Fachpraktikum Geschichte im Heimatmuseum Leer


Praktikumsbericht / -arbeit, 2010

20 Seiten, Note: 1,3

Lena Lindemann (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Erwartungen an das Praktikum und Ziele

2. Kurze Geschichte der Stadt Leer

3. Die Geschichte des Heimatmuseums
3.1. Die Bedeutung des Heimatvereins für die Stadt Leer

4. Die Ausstellung als Spiegel der Geschichte // die Dauerausstellung des Museums

5. Die Organisationsstruktur

6. Tätigkeiten, Arbeitsfelder und Prozesse

7. Kompetenzen die von den Mitarbeiter/innen erwartet werden

8. Welche Bedeutung hat das Museum als außerschulischer Lernort

9. Bewertung meines Praktikums

Literaturverzeichnis

1.Erwartungen an das Praktikum und Ziele

Mit der Zielgebung, mehr Kenntnisse über meine Heimatstadt und Region zu erhalten und weitere Einblicke in die Tätigkeitsfelder des Museums zu gewinnen - vor allem auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit zwischen späterer Lehrtätigkeit und der Nutzung des Museums als außerschulischem Lernort - habe ich mich bei der Wahl meines Praktikumsplatzes für unser Heimatmuseum in Leer, Ostfriesland entschieden.

Dieses Museum war mir von den im vorherigen Jahr stattgefundenen Biedermeiertagen noch positiv in Erinnerung und so freute ich mich nach der Zusage des Museums auf ein interessantes Praktikum, in dessen Verlauf ich die Zusammenarbeit zwischen Schule und Museum stärken und mich mit den museumspädagogischen Aspekten beschäftigen und diese weiter ausarbeiten wollte.

Der Zeitpunkt meines Praktikums fiel in das hundertjährige Jubiläum des Vereins für Heimatschutz und Heimatgeschichte e.V. und da diese Feierlichkeit primäres Ziel war, war mir bewusst, dass ich mich in die Gestaltung dieses Festes einbringen würde. In diesem Rahmen des Praktikums erwartete ich somit Einblicke und Teilhabe in Teamarbeit und Organisation im Berufsalltag sowie den Erwerb von Kompetenzen in Organisation und Durchführung, Einbringung von eigener Kreativität bei der Gestaltung und ebenso Kenntnisgewinnung in Bezug auf die Heimatgeschichte und den alltäglichen Umgang mit Objekten im Museum.

2. Kurze Geschichte der Stadt Leer

Die Hafenstadt Leer, die auch als „das Tor Ostfrieslands“[1] bezeichnet wird, ist heute das Verwaltungszentrum des Landkreises Leer im südlichen Ostfriesland und zählt 34.000 Einwohner.

Heutiges Kennzeichen der Stadt ist die sehr schöne historische Altstadt, deren Erhalt unter anderem ein Verdienst des Vereins für Heimatschutz und Heimatgeschichte e.V. ist, der 1909 gegründet wurde.[2]

Die Stadt, die am Zusammenfluss der Flüsse Leda und Ems liegt, hieß ursprünglich „Hlerie“[3] und entstand am Ende eines Ausläufers der Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest. Der höchste Punkt weist eine Höhe von + 6,80 m NN auf, wohingegen das Umland deutlich niedriger ist.

Aufgrund dieser Naturgegebenheit wurde dieser Ort schon zu frühen Zeiten als attraktiver Siedlungsplatz angesehen.[4]

Bereits um 8000 v. Chr. lebten hier zeitweise Menschen, die hier ab 3200 v. Chr. sesshaft wurden. Es wird davon ausgegangen, dass die Siedler, die in den ersten Jahrhunderten nach Christus hier lebten, mit den Römern Handel trieben.[5]

Die erste Erwähnung findet der kleine Ort „Hlerie“ durch Luidger, den Bischof von Münster, der im Auftrage Karls des Großen diese Region missionierte. „Hlér“ bedeutete hierbei ursprünglich „Weideplatz“.[6]

Im Mittelalter, der Blütezeit der Friesischen Freiheit, wuchs die Macht der Häuptlinge stets weiter an und wurde ausgedehnt. Zu Anfang des 15. Jhd. erhielt Leer durch die Herrschaft von Focko Ukena eine stärkere politische Bedeutung[7] und im 16. Jhd. kam es zu einer großen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung, da der Graf Edzard von Ostfriesland der Stadt im Jahre 1508 das Marktrecht verliehen hatte.[8]

Der Gallimarkt, eigentlich ein Vieh- und Kramermarkt, wird auch heute noch einmal im Jahr im Oktober in Tradition an die ursprüngliche Verleihung des Marktrechts um den Sankt-Gallus-Tag herum gefeiert.[9]

Der Mittelpunkt des damaligen Marktfleckens lag in Nähe der Focke(n)burg. Hier trafen die alte Marktstraße, die Kirchstraße und das Westerende zusammen. An diesem Punkt stand die Kaakspütte, einer der öffentlichen Brunnen (= Pütte). Ebenfalls befanden sich hier der Pranger und der Schandpfahl. An diesem Platz wurde der erste Gallimarkt abgehalten.[10]

Durch das Handwerk gewann Leer an wirtschaftlicher Bedeutung und die ersten Zünfte bildeten sich heraus. Leer wurde um 1550 zum Zentrum der Leinenweberei, die von Mennoniten gegründet wurde. Die Mennoniten mussten das benachbarte Holland verlassen, das unter spanische Herrschaft gelangt war.[11] Zu Beginn des 18. Jhd. begann der Niedergang des Leeraner Leinenhandels. Die Ursache hierfür waren Absatzschwierigkeiten und das Aufkommen mechanischer Fertigungsmethoden in Bielefeld, Westfalen.[12]

