Familie im Wandel und die Instabilität der modernen Ehe


Hausarbeit, 2013
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Familienbegriffs

3. Historische Entwicklung der Familienformen
3.1 Der Oikos - „das ganze Haus“
3.2 Das Bürgertum
3.3 Die moderne Kleinfamilie

4. Instabilität der modernen Ehe
4.1 Das Modell der „Scheidungsspirale“
4.2 Der Prozess der Individualisierung
4. 3 Wertewandel in der Gesellschaft

5. Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Ehe

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel der Familienformen und den möglichen Gründen für die Instabilität der modernen Ehe. Die Bearbeitung des Themas ist in die Zeit vom Mittelalter bis Heute eingegliedert und beschränkt sich auf den Raum „Deutschland“. Scheidungen gehören für viele Menschen zu Lebenswirklichkeit, gerade deshalb ist dieses Thema von so hoher Wichtigkeit und Aktualität. Mögliche Gründe für die Zunahme der Scheidungszahlen wurden in zahlreichen Studien erörtert. Ziel dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, ob die Institution Ehe für die Gesellschaft tatsächlich an Bedeutung verloren hat und inwiefern der Wertewandel sich auch auf den Wandel der Familienstrukturen auswirkt. Zu Beginn wir der Begriff „Familie“ nach dem heutigen Verständnis definiert. Anschließend wird der Wandel der Familie im historischen Ge- samtkontext betrachtet, um für die genaueren Untersuchungen der Instabilität der mo- dernen Ehe ein Fundament zu schaffen. In der vertieften Auseinandersetzung mit mög- lichen Scheidungsursachen, werden mehrere Theorien, wie z. B. die „Scheidungsspira- le“ nach Diekmann und Engelhardt, in den Fokus der Untersuchung gerückt, um Schei- dungsbegünstigende Faktoren genauer definieren zu können. Abschließend werden theoretische Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Ehe beschrieben.

2. Definition des Familienbegriffs

Der Begriff „Familie“ wird von dem lateinischen „la familia“ abgeleitet, was in seinem Ursinn so viel wie „Lebensgemeinschaft unter der Gewalt des Familienvaters“ (Tenorth/Tippelt 2007, S. 239) bedeutet. Im 18. Jahrhundert löste er die Bezeichnung „des ganzen Hauses“ ab. „Die F[amilie] ist eine Primärgruppe, die durch verwandt- schaftliche, soziale und/oder juristisch definierte Beziehungen innerhalb und zwischen Generationen bestimmt ist und sich typischerweise durch enges Zusammenleben und Kooperation auszeichnet“ (ebd., S. 238). Für dieses Zusammenleben gibt es weder strukturellen Vorgaben noch explizite Funktionsbestimmungen, die an den Einzelnen gerichtet sind. In veralteten Definitionen wird die Ehe noch als Grundinstanz einer Fa- milie hervorgehoben. Inzwischen sind die Definitionen allgemeiner formuliert und ha- ben sich dem gesellschaftlichen Wandel angepasst. Es wird beispielsweise weder fest- gelegt, welcher sexuellen Orientierung die Partner angehören müssen, noch welche Form des Zusammenlebens sie gewählt haben, um sich eine Familie nennen zu dür- fen. Ausschlaggebend sind vielmehr die „Aspekte der Abgrenzung, Privatheit, Dauer- haftigkeit und Nähe“ (ebd.). Im weiteren Sinne zählen auch Verwandte wie Tante, On- kel und Großeltern mit zur Familie. Sie ergänzen und unterstützen die Kernfamilie, wel- che meistens aus den Eltern und deren noch unselbstständigen Kindern besteht. Nicht nur die Familienmitglieder unterstützen sich gegenseitig, sondern auch der Staat möchte die soziale Institution der Familie bewahren und schützen (Art. 6 GG) (vgl. Ochs/Orban 2011). Denn die Institution Familie ist, für den Staat, aus wirtschaftlicher Sicht eine kostengünstige Alternative zur Kinderbetreuung, und soll deshalb gefördert und erhalten werden. Sie erfüllt aber auch noch eine Reihe von anderen sozialen Funktionen, welche allerdings sowohl zeit- als auch kulturgebunden sind. Zunächst die Offensichtlichste Funktion, die Reproduktionsfunktion, welche die Wichtigkeit des Zeu- gens von Nachkommen hervorhebt, um den Bestand der Gesellschaft zu sichern. Die- se Funktion ist in gleichgeschlechtlichen Ehen so nicht möglich. Allerdings wurde ein neues Gesetz verabschiedet, welches es Homosexuellen Paaren ermöglicht, Adoptiv- kindern eine Familie zu schenken. Eine weitere Funktion beinhaltet die Existenstenzsi- cherung und die Produktion, das heißt, dass ein geregeltes Einkommen eine selbst- ständige Haushaltsführung ermöglichen muss. Neben einem anstrengenden Berufsle- ben sollte die Familie mit ihrer Regenerations- und Freizeitfunktion für Erholung sor- gen. Sie soll also einen Ort bieten, an dem man sich entspannen kann. Kommen Kin- der in die Familie (ob leiblich oder nicht), sollen diese durch die Familie sozialisiert und erzogen werden, da „in und durch familiale Interaktion Kinder und Jugendliche basale Verhaltensweisen sowie kognitive und emotionale Grundstrukturen herausbilden“ (Eca- rius/Köbel/Wahl 2011, S. 9). Auch die Platzierungsfunktion ist von großer Bedeutung, denn es gilt sich, als Familie, einen Status zu sichern. Das ist vorrangig durch Bildung und gegenseitige Unterstützung möglich (vgl.Tenorth/Tippelt 2007).

