Wir sind umgeben von giftigen Pflanzen und Tieren. Ein genauerer Blick in unsere Umgebung zeigt es: Im Garten sehen wir Lorbeer, Lebensbaum und Eibe. Beim Spaziergang in der Natur begegnen wir Fingerhut, Schöllkraut und Zaunrübe. Selbst viele unserer Zimmerpflanzen wie z.B. Weihnachtsstern und Diffenbachia sind giftig. Am Kaffeetisch naschen Wespen von unserem Kuchen, beim Beerensammeln können wir der Kreuzotter begegnen. Gehen wir barfuß über die Wiesen, werden wir manchmal von Bienen gestochen.
Giftige Pflanzen und Tiere werden von vielen Menschen als Übel betrachtet. Wespennester werden ausgebrannt, giftige Pflanzen aus dem Garten verbannt und am Wegrand beim Spaziergang ausgerissen. Die Kreuzotter wird beim Versuch zu fliehen im Heidelbeergebüsch erschlagen.
Viele Menschen glauben dabei, etwas Gutes getan zu haben, indem sie die Welt von diesen giftigen, gefährlichen Lebewesen befreit haben. Die Gleichung, giftig gleich gefährlich, ist nur bedingt richtig. Ohne Zweifel sind Gefahren durch Giftpflanzen und Gifttiere gegeben und müssen beachtet werden. Doch die Gefahren werden in der Bevölkerung überhöht wahrgenommen. Bei den Menschen gibt es viele Ängste und Befürchtungen. In Statistiken über Vergiftungsursachen sind Giftpflanzen und Gifttiere jedoch nur auf den hinteren Rängen zu finden (auch bei Kindern). Ein sehr viel größeres Gefahrenpotential geht von Haushaltsprodukten und Arzneimitteln aus (HESSE 1998).
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Einleitung
3 Sachanalyse
3.1 Vorbemerkungen
3.2 Zum Begriff „Gift“
3.3 Biologie ausgewählter Giftpflanzen und Gifttiere
3.3.1 Vorbemerkungen
3.3.2 Gliederungsprinzipien
3.3.3 Biologie Giftpflanzen
3.3.3.1 Vergiftungen durch Berühren
3.3.3.1.1 Große Brennessel
3.3.3.1.2 Riesen-Bärenklau
3.3.3.1.3 Efeu
3.3.3.1.4 Roter Fingerhut
3.3.3.2 Vergiftungen durch Naschen auffallender Samen und Früchte
3.3.3.2.1 Eibe
3.3.3.2.2 Stechpalme
3.3.3.2.3 Goldregen
3.3.3.2.4 Pfaffenhütchen
3.3.3.2.5 Aronstab
3.3.3.2.6 Verhalten bei Pflanzenvergiftungen durch Naschen auffallender Samen und Früchte
3.3.3.3 Vergiftungen bei Nutzung als Nahrungs-/ Heilmittel
3.3.3.3.1 Kartoffel
3.3.3.3.2 Herbst-Zeitlose
3.3.3.3.3 Schwarzer Holunder
3.3.3.3.4 Tüpfel-Johanniskraut
3.3.3.4 Vergiftungen bei Nutzung als Rauschgift: Engelstrompete
3.3.4 Biologie Gifttiere
3.3.4.1 Vergiftungen durch Berühren: Erdkröte
3.3.4.2 Vergiftungen durch Bisse
3.3.4.2.1 Kreuzotter
3.3.4.2.2 Kreuzspinne
3.3.4.3 Vergiftungen durch Stiche
3.3.4.3.1 Hornisse
3.3.4.3.2 Wespe
3.3.4.3.3 Honigbiene
3.3.4.4 Sonderfall: Waldameise
4 Didaktische Diskussion
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Literatur und Gesetzliches
4.2.1 Zum Begriff „Gift“ in der Literatur für die Schule
4.2.2 Inhaltliche Vorgaben
4.2.3 Sicherheitsvorschriften
4.2.4 Naturschutzgesetze
4.2.5 Vorschriften zum außerschulischen Unterricht
4.3 Zielvorgaben
4.3.1 Unterrichtsprinzipien
4.3.2 Didaktische Re-Konstruktion
4.3.3 Projektunterricht in arbeitsteiligen Kleingruppen
4.4 Erprobung an der Schule
4.4.1 Planung
4.4.1.1 Schule und Lehrer
4.4.1.2 Lernorte in der Stadt
4.4.1.3 Auswahl der Arten
4.4.1.4 Konzept der Unterrichtseinheit
4.4.2 Durchführung
4.4.2.1 Beginn der Unterrichtssequenz
4.4.2.2 Kennenlernen einzelner Giftpflanzen und Gifttiere
4.4.2.3 Erkundung der Lernorte
4.4.2.4 Auswahl der Arten
4.4.2.5 Untersuchung
4.4.2.6 Präsentation
4.4.2.7 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel der Arbeit ist es, das Phänomen „Gift“ bei Pflanzen und Tieren wissenschaftlich zu durchleuchten, dabei überhöhte Ängste abzubauen und den Schülern ein sachliches Verständnis für ökologische Zusammenhänge und richtige Verhaltensweisen im Alltag zu vermitteln.
- Wissenschaftliche Analyse der Biologie ausgewählter giftiger Pflanzen und Tiere.
- Transformation fachwissenschaftlicher Inhalte in schülerrelevante Unterrichtskonzepte.
- Diskussion von Sicherheitsvorschriften und rechtlichen Rahmenbedingungen beim Umgang mit giftigen Arten.
- Konzeption und praktische Erprobung eines handlungsorientierten Projektunterrichts.
Auszug aus dem Buch
3.2 Zum Begriff „Gift“
Der Begriff „Gift“ wird von vielen Menschen unterschiedlich aufgefasst. Allgemein kann bemerkt werden, Gift ist keine Eigenschaft eines Dings an sich, wie grün, fest oder flüssig. Die Kennzeichnung eines Stoffes mit dem Begriff „giftig“, beruht hauptsächlich auf der Erfahrung mit der Wirkung des Stoffes (FISCHER 1989). Gift ist daher ein Sammelbegriff für giftig erkannte Stoffe (KROEBER 1949). Darunter kann ein Stoff verstanden werden, der im Stoffwechsel beim Menschen störend eingreift (zu einer Vergiftung führt) und in einigen Fällen seinen Tod zur Folge haben kann (FROHNE & PFÄNDER 1997). Ein Gift ist somit potentiell für den Menschen gefährlich und eng mit dem Begriff „Gefahr“ verknüpft (siehe Einleitung).
Letztlich bedeutet diese Erkenntnis: Jeder Stoff ist ab einer bestimmten Dosis giftig und führt dann zu einer Vergiftung. Vorher kann der Stoff verschiedene Wirkungen haben. Paracelsus bemerkte auch, dass Stoffe, die schon in geringen Dosen hochgiftig sind, in noch kleineren Einheiten heilend wirken können. Ein Beispiel hierfür ist das Gift Aconitin des Eisenhuts. Schon 0,2 Gramm können tödlich sein, bei noch kleineren Dosen kann man seine heilende Wirkung bei bestimmten Nervenkrankheiten nutzen (ROTH, DAUNDERER & KORMANN 1994). Erst nach Überschreiten einer kritischen Dosis schlägt die Wirkung um und der Stoff führt zu einer Vergiftung.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation und Begeisterung für die Naturbeobachtung sowie die pädagogische Absicht, Schülern den verantwortungsvollen Umgang mit potenziellen Gefahren nahezubringen.
Einleitung: Es wird die allgemeine Wahrnehmung von Giftpflanzen und -tieren als „Übel“ hinterfragt und das Ziel gesetzt, Ängste durch Wissen zu ersetzen.
Sachanalyse: Dieses Kapitel bietet eine biologische Aufarbeitung ausgewählter Arten sowie eine theoretische Einordnung des Giftbegriffs und dessen Dosis-Wirkungs-Prinzip.
Didaktische Diskussion: Hier wird der theoretische Rahmen für die Umsetzung des Themas im Unterricht am Gymnasium diskutiert, inklusive rechtlicher Vorgaben und der Projektplanung.
Schlüsselwörter
Giftpflanzen, Gifttiere, Biologiedidaktik, Projektunterricht, Sicherheitsvorschriften, Artenschutz, Didaktische Rekonstruktion, Ökologie, Naturerfahrung, Vergiftungsprävention, Biologische Artenkenntnis, Umwelterziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit diskutiert didaktisch, wie man das Thema „Giftpflanzen und Gifttiere“ am Gymnasium behandeln kann, ohne Ängste zu schüren oder Gefahren zu verharmlosen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit gliedert sich in eine biologische Sachanalyse relevanter Arten und eine didaktische Reflexion, wie diese Inhalte im Biologieunterricht vermittelt werden können.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Schülern durch fachliche Aufklärung einen kompetenten und angstfreien Umgang mit der Natur im eigenen Umfeld zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen monografischen Ansatz und entwickelt Unterrichtseinheiten auf Basis fachdidaktischer Prinzipien wie der „didaktischen Rekonstruktion“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt neben theoretischen Grundlagen die Biologie von Pflanzen (z.B. Efeu, Eibe, Fingerhut) und Tieren (z.B. Kreuzotter, Wespen, Waldameise) sowie deren Gefahrenpotenzial.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Gift, Artenschutz, Didaktik, Projektunterricht, Sicherheitsvorschriften und ökologisches Verständnis.
Warum ist das Projekt speziell für das 8. Schuljahr geeignet?
Die 8. Klasse bietet laut Lehrplan den idealen Freiraum, um ökologische Zusammenhänge zwischen Mensch, Natur und Lebensraum zu untersuchen, was durch das Thema Gift anschaulich unterstützt wird.
Welche Rolle spielt die „Dosis“ in dieser Arbeit?
Die Dosis ist das zentrale Kriterium, um zwischen Gefahr, Vergiftung und potenzieller medizinischer Heilwirkung zu unterscheiden, wie am Beispiel des Eisenhuts verdeutlicht wird.
- Arbeit zitieren
- Andre Dörschug (Autor:in), 2003, Didaktische Diskussion eines Projektes am Gymnasium zum Thema: Giftpflanzen und Gifttiere in unserer Stadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29678