In der Darstellung der Entwicklung einer Stadt versucht Platon die Ausprägung der Gerechtigkeit im Menschen zu erläutern. Er bedient sich einer Analogie zwischen Individuum und Polis. Er stellt den drei Seelenteilen – eypithimetikon, thymos und nous – die in ihrer Kombination und Ausgewogenheit die Tugend der Gerechtigkeit ergeben, Entwicklungsstufen und Stände eines Staates gegenüber. Er beschreibt einen Staat, dessen höchstes Gut, in Gestalt der angesprochenen Redlichkeit, durch Erziehung vermittelt wird.
Inhaltsverzeichnis
1 PLATONS KRITIK AN DER ATTISCHEN POLIS
2 ‚POLITEIA’ – DER BESTE STAAT
2.1 ENTWICKLUNG
2.2 ERZIEHUNG DER BÜRGER
3 DER STAND DER WÄCHTER
3.1 DAS WESEN DER WÄCHTER
3.2 ERZIEHUNG DER WÄCHTER
3.2.1 Musik
3.2.2 Gymnastik
3.2.3 Die kriegerische Erziehung
3.3 DIE FRAU ALS MITWÄCHTER
3.4 AUFSTIEG ZUM PHILOSOPHEN
4 GESTALTUNG DES HEERES IN PLATONS ‚NOMOI’
4.1 DER KRIEG UND DIE TAPFERKEIT
4.2 GESTALTUNG DES HEERWESENS
4.2.1 Militär
4.2.2 Polizeibehörden
4.3 ERZIEHUNG ZUM MILITÄRISCHEN
4.3.1 kriegerische Erziehung als Vorbereitung auf den Konflikt
4.3.2 Die militärische Ausbildung der Frauen
4.3.3 Militärgesetze
5 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die Konzepte der Wächtererziehung und militärischen Ausbildung in Platons Werken "Politeia" und "Nomoi", um die Veränderungen und Unterschiede zwischen seinen Staatskonzeptionen herauszuarbeiten.
- Kritik Platons an den gesellschaftlichen und politischen Systemen der attischen Polis.
- Die pädagogischen Anforderungen und die Rolle der Erziehung im Wächterstand.
- Methodische Aspekte der musischen und gymnastischen Erziehung als charakterbildende Instrumente.
- Vergleichende Analyse der militärischen Ausbildung und Organisationsformen zwischen "Politeia" und "Nomoi".
- Die Stellung und Ausbildung der Frau innerhalb der platonischen Staatsmodelle.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Wesen der Wächter
Eine gewissenhafte Auslese der Wächter wird von Platon als Voraussetzung für eine positive Entwicklung durch Erziehung betont, ihr wird jedoch keine bestimmte Methode zugeordnet.
So ist die Auswahl, nach Meinung CANTO-SPERBER und BRISSON, „offenbar mehr Sache des erzieherischen Blicks“ unter Verwendung der Charakterisierung der Wächter, denn eine objektive Auswahl der Fähigsten.
„Die körperliche Eignung [...] beruht auf Schärfe der sinnlichen Wahrnehmung, Behendigkeit [sic] im Verfolgen des Wahrgenommenen und Kraft im Kampfe [...]. Zum Kampfe bedarf er der Tapferkeit; ihre spezifische körperliche Grundlage aber ist jenes muthafte Element, das auch den edlen Rossen und Hunden eigen ist.“
Das erste Auswahlkriterium für die Wächter in Platons Polis ist demnach deren Natur, sie sollen über Kraft, Schnelligkeit und Angriffslust verfügen. Da sich die Herrscher des Staates aus den Reihen der Wächter rekrutieren, müssen jene, denen einmal die Führung der Polis anvertraut wird, bereits im Vorfeld der später erläuterten Auswahltests eine „Freude, Philosophie zu lernen und zu betreiben“, innehaben. Hier spiegelt sich wiederum Platons Analogie zwischen der Seele des Menschen und der ‚gesunden’ Polis wieder, sollen die Wächter doch ebenso wie der Nährstand über die Tugend der maßvollen Selbstbeherrschung und zusätzlich über die der Tapferkeit verfügen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 PLATONS KRITIK AN DER ATTISCHEN POLIS: Platon analysiert und kritisiert die bestehenden politischen Bildungsinstanzen und fordert eine grundlegende Erziehung zur Tugend.
2 ‚POLITEIA’ – DER BESTE STAAT: Einführung in die Analogie zwischen Seele und Polis sowie die allgemeine Bedeutung der Erziehung im idealen Staat.
3 DER STAND DER WÄCHTER: Detaillierte Betrachtung der Ausbildung des Wächterstandes, insbesondere hinsichtlich der seelischen und körperlichen Formung.
4 GESTALTUNG DES HEERES IN PLATONS ‚NOMOI’: Untersuchung des Alterswerks Platons und der stärker auf die militärische Vorbereitung fokussierten Strukturen.
5 ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse, die den Wandel von einem utopischen Erziehungsmodell hin zu einer stärker regulierten, wehrpflichtorientierten Konzeption hervorhebt.
Schlüsselwörter
Platon, Wächtererziehung, Politeia, Nomoi, Paideia, Tugend, Heerwesen, Erziehungsstaat, Gerechtigkeit, Militärische Ausbildung, Philosophie, Tapferkeit, Musische Bildung, Gymnastik, Staatskonzeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Konzepte der Erziehung und Ausbildung des Wächterstandes in den zwei zentralen Werken Platons: „Politeia“ und „Nomoi“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die philosophische und militärische Erziehung, die moralische Formung des Charakters und die strukturelle Organisation des Heerwesens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Wandel in Platons Staatsphilosophie aufzuzeigen, indem die Unterschiede zwischen dem idealen Staat der „Politeia“ und den realitätsnäheren „Gesetzen“ beleuchtet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophisch-historische Textanalyse, die auf den zentralen Dialogen Platons sowie auf fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Wächterwesens in der „Politeia“, inklusive der Kritik an der alten Paideia, und der Gestaltung des militärischen Bereichs im Alterswerk „Nomoi“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Erziehungsstaat, Tugend, Tapferkeit (andreia), Besonnenheit (sophrosyne) und die Rolle der Frau als Mitwächter.
Welche Rolle spielt die Kritik an Homer?
Platon kritisiert in seiner Erziehungstheorie homerische Mythen als unpädagogisch, da sie ein falsches Bild der Götter vermitteln und emotionale Schwächen fördern, die für den Charakter eines Wächters ungeeignet sind.
Wie unterscheidet sich die Erziehung in "Nomoi" von der in "Politeia"?
Während die „Politeia“ auf eine philosophische Ausbildung zur Erkenntnis des Guten abzielt, fokussiert sich die „Nomoi“ auf eine detailliert regulierte, militärische Wehrpflichtordnung, die stärker auf soziale Praxis ausgerichtet ist.
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- Dipl.-Päd. Karsten Rohr (Author), 2004, Die Wächtererziehung und Ausbildung in Platons Staatsidee, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29654