3. Historische Entwicklung der Familienformen

3. 1 Der Oikos - „das ganze Haus“

Man kann beobachten, dass die Familie schon immer einem stetigen Wandel unterlag, der sich meist an der wirtschaftlichen Lage und den vorherrschenden Konventionen orientierte. „Zentrales Merkmal des „ganzen Hauses“ war die Einheit von Produktion und „ Familienleben ““ (Peuckert 2008, S. 17). Im Oikos lebten der Hausvater und die Hausmutter mit ihren Kindern, Verwandten und dem Gesinde, also Mägde und Knech- te, gemeinsam unter einem Dach. Sie bildeten eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. Die Aufgaben der Hausmutter waren es, sich um die innerhäuslichen Geschäfte zu kümmern. Von ihr wurde Wirtschaftlichkeit und außerordentliche Sparsamkeit gefor- dert. Sie besorgte vieles selbst und war überaus geschickt. Sie war dem Hausvater in gewisser Weise gleichgestellt, nur wurden ihr Frauenspezifische Aufgaben zugeteilt.

Der Hausvater hatte das Züchtigungs- aber auch das Belobigungsrecht (allerdings ging es zu dieser Zeit um elementarere Dinge als um das Erziehen der Kinder). Er hatte die Verantwortung für die Familie und erfüllte stets außerhäusliche Pflichten, wie z. B. die Ausübung des politische Rechts in der Gemeinde. Der Haushalt im Oikos war an sich wie eine ganzheitlich verfasste Wirtschaftseinheit, die ihren Mitgliedern nur wenig Platz für Intimität und Individualität bot, denn es war für niemanden ein individueller Lebens- raum vorgesehen. Dafür gab es auch keine Notwendigkeit, da die Freizeit sehr knapp bemessen war. Im Gegenzug aber bot der Oikos allen Mitgliedern Schutz und soziale Sicherheit. Aufgrund der permanenten Knappheit an allen möglichen Gütern, mussten die vorhandenen Menschen und Ressourcen maximal ausgenutzt werden, was eine gute Organisation erforderte. Nur Kinder und alte Menschen wurden als „nutzlose Es- ser“ geduldet. Die Zwischenmenschlichen Beziehungen waren daher weitgehend auf den ökonomischen Nutzen, wie die Arbeitskraft, oder das Mitgift der Frau, reduziert. Rationalität war der überwiegende Faktor bei der Partnerschaftswahl, das Binnenklima im Oikos war größtenteils kühl und distanziert (vgl. Gottschalch 1979). Sicher ist, dass „ affektiv-neutrale (gefühlsarme) Beziehungen gegenüber Emotionen ein deutliches Übergewicht besaßen“ (Peuckert 2008, S. 17). Auch die Beziehung zu den Kindern war eine deutlich andere, als sie es heute ist, denn diese wurden eher als kleine Er- wachsene angesehen, die dem Oikos nutzen sollten. Auf Grund der damalig hohen Kindersterblichkeit konnte keine so emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind her- gestellt werden. Wichtig ist, dabei nicht zu vergessen, dass das „ganze Haus“ in der Bevölkerung nicht durchgängig präsent war, denn nur eine Minderheit von Adligen oder reichen Bauern waren im Stande solch ein „Haus“ zu führen. Besonders unverheiratete Frauen, die nicht in einem Kloster untergebracht, waren sehr auf dieses „Haus“ ange- wiesen, denn nur wer über ein Haus verfügte, waren Familien- und somit Heiratsfähig (vgl. Gottschalch 1979).

