Interkulturelle Kommunikation. Ursachen für Störungen im interkulturellen Kommunikationsprozess und methodische Ansätze zur Behebung


Hausarbeit, 2015
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kommunikation
2.1 Kommunikation als allgemeiner Begriff
2.2 Interkulturelle Kommunikation
2.3 Störungsanfälligkeit interkultureller Kommunikation

3 Kultur und Sprache
3.1 Definition Kultur
3.2 Trans-, Multi- und Interkulturalität
3.3 Interkulturelle Kompetenz
3.4 Interaktion Sprache und Kultur
3.5 Rich Points
3.6 Interkulturelle Erziehung

4 Didaktische Konzepte Interkulturellen Lernens und interkultureller Kommunikation
4.1 Antirassistische Erziehung
4.2 Ethnische Spurensuche in Geschichte und Gegenwart
4.3 Lernen für Europa
4.4 Sprachliche, kulturelle und kommunikationsbezogene Allgemeinbildung
4.5 Globales Lernen
4.6 Bilder vom Fremden und vom Eigenen wahrnehmen gestalten

5 Zusammenfassung

6 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

In der Zeit der Globalisierung und einer immer mehr pluralisierenden Gesellschaft gewinnt die Interkulturelle Kommunikation immer mehr an Bedeutung. Ob in der Wirtschaft, in der Schule, im Studium, im alltäglichen Umgang miteinander oder auf ganz persönlicher Ebene sind interkulturelle Kompetenzen immer wichtiger geworden und bieten eine Grundlage für eine solide verbaler und nonverbaler Kommunikation. Das Anliegen der Hausarbeit ist es interkulturelle Kommunikationsprozesse dem Leser näher zu bringen. Dabei wird sich Hauptsächlich mit der Frage auseinandergesetzt, wie interkulturelle Kommunikations-störungen entsteht, wie man ihr am besten begegnen kann und welche Konzepte es in der Jugendarbeit gibt um interkulturelle Kompetenzen fördern zu können. An einzelnen ausgewählten Beispielen wird erklärt, wie in anderen Kulturkreisen miteinander kommuniziert wird und wo genau die Schwierigkeiten bei der Verständigung liegen.

Um den Einstieg in die Thematik zu ermöglichen, wird zu Beginn dieser Hausarbeit auf die Begrifflichkeiten der allgemeinen Kommunikation und der interkulturellen Kommunikation eingegangen. Ebenso werden im Punkt 2.3 mögliche störungsverursachende Faktoren vorgestellt. Im dritten Kapitel wird der Schwerpunkt auf die Sprache und Kultur gelegt, wie beide in Interaktion miteinander stehen und welche Kulturmodelle es aktuell gibt. Das dritte und letzte Kapitel beschäftigt sich mit verschiedenen methodischen Vorgehensweisen im schulischen und außerschulischen Bereich. Es wird beschrieben wie interkulturelles Lernen und interkulturelle Kommunikation jungen Menschen didaktisch vermitteln werden kann. Es werden sechs Konzepte vorgestellt, die schon seit geraumer Zeit in der Praxis durchgeführt werden.

2 Kommunikation

In diesem Kapitel wird allgemein auf den Kommunikationsbegriff eingegangen, welche Merkmale kommunikative Prozesse haben und wie er definiert werden kann. Das zweite Unterkapitel beschäftigt sich mit der Bedeutung interkultureller Kommunikation. Im dritten und letzten Unterpunkt werden mögliche Störungsursachen im Kontext der interkulturellen Kommunikation einleitend vorgestellt. Das zuletzt genannte Thema wird Schwerpunkt der hier vorliegenden Hausarbeit sein und sich wie ein roter Faden durchziehen.

