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Heimarbeiter der Kulturindustrie oder Widerständler bei der Bedeutungsproduktion? Das Rezipientenbild in der Kritischen Theorie und den Cultural Studies anhand ausgewählter Beispiele

Titel: Heimarbeiter der Kulturindustrie oder Widerständler bei der Bedeutungsproduktion? Das Rezipientenbild in der Kritischen Theorie und den Cultural Studies anhand ausgewählter Beispiele

Bachelorarbeit , 2004 , 49 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Jörn-Jakob Surkemper (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieser Arbeit ist es, das Rezipientenbild beider Theorien anhand
ausgewählter Beispiele herauszuarbeiten und produktiv aufeinander zu beziehen.
Das Rezipientenbild wird aber in beiden Theorien vor dem Hintergrund der Frage
diskutiert, welche Rolle die (Massen-)Medien bei gesellschaftlicher Veränderung
bzw. Stagnation spielen. Dieser Hintergrund soll und kann auch hier nicht
ausgeblendet werden. Mit der Frage der Macht der Rezipienten auf der einen Seite
hängt auch die Frage zusammen, welche Macht den Produzenten und welche
Eigengesetzlichkeiten den Medien selbst3 auf der anderen Seite zukommen. Es
geht damit insgesamt auch um die Frage, ob und wenn ja, unter welchen
Bedingungen ein emanzipatorischer Mediengebrauch möglich ist und wie dieses
Potenzial sich unter den gegebenen Bedingungen manifestiert. Welche Rolle
spielen die Medien in unserer Gesellschaft, in unseren Herrschaftsverhältnissen? Ist
ihre Rolle eher positiv oder negativ zu bewerten? Und welche
Handlungsperspektiven erwachsen daraus? Zu diesen Fragen bieten Kritische
Theorie und Cultural Studies unterschiedliche Zugänge und Antworten. Die Kritische Theorie ist in ihrer Einschätzung dabei eher pessimistisch, die Cultural
Studies hingegen eher optimistisch.
Beide Ansätze sollen im Rahmen dieser Arbeit aber auch metatheoretisch
betrachtet werden. Das heißt im Einzelnen, dass sie zunächst in das
Theorienspektrum der Medien-, Publizistik- und Kommunikationswissenschaften
eingeordnet und auf ihre Methodologie hin untersucht werden sollen. Wie kommen
die unterschiedlichen Ansätze zu ihren Ergebnissen? Wie lässt sich klären, welche
Seite ‚Recht’ hat? Hier soll ein Ansatz verfolgt werden, der die Berührungspunkte
beider Theorien hervorhebt und ihre Hypothesen prinzipiell einer empirischen
Prüfung zugänglich macht.
Nach der theoretischen Einordnung des Gegenstandes, will ich das
Rezipientenbild der Kritischen Theorie am Beispiel ihrer wohl berühmtesten
Vertreter Max Horkheimer und Theodor W. Adorno herausarbeiten. Anschließend
will ich mich den Thesen des akademisch bisher nur unzureichend gewürdigten
Günther Anders zuwenden (vgl. Schanze, 2002, 8), der hier eine ähnliche, wenn
nicht sogar radikalere Position vertritt, den Blick aber noch auf andere wichtige
Aspekte der Massenkommunikation lenkt. [...]
3 Wenn ich die Medien hier und im Folgenden als eigenständigen Faktor heraushebe, meine ich damit
immer die Medien im engeren Sinne als technische Übertragungskanäle

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Zwei Theorien im Theorienchaos – (Meta-)Theoretische Ordnungsversuche

2 Kritische Theorie oder der Rezipient als Heimarbeiter der Kulturindustrie

2.1 Kulturindustrie statt Massenkultur – das Konzept von Horkheimer und Adorno

2.1.1 Das Rezipientenbild bei Horkheimer und Adorno

2.1.2 Kritik an der Kulturindustriethese

2.2 Die Welt als Phantom und Matrize – Technikkritik bei Günther Anders

2.2.1 Fernsehen als Wirklichkeitskonstruktion, die ihren Konstruktionscharakter verschleiert

2.2.2 Die Konsequenzen

2.2.3 Das Rezipientenbild bei Anders

2.2.4 Kritik an Anders

3 ‚Cultural Studies’ oder der Rezipient als Widerständler bei der Bedeutungsproduktion

3.1 John Fiskes Analyse der Populärkultur

3.1.1 Weder Text noch Publikum

3.1.2 Besonderheiten Populäre Texte

3.1.3 Populärkultur und gesellschaftliche Veränderung

3.2 Kritik an den Cultural Studies und an Fiskes Konzept der Populärkultur

Schlussbetrachtungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die diametral entgegengesetzten Rezipientenbilder der Kritischen Theorie und der Cultural Studies anhand ausgewählter Beispiele systematisch herauszuarbeiten, produktiv aufeinander zu beziehen und im Kontext der Frage nach gesellschaftlicher Veränderung oder Stagnation zu bewerten. Dabei soll geklärt werden, unter welchen Bedingungen ein emanzipatorischer Mediengebrauch möglich ist.

  • Vergleich der Rezipientenbilder in der Kritischen Theorie (Adorno/Horkheimer, Anders) und den Cultural Studies (Fiske).
  • Analyse der Rolle von Massenmedien als Instrumente gesellschaftlicher Macht oder als Raum für Widerstand.
  • Untersuchung des Konstruktionscharakters von Fernsehinhalten und deren Wirkung auf die Rezeption.
  • Metatheoretische Einordnung beider Ansätze in das Spektrum der Kommunikationswissenschaften.
  • Diskussion der empirischen Validität beider theoretischer Positionen.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Das Rezipientenbild bei Horkheimer und Adorno

Was sagt dies alles nun über den Rezipienten aus? Der Massenkommunikationsprozess wird hier aus der Perspektive der Medienschaffenden, bzw. der ökonomischen Verhältnisse, in denen der Produktionsprozess stattfindet, gesehen. Es geht also um die Frage, was die Medien mit den Menschen machen. Insofern werden die Rezipienten erst einmal als Objekte von Wirkungen betrachtet: „Der Kunde ist nicht, wie die Kulturindustrie glauben machen möchte, König, nicht ihr Subjekt, sondern ihr Objekt.“ (Adorno, 2000, 202). Diese Betrachtungsweise ist vielfach kritisiert worden, werden die Rezipienten hier doch ähnlich wie im Stimulus-Response-Modell lediglich als Opfer von Manipulationsabsichten gesehen, die über keinerlei kritische Fähigkeiten verfügten (vgl. Schicha, 2003, 126; Schorb/Mohn/Theunert, 1994, 497 f.). Diese unidirektionale und, wie es zunächst scheint, monokausale Wirkungsvorstellung bringen Horkheimer und Adorno wie folgt auf den Punkt: „Das Produkt zeichnet jede Reaktion vor.“ (Horkheimer/ Adorno, 2003, 145).

Bevor ich weiter auf die Kritik dieser Wirkungsvorstellung eingehe, ist es nötig, das hier zugrunde liegende Rezipientenbild noch etwas differenzierter herauszuarbeiten. Ganz so monokausal, wie es in dem Zitat zum Ausdruck kommt und wie oft kritisiert wird, sehen Horkheimer und Adorno den Massenkommunikationsprozess nicht. Die Aktivität der Rezipienten wird von ihnen jedenfalls nicht ausgeschlossen. Die Rezipienten könnten sich durchaus aktiv zur Nutzung eines Medienangebotes entscheiden, denn sie verträten die herrschende Ideologie sogar vehementer als die Herrschenden selbst: „(...) die betrogenen Massen [verfallen heute] mehr noch als die Erfolgreichen dem Mythos des Erfolgs.“ (Horkheimer/Adorno, 2003, 142). Im Résumé über Kulturindustrie schreibt Adorno den Rezipienten – wohl mit einem gewissen Zynismus – zudem durchaus die Fähigkeit zum kritischen Denken zu, das dann jedoch paradoxerweise ohne Konsequenzen bleibt: „Der Satz, die Welt wolle betrogen sein, ist wahrer geworden als wohl je damit gemeint war. Nicht nur fallen die Menschen, wie man so sagt, auf Schwindel herein, (...) sie wollen bereits einen Betrug, den sie selbst durchschauen (...)“ (Adorno, 2000, 206). Die unterstellte Manipulation durch die Kulturindustrie erfolgt also durchaus im Einklang mit den Bedürfnissen der Rezipienten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Zwei Theorien im Theorienchaos – (Meta-)Theoretische Ordnungsversuche: Dieses Kapitel systematisiert Kritische Theorie und Cultural Studies nach ihren theoretischen Gegenständen und Prämissen, um den vermeintlichen Antagonismus zwischen Wirkungs- und Rezeptionsansätzen aufzulösen.

2 Kritische Theorie oder der Rezipient als Heimarbeiter der Kulturindustrie: Hier wird das pessimistische Bild des Rezipienten als manipuliertes Objekt der Kulturindustrie bei Horkheimer, Adorno und Günther Anders analysiert, wobei besonders der Zwang zur Konformität und die technikkritische Perspektive im Vordergrund stehen.

3 ‚Cultural Studies’ oder der Rezipient als Widerständler bei der Bedeutungsproduktion: Dieses Kapitel stellt den Ansatz von John Fiske vor, der den Rezipienten als aktiven Akteur betrachtet, welcher durch Polysemie und Widerständigkeit bei der Bedeutungsproduktion den hegemonialen Strukturen entgegenwirkt.

Schlüsselwörter

Kritische Theorie, Cultural Studies, Rezipientenbild, Kulturindustrie, Populärkultur, Bedeutungsproduktion, Massenkommunikation, Fernsehkritik, Ideologie, Polysemie, Widerstand, Medienwirkung, Rezeption, Alltagskultur, Autonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Kritische Theorie und Cultural Studies das Bild des Rezipienten von Massenmedien definieren und welche Rolle diesem bei der gesellschaftlichen Reproduktion oder Veränderung zugeschrieben wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Kulturindustrie-Theorie der Frankfurter Schule (Adorno/Horkheimer), die Medienphilosophie von Günther Anders sowie das Konzept der Populärkultur und Bedeutungsproduktion innerhalb der Cultural Studies (insb. John Fiske).

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Ziel ist es, die entgegengesetzten Rezipientenbilder der beiden Theorien herauszuarbeiten, produktiv zu vergleichen und zu bewerten, inwieweit diese für die heutige Medienwirklichkeit repräsentativ sind.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen und metatheoretischen Analyse der Ansätze. Sie kontrastiert die kulturphilosophischen und ideologiekritischen Methoden der Kritischen Theorie mit den kulturwissenschaftlichen und rezeptionsanalytischen Ansätzen der Cultural Studies.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung und Kritik der Kritischen Theorie (Heimarbeiter-Konzept) sowie die Darstellung und Kritik der Cultural Studies (Widerständler-Konzept), jeweils unter Einbezug relevanter Autoren und Textbeispiele.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kritische Theorie, Cultural Studies, Kulturindustrie, Populärkultur, Rezipientenbild, Bedeutungsproduktion und den Antagonismus zwischen Manipulation und Widerstand charakterisieren.

Wie bewertet der Autor Günther Anders' Technikkritik?

Der Autor bescheinigt Anders eine hohe interne Plausibilität und Aktualität, kritisiert jedoch die ins Extrem getriebene Übertreibung seiner Thesen, die die mediale Wirkung als fast zwangsläufige Freiheitsberaubung darstellt.

Welche Kritik übt der Autor an John Fiske?

Obwohl der Autor Fiskes Fokus auf die Aktivität der Rezipienten begrüßt, kritisiert er dessen idealistisches Bild und die Vernachlässigung struktureller Machtbedingungen, was in der Gefahr einer "Fetischisierung der Zuschauerreaktionen" münden könne.

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Details

Titel
Heimarbeiter der Kulturindustrie oder Widerständler bei der Bedeutungsproduktion? Das Rezipientenbild in der Kritischen Theorie und den Cultural Studies anhand ausgewählter Beispiele
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Autor
Jörn-Jakob Surkemper (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
49
Katalognummer
V29609
ISBN (eBook)
9783638310789
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heimarbeiter Kulturindustrie Widerständler Bedeutungsproduktion Rezipientenbild Kritischen Theorie Cultural Studies Beispiele
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jörn-Jakob Surkemper (Autor:in), 2004, Heimarbeiter der Kulturindustrie oder Widerständler bei der Bedeutungsproduktion? Das Rezipientenbild in der Kritischen Theorie und den Cultural Studies anhand ausgewählter Beispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29609
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Leseprobe aus  49  Seiten
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