In der vorliegenden Arbeit wird anhand des Versuchs von Lipshitz, R., Gilad, Z. und Suleiman, R. zum One-of-Us Effekt in decision evaluation, der Versuch unternommen zu ergründen, was die sozial-psychologischen Ursachen für Intergruppenkonflikte im Allgemeinen und speziell im Kontext des fortwährend schwelenden ethnischen Konfliktes im Nahen Osten sind. Zu allererst werden hierzu die wichtigsten Theorien zu Intergruppenkonflikten und Intergruppendiskriminierung nach Brown (2001) in gebotener kürze dargestellt. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass hier kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann, da die Schwerpunktsetzung dieser Arbeit eindeutig auf der Analyse des Versuchs von Lipshitz, R. et al. liegt. Anschließend folgt eine Darstellung des Versuchsaufbaus zum Nachweis des „One-of-Us Effekt in decision evaluation“ (Lipshitz et al., 2001). Nach den Erläuterungen zum Design wird untersucht, in wie weit die theoretischen Ansätze nach Brown (2001) mit den Resultaten des Versuchs übereinstimmen und es werden Differenzen aufgezeigt. Darauf aufbauend wird dann versucht, Möglich- keiten aufzuzeigen um Intergruppenkonflikte zu überwinden. Im letzten Teil soll dies dann Ansatzweise auf den „Palästinenserkonflikt“ übertragen, kritisch dazu Stellung genommen und ein kurzer Ausblick gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. EINIGE VERBREITETE THEORIEN ZUR ERKLÄRUNG VON INTERGRUPPENKONFLIKTEN
2.1 WAS IST INTERGRUPPENVERHALTEN?
2.2 INTERGRUPPENVERHALTEN UND VORURTEILE
2.2.1 Vorurteile als Persönlichkeitsmerkmal
2.2.2 Frustrations-Aggressions-Hypothese
2.2.3 Interpersonales vs. Gruppenverhalten
2.3 GRUPPENINTERESSE UND –ZIELE ALS URSPRUNG VON INTERGRUPPENVERHALTEN
2.4 GRUPPENMITGLIEDSCHAFT ALS URSPRUNG FÜR DISKRIMINIERUNG ANDERER
2.5 THEORIE DER SOZIALEN IDENTITÄT
2.5.1 Eigenschaften der sozialen Identität
2.5.2 Folgen für das Intergruppenverhalten
2.5.3 Verhaltensweisen in Gruppen mit niedrigem Status
3. DIE STUDIE ZUM „ONE-OF-US-EFFECT IN DECISION EVALUATION” VON LIPSHITZ, R., GILAD, Z. UND SULEIMAN, R.
3.1 BEGRIFFSKLÄRUNG UND DEFINITIONEN
3.1.1 Judgement-by-Outcomes
3.1.2 One-of-Us Effekt
3.1.3 Versuchsmethode
3.1.4 Zwei verschiedenen Entscheidungsszenarien
3.1.5 Versuchsdesign
3.1.6 Die Versuchsvariablen
3.2 ERGEBNISSE DER STUDIE UND INTERPRETATION
3.2.1 Auswertung der Ergebnisse zur Versuchsanordnung „Hinterhalt“
3.2.2 Auswertung der Ergebnisse zur Versuchsanordnung „Lager“
3.3 ERGEBNISSE DES VERSUCHSAUFBAUS
3.4 DISKREPANZEN ZWISCHEN INTERGRUPPENTHEORIEN UND VERSUCHSERGEBNISSEN
4. LÖSUNG VON INTERGRUPPENKONFLIKTEN
4.1 ÜBERGEORDNETE ZIELE
4.2 REVISION DER KATEGORIEGRENZEN
4.3 KONTAKTHYPOTHESE
4.4 ZUSAMMENFASSUNG UND KRITIK
5. KRITIK ZUR VORLIEGENDEN ARBEIT UND AUSBLICK AUF DIE ENTWICKLUNG IM NAHEN OSTEN
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht anhand der Studie von Lipshitz, Gilad und Suleiman die sozial-psychologischen Ursachen für Intergruppenkonflikte, mit einem spezifischen Fokus auf den ethnischen Konflikt im Nahen Osten. Ziel ist es, den Einfluss der Identifikation mit einem Entscheidungsträger (One-of-Us Effekt) auf die Bewertung von Entscheidungen zu ergründen und die Ergebnisse in den Kontext bestehender sozialpsychologischer Theorien zu setzen.
- Theoretische Grundlagen des Intergruppenverhaltens und der Diskriminierung
- Analyse des „One-of-Us“ Effekts in Entscheidungssituationen
- Einfluss soziokultureller Faktoren und religiöser Prägung auf die Bewertung von Konflikthandlungen
- Diskussion von Lösungsansätzen für Intergruppenkonflikte
- Kritische Reflexion der Übertragbarkeit auf den aktuellen Nahostkonflikt
Auszug aus dem Buch
Die Studie zum „one-of-us-effect in decision evaluation” von Lipshitz, R., Gilad, Z. und Suleiman, R.
Nachdem nun ein kurzer Überblick über einige der wichtigsten Theorien zum Intergruppenverhalten gegeben wurde, ist es notwendig die zentralen Begriffe des Versuchs von Lipshitz, R. et al. einzuführen, um dann zum Versuch übergehen zu können.
Per Definition ist Judgement-by-Outcomes eine retrospektive Beurteilung einer Entscheidung und eines Entscheiders basierend auf dem Ergebnis, also Erfolg vs. Misserfolg. Jedoch ergeben sich bei dieser Art der Beurteilung, einige Schwierigkeiten, auf Grund der normativen Implikationen.
Zum ersten kann nur ein Hellseher das Ergebnis einer Entscheidung in den Entscheidungsprozess einbeziehen, allen Anderen bleibt dies verwehrt. Zum zweiten bedingt der Grundsatz der Fairness, keine weiteren Informationen in den Beurteilungsprozess bei der Bewertung einer Entscheidung und des Entscheiders mit einfließen zu lassen, als diejenigen die dem Entscheidungsträger selbst zur Verfügung standen. Drittens ist Judgement-by-Outcomes logisch inkonsistent, da es einen Umkehrschluss (Lipshitz, 1995: 123) darstellt. Trotzdem zeigen verschiedenste Studien eindeutig den starken Einfluss (Kelley & Michela, 1980; Mitchell, Green & Wood, 1981; Lipshitz, 1989; u.a.), den die Kenntnis über das Resultat der Entscheidung auf die Beurteilung eben dieser Entscheidung ausübt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die angespannte Lage im Nahen Osten und führt die Forschungsarbeit ein, welche die sozial-psychologischen Ursachen von Intergruppenkonflikten anhand des „One-of-Us“ Effekts untersucht.
2. EINIGE VERBREITETE THEORIEN ZUR ERKLÄRUNG VON INTERGRUPPENKONFLIKTEN: Dieses Kapitel stellt zentrale sozialpsychologische Theorien vor, die erklären, warum Gruppenmitglieder andere Gruppen diskriminieren oder Aggressionen entwickeln.
3. DIE STUDIE ZUM „ONE-OF-US-EFFECT IN DECISION EVALUATION” VON LIPSHITZ, R., GILAD, Z. UND SULEIMAN, R.: Hier wird der Versuchsaufbau detailliert beschrieben und die Ergebnisse der Untersuchung bezüglich des Einflusses der Identifikation mit einem Entscheider auf dessen Beurteilung analysiert.
4. LÖSUNG VON INTERGRUPPENKONFLIKTEN: Das Kapitel diskutiert verschiedene theoretische Ansätze zur Reduktion von Intergruppenkonflikten, wie z.B. die Schaffung übergeordneter Ziele oder die Kontakthypothese.
5. KRITIK ZUR VORLIEGENDEN ARBEIT UND AUSBLICK AUF DIE ENTWICKLUNG IM NAHEN OSTEN: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion der eigenen Ergebnisse sowie einer Einschätzung der psychologischen Faktoren im realen Kontext des Nahostkonflikts.
Schlüsselwörter
Intergruppenverhalten, Vorurteile, soziale Identität, One-of-Us Effekt, Judgement-by-Outcomes, Intergruppenkonflikte, Nahostkonflikt, Diskriminierung, Entscheidungsevaluation, Identifikation, Gruppenprozesse, Sozialpsychologie, ethnische Konflikte, Sanktionen, Aggressionspotential.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht sozial-psychologische Mechanismen, die zu Intergruppenkonflikten führen. Im Zentrum steht dabei, wie die Identifikation mit einer Gruppe oder einem Entscheidungsträger die moralische Bewertung von Handlungen beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit umfasst die theoretische Darstellung von Intergruppenverhalten und Diskriminierung sowie eine empirische Untersuchung zum Einfluss von Identifikation auf die Bewertung von Entscheidungen im Kontext politisch motivierter Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse des „One-of-Us“ Effekts zu verstehen, warum und wie Individuen Entscheidungen ihrer Eigengruppe systematischer anders bewerten als solche der Fremdgruppe, selbst wenn die Handlungen faktisch identisch sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wird eine Analyse einer existierenden experimentellen Studie (Lipshitz et al.) vorgenommen, die auf Fragebögen und statistischen Auswertungen mit einer 7-point response scale sowie einer 2x4 ANOVA-Matrix basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Intergruppenpsychologie und eine detaillierte Auswertung der Ergebnisse des besprochenen Versuchs, unterteilt in die Szenarien „Hinterhalt“ und „Lager“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die soziale Identität, der One-of-Us Effekt, Judgement-by-Outcomes sowie soziokulturelle Einflussfaktoren auf die Rechtfertigung von Gewalt.
Wie beeinflusst der soziokulturelle Hintergrund die Bewertung in den Szenarien?
Der Hintergrund, insbesondere religiöse Prägungen, spielt eine signifikante Rolle. So zeigt die Studie beispielsweise, dass arabische Probanden bei „Misserfolg“ von Mitgliedern der Eigengruppe eine andere Form der Rechtfertigung oder Belohnung zeigen als jüdische Probanden bei ihren Pendants.
Welche Rolle spielt der "Judgement-by-Outcomes" Effekt im Vergleich zum "One-of-Us" Effekt?
Der Judgement-by-Outcomes Effekt beschreibt die allgemeine Tendenz, Entscheidungen anhand des Resultats (Erfolg vs. Misserfolg) zu bewerten. Der One-of-Us Effekt fungiert als zusätzliche, identitätsbasierte Verzerrung, die diesen Prozess massiv modifizieren kann.
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- Timur Karabiber (Author), 2003, Intergruppenkonflikte und Lösungen - der "One Of Us Effect", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29613