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Grenzen des "Rational Choice"-Ansatzes. Parsons Analyse des Arzt-Patienten-Verhältnisses

Title: Grenzen des "Rational Choice"-Ansatzes. Parsons Analyse des Arzt-Patienten-Verhältnisses

Essay , 2011 , 5 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Ingmar Ehler (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Der "Rational Choice"-Ansatz ist eine Handlungstheorie, die Handlungen so betrachtet, dass sie aus der Sicht der Akteure rational erscheinen. Sie unterstellt axiomatisch, dass die Entscheidungen, auf denen alle menschlichen Handlungen beruhen, auf dem Prinzip der egoistischen Nutzenmaximierung basie-ren. Vertreter des "Rational Choice"-Ansatzes als Bestandteil soziologischer Theorien argumentieren, dass für die Erklärung sozialer Phänomene, die aufgrund vieler individueller Verhaltensweisen zustande kommen, eine solche Erklärung individuellen Verhaltens hinreichend sei.

In „Struktur und Funktion der modernen Medizin“ zeigt Parsons am Beispiel des Arzt-Patientenverhältnisses, dass auch große soziale Strukturen von emotionalen Zuständen der Akteure abhängen können, die Erklärungen von daraus folgenden Handlungen mit dem "Rational Choice"-Ansatz problematisch machen. Auch Ärzte, deren Fachkenntnisse zunächst eine solide Grundlage für rationale Entscheidungen bieten, werden in ratlosen Situationen oft auf Hoffnungen und Verhaltens-weisen zurückgeworfen, die Parsons dem Bereich der Magie zuordnet.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Rational Choice-Ansatz im Vergleich zu soziologischen Theorien

3. Das Arzt-Patienten-Verhältnis als Herausforderung für den Rational Choice-Ansatz

3.1 Die Rolle der Verdrängung bei schweren Krankheiten

3.2 Faktoren der Ausnutzung und die Bedeutung von Vertrauen

3.3 Kulturelle Regelungen von Privat- und Intimsphäre

3.4 Die Übertragung als psychisches Bedürfnis

4. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Grenzen des Rational Choice-Ansatzes bei der Analyse komplexer sozialer Interaktionen, insbesondere am Beispiel des Arzt-Patienten-Verhältnisses nach Talcott Parsons. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit die Annahme universeller rationaler Nutzenmaximierung ausreicht, um menschliches Verhalten unter emotionalem Stress, bei schwerer Krankheit oder in intimen Kontexten hinreichend zu erklären.

  • Kritische Auseinandersetzung mit dem methodologischen Individualismus vs. Holismus.
  • Analyse emotionaler und irrationaler Faktoren im medizinischen Kontext (z.B. Verdrängung, Angst).
  • Untersuchung der strukturellen Notwendigkeit institutioneller Wertorientierungen in der Arztrolle.
  • Evaluation der Grenzen ökonomischer Rationalitätsmodelle in hochkomplexen, emotional belasteten sozialen Systemen.

Auszug aus dem Buch

Das Arzt-Patienten-Verhältnis als Herausforderung für den Rational Choice-Ansatz

In „Struktur und Funktion der modernen Medizin“ zeigt Parsons am Beispiel des Arzt-Patientenverhältnisses, dass auch große soziale Strukturen von emotionalen Zuständen der Akteure abhängen können, die Erklärungen von daraus folgenden Handlungen mit dem Rational Choice-Ansatz problematisch machen. Auch Ärzte, deren Fachkenntnisse zunächst eine solide Grundlage für rationale Entscheidungen bieten, werden in ratlosen Situationen oft auf Hoffnungen und Verhaltensweisen zurückgeworfen, die Parsons dem Bereich der Magie zuordnet. Ein gewisser Optimismus spiele im Bereich der Medizin schon immer und bis heute eine Rolle, was Parsons daran festmacht, dass wissenschaftlicher Fortschritt oft in dem Nachweis besteht, „daß gewisse Verhältnisse und Probleme in Wahrheit nicht beherrscht werden können“. (Parsons 1951, S. 27) Die Ungewissheit stellt für den Arzt eine nicht unerhebliche emotionale Belastung dar, aufgrund des intensiven Interesses des Patienten und von dessen Angehörigen.

Besonders die Einstellung ernsthaft kranker Patienten jedoch – an welche die Arztrolle angepasst sein muss, um das Funktionieren des Medizinbetriebs zu gewährleisten – scheint deren Verhalten in wesentlichen Punkten nur schwer oder gar nicht mit subjektiver Rationalität erklären zu lassen. Im Folgenden soll untersucht werden, ob sich anhand von diesem und anderer Beispiele aus der Medizinsoziologie Parsons die Behauptung Colemans widerlegen lässt, dass sich im Prinzip jedes Verhalten mit subjektiver Rationalität erklären ließe und welche alternative Erklärung Parsons dazu im Zweifelsfall anbietet: „Daß vieles üblicherweise als nicht rational oder irrational bezeichnet wird, liegt […] daran, weil die Betrachter nicht die Sichtweise des Akteurs entdeckt haben, von der aus die Handlung rational ist.“ (Coleman 1990, S. 22)

Parsons sieht insbesondere schwerere Krankheit als eine „Frustration der Erwartungen und Hoffnungen [des] normalen Lebens“ an. (Parsons 1951, S. 23) Normale Reaktionsformen darauf seien zunächst emotionaler Schock und daraufhin Angst hinsichtlich der Zukunft, welche beide normalerweise zu Formen von Verdrängung führten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Grundannahmen des Rational Choice-Ansatzes ein und stellt die theoretische Gegenüberstellung zum methodologischen Holismus von Talcott Parsons vor.

2. Der Rational Choice-Ansatz im Vergleich zu soziologischen Theorien: Es wird erörtert, wie Coleman versucht, soziale Phänomene auf individuelles Handeln zu reduzieren, während Parsons' holistischer Ansatz die Bedeutung normativer Wertorientierungen betont.

3. Das Arzt-Patienten-Verhältnis als Herausforderung für den Rational Choice-Ansatz: Dieses Kapitel analysiert anhand praktischer medizinischer Beispiele, wie emotionale Prozesse wie Verdrängung und psychische Übertragungen die Grenzen rationaler Akteursmodelle aufzeigen.

4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass soziale Beziehungen mit hoher emotionaler Belastung komplexere Handlungstheorien erfordern, da der Rational Choice-Ansatz hier analytisch unzureichend bleibt.

Schlüsselwörter

Rational Choice, Talcott Parsons, Arzt-Patienten-Verhältnis, Nutzenmaximierung, methodologischer Individualismus, Medizinsoziologie, Verdrängung, Irrationalität, soziale Systeme, Wertorientierung, psychische Bedürfnisse, soziale Interaktion, Handlungsrationalität, Arztrolle, emotionale Belastung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretischen Grenzen des Rational Choice-Ansatzes, indem sie diesen mit der soziologischen Analyse des Arzt-Patienten-Verhältnisses von Talcott Parsons konfrontiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die rationalistische Handlungstheorie, die Bedeutung von Werten und Normen in sozialen Systemen, der Umgang mit Krankheit sowie die psychologischen Faktoren der Patienten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist herauszufinden, ob das Prinzip der subjektiven Nutzenmaximierung ausreicht, um menschliches Verhalten in medizinischen Kontexten, die von starken Emotionen geprägt sind, hinreichend zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die den Rational Choice-Ansatz (nach James Coleman) einer kritischen Prüfung durch soziologische Fallbeispiele (nach Talcott Parsons) unterzieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Unzulänglichkeit der Rationalitätsannahme bei Phänomenen wie der Verdrängung bei schweren Krankheiten, der Hilflosigkeit von Patienten und der Notwendigkeit kultureller Regelungen der Intimsphäre.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Rational Choice, Arzt-Patienten-Verhältnis, Nutzenmaximierung, Irrationalität, Verdrängung und soziale Wertorientierung.

Warum hält Parsons den Rational Choice-Ansatz im Arzt-Patienten-Verhältnis für unzureichend?

Parsons argumentiert, dass Patienten in Krisensituationen durch Verdrängung und emotionale Bedürfnisse handeln, die nicht als rationale Kosten-Nutzen-Abwägung interpretierbar sind, wodurch der Ansatz an seine Grenzen stößt.

Was versteht man in diesem Kontext unter dem Begriff „Übertragung“?

Die Übertragung bezeichnet das psychische Phänomen, bei dem Patienten in ernsten Krankheitsfällen dem Arzt eine elternähnliche Bedeutung zuschreiben, was den Wunsch nach Abgabe von Eigenverantwortung widerspiegelt.

Inwiefern spielt das Arztgeheimnis für die Argumentation eine Rolle?

Das Arztgeheimnis dient als Beispiel für eine institutionelle Struktur, die notwendig ist, um berufliche Distanz zu wahren und die „Private“ von der „Berufssphäre“ zu trennen, was über rein rationale Aspekte hinausgeht.

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Details

Title
Grenzen des "Rational Choice"-Ansatzes. Parsons Analyse des Arzt-Patienten-Verhältnisses
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Soziologie)
Course
Übung: Soziologische Theorien
Grade
1,3
Author
Ingmar Ehler (Author)
Publication Year
2011
Pages
5
Catalog Number
V298531
ISBN (eBook)
9783656949459
ISBN (Book)
9783656949466
Language
German
Tags
grenzen rational choice parsons analyse arzt-patienten-verhältnisses
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ingmar Ehler (Author), 2011, Grenzen des "Rational Choice"-Ansatzes. Parsons Analyse des Arzt-Patienten-Verhältnisses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298531
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