"Brudi, gönn' Dir!" Kölner Jugendliche im Spannungsfeld zwischen formellem und informellem Sprachgebrauch


Examensarbeit, 2014

101 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Standardvarietät, Standardsprachlichkeit, ... – ein weites Feld

3. Grundlagen meiner Arbeit und thematische Abgrenzung
3.1 Standardvarietät – Versuch einer Definition
3.1.1 Der usus-orientierte Zugang
3.1.2 Der kodex-orientierte Zugang
3.1.3 Zum Standardisierungsgrad des Deutschen
3.1.4 Bundesdeutsche Standardvarietät nach Ammon (2005)
3.2 Gesprochenes Standarddeutsch
3.3 Konstruktionen gesprochener Sprache
3.3.1 Gespräch
3.3.2 Beitrag
3.3.3 Funktionale Einheit
3.3.4 Wort
3.3.5 Laut
3.4 Vielfalt an Variationen
3.4.1 Jugendsprache
3.4.2 Register, Stil und Repertoire

4. Soziolinguistischer Aspekt meiner Arbeit
4.1 Sprache als Statusmerkmal – Sprache und Prestige
4.2 Soziolekt

5. Korpus: Gespräche und Interviews von und mit Kölner Jugendlichen
5.1 Das Stadtviertel Köln-Mülheim
5.2 Vorstellung der Gruppe
5.3 Datenerhebung
5.4 Transkription – GAT

6. Korpusanalyse
6.1 Andreas
6.1.1 Semantisch-thematische Ebene
6.1.2 Grammatische Ebene
6.1.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.2 Giovanni
6.2.1 Semantisch-thematische Ebene
6.2.2 Grammatische Ebene
6.2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.3 Kai
6.3.1 Semantisch-thematische Ebene
6.3.2 Grammatische Ebene
6.3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse

7. Fazit
8. Anhang
8.1 Zeichen nach GAT
8.2 Transkripte
8.2.1 Raucherpause
8.2.2 Wochenende
8.2.3 Praktikum
8.2.4 Interview

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon früh im Studium stellte ich fest, dass mich besonders die Linguistik reizte. Sprachgeschichtliche Seminare ließen mich einen Blick in die Entwicklung von Sprache werfen und sensibilisierten mich u. a. für heutigen Sprachwandel. Vorlesungen wie ‚Kommunikation und Geschlecht‘ schärften meinen Blick für spezifische Sprachgebräuche und das weite Feld der Pragmatik. Themenbereiche wie Grammatik und Orthographie lehrten mich die Systematik und Struktur von Sprache, gesprochener wie geschriebener.

Als ich im Februar 2014 mein außerschulisches Praktikum in der Jugendwerkstatt in Köln absolvierte, die Jugendlichen – oft in prekären Milieus aufgewachsen und mit gescheiterten Bildungskarrieren – beobachtete und sprechen hörte, sah ich meine Chance, selbst im kleinen Rahmen so etwas wie Feldforschung zu betreiben. Kein Schulabschluss, z. G. aus zerrütteten Familienverhältnissen, dafür oftmals bereits Bekanntschaft mit dem Jugendamt, der Arbeitsagentur und der deutschen Justiz gemacht und meist emotional und/ oder lernbehindert, vereinten die Jugendlichen auf den ersten Blick all das, von dem ich bisher maximal gehört hatte und erfüllten sämtliche Klischees und Vorurteile. Aber wie steht es wirklich um den Sprachgebrauch dieser Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen?

Ich nahm die Jugendlichen in für sie gewohnten Situationen auf und führte einige Interviews mit dem Ziel, das Spannungsfeld zwischen formellem und informellem Sprachgebrauch dieser Jugendlichen zu betrachten. Als Aufhänger meiner Arbeit dient ein Zitat, über das ich während meines Praktikums stolperte, das mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist und einen ersten Ausblick auf das bietet, was sich im zweiten Teil meiner Arbeit – der Analyse von aufgenommenen Gesprächen – findet: „Brudi, gönn' Dir!“

Meine Arbeit gliedert sich wie folgt, als dass ich zunächst wissenschaftliche Grundlagen für die Gesprächsanalyse schaffe. Schwierigkeiten bei der Definition der Standardvarietät, die Besonderheiten von gesprochener Sprache führen in für meine Arbeit erwähnenswerte Variationen von Sprache und in eine kurze Einführung in die Soziolinguistik. Mit Punkt 5 beginnt der zweite Teil meiner Arbeit: Ich stelle den Kölner Stadtbezirk Mülheim, die Jugendwerkstatt und die Jugendlichen selbst vor, schreibe einige Worte zu meinem Korpus und untersuche an ausgewählten Beispielen den Sprachgebrauch der Jugendlichen. Die Namen der Jugendlichen habe ich verändert. Die Transkription dazu befindet sich im Anhang meiner Arbeit.

2. Standardvarietät, Standardsprachlichkeit, ... – ein weites Feld

Will man Sprachgebrauch informeller und formeller Art untersuchen, braucht man eine Bezugsgröße. Sprachliche Phänomene lassen sich allein nicht als solche klassifizieren. Dies geht nur auf der Folie eines Archetyps. Der Allgemeinheit unter Hochdeutsch bekannt, eignet sich als Archetyp keine andere Varietät besser als die der Standardvarietät. Sie fungiert in der Wissenschaft „[...] als tertium comparationis [...]“1. „Varietäten und Variationsformen des Deutschen gewinnen ihr konkretes Profil faktisch immer im Bezug auf standardsprachliche Üblichkeiten und Inventare.“2

Doch geht man nun also auf die Suche nach der Standardvarietät, findet man vieles: Da wird von „[...] normativen Glaubensaussagen über Sprache [...]“3, von „[...] sprachlicher Intuition [...]“4 geschrieben. Definitionen wie „Standard ist das, was von Sprache übrig bleibt, wenn man alle (anderen) Lekte wegdenkt.“5 finden sich genauso wie eine sog. Standardsprachenideologie bis hin zur Homogenitätsideolgie, die mit der Duden-Sprachberatung einen allgemein bekannten Fürsprecher hat.6

Ist die Standardvarietät nun bloßes „Gedankending“7, „[...] ein einheitliches sprachliches System“8 oder befinden wir uns etwa schon längst in einer „Spät-Standardsprachlichkeit“9 ?

Bußmann definiert die Standardsprache im Lexikon der Sprachwissenschaft als „[...] deskriptive Bezeichnung für die historisch legitimierte, überregionale, mündliche und schriftliche Sprachform der sozialen Mittel- bzw. Oberschicht [...]“10. Nach Bußmann gibt es demnach einen Kodex, der allerdings nur von Mittel- bzw. Oberschicht verwendet werde. Berechtigterweise stellt sich aber die Frage, wie denn bitte die Unterschicht kommuniziere, wenn nicht standardsprachlich und was der Ausschluss der Unterschicht vom Standard eigentlich für die sprachliche Wirklichkeit bedeuten würde, träfe die Definition denn die Realität.

