Die Baupolitik des Augustus in der römischen Antike


Seminararbeit, 2014
14 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung der Baupolitik im Tatenbericht des Augustus

3. Das Bauprogramm des Augustus als Abweichung von der republikanischen Tradition?

4. Bauphasen - Vom Triumvirat bis zum Tod des Augustus
4.1. Baupolitik während der Triumviratszeit
4.2. Baupolitik nach dem Sieg bei Actium
4.3. Baupolitik nach dem Tode Agrippas

5. Augustusforum und Mars Ultor Tempel - Platz für den Prinzeps

6. Abschließende Worte

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Mit seinem Tatenbericht, den res gestae divi augusti, hinterließ Octavian, auch bekannt unter seinem Ehrennamen Augustus, eine Gesamtübersicht aller ihm wichtigen politischen Aktionen. In den Kapiteln 19-21 gibt er unter den impensae eine Reihe von Bauwerken an, die er entweder erbauen, vollenden oder wiederherstellen ließ.1 Und tatsächlich war Augustus, wie Zanker es treffend formuliert, wohl der erste römische Staatsmann, der solche Unsummen von Geld nur für öffentliche Bauten verwendete.2

Als Julius Caesar ermordet wurde, trat Augustus sein politisches Erbe an und folgte dessen Plan, die Stadt Rom vollkommen neu zu gestalten. So baute er beispielsweise auf dem Palatin einen neuen Apollontempel und restaurierte den Iuppiter-Feretrius-Tempel auf dem Capitol, um nur einige seiner Bauten zu nennen. Nach dem Tod des Antonius ließ er seiner immensen Bautätigkeit schließlich freien Lauf und verwirklichte ein riesiges Mausoleum, die Ara Pacis und eine ausgetüftelte Sonnenuhr. Außerdem renovierte er unzählige Tempel und baute schließlich das Forum Augustum.3

Sueton meinte, angesichts einer solch immensen Baupolitik, Augustus habe sich zurecht gerühmt, das damalige Rom von einer Backsteinstadt in eine Marmorstadt verändert zu haben.4 So der exakte Wortlaut:

"Urbem neque pro maiestate imperii ornatam et inundationibus incendiisque obnoxiam excoluit adeo, ut iure sit gloriatus marmoream se relinquere, quam latericiam accepisset."

Ganzert hingegen meint, diese Aussage könne nach archäologischen Erkenntnissen nicht voll unterstützt werden, denn es habe schon vor Augustus' Zeit Marmorbauten in Rom gegeben. Allerdings wurde dieser Baustoff niemals in denselben Dimensionen verwendet, wie es Augustus tat.5

Es stellt sich die Frage, welche Programmatik hinter den Bauten des Augustus steckte und welche Bedeutung diese für die Stadt Rom hatte. Außerdem gibt die Baupolitik des Augustus den Anreiz, darüber nachzudenken, ob der Prinzeps nur zur Demonstration seiner persönlichen Macht monumentale Bauten hinterließ.

In der vorliegenden Arbeit soll dargestellt werden, wie Augustus seine Baupolitik propagierte. Es folgt eine knappe Übersicht über das Ausmaß der Bautätigkeit des Prinzeps in Rom während verschiedener Phasen seiner Regierungszeit. Zuletzt soll anhand des Forum Augustum exemplarisch dargestellt werden, wie sich die Baupolitik des Augustus auf Rom und die römischen Bürger auswirkte. Angemerkt sei, dass in dieser Arbeit der Fokus kaum auf die architektonische Umsetzung der Baupolitik im kunsthistorischen Sinn gerichtet sein wird. Vielmehr soll betrachtet werden, welche Bedeutung man der Entstehungszeit und Platzierung der Bauwerke beimessen kann.

2. Darstellung der Baupolitik im Tatenbericht des Augustus

Eine besonders authentische Darstellung des Bauprogramms von Augustus liegt in dem von ihm selbst verfassten Tatenbericht vor. In seinem index rerum gestarum6 berichtet Augustus knapp von seiner Bautätigkeit in den Kapiteln 19 bis 21. Diese Kapitel fallen in den zweiten Abschnitt des Werkes, der eine Aufstellung der impensae, also der Gelder, die er aus eigenen Mitteln für öffentliche Bauten, Spiele und Spenden an die Bevölkerung ausgab. Hierin zählt Augustus alle Bauwerke auf, die er bauen, wiederherstellen oder vollenden ließ. Die Nennung der Bauten erfolgt hier chronologisch nach dem Jahr der Fertigstellung.7

Hier kann das augusteische Bauprogramm also unter dem Aspekt gesehen werden, dass Augustus mit seinen kostspieligen Aufwendungen vor allem seiner liberalitas Ausdruck verleihen wollte, wie Kienast prägnant feststellte.8 Augustus verzichtete darauf, in seinem Tatenbericht persönliche Ziele, die er mit seinen Ausgaben für den Staat verfolgte, zu erörtern. Aber die ungewöhnliche Kontinuität, ein sich über vierzig Jahre erstreckendes Bauprogramm so zu verwirklichen, lässt nach Gros/Sauron den Schluss zu, dass es für Augustus von größerer Bedeutung gewesen sein musste, als er es in seinen res gestae formulierte.9

Deswegen scheint es angebracht, die Wirkung der Baupolitik vor dem Hintergrund der Republik zu erschließen, wie von Hesberg es vorschlägt.10

3. Das Bauprogramm des Augustus als Abweichung von der republikanischen Tradition?

Erst nach dem 3. Viertel des 2. Jahrhunderts v. Chr. wurden häufiger bedeutende, öffentliche Bauten mit privaten Geldern errichtet. Zuvor waren meist nur Triumphatoren finanziell in der Lage, solche zu bezahlen. Sie besaßen die manubiae, Gelder aus ihrer Kriegsbeute, die, gemäß einem ungeschriebenen Gesetz, nicht zum privaten Gebrauch verwendet werden durften. In der Regel hatten sie dann ein Magistratsamt inne und konnten mit dem Einverständnis des Senates über die öffentlichen Gelder verfügen.11 Ein so errichtetes Bauwerk wurde dann von den nachfolgenden Generationen des Errichters gepflegt und restauriert, um stets an die Leistungen ihres Vorfahren zu erinnern. So war das Erscheinungsbild unwillkürlich mit den ruhmreichen Familien der nobilitas verwoben, die auch die Eliten der Republik stellten. Jedoch stand die Zweckmäßigkeit der Bautätigkeit im Vordergrund, da es Bauten für die Öffentlichkeit waren.12

In der Spätzeit der Republik zeichnete sich jedoch ein Wandel ab, der Bauwerke stärker in das Interesse persönlicher Geltungs- und Machtansprüche einzelner Familien, bzw. Individuen treten ließ. Baupolitik war mit dynastischen Hoffnungen verknüpft worden und brachte auch Rivalitäten innerhalb der Herrscherschicht mit sich.13 Unter Augustus gab es diesbezüglich keine Neuerungen. Vielmehr setzte er konsequent die neuen Gepflogenheiten der späten Republik fort. Die Vermischung von öffentlichem und privatem Bereich erreichte ihren Höhepunkt. In diesem Zusammenhang sollte man auch den Eid beachten, den sich Augustus vor der Schlacht bei Actium von ganz Italien schwören ließ, womit faktisch alle Bürger zu seinen Klienten wurden.14

Nur so konnte er erst das gesamte öffentliche Bauwesen und das damit verbundene öffentliche Ansehen unter seine Kontrolle, bzw. die Kontrolle seiner Familie bringen, wie es die Familien der nobilitas in der Republik für sich beansprucht hatten.15 Allerdings bedeutet die Baupolitik auch einen starken Bruch mit der Republik, wenn man das Erscheinungsbild Roms vor Augustus betrachtet. Die Stadt war nämlich vorher nicht sonderlich prunkvoll, es gab keine klare stadtplanerische Linie und vor allem in den Wohngebieten herrschten bezüglich der Wohnqualität, der Versorgungslage und der hygienischen Verhältnisse katastrophale Zustände. Der Prinzeps setze aber gerade in diesem Punkt markante Spuren mit seiner Baupolitik. Marmor brachte Glanz in die Stadt16, die monumentalen Bauten strukturierten Rom einer imperialen Hauptstadt entsprechend und der umfangreiche Bau von Straßen, Wasserleitungen und Kloaken brachte den Wohngebieten ein wenig vom Luxus des Kaisers.

Diese Vorgehensweise kann wohl so verstanden werden, dass Augustus den Schutz des Reiches ganz für sich beanspruchte und deshalb auch dessen Zentrum, ganz und gar seinen Bedürfnissen entsprechend, umgestaltete. Hier zeigt sich eine Abgrenzung zur Republik, da die Gebäude nicht mehr den öffentlichen Ansprüchen angepasst, errichtet wurden und Augustus so ganz neue Standards im Bauwesen einführen konnte.17

4. Bauphasen - Vom Triumvirat bis zum Tod des Augustus

Man geht heutzutage davon aus, dass das Bauprogramm keine einheitlich geplante Aktion war, sondern sich prozesshaft entwickelte. Weiterhin gilt es auch festzuhalten, dass Augustus nicht der alleinige Bauherr war, sondern seine Parteigänger und Familienangehörigen sehr viele der Bauprojekte initiierten und finanzierten.18

Deshalb bietet sich nach von Hesberg zur Darstellung der Bauten eine Aufteilung in Bauphasen an, die sich mit wichtigen Etappen in der Regierungszeit des Bauherrn überschneiden.19

4.1. Baupolitik während der Triumviratszeit

Der erste Abschnitt stellt die Zeit vom Tode Caesars bis zum Sieg über den politischen Rivalen Antonius dar. Hier lieferten sich Augustus und seine Anhänger einen erbitterten Konkurrenzkampf mit ihrem Gegner. Selbst in ihrer Bautätigkeit wetteiferten die beiden Rivalen um die Gunst der Öffentlichkeit. Um sich hervorzutun, ohne großspurig zu wirken, konzentrierte Augustus sich im Wesentlichen auf drei markante Punkte in Rom. Zum einen war dies der Tempel auf dem Palatin, den er für Apoll oberhalb des Circus Maximus errichten ließ. Es mag kein Zufall gewesen sein, dass sich auch das Haus des späteren Prinzeps dort befand und er so gezielt eine Verbindung zwischen sich und Apoll herstellte. Derartig bedeutungsvolle und exponierte Wohnlagen waren vorher nur bei den Königen der hellenistischen Zeit zu finden.20

Auf dem Marsfeld baute Augustus das monumentalste Bauwerk seiner frühen Jahre. Es entstand ein Mausoleum mit gewaltigen Ausmaßen, das mit keines seiner späteren Bauwerke vergleichbar wäre. Dieses Grabmal, das von der Größe her mit dem von Alexander der Große in Alexandria verglichen werden kann, war schon von weitem sichtbar und dürfte in der damaligen Zeit auf Reisende und auf die Bürger Roms in etwa so anziehend gewirkt haben wie heute der Eiffelturm in Paris dies tut. Dieser Bau war an der Spitze mit einer Statue des Augustus versehen und später kamen Symbole hinzu, die seinen ehrenvollen Verdiensten und Siegen zugesprochen wurden, eine Dekoration, durch die das Mausoleum auch wie ein gigantisches Siegesmal gewirkt haben mag.21

Diese überhöhte Selbstdarstellung war sehr geeignet für die Zeit, in der Augustus seine Herrschaft in Rom etablieren musste. Von Anfang an drückte er damit seine erhobene Stellung in Rom aus, lange Zeit bevor ihm der zutreffende Ehrenname verliehen wurde. Weiterhin ließ er das Gelände des alten Forum Romanum umgestalten und das Pompeiustheater renovieren.22 Außerdem hatte sein Getreuer Agrippa in dieser Zeit das Amt des Ädils inne und konnte so mit zahlreichen Wasserleitungen, Springbrunnen, Zisternen und Bädern das Volk mit einer neuen, gut ausgebauten Wasserversorgung beschenken.23

4.2. Baupolitik nach dem Sieg bei Actium

Augustus, der nach einem 13jährigen Machtkampf über seinen politischen Gegner Antonius im Jahre 31 v. Chr. bei Actium den Sieg errungen hatte, konnte nun sein Bauprogramm gezielt vorantreiben. Als alleiniger Machthaber von Rom sollten seine großen Bauvorhaben in ein totalitäres Programm münden. Es sollte die Zeit der Tempel werden, denn er errichtete all die Heiligtümer, die er folgendermaßen im Kapitel 19 seines Tatenberichtes beschreibt:

