Diese als Masterarbeit verfasste Publikation untersucht die Veränderungsprozesse des Stromgroßhandels, spezieller der Kraftwerksvermarktung, die sich insbesondere aus der Energiewende und den informationstechnologischen Entwicklungen ergeben. Die Untersuchung basiert auf einer Literaturanalyse sowie auf einer Delphistudie, die relevante Entwicklungen innerhalb und außerhalb der Unternehmen erhebt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Der Wandel im Umfeld der Kraftwerksvermarktung
1.2 Die Vorhersage zukünftiger Entwicklungen und die Wahl einer Delphi-Studie
1.3 Ausgewählte Studien zum gewählten Themenkomplex
2 Relevante Grundlagen des Energiehandels
2.1 Der Stromgroßhandel
2.2 Die Geschäftsmodelle der Marktteilnehmer
2.3 Die Bedeutung verschiedener Handelsplattformen im deutschen Stromhandels
2.4 Der Spotmarkthandel an der EPEX Spot in Paris
2.5 Blockgebote an der EPEX Spot
2.6 Derivate: Forward, Future, Optionen und Realoptionen
2.7 Der Terminmarkthandel an der EEX in Leipzig
2.8 Negative Preise im Stromgroßhandel am Beispiel der EEX Day-Ahead-Auktion
2.9 Die Vermarktung kurzfristiger Regelenergie
2.10 Die Finanzierung der Regelleistung über Bilanzkreise
2.11 Der Day-After-Markt
2.12 Dispatch und Redispatch der Kraftwerke, Einspeisemanagement
2.13 Optimierung des Kraftwerkeinsatzes
2.14 Derzeit prognostizierte zukünftige Preisentwicklungen
2.15 Diskussion des derzeitigen Marktmodells: Energy-Only-Market
2.16 Mangelnde Flexibilitätsvergütung und die politische Agenda
3 Die Vermarktung erneuerbarer Energien und das Förderregime des EEG
3.1 Die EEG-Einspeisevergütung
3.2 Die direkte Vermarktung erneuerbarer Energien nach Marktprämie des EEG
3.3 Weitere Vermarktungsformen innerhalb und außerhalb des EEG
3.4 Werden die erneuerbaren Energien durch die Marktprämie in den Markt integriert?
3.5 Die zukünftige Entwicklung des Förderregimes
3.6 Der Einfluss der Förderung erneuerbarer Energien auf die Großhandelspreise
3.7 Die Vermarktung erneuerbarer Energien und der kurzfristige Handel
4 Grundlagen der Kraftwerksvermarktung
4.1 Die Abgrenzung der Kraftwerksvermarktung
4.2 Die intrinsisch rollierende Vermarktung von Kraftwerken
4.3 Das Delta-Hedging in der Kraftwerksvermarktung
4.4 Das Risikomanagement
4.5 Die Organisation der Kraftwerksvermarktung
4.6 Kosten einer Handelsabteilung
4.7 Die informationstechnologische Unterstützung der Kraftwerksvermarktung
4.8 Virtuelle Kraftwerke als Trend in der Kraftwerksvermarktung
4.9 Das Outsourcing informationstechnologischer Prozesse
5 Relevante Rechtsakte der Finanzmarktregulierung
5.1 Verordnung über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandels
5.2 Die europäischen Marktinfrastruktur-Regulierung
5.3 Die zweite Fassung der europäischen Finanzmarktrichtlinie
6 Vorstellung der Studienergebnisse
6.1 Der Verlauf der Studie
6.2 Die wachsende Relevanz der kurzfristigen Vermarktung
6.3 Interne Organisation der Kraftwerksvermarktung in den Unternehmen
6.4 Softwarelösungen für die Kraftwerksvermarktung
6.5 Die Politik und das Marktdesign
6.6 Abschlussfazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen der Energiewende und technologischer Fortschritte, insbesondere in der Informationstechnologie (IT), auf die Vermarktung konventioneller und erneuerbarer Kraftwerke im Großhandelsumfeld zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie sich verändernde Marktbedingungen, regulatorische Rahmenbedingungen und volatile Strompreise auf die Optimierungsstrategien der Marktteilnehmer auswirken und welche Anforderungen dies an die interne Organisation und IT-Systeme stellt.
- Vermarktung konventioneller und erneuerbarer Erzeugerleistung
- Einfluss der Informationstechnologie auf den Energiehandel
- Herausforderungen durch das Marktdesign und die Energiewende
- Strategien zur Optimierung der Kraftwerksvermarktung
- Regulatorische Einflüsse (REMIT, EMIR, MiFID II)
Auszug aus dem Buch
2.4 Der Spotmarkthandel an der EPEX Spot in Paris
Grundlage für den Stromhandel ist die sogenannte Day-Ahead-Auktion, eine tägliche Spotmarktauktion für den nächsten Tag an der Börse EPEX Spot SE in Paris. Die Auktionierung erfolgt in Stundenkontrakten und über das Prinzip der Merit-Order, das heißt der Preisfestsetzung auf Basis des höchsten zur Erfüllung der preisunbegrenzten Nachfrage notwendigen Gebotes. Der Strompreis wird also durch das letzte notwendige Angebot definiert und ist damit identisch für alle nachgefragten MWh. Dieser Preis wird auch als Markträumungspreis (Market-Clearing-Price) bezeichnet.
Der Anbieter konventioneller Kraftwerksleistung bildet sein Angebot vor allem aus den erforderlichen variablen Kosten pro Megawattstunde. Ein günstigerer Preis zieht automatisch einen finanziellen Verlust nach sich und kann dementsprechend nur im Rahmen von Notwendigkeiten wie z.B. der Mindestlast oder eines Wärmebedarfes eingegangen werden. Die fixen Kosten, also das Einspielen unvermeidlicher Ausgaben wie Kapitalkosten und Löhne, werden an all den Zeiten eingespielt, an denen das vermarktete Kraftwerk nicht das preissetzende Kraftwerk ist. Ein strategischer Aufschlag wird zwar teilweise in der Literatur diskutiert, in normalen Marktsituationen konnte er aber bisher nicht nachgewiesen werden. Dies wäre auch problematisch, denn das Bundeskartellamt interpretiert das Anbieten von Kapazitäten zu höheren Preisen als die variablen Kosten als missbräuchliche Kapazitätszurückhaltung und damit als Marktmissbrauch. Ein Aufschlag ist auch im Mittellastbereich unnötig, da die Wahrscheinlichkeit, dass preissetzende Kraftwerk zu sein, sehr gering ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Zielsetzung der Arbeit, die Relevanz des Themas im Kontext der Energiewende und der zunehmenden Digitalisierung (IT) sowie die methodische Herangehensweise mittels einer Delphi-Studie.
2 Relevante Grundlagen des Energiehandels: Erläutert die Mechanismen des Stromgroßhandels, Handelsplattformen wie Spot- und Terminmarkt, die Rolle von Derivaten sowie aktuelle Herausforderungen wie negative Preise und die Finanzierung von Regelleistung.
3 Die Vermarktung erneuerbarer Energien und das Förderregime des EEG: Analysiert die Entwicklung der EEG-Förderung, den Übergang zur Direktvermarktung und die Auswirkungen der volatilen Einspeisung auf die Integration erneuerbarer Energien in den Strommarkt.
4 Grundlagen der Kraftwerksvermarktung: Detailliert die organisatorischen und informationstechnologischen Anforderungen der Kraftwerksvermarktung, einschließlich Strategien wie dem "rolling intrinsic"-Ansatz und dem Einsatz von Delta-Hedging zur Risikominimierung.
5 Relevante Rechtsakte der Finanzmarktregulierung: Beschreibt die Auswirkungen europäischer Regulierungen wie REMIT, EMIR und MiFID II auf den Energiehandel und die damit verbundenen Anforderungen an Transparenz und Berichterstattung.
6 Vorstellung der Studienergebnisse: Präsentiert und diskutiert die Ergebnisse der durchgeführten Expertenbefragung, insbesondere zum Trend zur kurzfristigen Vermarktung, zur internen Organisation und zur Bedeutung der IT für zukünftige Vermarktungsprozesse.
Schlüsselwörter
Kraftwerksvermarktung, Energiewende, Stromgroßhandel, Informationstechnologie, Delphi-Studie, Spotmarkt, Terminmarkt, EEG, Direktvermarktung, Regelleistung, Risikomanagement, Energy-Only-Market, IT-Systeme, Virtuelle Kraftwerke, Marktintegration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die moderne Vermarktung elektrischer Energie aus konventionellen und erneuerbaren Kraftwerken im Kontext der deutschen Energiewende und der zunehmenden Digitalisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Stromgroßhandel, das EEG-Förderregime, die Kraftwerksvermarktung als reale Option, regulatorische Anforderungen sowie die Rolle von IT-Systemen im Energiehandel.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, relevante Entwicklungen in der Vermarktung elektrischer Energie zu identifizieren und zu beschreiben, wie Unternehmen unter den Bedingungen der Energiewende und technischer Fortschritte ihre Vermarktungsstrategien und IT-Infrastrukturen anpassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine Delphi-Studie durchgeführt, um qualitative Expertenmeinungen und Prognosen zu den Trends in der Kraftwerksvermarktung zu aggregieren und auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Energiehandels, die Vermarktung erneuerbarer Energien, operative Aspekte der Kraftwerksvermarktung (z.B. Hedging, Einsatzoptimierung), die Auswirkungen der Finanzmarktregulierung und die Ergebnisse der Expertenstudie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kraftwerksvermarktung, Energiewende, Stromgroßhandel, Direktvermarktung, Regelleistung, IT-gestützte Optimierung und Marktregulierungen.
Warum ist das "rolling intrinsic"-Modell für die Kraftwerksvermarktung wichtig?
Es erlaubt Marktteilnehmern, Preisveränderungen kontinuierlich zur Optimierung der eigenen Position zu nutzen, indem sie Kraftwerksleistung flexibel auf verschiedenen Märkten (z.B. Termin- und Spotmarkt) ver- oder einkaufen.
Welche Rolle spielen virtuelle Kraftwerke in der Untersuchung?
Virtuelle Kraftwerke werden als Mittel analysiert, um eine Vielzahl dezentraler, volatiler Anlagen (wie Wind- und Photovoltaik) effizient zu bündeln und so eine marktfähige Größe für die Teilnahme am Strommarkt und an Regelenergiemärkten zu erreichen.
- Quote paper
- Hinrich Becker (Author), 2015, Grundlagen und Entwicklungen des Stromgroßhandels in Deutschland. Entwicklungen in der Vermarktung erneuerbarer und konventioneller Kraftwerksleistung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296221