3. 2 Das Bürgertum

Infolge der Industrialisierung und Urbanisierung in Deutschland, zerfiel die Einheit von Produktion und Konsumption. Die Produktion wurde aus „dem Haus“ in Fabriken oder Betriebe ausgelagert. Die Familie blieb als Ort zur Erholung von der rauen Außenwelt übrig. Dadurch veränderte sich die Binnenstruktur in der Familie drastisch. Die Ge- schlechterpolaritäten und Generationenkonflikte verschärften sich (vgl. Gottschalch 1979). Denn es war den Menschen vollkommen neu, dass nahezu alles was man zum Leben brauchte, als fertiges Produkt gekauft werden konnte. Durch die Verstaatlichung wurden die daseinssichernden Leistungen, wie z. B. die Altersversorgung, aus dem „ganzen Haus“ ausgelagert und gingen in den Staat über, somit auch die Rechte und Pflichten des Hausherrn. Da die Schulpflicht eingeführt wurde, hatten mehr Haushalts- mitglieder die Chance auf Bildung. Dadurch hatten sie die Möglichkeit ihre momenta- nen Lebensverhältnisse zu reflektieren und gegebenenfalls die traditionellen Bahnen zu verlassen, aber auch die Gefahr auf eigenen Wegen zu scheitern. Durch diese fun- damentalen Entwicklungen, ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, kam es zu einer deutli- chen Funktionsentlastung sowohl des Hausherrn, als auch der Hausmutter. Der Einzel- ne verlor an Kompetenz, während der Staat kontinuierlich an Macht gewann. Allerdings bedeutete das auf der Kehrseite mehr Freiraum und Intimität für die Familie. Das Le- ben gestaltete sich nur noch innerhalb der Kernfamilie, wo es für jeden intimisierte Rückzugsorte eingerichtet wurden. Ab dem 19. Jahrhundert ist der Begriff „des Hau- ses“ fast verloren gegangen, die „Familie“ rückt in den Vordergrund. Es bildete sich eine neue Schicht, das „Bürgertum“, es war das neue Ideal für eine moderne Familie (vgl. ebd.). „Jeder Erwachsene ist zur Eheschließung und Familiengründung nicht nur berechtigt, sondern in gewisser Weise auch verpflichtet“ (Peuckert 2008, S. 20). Dieses „Normalverhalten“ wurde von der Gesellschaft vorausgesetzt. Ein Ausbrechen aus den vorgesehenen Strukturen war dem Einzelnen kaum möglich. Homosexualität beispiels- weise, so wie heute damit umgegangen wird, war derzeit ein absolutes Tabuthema in der Gesellschaft. So viel neugewonnene Freiheit man auch hatte, war man dennoch an gesellschaftliche Normen gebunden. Durch die bereits genannte Trennung von Privat- heit und Produktion entstand eine starke Polarisierung der Aufgabenbereiche innerhalb der Familie. „Die Hausfrau“ war sowohl eine Erfindung als auch notwendige Folge aus dem Strukturwandel. Denn aufgrund des Kinderarbeitsverbots kam es zu einer Betreu- ungsproblematik: Wer passt auf die Kinder auf, wenn diese nicht arbeiten? So wurden der Hausfrau und Mutter drei Hauptaufgabenbereiche zugesprochen: Kinder, Küche und Kirche. Die Hausfrau war von nun an Verbraucherin und Konsumentin und nicht länger Produzentin. Da der Mann unter Tags zur Arbeit ging, um den Lebensunterhalt durch Geldeinkünfte sicherzustellen, wurde es zur Aufgabe der Frau, sich liebevoll um dessen Wohlbefinden und den Haushalt zu kümmern. Die Beziehungspflege gewann an Bedeutung im „emotionalisierten Haushalt“ (vgl. Gottschalch 1979). „Verlässlichkeit, Geborgenheit, Intimität, Vertrauen und Wärme“ (Ochs/Orban 2011, S. 50) waren die neuen Attribute für die Beziehung in einer Ehe. Ebenso wie eine Liebesheirat, bildeten Kinder die Grundlage für eine glückliche Familie. Da die Sterblichkeitsrate deutlich sank und die Kinder nicht mehr für eine Altersvorsorge nötig waren, konnte im Rahmen der Familienplanung gründlicher abgewägt werden wie viele Kinder man bekommen möchte (vgl. Gottschalch 1979). Es wurden ebenso höhere Ansprüche an die Erzie- hung und Bildung der Kinder gestellt, die in gewisser Weise als Prestigeobjekt dienten.

