Analyse von Schülertexten im Hinblick auf Rechtschreibung, Ausdruck und Grammatik


Hausarbeit, 2010

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Punkt Thema Seite(n)

1. Einleitung

2. Ziele der Hausarbeit

3. Vorstellung der Probanden
3.1 Jonas B.
3.2 Kevin B.

4. Vorstellung der Aufgaben

5. Vorstellung des Analyseschemas

6. Analyse der Rechtschreibung
6.1 Jonas 3-
6.2 Kevin
6.3 Vergleich bzw. Kurzfazit

7. Analyse der Zeichensetzung
7.1 Jonas
7.2 Kevin 5-
7.3 Vergleich bzw. Kurzfazit

8. Analyse der Grammatik
8.1 Jonas 6-
8.2 Kevin
8.3 Vergleich bzw. Kurzfazit

9. Analyse der einzelnen Texte (Schreibmuster, Ausdruck, Wortstellung, Fachsprache)
9.1 Jonas 8-
9.2 Kevin 9-
9.3 Vergleich bzw. Kurzfazit

10. kurzes Gesamtresümee

Literatur- bzw. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

SchülerInnen machen Fehler, denn dies ist ganz menschlich. In dieser Hausarbeit werde ich Fehler in zwei Schülertexten, deren Aufgaben ich zur Bearbeitung vorgegeben habe, nach einem bestimmten Schema analysieren. Ebenso lässt sich vielleicht feststellen, dass zwei Brüder die gleichen Fehler in ihren Texten machen. Dies gilt es herauszufinden

2. Ziele der Hausarbeit

In dieser Hausarbeit werde ich versuchen, Fehler zu analysieren, die zwei Brüder, also zwei Probanden mit demselben Familienhintergrund, in ihrem täglichen Schulalltag begehen, um dann eventuelle Förderungsmöglichkeiten auszusprechen. Dabei kommt es mir darauf an, dass klar wird, dass es wahrscheinlich ist, dass Kinder derselben Familie, auch oft die gleichen Fehler in ihren Texten machen. Darum ist es mir ebenso wichtig, die SchülerInnen nicht bloßzustellen, sondern wie oben beschrieben, Förderungsmöglichkeiten vorzustellen.

3. Vorstellung der Probanden

3.1 Jonas B. (Name geändert)

Jonas ist 13 Jahre alt und besucht die siebte Klasse einer Realschule in Musterstadt. Zu seinen Lieblingsfächern gehören Sport und Englisch. Letztes Jahr wiederholte er aufgrund mangelhafter Leistungen in vier Fächern die siebte Klasse. In Mathematik steht er momentan „ausreichend“, er hat oft Probleme, sich Formeln zu merken und Gelerntes anzuwenden. Im Fach Deutsch sind seine Leistungen ähnlich gelagert. Er hat oft Probleme, Texte zu schreiben und achtet nicht allzu sehr auf die Rechtschreibung. Er ist seit 2008 meine Nachhilfe.

3.2 Kevin B. (Name geändert)

Kevin ist 19 Jahre alt und besucht ein Berufskolleg in Xxxx, Westfalen. Dort absolviert er eine Ausbildung zum Elektroniker. Er wiederholte wegen schlechter Noten die fünfte und achte Klasse. Hinzu kam ein festgestelltes ADHS-Syndrom während der vierten Klasse, das mit Ritalin behandelt wurde. In den zu untersuchenden Fächern Mathematik und Deutsch steht er „ausreichend“. Er ist ebenfalls seit 2008 meine Nachhilfe.

4. Vorstellung der Aufgaben

Jonas hatte zu beschreiben, wie man zwei Brüche addiert. Zum einen sollte er „¼ + ¼“ rechnen(zwei gleichnamige Brüche addieren) und seine Rechnung erklären, zum anderen sollte er die Brüche ½ und ¾ mit verschiedenen Nennern addieren. Kevin sollte die drei binomischen Formeln erläutern und dann jeweils (3+4)², (3-4)² und (3+4)*(3-4) rechnen und seine Rechnungen erklären.

5. Vorstellung des Analyseschemas

Das Analyseschema besteht aus folgenden Punkten: zum einen kümmere ich mich um das große Gebiet der Rechtschreibung (inbegriffen: Groß- und Kleinschreibung, Wortfehler, falsche Wortstammschreibung/Abkürzungen, Zahlenschreibung/Schreibung von Rechenzeichen etc.). Dann Zeichensetzung (inbegriffen: Satzzeichen, Anführungszeichen), sowie das Gebiet der Grammatik (bezogen auf Nomen(Genus, Kasus), als auch Verben (starke Verben, Passiv/Aktiv). Zum Schluss kümmere ich mich um das Gebiet „Text“, also Wortstellung und Schreibmuster. (Anmerkung: Ich werde zudem bei meiner Analyse das Fehleranalyseraster der in der Fußnote genannten PDF-Datei teilweise übernehmen bzw. unbewusst benutzen1 ).

6. Analyse der Rechtschreibung

6.1 Jonas

In Jonass Ausarbeitung fällt in Zeile 3 zuerst auf, dass er „paßt“ geschrieben hat. Nach der gängigen Rechtschreibung wird das Wort „paßt“ mit doppeltem „S“ geschrieben. Hier hat der Schüler anscheinend Schwierigkeiten, die Schreibung mit scharfem S von der mit „normalem S“ zu unterscheiden. Dies ist insofern kurios, da er in Zeile 7 „Das heißt“ richtig geschrieben hat. Hier erkennt man eine fehlerhafte Mitlautverdopplung, die allerdings nicht kontinuierlich in der Aufgabenbeschreibung des Schülers vorliegt. Bei Wörtern wie „malgenommen“(Z. 10) oder „zusammenzählen“(Z. 1) werden die Konsonanten richtig verdoppelt. In Zeile 4 „vergisst“ er das zweite „t“ bei „jetzt“ und schreibt die Zahl „4“ auch nicht aus, was man im Deutschen jedoch macht. Aber hier kann man durchaus die „4“ als Ziffer stehen lassen, da ja in den beiden Brüchen diese Zahl auftaucht. Hier würde ich als Lehrer keinen Fehler anstreichen. Dies kann an seiner Nervosität liegen, aber auch einfach nur am bloßen Vergessen an sich. In Zeile 14 wiederholt sich der Fehler. Solche Fehler sind bei ihm leider typisch, da er phonologisch betrachtet nicht ausreichend genug gefördert wurde. Später in Zeile 11 findet man den Begriff „[O]benzahl“, den er ebenfalls mit einem Kleinbuchstaben beginnt. Hier meinte er wahrscheinlich den Begriff „Zähler“, aber konnte diesen Begriff nicht zuordnen bzw. nennen. Hier fehlt ihm eindeutig die Fachsprache der Mathematik. In derselben Zeile steht das Wort „[Bruch]“, welches er auch klein schreibt. Dieser Fehler wird jedoch nur ein Mal im gesamten Text auftreten, also kann man sagen, dass es sich hier um einen versehentlichen Fehler handelt. Die vorletzte Zeile beinhaltet das Wort „[E]rgebnis“, das er auch klein schreibt. Weitere pure Rechtschreibfehler werden nicht entdeckt.

6.2 Kevin

In Kevins Text fällt zunächst auf, dass sich seine Rechtschreibfehler doch sehr in Grenzen halten. Man entdeckt hier nämlich nur einen einzigen und zwar in Zeile 11. Hier hat er „minus“ geschrieben, wobei vor diesem Wort ein unbestimmter Artikel steht. Das heißt, dass das Wort „minus“ substantiviert worden ist, also hätte er es großschreiben müssen.

6.3 Vergleich bzw. Kurzfazit

Vergleicht man beide Brüder miteinander, fällt sofort auf, dass Jonas einen erhöhten Nachholbedarf in der Disziplin „Rechtschreibung“ hat. Die Rechtschreibung ist oft von minderwertiger Qualität. Eine Förderungsmöglichkeit wäre z. B. das Einüben von Diktaten mit, für den Schüler interessanten, Themen. Eine andere Möglichkeit wäre das Lesen altersgerechter Bücher, um sich die Sprache einzuprägen und die Wörter zu erlesen bzw. zu erlernen. Bei Kevin mach ich mir nicht so viele Sorgen. Dass ein Schüler mal ein substantiviertes Wort nicht groß schreibt, ist völlig legitim. Hier würde ein kurzes Gespräch, in dem die Regel erläutert wird, wohl reichen.

