Im Jahre 1934 wurde das Freilichtmuseum Cloppenburg von dem 1961 verstorbenen Museumsdirektor Dr. Heinrich Ottenjann als eines der ersten Freilichtmuseen Deutschlands gegründet. Auf dem Gelände von ca. 15 ha Größe konnten inzwischen über 50 Originalgebäude vom 16. bis zum 20. Jahrhundert wieder transloziert werden.
Das Museumsdorf beschäftigt die verschiedensten Mitarbeiter: Personal im hofeigenen Geschäft, Wirtsleute und ein Team von drei Wissenschaftlern, unterstützt durch Praktikanten, Freiwillige und Projektpartnern. Sie konzipieren Ausstellungen und begleiten den Aufbau neuer Häuser. Unterstützt wird das wissenschaftliche Personal durch Handwerker, die das Museumsdorf instandhalten und den Besuchern traditionelle Arbeitsweisen demonstrieren. Es ist eines der beliebtesten und bestbesuchten Museen in ganz Niedersachsen und hatte in den letzten Jahren jährlich rund 250000 Besucher, mehr als jedes andere Museum in Niedersachsen.
Auf den nachfolgenden Seiten werde ich näher auf die Konstruktion von Geschichte anhand des Beispiels des Fletts der Hofanlage Wehlburg eingehen. Dazu soll das Flett erst einmal beschrieben und anschließend unter den Punkten Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln
diskutiert werden. Entschieden habe ich mich für das Thema „Das Flett der Hofanlage Wehlburg als Geschichtsbild“, da man anhand der Hallenhäuser und ihrer Kochküchen der
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beschreibung des Fletts (Hallenhaus) im Hof Wehlburg
3. Sammlung und Bewahrung am Beispiel des Fletts im Hof Wehlburg
3.1. Sammlungskonzepte
4. Forschung am Beispiel des Fletts im Hof Wehlburg
5. Ausstellungskonzept und Vermittlung am Bespiel des Fletts im Hof Wehlburg
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Konstruktion von Geschichte in regionalhistorischen Museen am Beispiel des Fletts der Hofanlage Wehlburg im Museumsdorf Cloppenburg. Dabei steht die Analyse der musealen Kernaufgaben – Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln – im Vordergrund, um aufzuzeigen, wie Lebensweisen wohlhabender Bauern um 1850 rekonstruiert und für Besucher erlebbar gemacht werden.
- Die bauliche und funktionale Beschreibung des Fletts als zentraler Lebensraum eines Hallenhauses.
- Die Herausforderungen bei der systematischen Sammlung und Bewahrung von historischem Inventar.
- Die Bedeutung wissenschaftlicher Forschung für eine authentische Rekonstruktion historischer Wohnverhältnisse.
- Die museumsdidaktische Umsetzung und Vermittlung von Geschichte im Kontext der "Historisierung".
Auszug aus dem Buch
3. Sammlung und Bewahrung am Beispiel des Fletts im Hof Wehlburg
Das Konzept des Freilichtmuseums Cloppenburg ist dafür bekannt, dass es verschiedene historisch wertvolle Stücke der Volkskultur wie Möbel, Kleider und Gebrauchsgegenstände und vor allem Häuser sammelt, um sie historisch auszulegen. Von dem Museumsgründer Heinrich Ottenjann weiß man, dass er oft mit seinem Fahrrad durch Dörfer fuhr, um antike Schätze zu sammeln und sie so für die Nachwelt zu bewahren. Dabei sammelte er alles, was ihm nützlich erschien, um eine regionale Volkskultur widerzuspiegeln.
Im Weiteren soll nun auf das Sammeln und Bewahren am Beispiel des Fletts im Hof der Wehlburg eingegangen werden. Interessant ist auch die Frage, warum gerade die Hofanlage Wehlburg in das Sammel- und Bewahrungsfeld des Museumsdorfes Cloppenburg fällt. Die Wehlburg ist nicht nur ein sehr außergewöhnliches und sehr gut erhaltendes Bauwerk, sondern auch die Nebengebäude und selbst die Originaleinrichtung waren zum großen Teil erhalten.