Die Bildungsförderung wurde zur Aufgabe der Hausfrau, für die das Kind eine Sinnstif- tenden Bedeutung hatte. Für das Kind war die Familie ein Ort der emotionalen Prägung und Bindung, die Mutter-Kind-Beziehung wirkte in gewisser Weise verklärt (vgl. Ochs/Orban 2011).

3.3 Die moderne Kleinfamilie

Heute wird oftmals verdeutlicht, dass die „Institution Familie“ einige Krisensymptome aufweist, wie z. B. eine stetig abnehmende Heiratsneigung (vgl. Peuckert 2008). Aber ob sich die Ehe tatsächlich in einer Krise befindet, wird in den folgenden Betrachtungen genauer untersucht. Die „soziale Struktur [scheint] in modernen Gesellschaften immer brüchiger und durchlässiger zu werden. Infolge dessen erfährt das Individuum eine ste- tige Aufwertung: Es setzt sich ein Wertesystem der Freiheit, Gleichheit und Erfolgsori- entierung durch“ (Ecarius/Köbel/Wahl 2011, S. 19). Es gibt keine expliziten Vorgaben mehr wie das Zusammenleben gestaltet werden muss. Wo früher die Kirche kollektive Normen und Werte vorgegeben hat, steht nun die Individualität und Selbstbestimmung des Einzelnen. Die Kirche hat einen Bedeutungsverlust erlitten, was Raum für neue Le- bensformen bietet. Dies lässt sich seit Mitte der 60er Jahre beobachten. Der Glaube hat früher viele Ehen zusammengehalten, die heute unter den gleichen Umständen schneller geschieden werden würden. Die Kirche hat der Ehe eine sakramentale Be- deutung zugeschrieben, sie war ein unauflöslicher Bund zwischen dem Paar und Gott. Die vorherrschende religiöse Entfremdung ist durch eine abschreckende Härte inner- halb religiösen Institutionen und einer falschen Akzentsetzung der Kirche bedingt. Scheidungen sind für uns alltäglich geworden (vgl. Peuckert 2008). Die jährliche Zahl der Scheidungen hat sich zwischen 1960 und 2005 von 49000 auf 174000 mehr als verdreifacht (vgl. Emmerling 2007). So eine Scheidung muss allerdings nicht zwingend etwas schlechtes sein, manchmal ist sie auch wie ein Befreiungsschlag für alle Betei- ligten. Denn es kann ein regelrechter „Teufelskreis“ entstehen: „Gestörte Beziehungen zwischen den Partnern verstärken individuelle Störungen und diese wiederum die Schwierigkeiten in der Beziehung“ (Ochs/Orban 2011, S. 92). Es ist wichtig für beide Partner sich frei entfalten zu können, einen eigenen Lebenslauf zu entwerfen. Beruf- lich, als auch Privat in absoluter Gleichberechtigung. Gerade Frauen mit einem hohen Bildungsabschluss fordern ihr Recht auf eine eigene Karriere ein. Denn sie identifizie- ren sich nicht mehr allein mit ihrer Mutter- und Hausfrauenrolle. Allerdings ist es für eine solche Doppelkarriereehe oftmals nicht so einfach Familie Kinder und Beruf zu vereinen, daher gehen die Geburtenzahlen weiter zurück (vgl. Peuckert 2008).