Auch für Barbour (2005) ist die Standardsprache „[...] der gesamte Sprachgebrauch einer Bildungsschicht, A. h. sie umfasst alle sprachlichen Register dieser Schicht [...]“11. Demnach gäbe es so viele Standardsprachen wie gesellschaftliche Milieus. Meines Erachtens definiert Barbour hier den Soziolekt in Reinform, nicht aber die Standardvarietät.

Schnell wird klar: Je mehr man liest, desto mehr Modelle, Definitionen und Theorien lassen sich zur Standardvarietät finden.

Statt Klarheit findet man eine Vielzahl an Definitionen, fließende Übergänge, abstrakte Modelle und Theorien.

3. Grundlagen meiner Arbeit und thematische Abgrenzung

Die Standardvarietät präsentiert sich wie in Punkt 2 dargestellt als ein vielschichtiges, heterogenes Phänomen, das man so leicht nicht zu fassen bekommt. Um zu von mir aufgenommenen Gesprächen und Interviews Aussagen treffen zu können, ist aber natürlich eine Basis vonnöten. Die von mir vorgestellten Theorien und Modelle stellen dabei lediglich eine Auswahl dar und können aufgrund der Begrenztheit der Arbeit leider nicht in ihrer Gänze diskutiert werden. Zunächst werde ich mich mit Klein (2013) unter Punkt 3.1 an einer Definition von Standardsprache versuchen. Klein bietet darüber hinaus auch zwei Herangehensweisen Standardvarietät zu fassen, die für meine Analyse nicht unwichtig ist. Anschließend beleuchte ich den Standardisierungsgrad der deutschen Sprache genauer, da das Phänomen der Standardvarietät die höchste Stufe dessen darstellt. Ammon (2005) bietet darüber hinaus ein Modell Bundesdeutscher Standardvarietät an. Da das Material meiner Analyse auf gesprochener Sprache basiert, die mit Besonderheiten gegenüber der schriftlichen aufwartet, wird unter Punkt 3.3 die Segmentierungsmöglichkeit nach Fiehler et al. (2004) vorgestellt, die die Struktur der gesprochenen Sprache abbildet. Schließlich berücksichtige ich mit der Vielfalt an Variationen die Herkunft, das Alter und die Sozialisation meiner Sprecher und versuche mit Verweis auf die Soziolinguistik die Gesprächsbeiträge der Jugendlichen in ihrer Vollständigkeit zu erfassen. Ab Punkt 5 steht die Gruppe Kölner Jugendlicher und das Stadtviertel, in dem sich die Jugendwerkstatt befindet – Köln-Mülheim, im Fokus meines Interesses.

Auf dieser Basis findet unter Punkt 6 die Analyse des Sprachgebrauchs der Jugendlichen statt.

3.1 Standardvarietät – Versuch einer Definition

Die Schwierigkeiten die Standardsprache zu fassen und abzugrenzen, sind unter Punkt 2 erläutert. Klein (2013) macht die Definition einer Standardsprache grundsätzlich an folgenden Kriterien fest:

„[...] Überregionalität, Schriftlichkeit bzw. Schriftsprachnähe sowie eine gewisse stilistische Neutralität [...]; darüber hinaus wäre nach allgemeiner Auffassung auch noch das Merkmal Kodifiziertheit anzusetzen.“12

Mit diesen Merkmalen lässt sich nun auf zwei Wegen forschen:

3.1.1 Der usus-orientierte Zugang

Der usus-orientierte Zugang legt die Standardvarietät an der tatsächlichen Verwendung von Sprache fest. Sie schaut nach dem Sprachgebrauch in der Realität.13 Der Vorteil dabei ist, dass automatisch Prozesse wie Sprachwandel berücksichtigt werden und der usus-orientierte Zugang sehr nah am Sprecher ist. Der Nachteil ist, dass es den Sprecher leider nicht gibt. So ließe sich wohl nur für einzelne, in sich möglichst homogene Sprechergruppen so etwas wie Standard herausfinden.

3.1.2 Der kodex-orientierte Zugang

Der kodex-orientierte Zugang legt Standardsprachlichkeit auf der Basis der Norm fest. Der offizielle Sprachkodex gibt an, was genau standardsprachlich erlaubt ist und was nicht.14 Das Problem liegt dabei auf der HanA: Die Sprecherwirklichkeit wird völlig außer Acht gelassen. Der Vorteil ist, dass der kodex-orientierte Zugang das realisiert, was eigentlich unmöglich ist: die eine Standardsprachlichkeit. Um zu verdeutlichen, eignet sich die Orientierung an offizieller Norm sicherlich – um die Realität abzubilden, leider weniger.

3.1.3 Zum Standardisierungsgrad des Deutschen

Maitz und Elspaß (2013) stellen grundsätzlich fest, „[...] dass der Standardisierungsgrad von Sprachen umso höher ist, je normativer die Sprachgemeinschaft ist, A. h. je radikaler die Standardsprachenideologie von der Sprachgemeinschaft vertreten wird.“15 Standardisierung ist demnach kein natürlicher Prozess von Sprachentwicklung, sondern wird von seinen Verwendern ganz explizit forciert. Theorien wie die unter Punkt 3.1 erwähnten Standardsprachenideologie und die Homogenitätsideologie lassen erahnen, was Maitz und Elspaß (2013) erläutern; „[...] dass das Deutsche im internationalen Vergleich zu den Sprachen mit dem höchsten Standardisierungsgrad zählt.“16 Die unterschiedlichen Stufen von Standardisierung lassen sich anhand diverser Modelle bestimmen, wobei ich hier nur kurz auf das von Maitz und Elspaß präferierte eingehen möchte. Aufbauend auf Haugen (1966) und Cooper (1989) stellen Maitz und Elspaß vier Kriterien vor:

Die Korpusplanung umfasst im Deutschen sämtliche Bereiche, die Sprache ausmachen. Orthographie, Grammatik, Lexik und Aussprache sind von kodifizierten Normen determiniert. Auch wenn beispielsweise Besch (2003) wie in Punkt 3.3.5 zitiert, einem Aussprachekodex im strengeren Sinne widerspricht, so findet sehr wohl eine Wertung und damit eine einfache Unterscheidung zwischen Prestige- und Stigma-Signalen bzw. zwischen richtig und falsch statt (vgl. Punkt 4.1), der zumindest eine Kodifizierung im weiteren Sinne zugrunde liegen muss.

Das zweite Kriterium der Statusplanung meint die Entwicklung der Funktionsbereiche, die im Deutschen „[...] von der Ideologie der Assimilation geprägt [...]“17 ist. Die Standardvarietät gilt als vorherrschend erstrebenswert und anderen Varietäten übergeordnet.

Wie in Punkt 4.1 unter soziolinguistischen Gesichtspunkten erläutert, ist die Prestigeplanung auch bei der Bestimmung der Standardisierung ein wichtiger Gradmesser. Die korrekte und angemessene Verwendung der Standardvarietät in all ihren Korpora führt zu Anerkennung und Autorität, letztlich zum sozialen Erfolg.

Das vierte und letzte Kriterium des Standardisierungsgrads einer Sprache ist die Erwerbsplanung, A. h. die Anzahl der Sprecher und deren Erweiterung. In deutschsprachigen Ländern gilt Deutsch als Amtssprache. Maitz und Elspaß betonen dabei besonders die Rolle der Schule: Spätestens hier ist die deutsche Sprache Pflicht, sie wird gefordert und gefördert.18 19

3.1.4 Bundesdeutsche Standardvarietät nach Ammon (2005)

Die Bundesdeutsche Standardvarietät nach Ammon (2005) richtet sich speziell auf die Sprache der Bundesrepublik Deutschland, also exklusive Österreichs, der Schweiz und weiteren deutschsprachigen Regionen. Ammon geht mit seiner Theorie der Frage nach, wer Standardsprache letztlich legitimiert und so zum Kodex erhebt. Drei Kriterien muss die Standardvarietät erfüllen: sie muss „kodifiziert“ sein, sie muss „förmlich gelehrt“ werden und sie benötigt „amtlichen Status“20. Unter Kodex versteht Ammon ein festes Regelwerk, wie es Nachschlagewerke bieten. Das zweite Kriterium spielt auf die Rolle der Schule und vor allem des Deutschunterrichts an (vgl. Punkt 3.1.3 – Erwerbsplanung). Der amtliche Status legitimiert den Kodex, nicht zuletzt durch die Zuschreibung der offiziellen Amtssprache. Von öffentlicher Hand wird also legitimiert, aber nicht initiiert – das geschieht gemäß Ammon (2005) unter sog. normsetzenden Instanzen. Darunter zählen „Normautoritäten, Sprachkodex, Sprachexperten, Modellsprecher und -schreiber“21. Gerade die Instanz der Modellsprecher und -schreiber ist interessant, da sie Laien wie Schauspielern, Musikern etc. – um es auf die Lebenswelt der Jugendlichen der Analyse zuzuschneiden – eine wie auch immer geartete sprachliche Autorität zuspricht. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Gleichberechtigung von geschriebener und gesprochener Sprache, wie die Fokussierung Ammons auf Schreiber und Sprecher zeigt.

3.2 Gesprochenes Standarddeutsch

Wurde die Standardvarietät lange Zeit in erster Linie als Schriftsprache verstanden, an der sich das Gesprochene zu orientieren habe, so spricht Schlobinski (1997) in der Tradition des Saussures vom „Primat der gesprochenen Sprache“22, wenn es um die Relevanz der gesprochenen Sprache in Relation zur geschriebenen geht.23

Nerius' (2005) Ausführungen zur Prager Schule u. a. folgend, sind beide Erscheinungsformen von Sprache gleichwertig zu betrachten, da sie unterschiedliche Funktionen erfüllen und unterschiedlichen Zwecken dienen.24 Grundsätzlich umfasst die Sprache an sich also die geschriebene und die gesprochene Sprache. Oder anders gesagt: Das System Sprache liegt unterschiedlichen Verwendungsweisen zugrunde.25 Besonders die gesprochene Sprache wartet mit Besonderheiten auf, die es zu beschreiben gilt. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass sich die gesprochene Sprache als eine einheitliche Form präsentiere; das „[...] unterschlägt die Vielfalt [...] des Mündlichen [...]“26. Basal ist die Unterscheidung aber insofern, als dass die geschriebene Sprache die Funktion innehat, „[...] sprachliche Handlungen der Flüchtigkeit zu entheben [...]“27, während sich die gesprochene Sprache hingegen grundsätzlich als „[...] hochgradig situationsverwoben und kontextsensitiv [...]“28 zeigt. Auch Schneider und Albert (2013) postulieren die Unterscheidung in gesprochene und geschriebene Sprache mit der Begründung, dass Aussagen in der gesprochenen Sprache als korrekt beurteilt würden, die es in der geschriebenen Sprache nicht wären.29 Der prototypisch-graduierenden Sichtweise von gesprochener Sprache folgend30, macht genau diese Differenz der beiden Verwendungsweisen von Sprache die gesprochene Form für mich als Ausgangsbasis meiner Analyse so interessant, da sie zwar flüchtiger, aber näher am Sprecher ist.

3.3 Konstruktionen gesprochener Sprache

Wie man nun aber die gesprochene Sprache segmentieren soll, ist seit Jahrzehnten umstritten.31 Um eine gewisse Struktur in die Konstruktionen von Äußerungen bringen zu können, orientiere ich mich an der Systematik von Fiehler et al. (2004), die den Einheiten von geschriebener Sprache (Text, Satz, Wort, Buchstabe) fünf Entsprechungen in der gesprochenen Sprache gegenüberstellen, die in dieser Arbeit die nächsten fünf Kapitel bilden: „das Gespräch, den Beitrag, funktionale Einheiten, Wörter und Laute.“32 Diese Segmentierung sprachlicher Äußerungen in die aufgeführten fünf Ebenen geht in der Ausklammerung der Einheit Satz bereits auf die Wirklichkeit gesprochener Sprache ein und nimmt mit dem Begriff der funktionalen Einheit die Pragmatik hinzu.

3.3.1 Gespräch

„'Gespräch' ist eine begrenzte Folge von sprachlichen Äußerungen, die dialogisch ausgerichtet ist und eine thematische Orientierung aufweist.“33 Das Gespräch ist als Rahmen zu verstehen, in dem Kommunikation in gesprochener Sprache stattfindet. Die Definition des Gesprächs fasse ich mit Brinker & Sager (2010) bewusst weit, da auch in meiner Analyse unter Punkt 6 verschiedenste Situationen vertreten sinA: Gespräche während der Raucherpause, das klassische Unterrichtsgespräch und die gestellte Gesprächssituation eines Interviews. Wichtig für das Spannungsfeld von formeller und informeller Sprachverwendung ist die soziale Situation. Die Gesprächsteilnehmer können als gleichberechtigte Partner auftreten und eine symmetrische Kommunikation erzeugen oder auf hierarchisch über- bzw. untergeordneten Stufen stehen, was sich ebenfalls im Gespräch widerspiegeln dürfte (vgl. Punkt 5.2).