Wehdel, der Ursprungsort der Hofanlage, ist eine kleine Bauernschaft in der Nähe von Badbergen im Artland in der Nähe von Osnabrück. Derartige Hofanlagen mit dem typischen Hallenhaus waren aber auch in der Cloppenburger Gegend wie in großen Teilen Niedersachsens früher üblich. Außerdem zeigt der Hof sehr anschaulich die Lebensweise wohlhabender Bauern im 19. Jahrhundert. Fast alles Mobiliar im Herdraum (Flett) und im anschließenden Kammerfach stammt aus Wehlburg-Besitz und wirkt dementsprechend komplett. Die Anordnung des Mobiliars und auch der Raumeindruck im Flett während des 18. Jahrhunderts waren wesentlich anders als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dementsprechend wird auch der Innenraum des Fletts zu einem interessanten Sammlungsstück, weil die Innenausstattung zum größten Teil immer noch die originale ist, aber auch andere Bewahrungsstücke zur Ergänzung herangezogen wurden. Somit wird dem Besucher ein Gesamteindruck der Räumlichkeiten um 1850 vermittelt, auch wenn nicht alle Gegenstände zum Wehlburg-Besitz gehören. Hierbei muss auch der Verschleiß der Gegenstände berücksichtigt werden, der einen Ersatz nötig machen kann. Die Eigentümer des Hofes wussten schließlich noch nicht, dass ihr Hab und Gut einmal als Ausstellungsstücke gebraucht werden würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Geschichte des Museumsdorfs Cloppenburg ein und definiert den Begriff Freilichtmuseum sowie die methodische Herangehensweise an die Untersuchung der Hofanlage Wehlburg.
2. Beschreibung des Fletts (Hallenhaus) im Hof Wehlburg: Das Kapitel bietet eine detaillierte bauliche und räumliche Analyse des Fletts, einschließlich der Einrichtung und der funktionalen Anordnung des Herdraums.
3. Sammlung und Bewahrung am Beispiel des Fletts im Hof Wehlburg: Hier wird der Prozess der Objektauswahl und der Bewahrung im Museumsdorf Cloppenburg diskutiert, insbesondere die Herausforderungen der historischen Authentizität.
3.1. Sammlungskonzepte: Dieser Unterpunkt vertieft die strategischen Prinzipien der musealen Sammlung und die Rolle von Quellenlagen für die Objektivität historischer Darstellungen.
4. Forschung am Beispiel des Fletts im Hof Wehlburg: Das Kapitel erläutert die wissenschaftliche Forschungsarbeit des Museums, um Lebensverhältnisse des 19. Jahrhunderts trotz lückenhafter Quellen zu rekonstruieren.
5. Ausstellungskonzept und Vermittlung am Bespiel des Fletts im Hof Wehlburg: Hier wird untersucht, wie Forschungsergebnisse museumsdidaktisch aufbereitet werden und welche Schwierigkeiten bei der Vermittlung historischer Wirklichkeit an den Besucher bestehen.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass das Museumsdorf Cloppenburg das Vermittlungsziel erreicht, auch wenn die Ausstellung lediglich eine Annäherung an die historische Wirklichkeit darstellen kann.
Schlüsselwörter
Freilichtmuseum, Museumsdorf Cloppenburg, Wehlburg, Flett, Hallenhaus, Volkskultur, Regionalgeschichte, Sammeln, Bewahren, Forschen, Vermitteln, Museumsdidaktik, Historisierung, Artland, Bauernhof.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die museale Praxis am Beispiel des Fletts der Hofanlage Wehlburg im Museumsdorf Cloppenburg im Hinblick auf die vier Grundaufgaben eines Museums: Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die bauliche Beschreibung, die Herausforderungen bei der Objektauswahl, die Rekonstruktion bäuerlicher Lebenswelten des 19. Jahrhunderts und die Methoden der museumspädagogischen Vermittlung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie das Flett als „Geschichtsbild“ konstruiert wird und wie das Museum versucht, trotz teilweise unvollständiger Quellenlage eine historisch glaubwürdige Atmosphäre für die Besucher zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse, baulicher Analyse vor Ort sowie die Untersuchung museumsinterner Konzepte und Forschungsberichte, um die museale Praxis kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Beschreibung des Fletts, die spezifischen Sammlungskonzepte des Museums, der aktuelle Forschungsstand zum Objekt Wehlburg sowie die didaktische Vermittlung der Inhalte beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Freilichtmuseum, Flett, Hallenhaus, Volkskultur, Historisierung und die vier Säulen der musealen Arbeit.
Warum wird das Flett als "Rauchhaus" bezeichnet?
Die Bezeichnung stammt aus der Zeit vor dem Einbau von Schornsteinen, als der Rauch der offenen Herdstelle im Raum aufstieg, durch das Dach entwich und gleichzeitig zur Konservierung der Vorräte sowie zur Schädlingsbekämpfung diente.
Warum ist eine exakte Rekonstruktion der historischen Wirklichkeit im Museum schwierig?
Da viele Originalgegenstände verloren gegangen sind oder verschlissen wurden, müssen Exponate aus anderen Häusern ergänzt werden. Dies führt dazu, dass das Museum ein "Bild der Geschichte" zeigt und keine absolute historische Wahrheit abbilden kann.
- Arbeit zitieren
- Laura Endrizzi (Autor:in), 2011, Das Flett der Hofanlage Wehlburg. Museumsdorf Cloppenburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296213