Zu den elementaren motorischen Fertigkeiten gehören neben dem Gehen, Laufen, Springen, Werfen, etc. auch das Schieben, Ziehen, Schlagen, Stoßen, Treten u. a. Die Letzteren finden besonders in kampforientierten Sportarten ihre Anwendung. Weil die Aneignung dieser elementaren Fertigkeiten bereits im Kleinkind-, Vorschul- und Grundschulalter stattfindet, sollte den Zweikampfsportarten im Schulsport zunehmende Beachtung entgegengebracht werden. In der sportpädagogischen und sportdidaktischen Diskussion steht man dem Thema Kämpfen aktuell offener gegenüber als zu früheren Zeiten (vgl. Kuhn, 2008). Vielen pädagogischen Bemühungen ist es zu verdanken, dass das Phänomen Kampf in seiner vielfältig wirksamen und erzieherischen Weise in den Schulsport integriert werden konnte. Der vorrangig mehrperspektivische Ansatz des Sportunterrichts in Deutschland erlaubt zudem den gesonderten Zugang zur Sache, obwohl dem Zweikampf – bspw. im Fußball wie auch im Boxen – ein angebliches Gewaltpotenzial inhärent zu seien scheint und auch oft unterstellt wird . Durch die Kommission Sport wurde der Auswahl an kampfsportlichen Inhalten Grenzen gesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung (Alessandro Janus)
1.1 Problem- und Zielstellung (Alessandro Janus)
1.2 Fragestellung und Arbeitshypothesen (Benjamin Amthor)
1.3 Forschungsmethodisches Vorgehen (Benjamin Amthor)
2 Theoretische Aufarbeitung des Problemfeldes
2.1 Das Urphänomen Kämpfen (Benjamin Amthor)
2.2 Das Besondere am Zweikämpfen (Benjamin Amthor)
2.2.1 Kampfsport – gewaltfördernd oder gewaltpräventiv?
Das Prosoziale am Kämpfen
2.2.2 Kampsport – sicher und gesund
2.3 Die Sinnhaftigkeit von Zweikämpfen im Kontext Schule
(Benjamin Amthor)
2.4 Dokumentenanalyse (Alessandro Janus)
2.4.1 Kampfbetonte Übungen in den Lehrplänen
2.4.2 Lehrpläne Sachsens
2.4.3 Lehrpläne Niedersachsens
2.5 Einstellungen (Alessandro Janus)
3 Untersuchungsmethodik
3.1 Untersuchungsdesign (Benjamin Amthor)
3.2 Untersuchungsmethoden
3.2.1 Fragebogen (Benjamin Amthor)
3.2.2 Praxiseinheit (Alessandro Janus)
4 Ergebnisse
4.1 Befragung von Lehrerin W. (Benjamin Amthor)
4.2 Befragung von Lehrer U. (Alessandro Janus)
5. Zusammenfassung und Ausblick
5.1 Zusammenfassung des Projektes (Benjamin Amthor)
5.2 Ausblick (Benjamin Amthor)
5.3 Diskussion (Alessandro Janus)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einstellungen und Einstellungsänderungen von Sportlehrkräften gegenüber dem Lernbereich "Kämpfen" im Sportunterricht. Das primäre Ziel besteht darin zu klären, ob Vorbehalte existieren, welche die Integration von Kampfsport und Zweikampfübungen im Schulalltag behindern, und inwiefern eine begleitete Praxiseinheit zu einer positiveren Bewertung bei den Lehrkräften führen kann.
- Analyse der lehrkraftspezifischen Ansichten und Einstellungen zum Schulsport-Bereich "Kämpfen".
- Untersuchung der pädagogischen Sinnhaftigkeit von Zweikämpfen und deren Beitrag zur Gewaltprävention.
- Dokumentenanalyse der Lehrpläne in den Bundesländern Sachsen und Niedersachsen.
- Erfassung der psychologischen Komponenten von Einstellungen (Affekt, Kognition, Verhalten) bei Sportlehrkräften.
- Evaluation von Einstellungsänderungen durch eine exemplarische, angeleitete Praxiseinheit.
Auszug aus dem Buch
1.2 Fragestellung und Arbeitshypothesen (Benjamin Amthor)
Basierend auf der geschilderten Annahme, wonach der Lernbereich Kampfsport/Zweikampfübungen aufgrund skeptischer Bewertung und mangelhafter Einstellung seitens der SportlehrInnen nur eine begrenzte Anwendung im Schulsport findet, sollte hierbei der Versuch unternommen werden, jene lehrkraftspezifischen Ansichten offenzulegen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass Erhebungen zur Schülerperspektive bereits existieren, äquivalente Befragungen der SportlehrInnen jedoch bis heute ausstehen.
