Das Fernsehen hat in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung erfahren. Seine Bedeutung hat dabei immer weiter zugenommen und es ist heute das wichtigste Medium überhaupt. Mit der Etablierung der privaten Fernsehsender wurde der Grundstein für eine neue Fernsehkultur gesetzt. Neben der Einführung neuer reiner Unterhaltungsformate kam es zu einer Veränderung bei der informativen Berichterstattung. Unterhaltungskomponenten sind heute auch in der Politik- und Informationsvermittlung vermehrt enthalten. In diesem Zusammenhang ist oft die Rede von Infotainment. Doch was Infotainment genau ist und woran man es erkennen kann, ist häufig unklar. Dennoch ist diese Frage von großer Bedeutung , da wir in einer Gesellschaft leben, die immer mehr Wert auf Information legt. Dabei soll diese nicht nur ohne zeitliche Verzögerung sofort verfügbar sein, sondern viele Fernseh-Konsumenten erwarten auch, dass sie ihnen auch unterhaltsam dargeboten wird. Diese Arbeit versucht so eine Definition für den Begriff Infotainment zu finden, welche bereits die wichtigsten Komponenten bereits beinhaltet. Des weiteren werden die wichtigsten Erkennungsmerkmale des Infotainments betrachtet sowie die verschiedenen Einsatzbereiche und Mischformen. Zudem soll anhand von einigen Beispielen aufgezeigt werden, wie sich dieser Wandel von Information zu Unterhaltung, respektive Infotainment vollzogen hat. Die Beschränkung auf das Fernsehen folgt der Bedeutung dieses Mediums für die Informationsvermittlung in unserer Gesellschaft. Selbstverständlich ist dieser Kulturwandel auch in den anderen Massenmedien ersichtlich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was versteht man unter Infotainment?
3. Die Entwicklung des Infotainment im deutschen Fernsehen
4. Infotainment: Erkennungsmerkmale
4.1 Gesichtspunkte bei der Auswahl von Berichten
4.2 Tendenzen im Infotainment
4.3 Stilistische und emotionsweckende Elemente
5. Die Grenzen zwischen Unterhaltung und Information zerfließen immer mehr
5.1 Allgemeines
5.2 Wo liegt der Unterschied
5.3 Der kleine Unterschied
6. Praxisbeispiele
6.1 Beispiel 1: Sendung „Meteo“ auf SFDRS
6.2 Beispiel 2: Sendung „Quiz today“ auf SFDRS
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Fernsehberichterstattung hin zum Infotainment, mit dem Ziel, den Begriff zu definieren, Erkennungsmerkmale zu analysieren und die zunehmende Vermischung von Information und Unterhaltung kritisch zu hinterfragen.
- Definition und konzeptionelle Einordnung von Infotainment
- Historische Entwicklung des Infotainments im deutschen Fernsehen
- Methodische Kriterien der Themenauswahl und journalistische Darstellungsformen
- Analyse der Grenze zwischen Information und Unterhaltung
- Praktische Untersuchung anhand von Fallbeispielen des Schweizer Fernsehens
Auszug aus dem Buch
4.2 Tendenzen im Infotainment
Infotainmentsendungen folgen in ihrer Gestaltung anderen Ansprüchen als herkömmliche Formate. Im folgenden werde ich nun einige Tendenzen im Infotainment beschreiben:
Dialogische und experimentelle Präsentationsformen: Informationsvermittlung folgt in der formalen Gestaltung nach wie vor traditionellen Mittel. Es gibt aber dennoch eine ständige Suche nach neuen Präsentationsformen. Die Sendungen “Sabine Christiansen“ und “Berlin Mitte“ zeigen, wie in der Politikvermittlung die dialogische Präsentationsform immer mehr Verwendung findet. Sie stammt eigentlich aus der Talkshow, welche ihren Ursprung im reinen Unterhaltungssektor hat. Da aber pure politische Information nicht mehr ankommt wird sie durch Unterhaltung zum Infotainment verformt. Es finden aber auch mehr experimentelle Präsentationsformen Eingang in die Informationssendungen. Dabei handelt es sich aber meist nicht um neuerfundene Darbietungsformen, sondern es sind einfach nur Entlehnungen aus anderen Sendungstypen wie etwa Quizshows. Beispiel hierfür ist die RTL Sendung “Punkt 12“ bei der Zuschauer gegen Ende der Sendung anrufen können und zwei Fragen über die in der Sendung vermittelten Informationen gestellt bekommt. Werden die Fragen richtig beantwortet gewinnt der Zuschauer Geld. Hiermit versucht man das Interesse der Zuschauer zu steigern. Diese neunen Formate werden meist nicht in der Prime Time sondern eher am Morgen oder Mittag gezeigt.
Verkürzung der Beitragslänge: Berichte werden immer kürzer, oft folgt daraus eine wenig differenzierte Berichterstattung und es kann zu Ungenauigkeiten kommen. Der Vorwurf des Häppchenjournalismus kommt schon bei manchen Sendungen auf. Durch eine temporeiche und lebhafte Darstellung fällt es anderseits den zuschauern leichter, sich zu konzentrieren und dem Beitrag folgen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Entwicklung der Fernsehkultur und die Relevanz des Infotainment-Begriffs in einer informationsorientierten Gesellschaft.
2. Was versteht man unter Infotainment?: Herleitung des Begriffs als Mischform aus Information und Unterhaltung zur gleichzeitigen Wissensvermittlung und Zerstreuung.
3. Die Entwicklung des Infotainment im deutschen Fernsehen: Analyse des Einflusses des dualen Rundfunksystems und des Quotendrucks auf die Programmgestaltung.
4. Infotainment: Erkennungsmerkmale: Beschreibung spezifischer Selektionskriterien für Berichte sowie dialogischer und emotionalisierender Präsentationsformen.
5. Die Grenzen zwischen Unterhaltung und Information zerfließen immer mehr: Diskussion über das Verschwimmen der traditionellen Trennungslinien und das Aufkommen des sogenannten Erlebnisjournalismus.
6. Praxisbeispiele: Konkrete Anwendung der theoretischen Erkenntnisse anhand der Wettersendung „Meteo“ und der Wissenssendung „Quiz today“ auf SFDRS.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Infotainment als erfolgreiche Vermarktungsstrategie bei gleichzeitigem Risiko für journalistische Standards.
Schlüsselwörter
Infotainment, Fernsehen, Journalismus, Unterhaltung, Information, Programmgestaltung, Einschaltquote, Erlebnisjournalismus, Massenmedien, Nachrichten, Medienwandel, SFDRS, Quote, TV-Formate, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel in der modernen Fernsehberichterstattung, bei der traditionelle Informationsvermittlung zunehmend mit Elementen der Unterhaltung verknüpft wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Begriffsbestimmung von Infotainment, der historischen Entwicklung im deutschen Fernsehen sowie der Identifikation journalistischer Mechanismen zur Emotionalisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Infotainment-Begriff zu definieren, seine Erkennungsmerkmale zu identifizieren und aufzuzeigen, wie sich die Grenzen zwischen Information und Unterhaltung in der Praxis verschieben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte theoretische Herleitung in Kombination mit einer deskriptiven Analyse konkreter Praxisbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die historische Entwicklung der Fernsehlandschaft, die Merkmalsanalyse des Infotainments sowie eine Fallstudie anhand ausgewählter Fernsehsendungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Infotainment, Erlebnisjournalismus, Fernsehen, Medienwandel und journalistische Standards sind die zentralen Begriffe.
Warum spielt die Personalisierung in Berichten eine so große Rolle?
Durch die Personalisierung von Sachverhalten können komplexe Themen emotional aufgeladen werden, was die Identifikation und das Mitfühlen beim Zuschauer fördert und somit die Bindung an die Sendung stärkt.
Wie unterscheidet sich die Vermittlung laut der Arbeit in "Erklären" und "Erzählen"?
„Erklären“ zielt auf die kognitive Vermittlung von Fakten ab, während „Erzählen“ episodisch strukturiert ist, Spannung aufbaut und primär auf das Erleben abzielt.
Welche Rolle spielt die Technik bei der Infotainment-Entwicklung?
Technische Möglichkeiten wie aufwendige Grafiken, bewegliche Karten oder die Moderation „mitten im Geschehen“ dienen dazu, ein Gefühl der Unmittelbarkeit zu erzeugen, das den Zuschauer stärker in das Programm einbezieht.
- Arbeit zitieren
- Vanessa Grand (Autor:in), Simon Kamm (Autor:in), 2004, Von der Information zur Unterhaltung. Ein Wandel unserer Zeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29681