2.1 Kommunikation als allgemeiner Begriff

Der Ausdruck Kommunikation bedeutet Verbindung, Mitteilung oder Beziehung im Sinne von Teilnahme und Gemeinschaft sowie gegenseitige Verständigung. Es besteht eine Wechselbeziehung zwischen mindestens zwei Personen. Der Sinn der Kommunikation ist der Gedankenaustausch. Der Mensch ist ein kulturstiftendes und kommunikatives Wesen. Kultur ist Kommunikation und Kommunikation bringt Kultur hervor. Das menschliche Wesen ist nicht für ein Leben ohne die Gemeinschaft geschaffen. Wenn ein Mensch an Kommunikation teilnimmt, nimmt er/sie an der Gesellschaft teil und er/sie wird ein Teil dieser sein (Yousefi 2014, 17). In der Kommunikation werden Symbole und Zeichen Verwendet. Um Wörter als Zeichen richtig zu erkennen und zuzuordnen bedarf es einer systematisierenden Reflexion. Zeichen und Symbole können einer oder mehrerer Bedeutungen zugeschrieben werden (Heringer 2004, 9). Kommunikation heißt auch sich deutend und verstehend mitzuteilen. Es gibt eine Vielzahl von Theorien, die diese Prozesse auf unterschiedlichen Wege erklären (Yousefi 2014, 19). Vertreter einiger Bekannter Theorien sind zum Beispiel Paul Watzlawick (Theorie des Metakommunikativen Axioms), Ferdinand Schulz von Thun (Das Nachrichtenquadrat als allgemeines Kommunikationsmodell) und George Herbert Mead (Symbolischer Interaktionismus) um nur Einige zu nennen.

2.2 Interkulturelle Kommunikation

Der Begriff interkulturelle Kommunikation ist unterschiedlich weit gefasst. In der Regel ist damit die Kommunikation auf den Bereich der interpersonellen Face – to – Face – Kommunikation zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen gemeint (Lüsebrink 2014, 7). Interkulturelle Kommunikation ist eine komplementäre Form der Dialogführung in der auch Ich – und Du – Botschaften, direkte und indirekte sowie verbale und nonverbale Gesprächsführungen grundlegend sind (Yousefi, 2014, 19). Bei dieser Kommunikationsform sollte man kulturspezifische Merkmale nicht verallgemeinern. Hierbei besteht die Gefahr das bestimmte Handlungen schematisch stereotypisiert werden, wenn versucht wird kulturübergreifende Merkmale zu erschließen. So zum Beispiel zeigen nicht alle Deutschen oder Afrikaner ihren Zorn dadurch, dass sie ihre Ober- und Unterlippe aufeinander kneifen. Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und viele Verhaltensmerkmale lassen sich nicht verallgemeinern (Yousefi 2014, 20).

Es wäre nicht richtig Kulturen auf Universalen wie Gestik und Mimik zu beschränken, daraus Schlüsse zu ziehen und auf dieser Grundannahme zu kommunizieren. Interkulturelle Kommunikation bedeutet einen Dialog herzustellen, in denen die Einstellungen, Überzeugungen und Unterschiede der Menschen berücksichtigt werden. Dabei spielen kontextuell unterschiedliche Faktoren wie religiöse – kulturelle, soziologische – ethnologische und sprachliche – gesellschaftliche Dimensionen eine wichtige Rolle (Yousefi 2014, 21). Die Verwirklichung der interkulturellen Kommunikation besteht aus einer Vielzahl von emotionaler und sozialer Teilkompetenzen. Sie kann nur gelingen, wenn die Kommunizierenden bereit sind sich in die Gedankenwelt des Anderen hineinzuversetzen und empathiefähig sind (Yousefi 2014, 21f).

