Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit unternehmerischer Verantwortung und deren Umsetzung innerhalb der Unternehmen. Die heutige Zeit verlangt neue Rahmenbedingungen und Zielsetzungen für das Wirtschaften. Zu stark sind Unternehmen auf eine kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet, mit der Folge, dass sie dabei gesellschaftliche und ökologische Ziele missachten.
Um gesellschaftliche Verantwortung, das Konzept einer weltweiten Nachhaltigkeit und das Handeln der privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen im stärkeren Maße zu fördern und zu fordern, bestehen eine Vielzahl etablierter CSR-Berichterstattungsinstrumente. Der Unterschied zu konventionellen Berichterstattungsinstrumenten ist, dass diese keine monetäre Darstellung der Unternehmensperformance liefern, sondern über das jeweiligen Engagement der Unternehmen im sozialen und ökologischen Bereich informieren. Dabei verfolgen sie die übergeordnete Zielsetzung, Transparenz im Bereich Verantwortungsübernahme für die interessierten Anspruchsgruppen zu schaffen.
Die im Rahmen der Arbeit durchgeführte Analyse der verschiedenen CSR-Berichterstattungsinstrumente zeigte, dass diese das tatsächliche Engagement und den tatsächlichen Nutzen des unternehmerischen Engagements oft nicht adäquat aufzeigen. Alternativ zu den CSR Instrumenten stellt die Gemeinwohl-Bilanz eine Möglichkeit dar, Veränderungen innerhalb der Unternehmen hin zu mehr gesellschaftlich verantwortlichem Handeln und mehr Nachhaltigkeit anzustoßen. So weist die Gemeinwohl-Bilanz gegenüber gängigen CSR-Berichterstattungsformen großes Potential auf, Unternehmen adäquat auf die heutigen und zukünftigen Herausforderungen vorzubereiten.
Mittels der empirischen Untersuchung konnten Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Gemeinwohl-Bilanz in den untersuchten Unternehmen festgestellt werden, die auf die noch in den Anfängen stehende Entwicklung des Konzepts zurück zu führen sind. .Damit der finanzielle und personelle Aufwand innerhalb der Unternehmen zukünftig geringer ausfällt, wurde als ein Ergebnis der vorliegenden Arbeit ein Leitfaden für Unternehmen erstellt, der die einzelnen Arbeitsinhalten für die Erstellung, Implementierung und Umsetzung der Gemeinwohl-Bilanz enthält.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG
1.2 ZIELSETZUNG
1.3 VORGEHENSWEISE
2 THEORETISCHE UND KONZEPTIONELLE ÜBERLEGUNGEN ZU NACHHALTIGKEIT UND CSR
2.1 URSPRUNG UND ENTWICKLUNG DES BEGRIFFES NACHHALTIGKEIT
2.1.1 Definition nachhaltiger Entwicklung
2.1.2 Drei Säulen Modell der Nachhaltigkeit
2.2 NACHHALTIGKEIT UND WIRTSCHAFTLICHES WACHSTUM
2.2.1 Ökologische Grenzen des Wachstums
2.2.2 Soziale Grenzen des Wachstums
2.2.3 Ökonomische Grenzen des Wachstums
2.2.4 Integrationsherausforderungen von Gegenmaßnahmen
2.3 CSR ALS BEITRAG NACHHALTIGER UNTERNEHMENSFÜHRUNG
2.3.1 Historischer Hintergrund von CSR
2.3.2 Einordnung und Begriffsbestimmung
2.3.3 Ausgestaltung von CSR im Unternehmen
2.3.4 Grundsätze der CSR Berichterstattung
2.3.4.1 Historische Entwicklung
2.3.4.2 Anspruchsgruppen
2.3.4.3 Standardisierung der CSR Berichterstattung
2.3.4.3.1. UN Global Compact
2.3.4.3.2. Global Reporting Initiative
2.3.4.3.3. ISO 26000
2.4 KRITISCHE BETRACHTUNG DER UMSETZUNG VON CSR
3 GEMEINWOHL–ÖKONOMIE
3.1 HISTORISCHER HINTERGRUND
3.2 KERN UND VISION
3.3 WANDEL DER ERFOLGSMESSUNG
3.4 DIE GEMEINWOHL-BILANZ
3.4.1 Aufbau der Gemeinwohl-Bilanz
3.4.2 Bewertung der Bilanz
3.4.3 Anreizsysteme zur Etablierung der Gemeinwohl-Bilanz
3.4.4 Partizipation von Unternehmen
3.5 UMSETZUNGSSTRATEGIE
3.6 KRITISCHE BETRACHTUNG DER GEMEINWOHL-ÖKONOMIE
4 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
4.1 FORSCHUNGSZIEL UND FRAGESTELLUNG
4.2 EXPERTENINTERVIEWS ALS METHODE DER EMPIRISCHEN SOZIALWISSENSCHAFTEN
4.3 DURCHFÜHRUNG UND AUSWERTUNG
4.4 AUSWAHL DER EXPERTINNEN
4.5 FALLBEZOGENDE ANALYSEN
4.5.1 Fallstudie Sonnendruck GmbH
4.5.2 Fallstudie Märkisches Landbrot GmbH
4.5.3 Fallstudie Business School Lausanne (BSL)
4.5.4 Fallstudie Sparda Bank München eG
4.6 DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE
5 SCHLUSSFOLGERUNG UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
5.1 ZUKÜNFTIGE RELEVANZ GESELLSCHAFTLICHER VERANTWORTUNG
5.2 BEWERTUNG DER GWÖ-BILANZ ALS UNIVERSELLER CSR BERICHT
5.3 POTENTIAL UND NUTZENABSCHÄTZUNG
5.3.1 Innenwirkung der Gemeinwohl-Bilanz
5.3.1 Außenwirkung der Gemeinwohl-Bilanz
5.4 UMSETZUNG DER GEMEINWOHL- BILANZ
5.4.1 GWÖ-Projektplan
5.4.2 GWÖ-Projektphasen
6 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) und dessen Umsetzung in Unternehmen, wobei die Gemeinwohl-Ökonomie als alternative Lösung zur ganzheitlichen Messung von unternehmerischer Verantwortung vorgestellt wird. Zentral ist die kritische Analyse, inwieweit bestehende CSR-Berichtsstandards tatsächlich nachhaltiges Handeln fördern oder lediglich der Imagesteigerung dienen, sowie die empirische Untersuchung von Schwierigkeiten bei der Implementierung der Gemeinwohl-Bilanz.
- Kritische Analyse und Vergleich gängiger CSR-Berichterstattungsinstrumente.
- Einführung und konzeptionelle Herleitung der Gemeinwohl-Ökonomie.
- Empirische Untersuchung der Erfahrungen von Pionierunternehmen mit der Gemeinwohl-Bilanz.
- Erstellung eines Leitfadens zur Vereinfachung der Implementierung der Gemeinwohl-Bilanz.
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Einordnung und Begriffsbestimmung
Bislang gibt es keine klare und allgemein anerkannte, eingrenzende Definition zu CSR. Gründe liegen zum Teil in den sehr unterschiedlichen Darstellungen in Praxis und Wissenschaft (vgl. Loew/ Rohde, 2013, S.5).
Um die Vielfalt und die Entwicklung der CSR Definitionen darzustellen, soll an dieser Stelle die Analyse von Dahlsrud herangezogen werden. Dieser ermittelte 37 verschiedene CSR Definitionen, die jeweils unterschiedlich gewichtet waren und verschiedenen Ansatzpunkten folgten. Diese klassifizierte er in fünf verschiedene Dimensionen:
• Die Umwelt Dimension, bezogen auf die natürliche Umwelt.
• Die soziale Dimension, die das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Gesellschaft beschreibt.
• Die ökonomische Dimension, die sozioökonomischen und finanziellen Aspekte als wesentlichen Bestandteil betrachtet.
• Die Stakeholder Dimension, bei der das Gewicht auf der Interaktion mit Stakeholdern bzw. Stakeholdergruppen liegt.
• Die Dimension der Freiwilligkeit, bei welcher verantwortungsbewusstes Handeln über rechtlich verpflichtende Regulierungen hinausgeht und ethische Werte mit einbezieht (vgl. Dahlsrud, 2006, S. 1ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Das Kapitel führt in die Problematik ein, dass Unternehmen sich zu stark auf monetäre Ziele konzentrieren, und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie die methodische Vorgehensweise vor.