3.3.2 Beitrag

In der Tradition von Sacks, Schegloff und Jefferson (1974) definieren Fiehler et al. (2004) den Beitrag wie folgt: „Ein Beitrag ist das, was eine Person mit Rederecht, A.h., ohne dass ihr das Recht zu sprechen von einer anderen streitig gemacht wird, äußert.“34 Nicht jede Äußerung ist so automatisch in diesem Sinne als Beitrag zu verstehen. Nebengespräche zählen genau so wenig dazu wie beispielsweise Rückmeldesignale oder ggf. Zwischenrufe der Hörer.35 Das Rederecht ist der zentrale Begriff, wenn es um die Definition des Beitrags geht und so ist von besonderem Interesse, wie es vom Sprecher aufrecht erhalten wird. Schwitalla (2006) führt dazu die Partikel „äh“, die Pausen füllt,36 und Gliederungssignale zu Beginn und zum Ende eines Beitrags ins Feld.37

3.3.3 Funktionale Einheit

„Die Beteiligten betrachten das als elementare Einheit, dem sie eine Funktion im und für den Kommunikationsprozess zuschreiben können.“38 Fiehler et al. spezifizieren diese Definition und geben die drei Bereiche „Sprechhandlungen“, „Aktivitäten, mit denen die Funktion anderer funktionaler Einheiten expliziert werden“ und „Aktivitäten, die den Kommunikationsprozess organisieren und strukturieren“39 an. Durchaus als funktionale Einheit fungieren dabei die sog. Heckenausdrücke, die der Sprecher verwendet, wenn er seine Äußerung mildern, abschwächen oder sich nicht ganz festlegen möchte.40 Auch führen Fiehler et al. als Beispiele die „[...] Adressierung, Verstehensanweisung [...] und Frage [...]“41 an. Die Funktionen sind ansonsten aber schwer zu fassen, sie sind „[...] außerordentlich vielfältig und heterogen, [...]“42, gleichwohl bietet Hennig (2006) zwei Schritte, die Einheit im Transkript zu fassen, an: Zunächst wird mit dem prosodischen Kriterium gearbeitet. Dabei gelten sowohl „fallende Intonation“43 als auch „längere Pausen“44 als Indiz für die Beendigung einer Einheit. Diese Indices können aber nur einen ersten Hinweis liefern. Mit dem syntaktischen Kriterium wird dieser Hinweis dann verifiziert oder falsifiziert. „Eine Einheit gilt als abgeschlossen, wenn die syntaktischen Projektionspotenzen realisiert sind [...]“.45

Die Syntax mündlicher Äußerungen findet in der Segmentierung nach Fiehler et al. nicht so Recht ihren Platz. Am ehesten ist sie meiner Meinung nach dem Punkt der funktionalen Einheit zuzurechnen, da die Syntax auch in der gesprochenen Sprache die Funktion der Strukturierung und die der Bildung von Einheiten beinhaltet. Die Syntax der gesprochenen Sprache wartet mit vielen Besonderheiten zur geschriebenen Version auf, die ganze Bücher füllt. In der gesprochenen Sprache „[...] gibt es eine Reihe von Phänomenen, die in einer traditionellen Satzanalyse nur schwer zu klären sind [...]“46.

Da dies den Rahmen meiner Arbeit sprengen würde, beschränke ich mich hier nun auf wenige, sich nicht mit den Besonderheiten von Jugendsprache unter Punkt 3.4.1 überschneidende Charakteristika, die lediglich einen Abriss der Vielfalt darstellen sollen. Dass sich in der Analyse unter Punkt 6 hingegen sämtliche vorkommenden Besonderheiten finden werden, ist selbstverständlich.

Löffler (2005) führt die Kriterien „Parataxe; Pausen und Wiederholungen; Konstruktionsbrüche; Abtönungen“47 auf der Ebene der Syntax auf. Schlobinski, Busler (1997)48 und Selting (1997)49 fügen Ellipsen als Charakteristikum hinzu und Auer (1997)50 referiert über die Besonderheiten der Vor-Vorfeldbesetzung. Der deontische Infinitiv wird von Schwitalla (2006)51 und von Deppermann (2007)52 als typisches Merkmal geführt.

3.3.4 Wort

Die Unterscheidung von funktionaler Einheit zum Wort liegt nach Fiehler et al. (2004) darin begründet, ob eine Äußerung das Gespräch strukturiert und organisiert oder ob es lediglich dem Formulierungsprozess des Sprechers dient.53 Zwischen der Einheit des Wortes und der nächsthöheren Ebene der funktionalen Einheit scheint lediglich ein schmaler Grat zu bestehen, der je nach Gesprächssituation und Funktion des einzelnen Wortes variiert. Einen guten Ansatz die Ebene des Wortes konkreter zu betrachten, liefert Schwitalla (2006) mit seinem Abschnitt über „Mündliche lexikalische Alternativen“54. Weiterführend sei an dieser Stelle auf Punkt 3.4.2 mit der Überschrift Register, Stil und Repertoire verwiesen.

3.3.5 Laut

Der Laut ist nach Fiehler et al. (2004) als kleinste Einheit zu verstehen. Hier befinden wir uns auf der phonetischen Ebene. Was die Aussprache ganz allgemein angeht, so schreibt Besch (2003) von einer „Annäherungsform“, die so standardnah sei, dass sie noch als Standard gelten könne. Er listet darunter den Wegfall des Schwa ['handl], stimmlose, die von stimmhaften Lenis-Lauten ersetzt werden, eine schwächere Aspiration von Verschlusslauten [p, G, k] und eine Aussprache, die sich eher an der Schriftsprache orientiert ['kø:nik].55 Gerade was also die Aussprache an sich betrifft, ist bei einer Analyse Vorsicht walten zu lassen, wenn es um eine Beurteilung geht. Denn „eine entsprechende Aussprache-Einheit im strikten Sinn hat es nie gegeben [...]“56. Dies unterstützt Schwitalla (2006): Auf phonetischer Ebene lassen sich Assimilationen, Synkopen, Elisionen und Enklisen finden, die durchaus von Sprachverwendern als regelkonform angesehen werden. Laute können auch insofern verändert werden, als dass sie Versprechern unterliegen, eine Lautverstärkung oder eine überdeutliche Artikulation erfahren.57 Rekurrierend auf Schwitalla (2003) und Fiehler (2004) ergänzt Löffler (2005) Besonderheiten gesprochener Sprache, wobei die folgenden Merkmale die Ebene des Lauts betreffen:

„Phonetische Sprech-Erleichterungen und Verschleifungen (Schnellsprech-, so genannte 'Allegro-Regeln'); häufigere Verwendung von Dialekt oder Merkmalen der regionalen Umgangssprache.“58

Fast schon zu offensichtlich liegen die Kriterien Prosodie, Sprachgeschwindigkeit, Pausen, Intonation, Klangfarbe und Lautstärke auf der Hand, wenn es um die Unterscheidung von gesprochener und geschriebener Sprache geht, weil diese Faktoren im Medium selbst begründet liegen. Darüber hinaus lassen sie aber auch Einschätzungen zum Gemütszustand des Sprechers, Einstellung zum sprachlich behandelten Thema, Emotionen und dergleichen zu.59

3.4 Vielfalt an Variationen

Wie unter Punkt 3.3 geschrieben, wird zwischen geschriebener und gesprochener Sprache unterschieden. Aber auch die gesprochene Sprache an sich ist nicht homogen. Einzig und allein das Medium eint sämtliche Variationen gesprochener Sprache.

Stephen Barbour und Patrick Stevenson (1998) weisen die Variation als grundlegendes Merkmal einer jeden Sprache aus60 und auch Heinrich Löffler (2005) zählt über Seiten unzählige, zu spezifizierende Variationen auf61.