2.3 Störungsanfälligkeit interkultureller Kommunikation

Nicht nur sprachliche Kompetenzen tragen zum Gelingen der interkulturellen Kommunikation bei. Auch bestimmte nonverbale Zeichen beeinflussen das Geschehen, welches bei genauerer Betrachtung als kulturell codiert betrachtet werden kann. So ist zum Beispiel die Vermeidung des Blickkontaktes in anderen Ländern ein Zeichen für Respekt und gehorsam. In der deutschen Gesellschaft gilt der Blickkontakt als Beweis für Aufrichtigkeit. Der fehlende Blickkontakt würde als Hinweis gedeutet werden, dass der Gesprächspartner lügt. Diese Interaktionsspirale lässt sich gut in einer Unterrichtssituation darstellen. Eine Lehrerin fragt eine türkische Schülerin etwas. Die Schülerin hält den Blickkontakt nicht. Die Lehrerin nimmt an das die Schülerin es nicht verstanden hat. Daraufhin fragt sie erneut und beginnt mit zusätzlichen Erklärungen. Die Lehrerin wird zunehmend unsicherer. Die Schülerin denkt wahrscheinlich, dass sie von der Lehrerin für dumm gehalten wird, weil sie alles wiederholt und erklärt. Darauf fühlen sich Beide sehr unwohl und reagieren abweisend aufeinander. Das Beispiel macht deutlich das körpersprachliche Zeichen und Gesten noch mehr bedeutsamer werden, umso weniger man sich mit Worten austauscht. Die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation ist sehr wichtig. Sie ist durch die Sozialisation eines Kulturraumes entstanden und hat ihre eigene Logik. Ebenso wichtig ist die Kenntnis über die Wirkung unserer eigenen Körpersprache auf andere Gesprächsteilnehmer (Holzbrecher 2008, 25f). Es gibt viele Bereiche, die Anlass für Missverständnisse geben können. Angefangen von vermeintlich eindeutigen Gesten bis hin zur Körperhaltung und zum Stimmklang. Menschen, die den sogenannten Kantakt- oder Berührungskulturen angehören (Südeuropa, arabischer und südamerikanischer Raum), stehen einander meist direkt und nah gegenüber und empfinden das enge Zusammenstehen als angemessen.

Sie haben häufiger Blickkontakt und sprechen auch ausdrucksvoller als Menschen in Distanzkulturen (Holzbrecher 2008, 26). Im Bereich der Gesten gibt es die meisten Variationen und Deutungen. So auch bei der Bejaungs- und Beneinungsgeste. In den meisten Ländern bedeutet das Nicken mit dem Kopf ja oder richtig. In Griechenland, Süditalien und in der Türkei wird die Verneinung mit heben des Kopfes oder der Augenbrauen gezeigt. In Bulgarien dagegen bedeutet das Kopfnicken nein und das Kopfschütteln ja (Holzbrecher 2008, 28). Auch das Heranwinken mit erhobenen Hand, der offenen Handfläche zum Körper und den Zeigefinger ausgestreckt bietet viel Raum für Missverständnisse. So wird es in Griechenland und in den arabischen Ländern als obszöne Geste verstanden. Ebenfalls kann der Einsatz der Stimme von Kultur zu Kultur anders betrachtet werden. In Deutschland und in Japan wird lautes sprechen als Roh und ungebildet interpretiert. Dagegen wird in Südeuropa leises Sprechen als Unterwürfigkeit oder Ängstlichkeit gedeutet. Wenn englische Frauen einen größeren Tonumfang nutzen so entspricht das dort der Norm, in Deutschland würde dies als hysterisch oder affektiert gehalten werden (Holzbrecher 2008, 28). Auch sind Sprechpausen von relevanter Bedeutung. Denn wer, wann, wo und in welcher Form jemand zu Wort kommt kann von Land zu Land sehr unterschiedlich sein. In vielen Kulturen gilt es als höflich zu schweigen wenn eine ranghöhere Person spricht. So ist es in Korea unhöflich, einen Lehrer oder einer anderen höher gestellten Person lange und ausführliche Antworten zu geben. Es ist auch unhöflich eigene Aktivitäten im Detail zu schildern (Holzbrecher 2008,29f).

3 Kultur und Sprache

Kultur und Sprache stehen in enger Verbindung miteinander. Beides sind Konstrukte von Gesellschaften, die sich über einen sehr langen Zeitraum und auf unterschiedlichen Wegen entwickelt haben. Die Verständigung und der Dialog mit Angehörigen andere Kulturen bietet Raum für neue Entwicklungsmöglichkeiten. Jedoch können hierbei auch Hürden und Probleme entstehen. Bevor aber Probleme behoben werden können, müssen sie als solche erkannt werden. Im dritten Kapitel wird der Schwerpunkt auf die Begriffe Kultur, Interkulturalität, Transkulturalität, interkulturelle Kompetenz, Sprache und interkulturelle Erziehung gelegt. Es wird der Versuch gestartet, genauer auf die Ursachen von Kommunikationsstörung einzugehen.

3.1 Definition Kultur

Es gibt viele Definitionen des Begriffes Kultur und jede Definition beansprucht für sich die richtige Deutung. Aus diesem Grund gibt es den richtigen allgemeinen Kulturbegriff nicht.

Das Wort Kultur ist aus dem lateinischen Wort cultum Abgeleitet und dieses kommt wiederum von dem Verb colere was so viel bedeutet wie, dass etwas gepflegt worden ist. In das Deutsche übersetzt ergeben sich daraus vier Bedeutungen:

1. Bewohnen und ansässig sein,
2. Ackerbau betreiben,
3. verehren und anbeten und
4. ausbilden, wahren und veredeln.

Die Bedeutung der Pflege der in diesem Wort steckt impliziert, dass es einen Pflegenden und einen zu Pflegenden gibt und sich zwischen ihnen eine Beziehung aufgebaut hat. Mit diesem Hintergrund lässt sich der Begriff als Ergebnis einer spezifischen Form der Beziehungspflege im Hinblick auf Soziokultur (bewohnen und ansässig sein), bearbeitete Umwelt (Ackerbau betreiben), sinnhaft stiftende Instanzen (verehren/anbeten) und der Mensch als Akteur (ausbilden, wahren, verstehen) verstehen (Bolten 2014, 17 f). Der engere Kulturbegriff geht zurück auf die Philosophen Immanuel Kant und Oswald Sprenger. Diese Beiden nahmen eine Trennung des Begriffes Kultur und Zivilisation vor. Der oft verwendete Ausspruch Zivilisation ist wenn man eine Gabel besitzt und Kultur ist, wenn man sie benutzt findet heute noch verwenden und stammte sinngemäß von ihnen (Bolten 2014, 22). Eine Kultur ist eine Lebensform, ein Objekt besonderer Art. Wie die Sprache ist sie eine menschliche Institution, die auf gemeinsamen Wissen basiert. Kultur ist gemeinsames menschliches Handeln und stellt ein Ensemble von in symbolischen Handeln dar. Sie haben sich gesellschaftlich – historisch entwickelt. Die Gesellschaft hat mehr oder weniger einen gemeinsamen Kern an Weltbildern, Wertvorstellungen, Normen etc. Von außen scheinen Kulturen eine homogene Struktur zu haben, welches aber in den wenigsten Fällen der Tatsache entspricht (Heringer 2004, 107).

3.2 Trans-, Multi- und Interkulturalität

Die Interkulturalität setzt die Wechselbeziehung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen voraus. Interkulturalität gründet sich auf Gleichwertigkeit der Menschen mit dem Bewusstsein, dass die eigene Kultur mit der Anderen nicht unbedingt gleich ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kommunikation. Ursachen für Störungen im interkulturellen Kommunikationsprozess und methodische Ansätze zur Behebung
Hochschule
Universität Erfurt  (Erziehungswissenschaftliche Falkultät)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V298242
ISBN (eBook)
9783656943884
ISBN (Buch)
9783656943891
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interkulturelle, kommunikation, ursachen, störungen, kommunikationsprozess, ansätze, behebung
Arbeit zitieren
Sebastian Selzer (Autor), 2015, Interkulturelle Kommunikation. Ursachen für Störungen im interkulturellen Kommunikationsprozess und methodische Ansätze zur Behebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298242

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Interkulturelle Kommunikation. Ursachen für Störungen im interkulturellen Kommunikationsprozess und methodische Ansätze zur Behebung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden