Die ersten Phasen des Peloponnesischen Krieges von 431 - 415 v. Chr. Ausgangslage, Bündnissysteme und Kriegsstrategien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Landmacht Sparta
2.1 Sparta vor dem Peloponnesischen Krieg
2.2 Sparta und der Peloponnesische Bund
2.3 Die Kriegsstrategie Spartas

3 Die Seemacht Athen
3.1 Athen vor dem Peloponnesischen Krieg
3.2 Athen und der Attisch-Delische-Seebund
3.3 Die Kriegsstrategie Athens

4 Die Ursachen des Peloponnesischen Kriegs

5 Der Peloponnesische Krieg von 431 v. Chr. bis zum Sizilienfeldzug
5.1 Vor dem Kriegsausbruch

6 Kriegsverlauf
6.1 Der Beginn des Archidamische Krieg
6.2 Die Kriegsschauplätze der ersten Jahre
6.3 Die Schlacht von Sphakteria
6.4 Der Brasidiasfeldzug und die Schlacht bei Amphipolis
6.5 Der Nikiasfrieden

7 Fazit
7.1 Kriegskosten
7.2 Erreichung der Kriegsziele
7.3 Moralischer Niedergang

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Einfluss des antiken Griechenlands auf die Welt, wie wir sie heute kennen, kann nicht als groß genug bewertet werden. Die philosophischen, kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften revolutionierten die damalige Welt und legten den Grundstein für unsere heutigen modernen Gesellschaften.

Städte wie Sparta und Athen setzten in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe, wie zum Beispiel mit dem Konzept der Demokratie aus dem damaligen Athen.

Aber auch militärisch bot das antike Griechenland bisher nie da gewesenes kriegerisches Geschick und innovative Kriegsstrategien, wie die spartanische Phalanx. Griechische Staaten, allen voran Sparta, schufen Kriegereliten, welche in jener Zeit nicht selten gegeneinander zu Feld zogen. Kleinere Auseinandersetzungen, in denen Krieger ihre Fähigkeiten mit denen der benachbarten Staaten maßen, waren nahezu alltäglich. Aber es gab auch große regional übergreifende Konflikte, die aufgrund ihrer historischen Bedeutsamkeit unvergessen sind und nach wie vor in der Geschichtswissenschaft diskutiert werden. Das wohl berühmteste Beispiel für einen solchen Konflikt im antiken Griechenland ist der Peloponnesische Krieg. Dank des antiken athenischen Historikers Thukydides, der für damalige Verhältnisse auf ausgesprochen hohem Niveau Geschichte niederschrieb, hat die heutige Geschichtswissenschaft äußerst detaillierte Informationen über die damaligen Ereignisse in Griechenland.

Zur Entstehung dieses Krieges trug der Kampf um die im fünften Jahrhundert in gleichem Maße von Athen und Sparta angestrebte Vorherrschaftsstellung in Griechenland maßgeblich bei. Die verschiedenen Bündnissysteme, in denen sich beide Staaten befanden, sorgten dafür, dass weite Teile Griechenlands ab Kriegsbeginn 431 v. Chr. involviert waren. Sparta und der Peloponnesische Bund waren zu Lande durch deren starke Hoplitenaufgebote in der Übermacht, während Athen als Kopf des Attisch-Delischen Seebundes zu Wasser im Vorteil war.

Die Ausmaße, die dieser Krieg annehmen sollte, führten dazu, dass in der heutigen Geschichtswissenschaft nicht selten von einem „antiken Weltkrieg“ gesprochen wird.

In Folge möchten wir diese große Auseinandersetzung in der Antike zwischen Sparta und Athen sowie deren jeweiligen Bündnern darstellen. Hierzu möchten wir zunächst die Ausgangslage in Sparta und Athen skizzieren und in diesem Zusammenhang auf deren Bündnissysteme eingehen. Anschließend beschreiben wir die Kriegsstrategien und kommen dann auf den Kriegsverlauf an sich zu sprechen. Abschließend stellen wir die Folgen und Zwischenergebnisse innerhalb eines Fazits dar.

