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Schlagwort Bildung. Wege aus einem instrumentalisierten Diskurs

Ein Beitrag zur Entideologisierung des Bildungsbegriffs

Titel: Schlagwort Bildung. Wege aus einem instrumentalisierten Diskurs

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2015 , 30 Seiten

Autor:in: Gerold Schmidt-Callsen (Autor:in)

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
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Der Begriff Bildung ist in aller Munde. Vor allem in bildungspolitischen Debatten ist Bildung zu einem Synonym für ein Versprechen auf beruflichen und persönlichen Erfolg geworden. "Bildungsrepublik Deutschland", so heißt die Lösung der Politik, und "Bildung fängt in der Kita an", so klingt das Glaubensbekenntnis einer Gesellschaft, die wohlfeile Schlagworte sehr schnell für begründete und wohldurchdachte Konzepte hält. Jeder führt den Begriff Bildung im Munde, aber jeder versteht etwas anderes darunter. Viele schließen sich eilig ideologisch aufgeladenen und interessegeleiteten Formeln an, die von politischen Akteuren, Vertretern der Wirtschaft, beflissenen Medienvertretern und vor allem von den Autoren der Pisa-Studie und anderen Testapologeten unters Volk gebracht werden. Auf diese Weise gerät der Bildungsbegriff zu einem instrumentalisierten und funktionalisierten Schlagwort einer Kampagne, in der politische und ökonomische Interessen die öffentliche Debatte dominieren.

Der folgende Aufsatz soll dazu beitragen, die Debatte zu entideologisieren und zu einem Diskurs beizutragen, der den Bildungsbegriff in seiner zentralen Bedeutung für die schulpädagogische Arbeit abseits aller politisch und ökonomisch verkürzten Vereinnahmung betrachtet. Dazu sollen sowohl die historischen Grundlagen als auch die aktuelleren Debatten um den Bildungsbegriff in der Wissenschaft darauf hin untersucht werden, was sie zur Entwicklung eines fundierten pädagogischen Verständnisses von Bildung beitragen können, um den zum Schlagwort verkommenen Bildungsbegriff wieder zu einem Instrument der wissenschaftlichen und bildungspolitischen Orientierung zu entwickeln.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildung – eine begriffliche Annäherung

3. Historische Ansätze in der Bildungstheorie

3.1 Bildung in der Aufklärungsepoche

3.2 Der neuhumanistische Bildungsbegriff

3.3 Das reformpädagogische Bildungskonzept

4. Aktuelle Bildungskonzepte

4.1 Wissenschaftsbezogene Bildungskonzepte

4.2 Gesellschaftsbezogene Bildungstheorien

4.3 Der Bildungsbegriff vor dem Hintergrund des Mensch-Welt-Verhältnisses

5. Bildung heute-Versuch der Skizze eines entideologisierten Bildungsbegriffs

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, eine kritische Analyse des gegenwärtig instrumentalisierten Bildungsbegriffs vorzunehmen, um diesen von einseitig ökonomischen und politischen Vereinnahmungen zu befreien und als Instrument einer fundierten wissenschaftlichen und bildungspolitischen Orientierung zurückzugewinnen.

  • Historische Herleitung des Bildungsbegriffs (Aufklärung, Neuhumanismus, Reformpädagogik).
  • Kritik an der aktuellen Reduktion von Bildung auf rein funktionale Anwendungswissen und ökonomische Nützlichkeit.
  • Untersuchung des Mensch-Welt-Verhältnisses als zentrales Element der Bildungstheorie.
  • Diskussion aktueller Ansätze wie Bildung für nachhaltige Entwicklung im Hinblick auf deren Stärken und Defizite.
  • Entwurf eines entideologisierten Bildungsbegriffs, der die Ganzheit menschlicher Fähigkeiten einbezieht.

Auszug aus dem Buch

3.1 Bildung in der Aufklärungsepoche

Die Aufklärungsepoche, die auch als „Geburt der Moderne“ (Baumgart ebenda, S. 27) bezeichnet wird, beginnt im 17. Jahrhundert in England und in den Niederlanden. Sie speist sich aus dem Vertrauen in die menschliche Vernunft. Sie war eine Gegenreaktion zum bis dahin dominierenden religiösen und metaphysischen Weltbild. „Begründete Einsicht“ (Baumgart ebenda, S.27) statt traditionelle Denkmuster, das war das zentrale Anliegen. Als erster Wissenschaftler hat Kant das Leitziel der Epoche formuliert, in dem er den „Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Kant, zit. nach Baumgart ebenda, S.27) forderte. Alles Denken und Handeln sollte sich nach der menschlichen Vernunft richten.

Bevor wir uns dem Erziehungs- und Bildungsbegriff dieser Epoche nähern, soll vorher kurz auf deren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Hintergrund eingegangen werden, ohne den die Leitideen der Aufklärungsepoche nicht oder nur unvollständig zu verstehen sind. Baumgart spricht in diesem Zusammenhang von „historisch gesellschaftlichen Problemlagen der Zeit“ (Baumgart ebenda, S. 12). Die gesellschaftliche Lage am Ende des 18. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch extreme Armut großer Teile der Bevölkerung infolge rückständiger Produktionsmethoden in der Landwirtschaft bei rapide wachsender Bevölkerung. Hungerkatastrophen und Seuchen waren an der Tagesordnung. Weiterhin entstand durch das Bevölkerungswachstum im Rahmen der ständischen Gesellschaft, in der jeder seinen festen Platz hatte, eine wachsende Anzahl von Menschen, die keinen festen Platz mehr hatten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Instrumentalisierung des Bildungsbegriffs durch ökonomische und politische Interessen und setzt das Ziel, diesen durch eine historische und aktuelle Analyse zu entideologisieren.

2. Bildung – eine begriffliche Annäherung: Dieses Kapitel nähert sich dem Bildungsbegriff über die Grundthese, dass Bildung das Selbst- und Weltverständnis umschließt und einen lebenslangen Prozess der Bestimmung des Verhältnisses von Mensch und Welt darstellt.

3. Historische Ansätze in der Bildungstheorie: Hier werden vier historische Epochen untersucht – Aufklärung, Neuhumanismus, Reformpädagogik und die 60er Jahre –, um den Traditionshintergrund aktueller bildungstheoretischer Kontroversen transparent zu machen.

4. Aktuelle Bildungskonzepte: Dieses Kapitel analysiert moderne Ansätze, unterteilt in wissenschaftsbezogene Konzepte, gesellschaftsbezogene Theorien sowie den Ansatz vor dem Hintergrund des Mensch-Welt-Verhältnisses, und hinterfragt kritisch deren Reduktion von Bildung.

5. Bildung heute-Versuch der Skizze eines entideologisierten Bildungsbegriffs: Das abschließende Kapitel formuliert Bedingungen für einen Bildungsansatz, der auf die Aufhebung der Entfremdung zielt, indem er ökologisches Engagement, politisches Wissen und die Ganzheit menschlicher Fähigkeiten integriert.

Schlüsselwörter

Bildung, Bildungsbegriff, Entideologisierung, Mensch-Welt-Verhältnis, Aufklärung, Neuhumanismus, Reformpädagogik, Instrumentalisierung, Pädagogik, Emanzipation, Nachhaltigkeit, Allgemeinbildung, Lebenswirklichkeit, Entfremdung, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse des aktuellen Bildungsdiskurses, der durch ökonomische und politische Interessen zunehmend instrumentalisiert wird, und sucht Wege zu einem entideologisierten Verständnis von Bildung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Bildungstheorien, die Rolle des Mensch-Welt-Verhältnisses, eine kritische Auseinandersetzung mit funktionalistischen Reformkonzepten und die Forderung nach einem ganzheitlichen Bildungsbegriff.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es, den Bildungsbegriff aus einer verkürzten, rein instrumentellen Sichtweise zu befreien, um ihn wieder als ein Instrument wissenschaftlicher und bildungspolitischer Orientierung zu etablieren, das auf die Aufhebung von Entfremdung ausgerichtet ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-theoretische Analyse, die zentrale Bildungstheorien der Vergangenheit und Gegenwart systematisch vergleicht und kritisch aufeinander bezieht, um daraus einen neuen, entideologisierten Bildungsansatz zu entwickeln.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse wichtiger Epochen (Aufklärung, Neuhumanismus, Reformpädagogik) sowie eine kritische Untersuchung aktueller Bildungskonzepte, insbesondere in Bezug auf deren Verhältnis zu Wissenschaft, Gesellschaft und Umwelt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Bildung, Entideologisierung, Mensch-Welt-Verhältnis, Emanzipation und die kritische Auseinandersetzung mit der Instrumentalisierung pädagogischer Ziele durch ökonomische Zwänge.

Warum ist das "Mensch-Welt-Verhältnis" laut Autor so wichtig für die Bildung?

Der Autor argumentiert, dass eine adäquate Bildungstheorie die Lebenswirklichkeit des Menschen in seiner Ganzheit – also in seinem Verhältnis zur natürlichen, sozialen und kulturellen Umwelt – einbeziehen muss, statt ihn nur auf ein Prüfungssubjekt oder Arbeitskraft zu reduzieren.

Was kritisiert der Autor an der aktuellen "Bildung für nachhaltige Entwicklung"?

Der Autor erkennt zwar die Bedeutung dieses Ansatzes an, kritisiert jedoch, dass er oft die Umweltproblematik einseitig betont, kognitive Fähigkeiten zu sehr in den Vordergrund stellt und dabei die emotionalen sowie unmittelbaren positiven Erlebnisse mit der Natur vernachlässigt.

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Details

Titel
Schlagwort Bildung. Wege aus einem instrumentalisierten Diskurs
Untertitel
Ein Beitrag zur Entideologisierung des Bildungsbegriffs
Autor
Gerold Schmidt-Callsen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
30
Katalognummer
V296362
ISBN (eBook)
9783656950806
ISBN (Buch)
9783656950813
Sprache
Deutsch
Schlagworte
historische und aktuelle Bildungsdiskussionen Bildungsbegriff Bildungspolitik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Gerold Schmidt-Callsen (Autor:in), 2015, Schlagwort Bildung. Wege aus einem instrumentalisierten Diskurs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296362
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  30  Seiten
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