argentinien führte dazu, dass sich nie ein einheitliches Nationalbewusstsein etablieren konnte. Die Gefühle der Zugehörigkeit blieben immer splitterhaft und auf die Grenzregionen beschränkt.

22 Ralph Rotte, Paraguays „Guerra Grande“ gegen die Tripel-Allianz, 1864-1870. in: Discussion Paper No. 33 RWTH Institut für Politische Wissenschaft 2009, S.6

23 Den Erzählungen nach habe Carlos Antonio Lopez auf seinem Sterbebett seinem Sohn geraten, die zukünftigen Konflikte Paraguays mit seinen Nachbarn trotz der Stärke des Landes mit der Feder statt mit dem Schwert zu lösen, vor allem was Brasilien angeht.

24 Hein Joachim Domnick, Der Krieg der Tripel-Allianz in der deutschen Historiographie und Publizistik. Zur Erforschung des historischen Lateinamerikabildes im 19. Und 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 1990, S.15ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Paraguay und der Krieg gegen die Tripel-Allianz-Mächte von 1864 bis 1870
Hochschule
Universität Bern  (Philosophisch-historisches Institut Bern)
Note
6 (CH) / 1 (D)
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V295928
ISBN (eBook)
9783656941392
ISBN (Buch)
9783656941408
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
paragauy, krieg, tripel-allianz-mächte
Arbeit zitieren
Robert Gregorio Lukacs (Autor), 2015, Paraguay und der Krieg gegen die Tripel-Allianz-Mächte von 1864 bis 1870, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295928

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