2 Die Landmacht Sparta

2.1 Sparta vor dem Peloponnesischen Krieg

Die ruhmreichen Zeiten Spartas, welche ihren Höhepunkt in den siegreichen Schlachten im Perserkrieg erreichten, schienen zu Anfang des fünften Jahrhunderts v. Chr. zunehmend in Vergessenheit zu geraten. Grund hierfür war das in dieser Zeit stark aufstrebenden Athen, welches sich zum kulturellen Zentrum Griechenlands entwickelte und Sparta zunehmend in den Schatten stellte.1 Die sich verändernden Machtverhältnisse in Griechenland sollten in den folgenden Jahrzehnten zum zentralen Thema werden.

Den Anfang für die in der folgenden Zeit aufkommenden Probleme bildete der Austritt Athens aus dem Peloponnesischen Bund. Damit veränderte sich die Ausgangslage grundlegend. Es gab nicht länger ein geeintes Griechenland unter der Führung Spartas, sondern auf der einen Seite stand jetzt Athen als Hegemon des Attisch-Delischen Seebundes und auf der anderen Seite Sparta als Oberhaupt des Peloponnesischen Bundes. Griechenlands Teilung in zwei Einflussbereiche war damit vollzogen.2

Neben diesen politischen und strukturellen Veränderungen in Griechenland machten Sparta auch die Folgen des Perserkrieges (500 - 479 v. Chr.) sehr zu schaffen. Die ca. 8.000 Vollbürger, die Sparta in dieser Zeit besaß, mussten beträchtliche Opfer bringen. Militärische Reformen waren zwingend erforderlich und der Bedarf nach einer Einbeziehung der Periöken in das spartanische Heer wurde größer. Darüberhinaus sollten Helotenaufstände in der folgenden Zeit immer häufiger das Alltagsgeschehen in Sparta beeinflussen. So zum Beispiel 464 v. Chr. im Zuge des schwereren Erdbebens.3 Die geringe Anzahl an Vollbürgern sollte Sparta nicht zuletzt zum Problem werden.

Neben den Problemen mit den Periöken hatte Sparta auch mit anderen Städten auf die Peloponnes Zwistigkeiten. In jener Zeit kam es nicht nur mit dem seit längerer Zeit verfeindeten Argos zu Konflikten, sondern auch mit Verbündeten wie Elis, Mantineia und verschiedenen arkadischen Städten.4

Spartas Aufmerksamkeit war somit weitestgehend an die Erhaltung des Bündnissystems und an die Situation auf die Peloponnes gebunden, während Athen seinen Einfluss und seine Macht kontinuierlich ausdehnte.

2.2 Sparta und der Peloponnesische Bund

Ab wann genau Allianzen zwischen peloponnesischen Städten zur gegenseitigen Unterstützung geschlossen wurden ist unbekannt. Einiges spricht dafür, dass dies bereits im späten sechsten Jahrhundert der Fall war, als beispielsweise Sparta und Korinth 525 v. Chr. gemeinsam gegen Samos vorgingen. Eindeutig belegt ist eine peloponnesische Symmachie unter der Führung Spartas erst ab 507/506 v. Chr. Im fünften Jahrhundert wurde die Bezeichnung „Die Lakedaimonier und ihre Bundesgenossen im Kampf“ für die Allianz der Peloponnesier verwendet. In der heutigen Wissenschaft wird dieses antike Bündnissystem als Peloponnesischer Bund bezeichnet.5

Der Peloponnesische Bund hatte in dieser frühen Phase noch eine sehr lockere Struktur und unterschied sich grundlegend vom dem späteren, im Vorfeld des Peloponnesischen Krieges operierenden, Bündnis der Peloponnesier. Es kam beispielsweise dazu, dass einzelne Parteien des Bündnisses dem Ruf Spartas nicht Folge leisteten und ihre Unterstützung verwehrten.6

Wertvolle Aufschlüsse über das Wesen des damaligen Peloponnesischen Bundes liefert eine vermutlich aus den siebziger Jahren des fünften Jahrhunderts stammende bruchstückhaft erhaltene Inschrift, welche Textabschnitte eines Vertragstextes zwischen Sparta und Erxadieis enthält.7 Hier werden die „Freund-Feind-Klausel“ und die „Hegemonialklausel“ erstmals erwähnt. Darüberhinaus wird durch diese Inschrift deutlich, dass das damalige Bündnissystem Spartas keineswegs geschlossen war. Es konnten jederzeit neue Mitglieder aufgenommen werden. Charakteristisch für das Bündnissystem ist auch, dass jeder Bündnispartner einen separaten Vertrag mit Sparta schloss.8 Mitglieder des Bundes konnten also durchaus, trotz ihrer gemeinsamen Mitgliedschaft, untereinander verfeindet sein. Ebenso konnten sie eigene Bündnisse mit anderen Parteien schließen. Sparta war jedoch stets der übergeordnete Partner.9

In Folge entwickelte sich das Bündnis der Peloponnesier zunehmend zu einer sogenannten „ ‚hegemonialen Symmachie‘ “.10 Dies äußerte sich dadurch, dass Sparta die Heerführung beanspruchte und sich die Entscheidung über den Beitritt neuer Bündnismitglieder vorbehielt. Was diesen Aspekt angeht, kann also nicht von einer Gleichberechtigung innerhalb des Peloponnesischen Bundes gesprochen werden.11

Was die Zielsetzungen der peloponnesischen Allianz in der damaligen Zeit betrifft, kann nur spekuliert und gemutmaßt werden. Eine Hypothese ist beispielsweise, dass die Spartaner durch das Bündnissystem die Gefahren, die von den oftmals aufständischen Heloten ausgingen, eindämmen wollten. Eine andere Theorie besagt, dass die Spartaner so eine mögliche Fluchtbewegung der Heloten Messeniens, was einen beträchtlichen Verlust an Arbeitskraft bedeutet hätte, verhindern wollten.12

Abschließend ist noch zu bemerken, dass der Peloponnesische Bund stets seinen Bündnischarakter erhalten konnte und nie zu einer Zwangsherrschaft wurde, wie es sich im Falle Athens und des Attisch-Delischen-Seebundes entwickelte.13

2.3 Die Kriegsstrategie Spartas

Sparta war in der ersten Phase des Peloponnesischen Krieges zweifellos die stärkste Landmacht Griechenlands. Folglich bestand Spartas Kriegsstrategie im Einsatz seines elitären Hoplitenheeres, was einen Krieg auf dem Festland bedeutete. Die zu dieser Zeit unbestreitbar vorhandene Dominanz der Athener zur See trug sicherlich zu dieser Strategie bei, stellte jedoch nicht den ausschlaggebenden Grund für den Fokus auf Truppenkontingente zu Lande dar.14

Der Ursprung des Hoplitenheeres liegt viel mehr in den Grundzügen der spartanischen Gesellschaft, besonders der Erziehung und Ausbildung der heranwachsenden Kinder. Diese wurden bereits kurz nach der Geburt einem Auswahlverfahren unterzogen, um „minderwertige“ Säuglinge zu erkennen und entsprechend auszusortieren. In Folge durchlebten die heranwachsenden Spartiaten ab dem siebten Lebensjahr eine staatliche Erziehung, in der „ ‚die körperliche Ertüchtigung, Ausdauer, die Fähigkeit, Kälte, Hitze, Hunger, Durst, Schläge und Schmerzen zu ertragen‘ “ trainiert wurden.15 Diese extreme und elitäre Ausbildung setzte sich bis zum 18. Lebensjahr fort und lieferte die Grundlage für die überlegene Hoplitearmee Spartas.16

Die Dominanz der Athener auf See und die Stärke der eigenen Hopliten sind ohne Zweifel überaus wichtige Gründe, welche die Vorgehensweise der Spartaner und deren Bündnispartner im Peloponnesischen Krieg verständlich machen.

