Es gibt eine Vielzahl an Maßnahmen, die im Rahmen einer familienbewussten Personalpolitik von Unternehmen eingesetzt werden können, um zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie beizutragen. So hat beispielsweise die Beruf & Familie gGmbH in einem Kriterienkatalog mehr als 140 Einzelmaßnahmen zusammengestellt. In dieser Arbeit sollen die wichtigsten Maßnahmen, systematisiert nach sechs Handlungsfeldern, dargestellt werden und aufgezeigt werden, inwiefern sie zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen können. Zudem soll ganz konkret auf deren Nutzen und Kosten für Unternehmen eingegangen werden. Dabei sind jedoch keine allgemeingültigen Aussagen darüber möglich, ob sich eine Maßnahme immer rechnet, da nicht jede Maßnahme für jeden Betrieb geeignet ist, sondern von der genauen Bedarfsplanung abhängt, die sowohl die Bedürfnisse der Mitarbeiter als auch die Möglichkeiten des Unternehmens berücksichtigt. Hinzu kommt, dass eine familienorientierte Personalpolitik vor allem in der Kombination von einzelnen Maßnahmen wirkt und sich somit oftmals erst aufeinander abgestimmte Maßnahmen zu einer umfassenden und erfolgreichen Gesamtstrategie summieren. Auch die tatsächlich anfallenden Kosten müssen betriebsindividuell ermittelt werden, da sie abhängig sind von den Bedingungen vor Ort.
Es kann jedoch herausgestellt werden, welche Kostenfaktoren eine Rolle spielen und welche Vorteile eine Maßnahme hat, inwiefern sich die Maßnahmen rechnen können und wovon dies abhängt. Zudem kann gezeigt werden, dass es bei der Vielzahl an Maßnahmen, die in den unterschiedlichsten Bereichen ansetzen, auch solche gibt, die sich ohne großen Zeit- und Kostenaufwand realisieren lassen. Damit müsste es für jedes Unternehmen entsprechend seiner unternehmensspezifischen Situation möglich sein, familienfreundliche Lösungen zu finden und diese so auszugestalten, dass der Nutzen die Kosten der Maßnahmen übersteigt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 FLEXIBILISIERUNG DER ARBEITSZEIT
2.1 Teilzeitarbeit
2.2 Erhöhung der Zeitsouveränität
2.3 Familienbezogene Freistellung
3 FLEXIBILISIERUNG DES ARBEITSORTS
4 UNTERSTÜTZUNG BEI DER KINDERBETREUUNG
4.1 Bereitstellung von Angeboten
4.2 Kinderbetreuung in Ausnahmesituationen
4.3 Beratung und Vermittlungsdienstleistungen
4.4 Zuschuss zur Kinderbetreuung
5 ANGEBOTE WÄHREND DER ELTERNZEIT
6 INFORMATIONS- UND BERATUNGSANGEBOTE
7 FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNGSLEISTUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Unternehmen durch familienfreundliche Maßnahmen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern können, und analysiert dabei systematisch die damit verbundenen Kosten und den ökonomischen Nutzen für den Betrieb.
- Systematisierung familienbewusster Personalpolitik in sechs Handlungsfeldern
- Analyse von Flexibilisierungsstrategien bei Arbeitszeit und Arbeitsort
- Untersuchung von Modellen zur Unterstützung der Kinderbetreuung inklusive Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
- Bedeutung der Gestaltung der Elternzeit für die Mitarbeiterbindung
- Rolle von Informations- und Beratungsangeboten sowie finanziellen Zuwendungen
Auszug aus dem Buch
2.1 Teilzeitarbeit
Da Umfang und Gestaltung der Arbeitszeit einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie viel Zeit für das Privatleben zur Verfügung steht, bietet gerade das Angebot, Teilzeit zu arbeiten, Beschäftigten gute Möglichkeiten, familiäre Zeitbedarfe und Erwerbstätigkeit in Einklang zu bringen. Als teilzeitbeschäftigt gelten Beschäftigte dann, wenn die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit unterhalb der tariflich festgelegten Normalarbeitszeit liegt. Das Spektrum der Teilzeitarbeit reicht dabei von einem geringen Stundenumfang von weniger als 50% (verglichen mit einer Vollzeitbeschäftigung) bis hin zu einer Arbeitszeit knapp unterhalb der Vollzeitbeschäftigung von 70 - 90%. Teilzeitarbeit mit geringem Stundenumfang ist dabei vor allem als eine temporäre Lösung zur Mitarbeiterbindung sinnvoll, vollzeitnahe Teilzeitarbeit kann dauerhaft - auch in Führungspositionen - ausgeübt werden. Für Beschäftigte mit Kindern stellt vor allem die Einführung abgestufter Teilzeitmodelle, bei denen die Arbeitszeit abhängig von den familiären Erfordernissen stufenweise erhöht wird, eine gute Möglichkeit dar. So können sie nach der Geburt mit einer sehr geringen Stundenzahl einsteigen und diese dann stufenweise mit zunehmendem Alter und sinkendem Betreuungsbedarf des Kindes erhöhen.
Auch der Gesetzgeber hat die Bedeutung von Teilzeitarbeit erkannt und hat am 1. Januar 2001 zur Förderung von Teilzeitarbeit das „Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge“ geschaffen. Danach besteht in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten und soweit keine dringenden betrieblichen Gründe entgegenstehen ein Anspruch auf Teilzeitarbeit. Auch während der Elternzeit besteht dieser Anspruch, wobei die wöchentliche Arbeitszeit für jedes Elternteil 30 Stunden nicht übersteigen darf und für mindestens zwei Monate vereinbart werden muss. Unabhängig von den gesetzlichen Regelungen ist es jedoch wichtig, dass Betriebe und teilzeitbeschäftigte Eltern eine für beide Seiten optimale Lösung finden. So sollte beispielsweise bei Einführung von Teilzeitarbeit darauf Wert gelegt werden, dass Beschäftigte auch weiterhin ihrer Qualifikation entsprechend eingesetzt werden. Ist dies nicht der Fall, wird Teilzeit oftmals zum „Karrierekiller“ und ist damit - vor allem für qualifizierte Beschäftigte - nicht wirklich eine Alternative.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Relevanz einer familienbewussten Personalpolitik und definiert das Ziel der Arbeit, Maßnahmen in sechs Handlungsfeldern auf ihre Kosten und ihren Nutzen hin zu untersuchen.
2 FLEXIBILISIERUNG DER ARBEITSZEIT: Dieses Kapitel behandelt Arbeitszeitmodelle wie Teilzeit und Zeitsouveränität, die es Mitarbeitern ermöglichen, Beruf und Familie durch flexiblere Gestaltung besser zu vereinbaren.
3 FLEXIBILISIERUNG DES ARBEITSORTS: Hier wird der Einsatz von Telearbeit als räumliche Flexibilisierungsmaßnahme beschrieben, die trotz einiger Anforderungen an die Führung das Potenzial hat, die Vereinbarkeit zu fördern.
4 UNTERSTÜTZUNG BEI DER KINDERBETREUUNG: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Betreuungsangebote, wie Betriebskrippen oder Notfallbetreuung, und evaluiert deren Kosten sowie ihren Einfluss auf die Mitarbeiterbindung.
5 ANGEBOTE WÄHREND DER ELTERNZEIT: Der Fokus liegt auf Strategien zur aktiven Einbindung von Mitarbeitern während ihrer Elternzeit, um den betrieblichen Kontakt zu halten und den Wiedereinstieg zu erleichtern.
6 INFORMATIONS- UND BERATUNGSANGEBOTE: Hier wird aufgezeigt, wie durch gezielte Kommunikation und Beratung die Transparenz und Nutzung der familienfreundlichen Maßnahmen im Unternehmen gesteigert werden kann.
7 FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNGSLEISTUNGEN: Das abschließende Kapitel diskutiert monetäre Leistungen des Arbeitgebers, wie Geburtszulagen oder Darlehen, und deren symbolischen sowie wirtschaftlichen Stellenwert für das Unternehmen.
Schlüsselwörter
Familienfreundlichkeit, Personalpolitik, Vereinbarkeit, Teilzeitarbeit, Zeitsouveränität, Telearbeit, Kinderbetreuung, Elternzeit, Kosten-Nutzen-Analyse, Mitarbeiterbindung, Work-Life-Balance, Unternehmenskultur, Betriebsklima, Fachkräftegewinnung, betriebliches Gesundheitsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der betriebswirtschaftlichen Analyse von familienfreundlichen Maßnahmen in Unternehmen und deren Einfluss auf die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort, die Unterstützung bei der Kinderbetreuung, die Gestaltung der Elternzeit, Informationsangebote sowie finanzielle Unterstützungsleistungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, die wichtigsten familienfreundlichen Maßnahmen zu systematisieren und aufzuzeigen, unter welchen betrieblichen Bedingungen diese einen wirtschaftlichen Nutzen stiften, der die entstehenden Kosten übersteigt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturanalyse und der Auswertung von Fallbeispielen sowie betriebswirtschaftlichen Modellrechnungen, um Kosten-Nutzen-Relationen darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die sechs definierten Handlungsfelder einzeln analysiert, wobei jeweils der Nutzen für das Unternehmen (wie Imagegewinn oder Fluktuationssenkung) den Investitionskosten gegenübergestellt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Vereinbarkeit, familienfreundliche Maßnahmen, Kosten-Nutzen-Analyse, Mitarbeiterbindung und betriebliche Flexibilisierung.
Wie bewertet die Autorin die Rentabilität von Betriebskindergärten?
Betriebskindergärten werden als eine der teuersten Maßnahmen eingestuft, die jedoch durch Effekte wie sinkende Fehlzeiten, höhere Mitarbeitermotivation und Imagegewinn bei optimaler Konzeption einen hohen Nutzen erzielen können.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Einführung von Teilzeitmodellen?
Die Autorin betont, dass Teilzeitmodelle nur dann erfolgreich sind, wenn sie nicht als „Karrierekiller“ wahrgenommen werden, was ein Umdenken in der Führung und eine transparente Kommunikation erfordert.
Was ist das zentrale Fazit zur finanziellen Unterstützung?
Finanzielle Zuwendungen werden zwar von Arbeitnehmern geschätzt, doch die Autorin gibt zu bedenken, dass deren direkter Beitrag zur Vereinbarkeit oft geringer ist als bei strukturellen Maßnahmen, weshalb sie eher als ergänzende Wertschätzung fungieren.
- Arbeit zitieren
- Kristina Koegler geb. Schneider (Autor:in), 2007, Familienfreundliche Maßnahmen in Unternehmen. Kosten-Nutzen-Relationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296366