In der Definition nach Berruto (2004) lässt sich die Varietät an den Kriterien „[...] Zeit, Raum, soziale Schicht, soziokommunikative Situation und [...] Medium/ Kanal der Kommunikation [...]“62 bestimmen, sodass sich insgesamt vier bzw. fünf Klassen ergeben; die da wären: „Außer den diachronen Varietäten [...] gibt es diatopische (geographische), diastratische (soziale), diaphasische (situative, situationale, funktional-kontextuelle) und eventuell mediale (diamesische [...]).“63

In der Klasse der diastratischen Varietäten ist die Einteilung, die Maas (2008) vorstellt, zu finden: Zurückgehend auf die grobe antike Einteilung der Register 'formell', 'informell' und 'intim' stellt er in seinem Schaubild das Spannungsfeld zwischen Formalität und Intimität dar. Während ein formeller Anlass nur mit dem Intimitätsgrad 'öffentlich' korrelieren kann, der – so definiert – einer gesellschaftlichen Institution zuzurechnen wäre, kann das Kriterium 'informell' mit den Indizes 'öffentlich' (Markt, Straße etc.) und 'intim' (Familie, Clique, Freunde etc.) in Kombination auftreten.64 Der Rahmen der Jugendwerkstatt, in dem sich die Jugendlichen der aufgenommenen Gesprächsbeiträge befinden, changiert demnach ständig zwischen formell und informell. Deutlich wird mit Maas, dass Verständigung im informell-intimen Rahmen nicht nur durch Sprache gelingt. In formellen Anlässen dagegen ist sie unabdingbar: Hier gelingt Verständigung ausschließlich durch Sprache.65

Folgend beschränke ich mich nun auf die Variationen, die für die Analyse unter Punkt 6 von Belang sind.

3.4.1 Jugendsprache

Jugendsprache ist wohl noch die populärste Variation, wenn man sich einschläge Medien und die Auswahl einiger Buchhandlungen zu Gemüte führt: Langenscheidt verlegt jährlich das Buch „100 % Jugendsprache“66, gerne wird die Jugendsprache von Comedians karikiert67 und regelmäßig wird sie als Damoklesschwert, das sprachlichen Verfall bringt, gedeutet68 69. Doch die Jugendsprache gibt es gar nicht, sondern vielmehr „[...] verbirgt sich hinter dem Phänomen der Jugendsprache eine Vielzahl soziologischer und linguistischer Faktoren.“70 Der Begriff Jugendsprache impliziert, dass die Jugend eine Sprache spräche, doch ist die Jugend zu heterogen, als dass sie eine Einheit darstellen könnte. Androutsopoulos (2001) definiert Jugendsprache deswegen als „[...] einen 'andersartigen', 'abweichenden', 'innovativen' Sprachgebrauch, der vorzugsweise bei ganz bestimmten Jugendgruppen erwartet wird.“71 Während Androutsopoulos hier abstrakt bleibt, wird er bei dem einzig einenden Kriterium konkret und definiert Jugend von „[...] einschließlich der Postadoleszenz bis zum Ende des dritten Lebensjahrzehnts [...]“72 reichend. Jugendsprache wird so zum „Übergangsphänomen“73. Der begrenzte Zeitraum, in dem Jugendsprache von seinen Sprechern authentisch verwendet werden kann, ist sicher entscheidend für die Innovation und den Wandel, den die Jugendsprache mit jeder Generation aufs Neue bewirkt.74 Sprache als Ausdruck sozialer Identität75 ist besonders für Jugendliche, die sich in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit befinden, eine wichtige Form von Individualität und deren Findung. Neuland (1994) führt dazu ebenfalls die bewusste Abgrenzung der Jugendlichen zur Welt der Erwachsenen an, die sprachlich betrieben wird und besonders auf lexikalischer Ebene Ausdruck findet.76 Mit Rückgriff auf Maas (2008) ist die Jugendsprache im informellen Sprachgebrauch anzusiedeln (vgl. Punkt 7). Besonders die Kommunikationsformen des Frotzelns und des Lästerns eignen sich, um anderen im intimen Rahmen soziale Rollen zuzusprechen.77

Schlobinski, Kohl und Ludewigt (1993) machen Jugendsprache an den typischen Charakteristika Anglizismen und Lautmalereien fest.78 Das umfasst die Jugendsprache natürlich nicht annähernd in ihrer Gänze. Neuland (2007) fügt lexikalische Besonderheiten wie „Verstärkungspartikel“, „Schimpfwörter und Fäkalausdrücke“ und „Wertungsausdrücke“ als Bestandteile von Jugendsprache hinzu und stellt gerade in der gesprochenen Sprache auch phonetische Kriterien wie „Verschleifungen“, „Interjektionen“, prosodische Merkmale wie „Wechsel von Lautstärke und Sprechgeschwindigkeit, Akzentuierungen, Rhythmisierungen“, syntaktische Auffälligkeiten wie „Ellipsen“, „Anakoluthe“, „Verbspitzenstellungen“ und phraseologische Besonderheiten wie „Wiederholungen“ und „formelhaftes Sprechen“ heraus.79

Darüber hinaus ist zu beachten, dass meine Analyse hauptsächlich auf Gesprächen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund basiert. Hier machen sich weitere Spracheinflüsse bemerkbar, die auch in der gesprochenen Sprache dieser Jugendlichen Ausdruck finden und in „Code-switching und sprachlichen Mischungen“80 und in „ethnolektalen Ausprägungen von Standardsprache“81 münden.

Was das Code-switching angeht, so stellen Keim und Knöbl (2007) fest, dass die Sprecher bei der Mischung unterschiedlicher Sprachen die Strukturen der einzelnen Systeme beachten82 ;

„[...] dass Sprecher, die eine hohe Kompetenz im Mischen ausgebildet haben, auch in monolingualem Deutsch kompetent sind und dass sprachliche Wechsel diskursive, interaktive und soziale Funktionen haben können.“83

Dieses Ergebnis widerspricht der These der sog. doppelten Halbsprachigkeit nach Cummins (1979).

Zur besonderen Ausprägung der gesprochenen Sprache Jugendlicher in einem Innenstadtviertel Mannheims stellten Keim und Knöbl folgende Charakteristika fest:

- Wegfall von Präpositionen und Artikel in Lokal- und Richtungsangaben
- Generalisierung der Verben 'gehen' und 'machen'
- Verwendung von Formeln wie isch schwör zur Bestätigung und isch hass des zur negativen Bewertung
- Verwendung türkischer Formen zur Anrede [...], zur Beschimpfung [...] und als Interjektionen und Diskursmarker
- eine spezielle Art der Informationsvermittlung, die einen hohen Grad an geteiltem Wissen voraussetzt und nur einen geringen Teil dessen explizit macht, was für den Gesprächspartner zum Verständnis notwendig ist
- ein Komplex lautlicher Merkmale

Gelegentlich kommen vor:

- Ausfall des Artikels in Nominal- und Präpositonalphrasen
- Ausfall von Pronomina
- Andere Genera
- Andere Verbrektion
- Andere Wortstellung“84

Die Jugendsprache schlechthin existiert unter Rückgriff auf Schlobinski et al. (1993) nicht und gerade für ethnolektale Ausprägungen im Sprachgebrauch gibt es in Deutschland diverse Bezeichnungen: Kiezdeutsch (vgl. Wiese, 2006), Kanaksprak (vgl. Dirim und Auer, 2004), Türkendeutsch (vgl. Androutsopoulos, 2001), um die gängigsten Vertreter zu nennen. In meiner Analyse möchte ich daher beleuchten, wie sich die Verwendung von gesprochener Sprache bei ausgewählten Jugendlichen gestaltet.

