La zia di America: Amerika-Bilder bei Leonardo Sciascia


Hausarbeit, 2003

15 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. Amerika-Bilder
2.1. La zia di America
2.2. Toni
2.3. lo storo grande e il piroscafo

3. Konstellation der Amerika-Bilder in den Personaggi

4. Narrative Textkonstitution im Hinblick auf die Amerika-Bilder

5. Politische Paralellen- USA-Italien 1943-53

6. ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

1. EINLEITUNG

“Mi trovavo alla stazione di Racalmuto,

in attesa del mio treno, e assistevo,

in una sorta di indifferente passività,

all`arrivo di gruppi sicliani emigrati in America

che rimpatriavano per trovare le famiglie.

Lacrime di gioia, abbracci, emozioni!

Proprio in quel momento qualcuno accanto a me commentò sarcastico:

“ E in meno di una settimana cominceranno a litigare.”[1]

Was bewog Sciascia die Amerika-Bilder in seiner Geschichte “la zia di America” so zu zeichnen, wie er es tat? Wie lassen sich alle Spektren der Amerikawahrnehmung des gesamten Bandes “gli zii di Sicilia” beschreiben und welches Gesamtbild lassen sie entstehen (Kapitel 3)? Welche Personen haben welche Funktionen (Kapitel 2)? Welche übergeordneten Sequenzen bestehen in der Geschichte? Wie “baut” die Struktur des Textes am Gesamt-Amerika-Bild mit (Kapitel 4)?

Leider oder erfreulicherweise scheint es keine ausführliche Rezeption des circa 48-Seiten starken racconto zu geben. Somit betreten wir mit dieser Geschichte durchaus Neuland. Auf der anderen Seite muss dabei der Vergleich zur Forschung kurz geraten sowie sich die Literaturwissenschaftler schwer taten Sciascia in einer Kategorie der Nachkriegsliteratur unterzubringen.[2]

Sciascias Geschichte ist das literarische Spiegelbild des historisch vielleicht größten Einschnitts in der Geschichte Siziliens und Süd-Italiens. Ich werde deshalb versuchen nachzuweisen, wieweit die Querverweise der Kurzgeschichte an der politischen Realität lagen. (Kapitel 5)

Es geht uns in erster Linie um eine literaturwissenschaftliche Arbeit am Text, aber da der Text nur zu verstehen ist mit der Übersee-Emigration und allen Wirkungen und Fort-Wirkungen des zweiten Weltkriegs gehe ich darauf genauer ein.

2. Amerika-Bilder

Es soll uns in diesem Abschnitt darum gehen den von Sciascia entwickelten personaggi nahezukommen, sie zu beschreiben und herauszubekommen was sie von Amerika abbilden. Das das Bild vieleteilig ist, zeigt uns schon der Titel “gli zii di Sicilia”. Wie weit haben sie sich entfernt? Wieviel Italien leben sie noch?

Interessant werden diese Betrachtungen durch den Prozeß der Entstehung der personaggi. Sciascia sieht einen geringen Abstand zwischen seinen Figuren und der Realität. Sie wären “già esisitenti e ... entrano spontaneamente nella pagina”.[3] So können wir von einer besonderen Nähe vielleicht mehr historischer als künstlerischer Art reden.

2.1. La zia di America

Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist die Figur “la zia di America”. Nicht umsonst ist ihre Herkunft nun amerikanisch wie sich an ihrer Charakterisierung zeigen wird. Sie ist vor allem Karikatur und Zerrbild eines Amerika-Bildes, dass durch die Überdehnung von Emigranten-Klischees im großen Maße eben der Wahrheit über die Literatur hinaus nahe kommt. Keineswegs unauffällig kommt die Tante schon daher als sie dem Dampfer aus Übersee entsteigt:

“Mia zia era grassa, aveva un vestito a fiori grandi, gli occhiali d`oro”[4]

Laut polternd, überheblich kommt sie daher, schlägt die Unterkunft bei den Verwandten aus, nur das beste Hotel von Palermo “Le Palme” ist gerade recht.[5] Nach den Emotionen des ersten Wiedersehens geraten die sizilianischen Verwandten bereits in Irritationen, die sich noch vervielfachen sollen. Die Tante ist schließlich im italienischen Einwanderer-Viertel schlechthin Brooklyn zu Reichtum gekommen und besitzt ein Geschäft (“lo storo grande”[6] ) worauf wir noch genauer eingehen werden. Ihr amerikanischer Ehemann (“la faccia liscia, capelli bianchi”[7] ) wird zum stummen Begleiter des Sizilienausflugs. Ihre Sprache ist das sonderbare Kauderwelsch der Einwanderer von Brooklyn: “boifrendo” ist der boyfriend und “Aiscule” ist die Highschool.[8]