2 THEORETISCHE UND KONZEPTIONELLE ÜBERLEGUNGEN ZU NACHHALTIGKEIT UND CSR: Dieser Teil beleuchtet den historischen Ursprung von Nachhaltigkeit und CSR, erläutert verschiedene Standards der CSR-Berichterstattung und diskutiert kritisch deren Umsetzung.
3 GEMEINWOHL–ÖKONOMIE: Hier wird das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie als Alternative eingeführt, wobei der Fokus auf dem Wandel der Erfolgsmessung und der detaillierten Beschreibung der Gemeinwohl-Bilanz liegt.
4 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Es wird die Methodik der Experteninterviews erläutert und anhand von Fallstudien (Sonnendruck GmbH, Märkisches Landbrot GmbH, BSL, Sparda Bank München eG) die praktische Umsetzung und Erfahrung mit der Gemeinwohl-Bilanz dargestellt.
5 SCHLUSSFOLGERUNG UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: Das Kapitel fasst die Herausforderungen und Risiken für Unternehmen zusammen, bewertet die Gemeinwohl-Bilanz als Instrument und bietet einen Leitfaden sowie Handlungsempfehlungen für die praktische Umsetzung.
6 FAZIT UND AUSBLICK: Es werden die zentralen Ergebnisse resümiert und der zukünftige Stellenwert der Gemeinwohl-Ökonomie sowie weiterer Forschungsbedarf kritisch diskutiert.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility, CSR, Gemeinwohl-Ökonomie, Gemeinwohl-Bilanz, Unternehmensverantwortung, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Stakeholder-Dialog, Erfolgsmessung, Wirtschaftsmodell, Nachhaltige Unternehmensführung, CSR-Instrumente, CSR-Kritik, Gemeinwohl-Matrix, Sozial-ökologische Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der unternehmerischen Verantwortung und der Kritik am aktuellen Fokus auf reine Gewinnmaximierung, indem sie CSR-Konzepte und das alternative Modell der Gemeinwohl-Ökonomie gegenüberstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt Nachhaltigkeit, das Drei-Säulen-Modell, CSR-Berichterstattung (UN Global Compact, GRI, ISO 26000), die Gemeinwohl-Ökonomie sowie Ansätze zur Messung ethischen Unternehmenshandelns.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Beleuchtung und der Vergleich der Gemeinwohl-Bilanz mit gängigen CSR-Berichtsstandards, um aufzuzeigen, inwieweit diese zur echten Nachhaltigkeit beitragen oder lediglich dem Image dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Methode angewendet, basierend auf einer textbasierten Analyse und Experteninterviews mit Vertretern von Pionierunternehmen, die bereits Erfahrungen mit der Gemeinwohl-Bilanz gesammelt haben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst theoretische Grundlagen zu Nachhaltigkeit und CSR, die detaillierte Einführung der Gemeinwohl-Ökonomie als Modell, eine empirische Analyse mittels Fallstudien und die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für Unternehmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Gemeinwohl-Bilanz, CSR, Nachhaltigkeit, unternehmerische Verantwortung, Stakeholder-Management und normative Unternehmensbewertung.
Warum reicht der UN Global Compact oder die GRI nach Ansicht der Autorin nicht aus?
Die Autorin argumentiert, dass diese Instrumente oft nur freiwillige Leitlinien darstellen, keine wirkliche Prozessänderung erzwingen und aufgrund hoher Freiheitsgrade bei der Berichterstattung wenig vergleichbar und anfällig für Greenwashing sind.
Was ist der Kernvorteil der Gemeinwohl-Bilanz gegenüber herkömmlichen CSR-Berichten?
Der Vorteil liegt in der Kombination aus normativer Bewertung, Messbarkeit und Vergleichbarkeit, die über die reine Berichterstattung hinausgeht und einen ganzheitlichen Organisationsentwicklungsprozess hin zu mehr Nachhaltigkeit anstößt.
- Citation du texte
- Katharina Nowakowski (Auteur), 2014, Mythos CSR (Corporate Social Responsibility). Unternehmen zwischen Moral und Profit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295967