Federführend waren hierbei zwei Fragestellungen. Zunächst galt es zu hinterfragen, welche Einschätzung exemplarisch befragte Lehrkräfte hinsichtlich der Thematik Kämpfen im Schulsport selbst äußerten.
1. Welche Einstellung äußern LehrerInnen hinsichtlich der Thematik Kämpfen im Schulsport?
Desweiteren wurde erprobt, ob sich infolge einer beispielhaften Praxiseinheit, welche an den Schulen stets durch einen der Autoren angeleitet wurde, etwaige Änderungen bzgl. der Meinung der LehrerInnen ergaben.
2. Ergeben sich Änderungen infolge der vorgenommenen Praxiseinheit?
Aufgrund der Tatsache, dass die Autoren unter den geschilderten Umständen die inadäquate Grundhaltung der Sportlehrkräfte als Ausgangspunkt für das begrenzte Anbieten von Kampfsportangeboten in Schulen hervorheben, ergaben sich in Verbindung zu beiden Fragestellungen folgende Hypothesen.
1. Lehrer besitzen eine verhaltene Einstellung der Thematik gegenüber.
2. Lehrer ändern ihre Einstellung infolge der vorgenommenen Praxiseinheit positiv.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung (Alessandro Janus): Einführung in die Thematik der elementaren motorischen Fertigkeiten und die Rolle des Kämpfens im Schulsport sowie Darstellung der Problemstellung.
2 Theoretische Aufarbeitung des Problemfeldes: Wissenschaftliche Fundierung zum Phänomen Kämpfen, dem pädagogischen Wert von Zweikämpfen sowie eine Analyse von Lehrplänen und psychologischen Einstellungskonzepten.
3 Untersuchungsmethodik: Darstellung des Forschungsdesigns als Fallstudie, des verwendeten Fragebogens und des Ablaufs der durchgeführten Praxiseinheiten.
4 Ergebnisse: Auswertung der Befragungen von Lehrerin W. und Lehrer U. vor und nach der Teilnahme an der Praxiseinheit zur Erhebung von Einstellungsänderungen.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Systematische Zusammenschau der Ergebnisse, Reflexion des Projekts sowie Vorschläge für weiterführende Untersuchungen im Bereich der Lehrerausbildung.
Schlüsselwörter
Kämpfen im Schulsport, Zweikampfsport, Ringen, Sportlehrkräfte, Einstellungsänderung, Pädagogik, Gewaltprävention, Psychomotorik, Schulsport, Unterrichtspraxis, soziale Kompetenz, Lehrplananalyse, Sportdidaktik, Selbstwirksamkeit, Fallstudie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Einstellung von Sportlehrkräften gegenüber dem Lernbereich "Kämpfen" und Zweikampfsportarten im Sportunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören das pädagogische Potenzial von Zweikämpfen, die Rolle des Lehrers als Vermittler, Gewaltprävention und die Förderung sozialer Kompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es, herauszufinden, ob Vorbehalte seitens der Lehrkräfte bestehen und ob durch gezielte praktische Erfahrungen (Praxiseinheiten) eine positivere Einstellung zur Thematik erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein deskriptives Forschungsmodell in Form einer Fallstudie, inklusive Literaturanalyse, Dokumentenanalyse der Lehrpläne und einer standardisierten schriftlichen Befragung der Lehrkräfte vor und nach einer Praxiseinheit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Problemfeldes, eine Untersuchungsmethodik mit Beschreibung der Praxiseinheiten und eine detaillierte Ergebnisdarstellung der Lehrkräftebefragungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kämpfen im Schulsport, Lehrereinstellungen, Gewaltprävention, soziale Lernprozesse, Zweikampfsport und fachspezifische Kompetenz.
Welche Rolle spielt die Lehrplananalyse für diese Arbeit?
Die Dokumentenanalyse der Lehrpläne in Sachsen und Niedersachsen zeigt auf, dass der Lernbereich "Kämpfen" zwar obligatorisch vorgesehen ist, seine Umsetzung in der Praxis jedoch stark von der Haltung und Kompetenz der Lehrkraft abhängt.
Wie wirkt sich die Praxiseinheit auf die Einstellung der Lehrkräfte aus?
Die Studie zeigt exemplarisch, dass die praktische Intervention zu einer signifikanten Verbesserung der Einstellung der Lehrkräfte führen kann, da Ängste abgebaut und Kompetenzen durch das Erleben des Lernbereichs gestärkt werden.
- Arbeit zitieren
- Alessandro Janus (Autor:in), Benjamin Amthor (Autor:in), 2014, Kämpfen im Schulsport aus der Lehrerperspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295958