In dem Wissen um ihre eigenen Stärken versuchten die Spartaner folglich in der ersten Phase des Peloponnesischen Krieges, dem Archidamischen Krieg, durch sich jährlich wiederholende Feldzüge gegen Attika die dort angesiedelte Nahrungsmittelversorgung Athens zu zerstören und den Feind damit zu schwächen.17

Aufgrund der äußerst passiven Reaktion der Athener auf diese Überfälle, welche an späterer Stelle genauer dargestellt wird, konnte seitens der Spartaner jedoch kein kriegsentscheidendes Aufeinandertreffen herbeigeführt werden.18

Die spartanische Strategie, Athen durch die Hopliten zu besiegen, sollte bis zum Ende des Krieges erhalten bleiben. Jedoch trug später in der dritten Kriegsphase die Flotte Spartas einen entscheidenden Teil zum Ausgang des Krieges bei.19

3 Die Seemacht Athen

3.1 Athen vor dem Peloponnesischen Krieg

Wie bereits angedeutet vollzog sich im Vorfeld des Peloponnesischen Krieges ein Wechsel im Hinblick auf die ehemals einflussreichste und mächtigste Stadt in Griechenland. Der Ruhm, den Sparta durch die Führungsrolle im siegreich beendeten Perserkrieg erworben hatte, geriet angesichts der enormen Entwicklung, die sich in Athen im fünften Jahrhundert vollzog, schnell in den Hintergrund. Athen wurde zum philosophischen, architektonischen, gesellschaftlichen und vor Allem wirtschaftlichen Zentrum Griechenlands.20

Im Folgenden macht es wenig Sinn, kulturelle Errungenschaften der damaligen Zeit zu thematisieren. Die im Zusammenhang mit dem Peloponnesischen Krieg wichtigen Ereignisse vollzogen sich auf wirtschaftlicher Basis. Auch im Falle Athens bildete wie bei Spartas der Perserkrieg die Ausgangslage für die folgenden Ereignisse.21

Der Perserkrieg spielte für die Entwicklung Athens eine immens wichtige Rolle. Nach dem Sieg über die Perser, in den Schlachten bei Marathon (490 v. Chr.), Salamis (480 v. Chr.) und Plataiai (479 v. Chr.), entschieden sich die Athener zum Bau einer machtvollen Flotte, um in zukünftigen Konfliktsituationen leichter und besser bestehen zu können. Um eine solche Flotte finanzieren zu können, begann Athen in der folgenden Zeit intensiven Bergbau zu betreiben. Im Süden Attikas, in Laurion, befanden sich große Silbervorkommen, welche Athens wirtschaftlichen und damit verbundenen militärischen und politischen Machtzuwachs in dieser Phase des antiken Griechenlands begründeten.22

[...]


1 Vgl. Baltrusch, Sparta, S. 48.

2 Vgl. ebd., S. 52.

3 Vgl. ebd., S. 53f.

4 Vgl. Vollkommer, Griechenland, S. 58.

5 Vgl. Welwei, Sparta, S. 102-104.

6 Vgl. ebd., S. 103.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. Bleckmann, Peloponnesische Krieg, S. 21.

9 Vgl. Welwei, Sparta, S. 104.

10 Ebd.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. ebd., S. 104f.

13 Vgl. Baltrusch, Sparta, S. 53.

14 Vgl. Bleckmann, Peloponnesische Krieg, S. 21.

15 Baltrusch, Sparta, S. 65.

16 Vgl. ebd., S. 65f.

17 Vgl. ebd., S. 56.

18 Vgl. ebd.

19 Vgl. ebd., S. 58.

20 Vgl. ebd., S. 48.

21 Vgl. Sinn, Athen, S. 35.

22 Vgl. ebd., S. 34f.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die ersten Phasen des Peloponnesischen Krieges von 431 - 415 v. Chr. Ausgangslage, Bündnissysteme und Kriegsstrategien
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Geistes- und Kulturwissenschaften, Abteilung für Kulturgeschichte und vergleichende Landesforschung)
Veranstaltung
GSM-4.2 Die Geschichte Spartas von den Anfängen bis zum 4. Jh. v. Chr.
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
28
Katalognummer
V296201
ISBN (eBook)
9783656942016
ISBN (Buch)
9783656942023
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phasen, peloponnesischen, krieges, augangslage, bündnissysteme, kriegsstrategien
Arbeit zitieren
Laura Endrizzi (Autor), 2013, Die ersten Phasen des Peloponnesischen Krieges von 431 - 415 v. Chr. Ausgangslage, Bündnissysteme und Kriegsstrategien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296201

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