Trotz des gewonnenen Wohlstandes, der sich durch den Bau von imposanten Gebäuden wiederspiegelte, zählte der Ort lediglich als Marktflecken. Die Verwaltung lag in den Händen von vier ehrenamtlichen Schüttemeistern, die das Vermögen verwalteten, sowie Straßen, Markt und Hafen beaufsichtigten. Um den Einfluss der reformierten Kirche zu mindern, wurden im 17. Jhd. jeweils zwei lutherische und zwei reformierte Schüttemeister vom Landesherrn ernannt.[13] Erst durch das durchgreifende Vorgehen des napoleonischen Frankreichs, unter dessen Herrschaft Ostfriesland stand, wurde diese Fleckenordnung aufgehoben und an der Spitze der „Mairie Leer“, ein „Monsieur Maire“ gesetzt. Weiterhin wurden zwei Adjoints und ein Munizipalrat (Bürgermeister, Beigeordnete und Stadtrat) ernannt. Somit hatte Leer eine Stellung, die der Emdens glich erreicht und war einer Stadt gleichgestellt.[14]

Die neue Verwaltung blieb auch unter der hannoverschen Herrschaft bestehen. Es wurde lediglich der Titel „Monsieur Maire“ in Bürgermeister umbenannt.

Erst 1823 erhielt Leer von König Georg von Hannover, der gleichzeitig König von Großbritannien war, die Stadtrechte. Mit der Erhebung zur Stadt brauchte Leer natürlich ein repräsentatives Verwaltungsgebäude, ein Stadthaus, das 1825 bezogen wurde.

1894 folgte dann das Rathaus. Um 1850 war das Zentrum von Leer der Marktplatz mit Waage, dem altem Rathaus und Zollhaus am Hafen. Dort fand dann auch der Gallimarkt statt.[15]

In den Jahren 1900 – 1903 wurde der Leeraner Hafen tidefrei ausgebaut[16] und für den zeitweise größten Viehmarkt Europas wurde auf der Nesse 1925 – 1928 eine neue Viehmarktanlage erstellt.[17]

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begannen die exzessiven Schikanen, die die jüdische Bevölkerung auch in Leer zu erleiden hatte. In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge in Leer vollständig zerstört, jüdische Geschäfte und Wohnungen demoliert und die jüdische Bevölkerung furchtbar drangsaliert.[18] Die Berichte der Juden, die zusammengetrieben und eingepfercht in der Viehhofanlage auf ihren Abtransport in die Konzentrationslager zu warten hatten, nachdem sie durch die Straßen getrieben worden waren, wird erst seit kurzem auch im Geschichtsunterricht der Leeraner Schulen beleuchtet.

In den letzten Kriegstagen verursachte die sinnlose Verteidigung der Stadt gegen die Kanadier schwere Kriegsschäden.[19] „Auf den Straßen Leers sah man kaum noch Menschen. Die Bevölkerung hauste entweder in den Kellern oder hatte Zuflucht im Hammrich und in den umliegenden Dörfern gesucht“[20].

1950 erhielt die Stadt Leer das Recht, ein neues Wappen, das auf einem Siegelabdruck von 1639 basierte, zu führen.[21] Dieses Wappen zeigt ein silbernes „L“ auf blauem Wappenschild, links und rechts sieht man jeweils einen sechszackigen silbernen Stern und über dem „L“ ist eine silberne stilisierte vierblättrige Rose zu sehen.

[...]


[1] Schumacher, Grenzenlos, S. 259.

[2] Vgl. Schumacher, Grenzenlos, S.259.

[3] Hensmann, Von „Hleri“, S.9.

[4] Vgl. Bärenfänger, Archäologisches, S. 32.

[5] Bärenfänger, Archäologisches, S. 37.

[6] Hensmann, Von „Hleri“, S. 10.

[7] Vgl. Hensmann, Von „Hleri“, S. 10.

[8] Vgl. Hensmann, Von „Hleri“, S. 11.

[9] Vgl. Manitzke, Landkreis Leer, S. 21.

[10] Vgl. Canzler, Leer, S.47.

[11] Vgl. Manitzke, Landkreis Leer, S.23.

[12] Vgl. Canzler, Leer um 1900, S. 47.

[13] Vgl. Hensmann, Von „Hleri“, S. 13/14.

[14] Vgl. Hensmann, Von „Hleri“, S. 14.

[15] Vgl. Hensmann, Von „Hleri“, S. 15.

[16] Vgl. Requardt-Schohaus, LEER, S.84

[17] Vgl. Requardt-Schohaus, LEER, S.87

[18] Vgl. Hensmann, „Leer 1933 –bis 1945“ (S. 85 – 95).Ausführlich in: Hensmann, Menna: Dokumentation "Leer 1933 – 1945“. Stadt Leer Ostfriesland. 2001.

[19] Vgl. Simon, Dieter: Das Kriegsende, S.8f.

[20] Simon, Dieter : Das Kriegsende, S.41 Z.30 f.

[21] http://www.stadt-leer.de , Stadtarchiv, Geschichte, Wappen

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Fachpraktikum Geschichte im Heimatmuseum Leer
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Geistes- und Kulturwissenschaften - Abteilung für Kulturgeschichte und vergleichende Landesforschung)
Veranstaltung
Fachpraktikum Geschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V298413
ISBN (eBook)
9783656950028
ISBN (Buch)
9783656950035
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fachpraktikum, geschichte, heimatmuseum, leer
Arbeit zitieren
Lena Lindemann (Autor), 2010, Fachpraktikum Geschichte im Heimatmuseum Leer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298413

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