4. Instabilität der modernen Ehe

4.1 Das Modell der „Scheidungsspirale“

Die Scheidungszahlen steigen unaufhaltsam an, deshalb ist es wichtig mögliche Grün- de für das erhöhte Scheidungsrisiko zusammenzutragen. Die Soziologen Andreas Diekmann und Henriette Engelhardt haben anhand zahlreicher Untersuchungen das Modell der „Scheidungsspirale“ aufgestellt. Diese wirkt in gewisser Weise selbstverstär- kend und entwickelt eine Eigendynamik, da die Scheidungsentwicklung einem stetigen Expansionsdrang ausgesetzt ist (vgl. Peuckert 2008). Zur genaueren Darlegung wer- den fünf soziale Mechanismen bestimmt, die das Scheidungsrisiko mutmaßlich anstei- gen lassen. Zunächst lässt sich konstatieren, dass eine Wechselwirkung zwischen dem Scheidungsrisiko und der Frauenerwerbstätigkeit besteht, denn „Die ,Antizipation' von Scheidungsrisiken fördert empirisch nachweisbar auch die Neigung verheirateter Frau- en, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, ein Zustand, der wiederum das Scheidungsri- siko mutmaßlich ansteigen läßt“ (Diekmann/Engelhardt 1995, S. 216). Viele Frauen fürchten eine Abhängigkeit, gerade da sie um die hohen Scheidungszahlen wissen. Deshalb fördern sie ihre Unabhängigkeit durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Al- lein schon, dass man durch das eigene Umfeld oder die Medien von den hohen Schei- dungszahlen Kenntnis nimmt, erhöht sich wiederum das Scheidungsrisiko. Denn durch die ständige Auseinandersetzung mit dem Thema, wird die Stabilität der eigenen Ehe verstärkt in Frage gestellt. „Die Skepsis […] schlägt sich in einer Verringerung „ ehespe- ziefischer Investitutionen “ , z. B. einem Verzicht auf Wohneigentum oder auf Kinder nie- der, wodurch sich das Scheidungsrisiko [erneut] erhöht“ (Peuckert 2008, S. 173). Drit- tens erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf eine Wiederheirat, da durch die vielen Scheidungen, auch für Menschen im mittleren Alter, wieder mehr potentielle Partner verfügbar sind. Viele neigen deshalb schneller zu einer Trennung, da sie eine realisti- sche Chance auf eine neue, bessere Partnerschaft sehen. Und viertens sind die Schei- dungen etwas Alltägliches geworden. Ihr heutiger Normalitätscharakter wurde durch die Scheidungsrecht-Reform 1976, mit dem Wechsel vom Verschuldungs- zum Zerrüt- tungsprinzip, begünstigt (vgl. Peuckert 2008). „Die Scheidung wird heute immer häufi- ger als legitime Form ehelicher Konfliktlösung akzeptiert und seltener als moralisches Versagen angesehen“ (ebd., S. 173). Der letzte Punkt war für die Forschung gänzlich neu, denn Diekmann und Engelhardt stellten erstmals einen nachweisbaren Zusam- menhang zwischen Scheidungskindern und deren eigenem Scheidungsrisiko fest (in- tergenerationale Scheidungstradierung (vgl. ebd.)).

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Details

Titel
Familie im Wandel und die Instabilität der modernen Ehe
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V298542
ISBN (eBook)
9783656947578
ISBN (Buch)
9783656947585
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familie, Familienbegriff, Definition, Bürgertum, moderne Kleinfamilie, moderne Ehe, Ehe, Scheidungsspirale, Individualisierung, Wertewandel, Gesellschaft, zukunft, historische Entwicklung
Arbeit zitieren
Sonja Trenker (Autor), 2013, Familie im Wandel und die Instabilität der modernen Ehe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298542

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