Doch die Geschichte wirft mehr Schatten der Tante voraus als das sie tatsächlich da ist, schließlich spielen zwei Drittel des Buches und circa fünf Jahre des Buches (1943-48) vor der Ankunft des Dampfers in Palermo. Vor allem durch die Paketsendungen und die Briefe an die Schwester an die Mutter des Ich-Erzählers führt Sciascia die Figur der Tante ein. Unmengen an Anziehsachen kreischend bunt und mit Micky-Maus-Emblemen erreichen auch den jugendlichen Ich-Erzähler, der damit nicht recht zufrieden ist. Ganz entschieden tritt die Tante aus Brooklyn für einen Wahlsieg der DC und Gasperi im Jahr 1948 ein und macht davon sogar ihren Besuch abhängig. Die Identifizierung mit der Neuen Welt ist umfassend:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sciascia liegt mit der Darstellung der Briefserie einer Briefkampagne sehr nahe, die es massenweise zwischen Italo-Amerikaner und ihre Verwandten im Nachkriegsitalien wirklich gegeben hat. Mit Geldspenden und verdeckten Aktionen der CIA sollte ein Wahlsieg der stärksten kommunistischen Partei Europas verhindert werden. Die Briefkampagne iniziierte der amerikanischen Auslandgeheimdienst über Leute wie John La Corte, der sich in z.B. in die Kirchen von Brooklyn auf den Weg machten um für die Briefkampagne “Stoppt die Kommunisten” zu werben. Es wurden sogar in Zeitungen fertige Briefe abgedruckt, die man dann nur noch ausschneiden und abschicken mußte:[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Erfolg sprach für sich, denn De Gasperi errang in Italien die absolute Mehrheit. Cosi la zia di America poteva venire. Der Kreis schließt sich, die beiden Schwester sehen sich wieder und können sich nicht mehr verstehen. was bleibt sind zwei Gewißheiten. Die der gemeinsamen Herkunft (“siamo cresiute in mezzo alle mosche”)[11] und der endgültigen Trennung im Moment des Abschieds (“ci vedremo nell`altra vita”)[12]. Die Station ist verweißt und Sizilien findet sich wieder in mediterraner Ruhe - so das Schlußbild Sciascias. Der Vorrat an Gemeinsamkeiten ist aufgebraucht, das Bild der Entfremdung von der Tante und ihrem Amerika bleibt der sizilianischen Verwandschaft verhaftet. Amerika obgleich verwandschaftlich in nächster Nähe sich, entfernt sich und verblaßt.[10]

Welche Funktion hat also letztlich “la zia di America”? Sie ist eine gefärbte Mix-Gestalt, die in Sizilien geboren den größeren Teil ihres Lebens (seit 1919) in den Vereinigten Staaten zugebracht hat. Ende der 40er Jahre amerikanischer als der weiße protestantische Durschnittsamerikaner. Sciascias Protagonist schlägt Kapriolen ist bunt und sendungsbewußt. Der Besuch ist ihre Initiave. Inwieweit ist sie nun eine Protagonistin eines Amerika-Bildes? Für Sizilien ist das Zerrbild der Tante der beste Grund zum Abschied von der ersten Auswanderer-Generation.

[...]


[1] Sciascia, Leonardo: La Sicilia come metafora. intervista di Marcelle Padovani, Milano 1984, S. 68.

[2] Hösle, Johannes: Die italienische Literatur der Gegenwart, München 1999, S. 164. Hösle ordnet Sciascia in die Rubrik “Traditionalisten, Außenseiter, Sonderfälle, Bestseller”. Auch die Leser dieser Arbeit dürfen aussuchen.

[3] Sciascia, Leonardo: La Sicilia come metafora. intervista di Marcelle Padovani, Milano 1984, S. 62-63.

[4] Sciascia, Leonardo: gli zii di Sicilia, Torino 1964, S. 46.

[5] ebd, S. 46.

[6] ebd, S. 16.

[7] ebd, S. 46.

[8] ebd, S. 48.

[9] Sciascia, Leonardo: gli zii di Sicilia, Torino 1964, S. 43.

[10] Schubert, Ludwig: CIA-Waffen im Kalten Krieg, München 1993, S. 30-31. Es fehlen in diesem Abdruck eines TV-Manuskriptes des Bayerischen Rundfunks leider die Quellenangaben. Somit ist es schwierig, die Aussagen zu überprüfen. Über den CIA-Mann John La Corte gibt es benefalls keine weiteren Infromationen. Das wäre eine separate Arbeit wert.

[11] Sciascia, Leonardo: gli zii di Sicilia, Torino 1964, S. 53.

[12] ebd, S. 59.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
La zia di America: Amerika-Bilder bei Leonardo Sciascia
Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V29832
ISBN (eBook)
9783638312547
ISBN (Buch)
9783638760829
Dateigröße
1507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
America, Amerika-Bilder, Leonardo, Sciascia
Arbeit zitieren
Marcus Fiebig (Autor:in), 2003, La zia di America: Amerika-Bilder bei Leonardo Sciascia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29832

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