Stadtentwicklung im Zeichen von Gartenschauen des 21. Jahrhunderts

Urbane Naturräume einer europäischen Stadt


Forschungsarbeit, 2014

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Worte

2. Stadtethnologie – die Bedeutsamkeit der Natur in Stadt

3. Gartenschauen in der Stadtentwicklung
3.1 The place to be: Wilhelmsburg
3.2 Sport im Park
3.3 Stadtentwicklung als Gartenschau

4. Zwischen Ideal und Wirklichkeit

5. Abschließende Worte

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitende Worte

„Was wir auf unserer Erde »Natur« nennen, ist in hohem Maße von Menschen umgestaltete, domestizierte oder zivilisierte Natur, die im Fortgang der Zeit zwangsläufig noch weiter umgestaltet und menschlicher Kontrolle unterworfen werden wird. Das noch zu lösende Problem ist freilich, welche Form und Richtung diese Umgestaltung und Kontrolle in Zukunft nehmen soll - zum Wohle beider, der Natur und der Menschen.“[1]

Seit jeher übt sich der Mensch darin, sich die Natur anzueignen, sie zu kontrollieren und nach seinen Wünschen zu formen. Die Natur zu gestalten, bedeutet, den Raum zu gestalten. Die Ergebnisse dessen werden vor allem auf sogenannten Gartenschauen präsentiert, die in den Vordergrund meines Forschungsinteresses rücken. Die vorliegende Arbeit „Urbane Naturräume einer europäischen Stadt: Stadtentwicklung im Zeichen von Gartenschauen des 21. Jahrhunderts“ widmet sich der Thematik der Gestaltung städtischer Grünlandschaften im urbanen Raum der europäischen Stadt Hamburg. Der Schwerpunkt in diesem Themenfeld liegt in Gartenbauausstellungen und dessen Bedeutung für die Stadtentwicklung in der heutigen Zeit. Entstanden ist die Idee zu dieser Arbeit aus dem Forschungsprojekt „EUROPOLIS“, das sich mit Facetten und Aspekten von Europäisierungs-prozessen in Hamburg beschäftigte. Im wissenschaftlichen Diskurs ist die Produktion urbaner Räume ein aktuelles Thema, daher rückte schnell die im Jahre 2013 stattfindende Internationale Gartenschau in Hamburg (igs) in den Fokus meiner Aufmerksamkeit.

Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit liegt dabei auf die Klärung der gesellschaftlichen Veränderungen im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg als Austragungsort der Gartenschau. Wie hat sich der urbane Raum aufgrund der isg 2013 verändert? Wie beeinflusst die Internationale Gartenschau den städtischen Natur- und Lebensraum in einer europäischen Stadt wie Hamburg und das Leben und den Alltag der Menschen im konkreten Stadtumfeld?

Dies soll mit Hilfe der Analyse des vorliegenden empirischen Materials, zwei persönlich geführten Interviews und einem E-Mail Interview, sowie der Auswertung diverser aktueller Aufsätze aus Fachzeitschriften und Themenbeiträgen aus dem Sammelband „Unternehmen Wilhelmsburg. Stadtentwicklung im Zeichen von IBA und igs“ des Arbeitskreises Umstrukturierung Wilhelmsburg diskutiert werden. Die Erkenntnisse der Bearbeitung sollen letztendlich in einer Zusammenfassung der Ergebnisse münden. Hier wird, soweit es im Rahmen dieser Arbeit möglich ist, geklärt, ob die igs 2013 als Teil eines Stadtentwicklungsprojektes dazu beigetragen hat, die Lebensqualität der EinwohnerInnen zu verändern.

Zusätzlich möchte ich darauf hinweisen, dass ich aufgrund des geforderten Umfanges dieser Arbeit lediglich einzelne Aspekte der Kritik zur igs beleuchten und nicht auf Themen, wie die Geschichte des Stadtteils Wilhelmsburg, die Geschichte der Gartenbauausstellungen in Deutschland und die vielfältigen Protestbewegungen gegen die igs ausführlicher eingehen werde.

2. Stadtethnologie – die Bedeutsamkeit der Natur in Stadt

Um mich dem Forschungsfeld anzunähern, habe ich mich zunächst mit sozial- und kulturwissenschaftlichen Definitionen und Interpretationen, die sich mit dem Naturbegriff, dem Verhältnis des Menschen zur Natur, zum Städtischen und den Veränderungen von räumlichen Dimensionen der Gesellschaft beschäftigen, auseinandergesetzt und bin dabei auf die Disziplin der Stadtethnologie gestoßen, in die sich mein Forschungsthema verorten lässt. Diese Disziplin setzt sich konkret mit den „Lebenswelten der StadtbewohnerInnen, ihre[n] Wohnungen, Arbeitswelten, Freizeitgewohnheiten und Wege[n] durch (…) den gebauten städtischen Raum (…)“[2] auseinander. Die Bedeutung der Stadtnatur im urbanen Raum nahm in den letzten Jahren zu und spielt vor allem bei der Stadtplanung der heutigen Zeit eine signifikante Rolle. Dr. Susanna Frank, Professorin für Raumplanung, Stadt- und Regionalsoziologie an der TU Dortmund, veröffentlichte einen interessanten Artikel mit dem Titel „Rückkehr der Natur“, in dem sie über die veränderte Bedeutung und das Verständnis der Natur in der Stadt sinnierte: „Innerstädtische Grünräume (…) sind in der (…) regionalen Entwicklungspolitik ein bedeutender Standortfaktor [geworden]. (…) Vor unseren Augen entwickelt sich ein (…) Naturverständnis, welches Natur und Stadt (…) nicht mehr als fundamentale Gegensätze sieht, sondern auf vielfältige Weise amalgamiert.“[3] Konkret heißt das, dass die sich in unmittelbar in der Nähe befindenden Grünanlagen im städtischen Raum für die StadtbewohnerInnen in dem Sinne eine bedeutende Rolle spielen, als dass sie einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität im jeweiligen Stadtumfeld haben. Die Schaffung oder der Erhalt von Grünanlagen im urbanen Raum sind daher ein wesentlicher Bestandteil aktueller Stadtentwicklungsprojekte in der Gegenwart.

3. Gartenschauen in der Stadtentwicklung

«Ein Garten ist das Idealbild des Menschen von der Welt, und da die meisten Menschen von der Gesellschaft, deren Teile sie sind, geprägt werden, so folgt daraus, dass der Garten jeder Gemeinschaft und jeder Periode die Visionen der Zeitgenossen spiegelt und das Wunschbild der betreffenden Periode ist.[4] »

Die Hafenstadt ist mehr als nur ein Industriestandort und bietet seinen EinwohnerInnen und BesucherInnen viele unterschiedliche Naturräume, die ihre städtebauliche Gestalt beträchtlich prägen. Neben der Förderung des Naturschutzes wurden Zukunftsvisionen über menschengerechtes und nachhaltiges Stadtleben durch Gartenschau- und Gartenbauausstellungen gezeigt. Mit der Internationalen Gartenschau 2013 fand bereits zum achten Mal dieses Großevent statt.[5] Dabei spielten die Gartenschauen in Hamburg eine zukunftsweisende Rolle innerhalb der Stadtentwicklungsprozesse der letzten 60 Jahre, da sie stets ein Abbild der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und Ausdruck kultureller Trends und Überzeugungen waren. Die erste Internationale Gartenbauausstellung fand 1953 in Hamburg im Zeichen des Wiederaufbaus der Stadt nach dem zweiten Weltkrieg statt.[6] Auf den Flächen von Planten un Blomen, dem Botanischen Garten und der Jungiuswiese (heute Messegelände) wurde auf 35 Hektar eine zentrale Parklandschaft gestaltet, die den Optimismus des Wiederaufbaus einer stark zerstörten Stadt widerspiegelte. Was durch die Internationalen Gartenschauen von 1953 bis 1973 als Gartenkunst geschaffen wurde, wird heute von vielen Parkbesuchern als Natur oder als Kulturdenkmal bezeichnet. Die Stadt Hamburg hatte sich nach der dreimaligen Ausrichtung einer IGS seit 1973 einerseits aus finanziellen Gründen, aber auch aufgrund der aufkommenden naturschutzpolitischen Kritik an Gartenschauen Ende der 1970er Jahre bis in das neue Jahrtausend nicht mehr für eine Gartenschau beworben.[7]

3.1 The place to be: Wilhelmsburg

Die igs 2013 wurde in einem Stadtteil ausgerichtet, der wie kaum ein anderer die aktuellen sozialen, kulturellen und ökonomischen Probleme in Hamburg widerspiegelt.[8] Hamburg-Wilhelmsburg – gelegen auf der größten Flussinsel Europas[9] – hat dennoch oder gerade auch deshalb ein großes Entwicklungspotential. Aus diesem Grund musste sich die igs 2013 sowohl mit den Konzepten der Stadtentwicklung als auch mit einer neuen Form der Gartenschau, die sich auf die aktuellen gesellschaftlichen Themen einlässt, beschäftigen. Dass diese Art von Schaffung städtebaulicher Grünlandschaften seit Ende des 20. Jahrhunderts in Deutschland umstritten und Anlass für Auseinandersetzungen zwischen den Erhalt natürlich gewachsener und Schaffung gestalteter Natur ist, hinderte nicht an der Austragung der Gartenschau im letzten Jahr. Die Errichtung des Wilhelmsburger Volksparks, dessen Name das Gelände der igs 2013 seit Mitte Oktober trägt, ist nicht nur Teil der Eingliederung in eine stärkere Stadtentwicklung Hamburgs südlich der Elbe, er soll dem Stadtteil zudem neue Impulse für eine positive Entwicklung geben und zu einem neuen Image verhelfen.[10]

3.2 Sport im Park

Wer aufmerksam durch die Parks einer Großstadt geht, erkennt, dass Sport und Bewegung neben Naherholung zu den häufigsten Nutzungen im städtischen Grün geworden sind. Alle Formen der Bewegung und des Sports haben sich in den letzten Jahren immer mehr aus der Gemeinschaft eines Vereins in die Öffentlichkeit der Parks verlagert.[11] Ein moderner Stadtpark für das 21. Jahrhundert muss diesem Trend gerecht werden und den JoggerInnen, RadlerInnen, SkaterInnen, FreizeitfußballerInnen, VolleyballspielerInnen und WalkerInnen öffentliche Räume anbieten. Mit der igs 2013 wurde versucht, diesen "neuen Stadtpark für das 21. Jahrhundert zu schaffen, der den Bedürfnissen einer modernen und multikulturellen Stadtgesellschaft entspricht.“[12] Eine enorme Bedeutung wird der aktiven Nutzung dieses neugeschaffenen Naturraumes zugeschrieben. Der entstandene Park soll dem Trend im Freizeitverhalten der StädterInnen nachkommen und den Freizeit- und Vereinssport an diesem Ort fördern. Wilhelmsburg gehört zu Hamburgs Stadtteilen mit einem beträchtlichen Anteil an unterschiedlichen nationalen Gruppierungen. Demnach soll der Park künftig den Ansprüchen der über 100 verschiedenen Nationalitäten der BewohnerInnen Wilhelmsburgs als „Ort der interkulturellen Begegnung und Kommunikation“[13] gerecht werden.

3.3 Stadtentwicklung als Gartenschau

Die Anzahl von parallel verfolgten Zielen bedeutet, dass die igs 2013 mehr ist als eine Gartenschau, die ihren BesucherInnen die gegenwärtigen Trends des Gartenbauens präsentiert. Sie ist ein „strategisches Instrument zur ökonomischen, ökologischen und sozialen Stadtteilentwicklung“[14]. Im nächsten Abschnitt werden die Veränderungen dieses öffentlichen Raumes diskutiert und hinterfragt, ob die sozialen und kulturellen Ziele erreicht werden konnten und wie das Leben und der Alltag der Menschen in diesem Stadtteil verändert worden ist bzw. verändert werden konnte.

[...]


[1] Elias, Norbert: Über die Natur. Übersetzung aus dem Englischen und Redaktion von Michael Schröter, In: Merkur - Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, Jg. 59, Heft 572.

[2] Schwanhäußer, Anja: Stadtethnologie – Einblicke in aktuelle Forschungen. In: dérive. Zeitschrift für Stadtforschung, Wien: dérive, Verein für Stadtforschung, Band 40, 2010 http://www.derive.at/index.php?p_case=2&id_cont=940&issue_No=40 [25.03.2014]

[3] Dr. Frank, Susanna: Rückkehr der Natur. Die Neuerfindung der Natur und Landschaft in der Emscherzone, In: EMSCHERplayer. Kunst – Kultur – Kommunikation, http://www.emscherplayer.de/main.yum?mainAction=magazin&id=49786 [25.03.2014]

[4] Panten, Helga: Die Bundesgartenschauen. Eine blühende Bilanz seit 1951, Hrsg: Zentralverband Gartenbau (ZVG) e.V. Bonn, Stuttgart: Ulmer, 1987, S. 14

[5] Vgl. Programmheft der IGS-2013 HAMBURG – Wilhelmsburg, http://www.igs-hamburg.de/uploads/pics/igs_besucherflyer_web.pdff [25.03.2014]

[6] Vgl. Ebd.

[7] Vgl. Programmheft

[8] Vgl. Baumgarten, Heiner: Interkulturell - fair - sportlich: Die internationale gartenschau hamburg 2013 - mehr als eine Gartenschau. In: Stadt+Grün, Ausgabe 4/13, Patzer Verlag: Berlin/Hannover 2013, S. 9

[9] Vgl. Programmheft

[10] Vgl. Baumgarten, 2013, S. 9

[11] Vgl. Baumgarten, 2013, S.9

[12] Baumgarten, 2013, S. 10

[13] Ebd.

[14] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Stadtentwicklung im Zeichen von Gartenschauen des 21. Jahrhunderts
Untertitel
Urbane Naturräume einer europäischen Stadt
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Forschungsseminar „Europolis: Topographien der Europäisierung in Hamburg"
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V296008
ISBN (eBook)
9783656939115
ISBN (Buch)
9783656939122
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gartenschau, Wilhelmsburg, Hamburg, IGS 2013, Volkskunde, Stadtethnologie, Urbanität, Stadtentwicklung, Gentrifizierung
Arbeit zitieren
Karolin Kaffenberger (Autor), 2014, Stadtentwicklung im Zeichen von Gartenschauen des 21. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296008

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Stadtentwicklung im Zeichen von  Gartenschauen des 21. Jahrhunderts



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden