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Die Angst vor dem eindringenden Wasser - Körperpflege in den Oberschichten des ausgehenden 16. bis frühen 18. Jahrhunderts

Titre: Die Angst vor dem eindringenden Wasser - Körperpflege in den Oberschichten des ausgehenden 16. bis frühen 18. Jahrhunderts

Dossier / Travail de Séminaire , 2004 , 26 Pages , Note: 1-2

Autor:in: Kristine Greßhöner (Auteur)

Histoire de l'Europe - Moyen Âge, Temps modernes
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Résumé Extrait Résumé des informations

Dieses Bild scheint das Klischee des weiß gepuderten Adeligen zu belegen: der Dreck wird übergepudert, das Haar nicht gewaschen, in den Achseln lenken Parfümkissen vom Schweißgeruch ab und Mitesser werden mit Schönheitspflästerchen überklebt. Man macht es sich zu einfach, würde man die Oberschichten an den adeligen Höfen des 16. bis 18. Jahrhunderts zu reichen Schmutzfinken degradieren. Aus sozialer Sicht wäre zu argumentieren, dass Hygiene begrifflich so flexibel sein müsse, dass sie eben das ausmacht, was der jeweilige Mensch seiner Zeit in sie interpretiert oder schlichtweg wie er sie definiert. Aus medizinischer Sicht wäre zu untersuchen, was die jeweiligen Praktiken bewirkten, was aus medizinischer Sicht hygienischer wäre – Körperpflege heute oder Körperpflege damals? Letzteres würde zu weit führen an dieser Stelle und reicht m. E. zu weit in den Bereich der Dermatologie u. a. hinein. Doch die Frage bleibt, was eine Toilette eben ausmacht. Der Stuhlgang ist heute wie damals Bestandteil, davon kann man ausgehen, doch die morgendliche Dusche, das Putzen der Zähne, das Kämmen der Haare – was sind ihre Vorläufer, bedenke man, dass Technik, Kosmetikindustrie und Medizin von den Neuerungen unserer Zeit noch entfernt waren? Wie Körperpflege beim angeblich so schmutzigen Adel aussah, wie diese durchgeführt, wahrgenommen und definiert wurde, wird im Folgenden zu klären sein.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Forschungsstand

2.1 Das Baden des Körpers als unübliche Praxis

2.1.1 Aus Anstand und Sitte: die Sonderrolle des Händewaschens

2.2 Die trockene Toilette

2.2.1 Sauberkeit des Sichtbaren: Leibwäsche, Puder und Parfüm

3. Reinlichkeit in Erziehungsinstruktionen

4. Auswirkungen der Hygienemaßstäbe am Beispiel der Krätze

5. Ausblick auf die Entwicklung zur Jahrhundertwende

6. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verständnis und die Praxis der Körperhygiene in den Oberschichten vom ausgehenden 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert. Ziel ist es, das verbreitete Klischee der mangelnden Hygiene zu hinterfragen und aufzuzeigen, wie sich Körperpflege in diesem Zeitraum unter dem Einfluss medizinischer Vorstellungen, sozialer Normen und eines veränderten Körperverständnisses definierte und durchführte.

  • Die Abkehr vom Baden als medizinisch riskante Praxis
  • Die Bedeutung von Anstand, Sitte und Repräsentation
  • Die Entwicklung der "trockenen Toilette" (Leibwäsche, Puder, Parfüm)
  • Der Einfluss zeitgenössischer medizinischer Auffassungen, etwa zur Säftepathologie
  • Hygienemaßstäbe im Spiegel erzieherischer Instruktionen und Krankheitsbilder wie der Krätze

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung und Forschungsstand

„Dame à sa toilette“ (Dame bei der Toilette) – so ist das Bild betitelt, dass die Mätresse Heinrichs II. beim morgendlichen Ankleiden zeigt. Alle Attribute einer Reinigung aber fehlen auf den ersten Blick. Obwohl das Bild die morgendliche Toilette zeigen soll, ist fast kein Mittel der Körperpflege zu sehen. Zunächst stellt sich die Frage, was zu sehen sein müsste. Ein Wasserhahn, ein Handtuch und eine Zahnbürste kann der Betrachter nicht erwarten – sie sind Projektionen der Moderne. Doch wäre ein Schälchen Wasser nicht unersetzlich für die Körperpflege?

Stattdessen liegt eine Perlenkette vor der Dame, die auffallend blass in einem zarten Nachthemd neben einem Spiegel sitzt. Mars und Venus als Sockel des Spiegels sind nicht mit Hygiene in Einklang zu bringen, wohl eher mit der Rolle der abgebildeten Diane de Poitiers im Leben des Königs. Ein unauffälliger, heller Kamm ist der einzige Bestandteil auf dem Gemälde, den man nach heutigem Verständnis mit der Körperpflege in Verbindung bringt – ein Zeichen für mangelnde Hygiene? Dieses Bild scheint das Klischee des weiß gepuderten Adeligen zu belegen: der Dreck wird übergepudert, das Haar nicht gewaschen, in den Achseln lenken Parfümkissen vom Schweißgeruch ab und Mitesser werden mit Schönheitspflästerchen überklebt. Man macht es sich zu einfach, würde man die Oberschichten an den adeligen Höfen des 16. bis 18. Jahrhunderts zu reichen Schmutzfinken degradieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Forschungsstand: Einführung in die Thematik durch die Analyse eines zeitgenössischen Gemäldes, Aufwerfen der Forschungsfrage und Einordnung in den kulturwissenschaftlichen Forschungsstand.