3.4.2 Register, Stil und Repertoire

Neben der angeführten Jugendsprache existiert eine Vielzahl von Sprachvarietäten. Auf der Ebene des Worts (vgl. Punkt 3.3.4) befinden sich Register, Stil und Repertoire. Das Register ist dabei eine Varietät, die von der konkreten Situation, den Gesprächsteilnehmern und dem Thema bestimmt wird. Register sind dabei relativ verfestigt, „[...] i. S. von Erwartungen an die individuelle Sprachpraxis.“85 Je nach gewähltem Register entscheidet sich, ob ein Sprecher in beispielsweise formellem oder informellem Kontext sprachlich angemessen bzw. unangemessen agiert. Trotz allem kann der Sprecher auch in einer von Erwartungshaltungen geprägten Situation im Ausdruck variieren. Diese Variation bezeichnet den Stil.86 Repertoire wiederum meint das komplette Spektrum an Möglichkeiten eines Individuums, sich auszudrücken. Durch die Auswahl einer angemessenen Verwendungsweise aus seinem Repertoire verhält sich das Individuum registerspezifisch.87

Ohne Kontext, ohne zu wissen, ob es sich bei einer Situation um eine informelle oder formelle handelt, lassen sich Register, Stil und Repertoire weder angemessen verwenden, noch Ihre Passfähigkeit analysieren.

4. Soziolinguistischer Aspekt meiner Arbeit

Sprache – und das betrifft die gesprochene im Besonderen – lässt sich demnach schwerlich isoliert betrachten, da sie so viel mehr vermittelt, als das Gesagte. Schon lange ist bekannt, dass Sprache in sozialsymbolischer Form immer auch eine Aussage über den Sprecher macht88 ; und nicht nur das: „Wann und zu welchem Zweck spricht (oder schreibt) wer welche Sprache (oder welche Sprachvarietät) mit wem (an wen)?“89 Mit dieser berühmten Grundsatzfrage nach Fishman (1975) stellt sich seit einigen Jahrzehnten das relativ junge Fachgebiet der Soziolinguistik dar. Vor allem William Labov hat mit seinem Werk „Sprache im sozialen Kontext“ (1980) dieser interdisziplinären Forschung den Weg bereitet. U. a. federführend ist in Deutschland Norbert Dittmar, der Soziolinguistik zwischen „[...] Sprache und Gesellschaft [...]“90 sieht. Löffler (2005) definiert die Soziolinguistik als „[...] eine handwerkliche Beschäftigung mit den Erscheinungsweisen des aktuellen Sprachgebrauchs [...]“91. Auch meine Arbeit soll sich stark an den Sprechern selbst und ihrem Umgang mit Sprache orientieren.

4.1 Sprache als Statusmerkmal – Sprache und Prestige

Sprache – egal ob geschriebener oder gesprochener Art – ist immer von sozialen Faktoren determiniert. Besonders die gesprochene Sprache verfügt dabei über die Möglichkeit der Binnendifferenzierung sowie über ein vielschichtiges System ihrer Verwendung.92 Nerius stellt sie als „[...] ein in intensiver Ausbildung zu erwerbendes Bildungsgut [...]“93 dar. Die gesprochene Sprache wird damit zum differenzierten Abziehbild der sozialen Realität, die ständig beurteilt wird. So führt sie zur „[...] Herstellung hierarchischer sozialer Rangordnungen [...]“94. Dass die Diskussion um die Standardsprachlichkeit nahezu in emotionalisierten Glaubenskriegen gipfelt, wie in den Punkten 2 und 3.1 angerissen, wird so plausibel, denn hinter Begriffen wie Hierarchie und Rangordnung verbirgt sich immer auch Macht.

Steinig (1976) belegt diese Theorie und zeigt, dass bei Nacherzählungen von Grundschulkindern aus dem Ruhrgebiet anhand von vorher festgelegten sprachlichen Stigma- und Prestige-Merkmalen auf deren soziale Herkunft geschlossen werden kann.95 Steinig führt über Seiten Statusmerkmale von Sprache auf, u. a. finden sich bei den Stigmasignalen Unregelmäßigkeiten im Kasus, ein einfacher, begrenzter Wortschatz, Enklisen und Verschleifungen sowie eine nicht regelkonforme Pluralbildung. Steinig bemerkt, dass die Auflistung von Prestigemerkmalen weit geringer ausfällt.96 Ganz offensichtlich hielten die Lehramtsstudierenden, mit deren Hilfe das Projekt umgesetzt wurde, Prestigemerkmale gleichbedeutend mit dem normalen Gebrauch der Standardvarietät. Dies belegt auch ein Vergleich der Kategorien: Ist ein einfacher und begrenzter Wortschatz ein Stigma, so ist ein vielfältiger und vielschichtiger Wortschatz als Prestige zu werten.

Bei aller Subjektivität der Erstellung von Merkmalen und aller Bedenklichkeit der Begriffswahl von Prestige und Stigma zeigt Steinigs Arbeit eindrucksvoll, dass vom konkreten Sprachgebrauch auf die soziale Herkunft geschlossen werden kann.

4.2 Soziolekt

Dass Steinig (1976) zu einem signifikant eindeutigem Ergebnis kommen konnte, dürfte u. a. am Soziolekt gelegen haben. In Abhängigkeit mit den soziologischen Variablen Individuum, dem sozialen System – bestehend aus Familie, Schule und Freunden – und der Entwicklung des Individuums in Abhängigkeit vom Alter bildet sich die sprachliche Variante des Soziolekts.97 Sie ist insofern habitualisiert, als dass der Soziolekt vom Individuum von klein auf durch Sozialisation unbewusst und zumindest zunächst unreflektiert übernommen wird. Diese Varietät von Sprache spiegelt also ganz konkret die soziale Herkunft durch die vom Individuum verwendete Sprache und damit auch Prestige oder Stigma des jeweiligen Milieus wider, wie Steinig (1979) beweisen konnte.

Löffler (2005) berichtigt zwar die Merkmale Steinigs „dat“ und „wat“ als typisch „ruhrdeutsch“98, erkennt aber die zutreffende Bestimmung des Herkunftsmilieus anhand sprachlicher Merkmale an. Auch Dittmar (1997) legt Merkmale des Soziolekts fest. So lasse sich dieser an „[...] der Organisation von Parataxe und Hypotaxe, einer gewissen Nachlässigkeit in der formalen Organisation der Sprache, durch bestimmte Gliederungssignale und Gesprächswörter“99 beobachten. Die Standardvarietät ist mit hohem Prestige verbunden, während diverse Lekte gegenteilig bewertet werden.