„Curiam et continens ei Chaldicium templumque Apollini in Palatio cum porticibus, aedem divi Iuli, Lupercal, porticum ad circum Flaminium, quam sum appellari passus ex nomine eius qui priorem eodem in solo fecerat Octaviam, pulvinar ad circum Maximum, aedes in Capitolio Iovis Feretri et Iovis Tonantis, aedem Quirini, aedes Minervae et Iunonis Reginae et Iovis Libertatis in Aventino, aedem Larum in summa sacra via, aedem deum Penatium in Velia, aedem Iuventatis, aedem Matris Magnae in Palatio feci.“24

[...]


1 Vgl. Mon. Ancyr., 19-21.

2 Vgl. P. Zanker: Forum Augustum. Das Bildprogramm, Tübingen 1968, S. 5.

3 D. Kienast: Augustus. Prinzeps und Monarch, Darmstadt 1999, S. 13.

4 Suet. Aug. 28,3.

5 Vgl. J. Ganzert: Der Mars-Ultor-Tempel auf dem Augustusforum in Rom. Mainz am Rhein 1996, S. 283f.

6 Suet. Aug. 101.

7 Obwohl die Res gestae nicht vollständig chronologisch angelegt sind, sondern im Aufbau den Notwendigkeiten der subjektiven Darstellung folgen. Zum grundsätzlichen Aufbau der Res gestae vgl. W. Weber: Princeps – Studien zur Geschichte des Augustus. Stuttgart 1936.

8 Vgl. Kienast, 1999, S. 406.

9 Vgl. P. Gros / G. Sauron: Das politische Programm der öffentlichen Bauten. In: M. Hofter (Hg.): Augustus und die verlorene Republik. Staatl. Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1988, S. 48f.

10 Vgl. H. von Hesberg: Die Veränderung des Erscheinungsbildes der Stadt Rom unter Augustus. In: M. Hofter (Hg.), Augustus und die verlorene Republik. Staatl. Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1988, S. 94f.

11 Vgl. P. Gros / G. Sauron, 1988, S. 49.

12 Vgl. Ebd.

13 Vgl. P. Gros / G. Sauron, S. 55.

14 Um die immense Bedeutung dieses Eides, im Bezug auf die Eingriffsmöglichkeiten für Augustus in das öffentliche Wesen, zu verdeutlichen, möchte ich Strothmann zitieren. Dieser sieht darin sogar eine Rechtsgrundlage für den Prinzeps: „Die Verletzung der Loyalität war als crimen maiestatis ausgewiesen [...], wodurch zum ersten Mal juristisch fassbar wurde, dass der pater patriae (in Anlehnung an den pater familias) und der Repräsentant des Staatswesens eine Person waren. Träger der maiestas war in der Republik der populus Romanus. [...] Das crimen maiestatis einer Person gegenüber war in der römischen Republik [...] nicht bekannt, [...].“ M. Strothmann: Augustus – Vater der res publica. Stuttgart 2000, S. 100.

15 P. Gros / G.Sauron, 1988, S. 57.

16 In republikanischer Zeit war der Gebrauch von Marmor eher verpönt, da er mit Luxus verbunden wurde, was mit dem Wertesystem der Zeit nicht zu vereinbaren war. Augustus konnte also mit der Verwendung nicht nur die Bauweise, sondern auch die damit verbunden Werte nach seinen persönlichen Vorstellungen revolutionieren. Vgl. H. v. Hesberg, 1988, S.96.

17 Vgl. Ebd.

18 Vgl. S. 97.

19 Vgl. H. v. Hesberg, 1988, S. 97.

20 Vgl. S. 98.

21 Vgl. S. 99.

22 Vgl. Ebd.

23 Vgl. H. v. Hesberg, 1988, S. 100.

24 Mon. Ancyr. 19.

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Details

Titel
Die Baupolitik des Augustus in der römischen Antike
Hochschule
Universität Hamburg
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V296005
ISBN (eBook)
9783656941415
ISBN (Buch)
9783656941422
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augustus, Baupolitik, Römischer Kaiser, Antike, Rom
Arbeit zitieren
Karolin Kaffenberger (Autor), 2014, Die Baupolitik des Augustus in der römischen Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296005

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