2.1 Das Baden des Körpers als unübliche Praxis: Untersuchung der Gründe für den Rückzug vom öffentlichen und privaten Baden, beeinflusst durch Ängste vor Pestepidemien und medizinische Säftepathologien.

2.1.1 Aus Anstand und Sitte: die Sonderrolle des Händewaschens: Analyse des Händewaschens nicht primär als hygienische, sondern als rituelle Handlung und Ausdruck höfischer Umgangsformen.

2.2 Die trockene Toilette: Darstellung der Reinigungsmethoden ohne Wasser, wie das Abreiben des Körpers und die Verwendung von Puder und Parfüm.

2.2.1 Sauberkeit des Sichtbaren: Leibwäsche, Puder und Parfüm: Analyse des Stellenwerts von sauberer Kleidung und kosmetischen Mitteln als Indikatoren für gesellschaftliche Reinlichkeit.

3. Reinlichkeit in Erziehungsinstruktionen: Gegenüberstellung von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Erziehungsanweisungen, die den Wandel der Reinlichkeitsnormen verdeutlichen.

4. Auswirkungen der Hygienemaßstäbe am Beispiel der Krätze: Untersuchung der Behandlung der Krätze als Beispiel für das medizinische Verständnis und die oft ineffektive Therapieweise der Epoche.

5. Ausblick auf die Entwicklung zur Jahrhundertwende: Betrachtung der Wende zum 19. Jahrhundert, in der das Baden wieder als alltägliche Hygienepraxis an Bedeutung gewinnt.

6. Schluss: Zusammenfassende Einordnung des frühneuzeitlichen Hygienebegriffs als medizinisches und soziales Kriterium, das den Körper durch andere Mittel als Wasser reinigte.

Schlüsselwörter

Körperpflege, Frühe Neuzeit, Hygiene, Adel, Reinlichkeit, Säftepathologie, Badehauskultur, Trockene Toilette, Leibwäsche, Puder, Parfüm, Krätze, Erziehungsinstruktionen, Anstand, Repräsentation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verständnis von Körperpflege, Hygiene und Reinlichkeit bei den Oberschichten in der Frühen Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert) und hinterfragt das gängige Bild des "schmutzigen Adeligen".

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf den Übergang von der Badehauskultur hin zur "trockenen Toilette", die Rolle von Anstand und Sitte, sowie medizinische und soziale Erklärungsansätze für Hygienepraktiken dieser Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Begriff der Hygiene für die Frühe Neuzeit neu zu definieren und aufzuzeigen, dass die Menschen jener Zeit ihr eigenes, konsistentes System von Sauberkeit besaßen, das sich wesentlich von modernen Vorstellungen unterscheidet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kultur- und sozialgeschichtliche Analyse, die Sekundärliteratur zu Erziehung, Medizin und Körperverständnis sowie Primärquellen wie Erziehungsinstruktionen und zeitgenössische Schriften auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Abkehr vom Baden, die Bedeutung von rituellen Waschungen, die Praxis der trockenen Körperpflege (Puder, Parfüm, Kleidung), erzieherische Normen und den medizinischen Umgang mit Krankheiten wie der Krätze.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Körperpflege, Frühe Neuzeit, Hygiene, Säftepathologie, Trockene Toilette und soziale Repräsentation charakterisiert.

Warum wurde das Baden in der Frühen Neuzeit oft vermieden?

Man glaubte, dass Wasser durch Hitze oder Druck die Poren öffnet und den Körper somit empfänglich für ungesunde Luft und Epidemien (insbesondere die Pest) macht, was das körperliche Gleichgewicht stören könnte.

Welche Rolle spielte die Kleidung für die Sauberkeit?

Die Kleidung, insbesondere das weiße (Unter-)Hemd, übernahm eine zentrale Rolle: Es sollte den Schmutz aufnehmen. Ein weißes Hemd galt als Zeichen für die Reinlichkeit seines Trägers, der sich somit "ohne Wasser wusch".

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Résumé des informations

Titre
Die Angst vor dem eindringenden Wasser - Körperpflege in den Oberschichten des ausgehenden 16. bis frühen 18. Jahrhunderts
Université
University of Osnabrück
Cours
Projektseminar zur Rekonstruktion adliger Lebenswelten in Nordwestdeutschland
Note
1-2
Auteur
Kristine Greßhöner (Auteur)
Année de publication
2004
Pages
26
N° de catalogue
V29653
ISBN (ebook)
9783638311168
ISBN (Livre)
9783638901819
Langue
allemand
mots-clé
Angst Wasser Körperpflege Oberschichten Jahrhunderts Projektseminar Rekonstruktion Lebenswelten Nordwestdeutschland
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Kristine Greßhöner (Auteur), 2004, Die Angst vor dem eindringenden Wasser - Körperpflege in den Oberschichten des ausgehenden 16. bis frühen 18. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29653
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Extrait de  26  pages
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