5. Korpus: Gespräche und Interviews von und mit Kölner Jugendlichen

5.1 Das Stadtviertel Köln-Mülheim

Die Aufnahmen fanden im Kölner Stadtteil Mülheim in der Jugendwerkstatt der Jugendhilfe Köln e. V. statt. Mülheim war bis 1914 eigenständig, wurde dann eingemeindet und zählt heute als Stadtbezirk Mülheim 144.000 Einwohner. In der Vergangenheit siedelten sich große Unternehmen der verarbeitenden Stahlindustrie wie Felten & Guilleaume, Carlswerk usw. an.100 Gastarbeiter wurden gebraucht, um den enormen Arbeitsaufwand stemmen zu können. Anschließende Werkschließungen und Umstrukturierungen hinterließen vor allem eins: „[...] soziale Probleme.“101 2012 meldeten sich 15,5 % Einwohner des Viertels arbeitslos; darunter eine Jugendarbeitslosenquote von 12,4 %.102 Mülheim hat mit 22 Grundschulen die meisten Grundschulen der Kölner Stadtbezirke, aber nur fünf Gymnasien und genauso viele Förderschulen. 10-19,9 % der Schülerinnen und Schüler besuchen nach der vierten Klasse der Grundschule die Hauptschule. Zum Vergleich: In den Kölner Stadtbezirken Lindenthal und Rodenkirchen liegt dieser Anteil bei unter 3 %.103 Mit Stand von 2006 weisen 33,7 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund auf.104 Die Keupstraße, Kölner Zentrum des türkischen Geschäftslebens und von Restaurants, türkischen Bäckereien, Friseuren und Geschäften geprägt, erlangte 2004 als Ziel des NSU-Attentats traurige Berühmtheit.105

[...]


1 Klein: Warum brauchen wir einen klaren Begriff von Standardsprachlichkeit und wie könnte er gefasst werden? S. 29.

2 Ebd., S. 19.

3 Maitz und Elspaß: Zur Ideologie des 'Gesprochenen Standarddeutsch', S. 35.

4 Klein: Warum brauchen wir einen klaren Begriff von Standardsprachlichkeit und wie könnte er gefasst werden? S. 23.

5 Staffeldt: Auf dem Weg zum pragmatischen Standard mit Entschuldigungen, S. 85.

6 Vgl. Maitz und Elspaß: Zur Ideologie des 'Gesprochenen Standarddeutsch', S. 35-36.

7 Klein: Warum brauchen wir einen klaren Begriff von Standardsprachlichkeit und wie könnte er gefasst werden? S. 17.

8 Elspaß: Standardisierung des Deutschen. Ansichten aus der neueren Sprachgeschichte 'von unten'. S. 93.

9 Eichinger: Wer fest steht, kann sich freier bewegen. Freiheit im Rahmen standardsprachlicher Normen. S. 3.

10 Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft, S. 648.

11 Barbour: Standardvariation im Deutschen und im Englischen: Auswirkungen auf die Kommunikation zwischen Sprechern beider Sprachen, S. 324.

12 Klein: Warum brauchen wir einen klaren Begriff von Standardsprachlichkeit und wie könnte er gefasst werden? S. 16-17.

13 Vgl. ebd., S. 24-26.

14 Vgl. Klein: Warum brauchen wir einen klaren Begriff von Standardsprachlichkeit und wie könnte er gefasst werden? S. 27.

15 Maitz und Elspaß: Zur Ideologie des 'Gesprochenen Standarddeutsch', S. 35.

16 Vgl. ebd., S. 37.

17 Vgl. Maitz und Elspaß: Zur Ideologie des 'Gesprochenen Standarddeutsch', S. 38.

18 Vgl. ebd., S. 35-39.

19 Vgl. Ammon: Standard und Variation: Norm, Autorität und Legitimation, S. 28-40.

20 Ebd., S. 32.

21 Ebd., S. 33.

22 Schlobinski: Zur Analyse syntaktischer Strukturen in der gesprochenen Sprach, S. 10.

23 Vgl. auch Fiehler, Barden, Elstermann und Kraft: Eigenschaften gesprochener Sprache, S. 49-50.

24 Vgl. Nerius: Gesprochene und geschriebene Sprache, S. 1636.

25 Vgl. Schwitalla: Gesprochenes Deutsch, S. 18.

26 Fiehler, Barden, Elstermann und Kraft: Eigenschaften gesprochener Sprache, S. 19.

27 Ebd., S. 20.

28 Ebd., S. 21.

29 Vgl. Schneider und Albert: Medialität und Standardsprache – oder: Warum die Rede von einem gesprochenen Gebrauchsstandard sinnvoll ist, S. 51.

30 Vgl. Schneider und Albert: Medialität und Standardsprache – oder: Warum die Rede von einem gesprochenen Gebrauchsstandard sinnvoll ist, S. 50-51.

31 Vgl. u.a. Schwitalla: Gesprochenes Deutsch, S. 83-84.

32 Fiehler, Barden, Elstermann und Kraft: Eigenschaften gesprochener Sprache, S. 175.

33 Brinker und Sager: Linguistische Gesprächsanalyse, S. 12.

34 Fiehler, Barden, Elstermann und Kraft: Eigenschaften gesprochener Sprache, S. 197.

35 Vgl. ebd., S. 201.

36 Vgl. Schwitalla: Gesprochenes Deutsch, S. 89.

37 Vgl. ebd., S. 150.

38 Fiehler, Barden, Elstermann und Kraft: Eigenschaften gesprochener Sprache, S. 204 (Kursivschreibung im Original).

39 Ebd., S. 205.

40 Vgl. Schwitalla: Gesprochenes Deutsch, S. 155-156.

41 Fiehler, Barden, Elstermann und Kraft: Eigenschaften gesprochener Sprache, S. 212.

42 Fiehler, Barden, Elstermann und Kraft: Eigenschaften gesprochener Sprache, S. 205.

43 Hennig: Grammatik der gesprochenen Sprache in Theorie und Praxis, S 221.

44 Ebd.

45 Ebd.

46 Schlobinski: Zur Analyse syntaktischer Strukturen in gesprochener Sprache, S. 11.

47 Löffler: Germanistische Soziolinguistik, S. 86.

48 Vgl. Busler und Schlobinski: "Was er (schon) (...) konstruieren kann – das sieht er (oft auch) als Ellipse an." Über 'Ellipsen', syntaktische Formate und Wissensstrukturen, S. 93-116.

49 Vgl. Selting: Sogenannte 'Ellipsen' als interaktiv relevante Konstruktionen? Ein neuer Versuch über die Reichweite und Grenzen des Ellipsenbegriffs für die Analyse gesprochener Sprache in der konversationellen Interaktion, S. 117-156.

50 Vgl. Auer: Formen und Funktion der Vor-Vorfeldbesetzung im gesprochenen Deutsch, S. 55-92.

51 Vgl. Schwitalla: Gesprochenes Deutsch, S. 135.

52 Vgl. Deppermann: Grammatik und Semantik aus gesprächsanalytischer Sicht, S. 113-114.

53 Vgl. Fiehler, Barden, Elstermann und Kraft: Eigenschaften gesprochener Sprache, S. 205.

54 Vgl. Schwitalla: Gesprochenes Deutsch, S. 149-150.

55 Vgl. Besch: Aussprache-Standardisierung am grünen Tisch? Der Siebs nach 100 Jahren, S. 20.

56 Ebd., S. 25.

57 Vgl. Schwitalla: Gesprochenes Deutsch, S. 38-48.

58 Löffler: Germanistische Soziolinguistik, S. 86.

59 Vgl. ebd., S. 56-82.

60 Vgl. Barbour und Stevenson: Variation im Deutschen. Soziolinguistische Perspektiven, S. 110.

61 Vgl. Löffler: Wieviel Variation verträgt die deutsche Standardsprache? S. 9-13.

62 Berruto: Sprachvarietät – Sprache, S. 266.

63 Ebd., S. 266-267.

64 Vgl. Maas: Sprache und Sprachen in der Migrationsgesellschaft. Die schriftkulturelle Dimension, S. 43.

65 Vgl. ebd., S. 44.

66 Vgl. http://www.langenscheidt.de/100-Prozent-Jugendsprache, letzter Zugriff 28.10.2014, 16:56 Uhr.

67 Vgl. Stelter, BernA: https://m.youtube.com/watch?v=I_UsFhxCh-4, letzter Zugriff 28.10.2014, 17:00 Uhr.

68 Vgl. Schlobinski und Heins: Jugendliche und 'ihre' Sprache. Sprachregister, Jugendkulturen und Wertesysteme, S. 10.

69 Vgl. http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1984-28.html, letzter Zugriff 30.10.2014, 13:07 Uhr.

70 Schlobinski, Kohl & Ludewigt: Jugendsprache – Fiktion und Wirklichkeit, S. 64.

71 Androutsopoulos: Von fett zu fabelhaft: Jugendsprache in der Sprachbiografie, S. 59.

72 Ebd., S. 56.

73 Ebd., S. 55.

74 Vgl. NeulanA: Jugendsprache und Standardsprache. Zum Wechselverhältnis von Stilwandel und Sprachwandel, S. 96.

75 Vgl. Schönpflug: Individuum, S. 422.

76 Vgl. NeulanA: Jugendsprache und Standardsprache. Zum Wechselverhältnis von Stilwandel und Sprachwandel, S. 98.

77 Vgl. NeulanA: Jugendliche als Sprachakteure: Formen sprachlicher Stilbildung und sozialer Distinktion, S. 17.

78 Vgl. Schlobinski, Kohl und Ludewigt: Jugendsprache – Fiktion und Wirklichkeit, S. 26-27.

79 NeulanA: Subkulturelle Sprachstile Jugendlicher heute. Tendenzen der Substandardisierung in der deutschen Gegenwartssprache, S. 133-134.

80 Keim und Knöbl: Sprachliche Varianz und sprachliche Virtuosität türkisch-stämmiger Ghetto-Jugendlicher in Mannheim, S. 159.

81 Ebd.

82 Vgl. ebd., S. 160.

83 Ebd.

84 Keim und Knöbl: Sprachliche Varianz und sprachliche Virtuosität türkisch-stämmiger Ghetto-Jugendlicher in Mannheim, S. 162-163.

85 Maas: Sprache und Sprachen in der Migrationsgesellschaft. Die schriftkulturelle Dimension, S. 42.

86 Vgl. ebd.

87 Vgl. Pütz: Sprachrepertoire, S. 226-227.

88 Vgl. Hess-Lüttich: Die sozialsymbolische Funktion der Sprache, S. 491.

89 Fishman: Soziologie der Sprache. Eine interdisziplinäre sozialwissenschaftliche Betrachtung der Sprache in der Gesellschaft, S. 15.

90 Dittmar: Grundlagen der Soziolinguistik, S. 20.

91 Löffler: Germanistische Soziolinguistik, S. 11.

92 Vgl. Nerius: Gesprochene und geschriebene Sprache, S. 1634.

93 Ebd.

94 Dittmar: Grundlagen der Soziolinguistik, S. 122.

95 Vgl. Steinig: Soziolekt und soziale Rolle. Untersuchungen zu Bedingungen und Wirkungen von Sprachverhalten unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen in verschiedenen sozialen Situationen.

96 Vgl. ebd., S. 77-89.

97 Vgl. Steinig: Soziolekt und soziale Rolle. Untersuchungen zu Bedingungen und Wirkungen von Sprachverhalten unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen in verschiedenen sozialen Situationen, S. 11, 115-116.

98 Löffler: Germanistische Soziolinguistik, S. 117.

99 Dittmar: Grundlagen der Soziolinguistik, S. 10.

100 Vgl. http://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/stadtbezirke/muelheim/muelheim, letzter Zugriff 23.10.2014, 13:50 Uhr.

101 http://www.soziale-stadt.nrw.de/stadtteile_projekte/profil.php?st=koeln-muelheim, letzter Zugriff 23.10.2014, 13:55 Uhr.

102 http://www.offenedaten-koeln.de/sites/default/files/2012_Beschaeftigte_Stadtteil.csv, letzter Zugriff 20.11.2014, 14:44 Uhr.

103 Statistisches Jahrbuch 2011 der Stadt Köln, unter http://www.offenedaten-koeln.de/sites/default/files/2012-05-29-statistisches_jahrbuch_koeln_2011.pdf, S. 165-170, letzter Zugriff 20.11.2014, 15:00 Uhr.

104 Vgl. http://www.koeln.de/veedel/muelheim/daten_und_fakten_7168.html, letzter Zugriff 23.10.2014, 14:17 Uhr.

105 Vgl. u. a. Aust, Stefan und Laabs, Dirk (2014): Das dubiose Behördenversagen nach der Nagelbombe. NSU-Anschlag in Köln. In Die Welt unter http://www.welt.de/politik/deutschland/article128843458/Das-dubiose-Behoerdenversagen-nach-der-Nagelbombe.html, letzter Zugriff 20.11.2014, 15:16 Uhr.

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
"Brudi, gönn' Dir!" Kölner Jugendliche im Spannungsfeld zwischen formellem und informellem Sprachgebrauch
Hochschule
Universität Paderborn  (Germanistik)
Autor
Jahr
2014
Seiten
101
Katalognummer
V296172
ISBN (eBook)
9783656940951
ISBN (Buch)
9783656940968
Dateigröße
867 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
brudi, kölner, jugendliche, spannungsfeld, sprachgebrauch
Arbeit zitieren
Bernadette Greiten (Autor), 2014, "Brudi, gönn' Dir!" Kölner Jugendliche im Spannungsfeld zwischen formellem und informellem Sprachgebrauch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296172

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