7. Analyse der Zeichensetzung

7.1 Jonas

Den ersten Zeichensetzungsfehler kann man in Zeile 2 finden, weil er das Komma vor dem Wort „weil“ nicht setzt. Da „weil“ eine kausale Subjunktion ist und so einen Nebensatz einleitet, steht vor diesem Wort immer ein Komma(außer es stünde am Satzanfang). Den gleichen Fehler sieht man ebenfalls in Zeile 6, woraus ich folgere, dass Jonas damit Probleme hat zu erkennen, wann man ein Komma setzt und wann nicht. In Zeile 4 schreibt er „ist kann“; hier gehört jedoch zwischen „ist“ und „kann“ auch ein Komma, da der erste Teil und der zweite Teil des Satzkonstruktes je einen Nebensatz darstellt. Dies merkt man daran, dass in beiden Satzfragmenten ein konjugiertes Verb steht (nämlich „ist“ und „kann“) und dass beide Teile nicht getrennt als eigenständige Sätze stehen können(Merkmal von Nebensätzen). Zwei Nebensätze werden laut der Regeln des „ Duden “ immer durch ein Komma miteinander verbunden. In Zeile 7 missachtet er nach „Das heißt“ das Komma. Laut Duden-Regeln2 ist es so, dass bei Anschluss „ein[es] bei- oder untergeordnete[n] Satzes [...], [...] ein zweites Komma hinter „das heißt” gesetzt werden [muss]“. Da der Satz hinter „Das heißt“ ein Hauptsatz ist, muss hier also ein Komma stehen. Später im Text schreibt Jonas „malgenommen also“ (Z. 12). Hier muss ebenfalls ein Komma stehen, da „also“ ein eine Schlussfolgerung einleitendes Adverb ist und hier die Erläuterung „2*3=6“ folgt. Die zwei letzten Zeichensetzungsfehler erkennt man in Zeile 14. Hier vergisst er die Punkte hinter „4/8 + 6/8 = 10/8“(Z. 14) und hinter „ist also 10/8“(Z. 15). Diesen Fehler sehe ich als „Versehen“ an und nicht als mangelnde Fähigkeit, Satzzeichen zu setzen.

7.2 Kevin

Bei diesem Text fällt auf, dass er zwar sehr umständlich schreibt, er aber wenige Fehler bei den Satzzeichen macht. In Zeile 1 findet man zwei Fehler. Zuerst setzt er fehlerhaft das Komma hinter „Mathematik“. Hier liegt weder eine Aufzählung noch eine phonetische Pause zugrunde, die ein Komma rechtfertigen würden. Danach vergisst er vor „wenn“ das Komma, obwohl „wenn“ eine konditionale Subjunktion ist, die einen hypothetischen Satz einleitet und somit ein Komma benötigt. In Zeile 11 schreibt Kevin vor „also“ das Komma ebenfalls nicht(Verweis zum Text seines Bruders). Es fällt jedoch auf, dass er in den Zeilen 3, 6 und 18 das Komma vor „also“, den Regeln entsprechend, setzt. In Zeile 11 kann es sich somit auch um pures Vergessen handeln, da man hier einen nicht-durchgängigen Fehler sieht.

7.3 Vergleich bzw. Kurzfazit

Bezüglich der Zeichensetzung sehe ich eher wenige Förderungsmöglichkeiten. Bei Kevin würde ich die Regel, dass vor „wenn“ oder „also“ das Komma gesetzt wird, noch einmal wiederholen und mit ihm durchgehen. Große Schwierigkeiten bei der Setzung von Kommata und Satzzeichen hat er nicht. Bei Jonas sollte man die Regeln, dass man Kommata vor „weil“ und „also“ setzt3, ebenfalls wiederholen und ihm noch einmal sagen, dass man zwei konjugierte Verben mit einem Komma abtrennt. Auch sollte man ihn ermahnen, jeden Satz mit einem Punkt zu beenden.

8. Analyse der Grammatik

8.1 Jonas

Den ersten Grammatikfehler findet man in Zeile 2f, wo Jonas schreibt „weil sie sonst nicht paßt“. Geht man an den Anfang des Satzes sieht man, dass das Wort „sie“ hier auf die Brüche bezogen ist. Hier hätte der Schüler „passen“ schreiben müssen. Er hat sich bei seiner Ausführung „paßt“ auf das Wort „Zahl“ (Z. 2) berufen ohne zu realisieren, dass hier die „Brüche“ das Nomen ist, auf das er sich beziehen muss. In Zeile 3f schreibt er „Ich habe jetz ein Pizzateil von 4 Teils plus ein Pizzateil von 4 Teilen ist.“, das grammatikalisch völlig am Deutschen vorbeigeht. Zunächst muss dort in zwei Fällen „einen Pizzateil“ stehen. Hier hat er seinen „Lieblingsfehler“ gemacht, nämlich die fehlerhafte Deklination des Akkusativs. Dann schreibt er auf einmal „Teils“ als fehlerhaften Plural von „Teil“, worauf aber im weiteren Satz der richtige Plural „Teilen“ steht. Dies ist für mich unbegreiflich, wieso er zweimal zwischen verschiedenen Pluralformen hin und her springt. Das „ist“ am Ende des Satzes wollte er wahrscheinlich löschen, jedoch vergaß er es. In Zeile 6 wiederholt sich der Akkusativ-Fehler; in der Zeile schreibt er wiederum „2 von 8 Teile“, was wieder falsch ist (es hätte dort „Teilen“ stehen müssen) und somit einen Wiederholungsfehler darstellt. Etwas kurios ist die Tatsache, dass er in Zeile 9 „vom ersten Bruch“ schreibt, was eine fehlerhafte Benutzung des Dativs ist, aber gleichzeitig in Zeile 10 den Dativ richtig benutzt („des zweiten Bruches“). Viele Kinder, gerade diejenigen mit Migrationshintergrund, haben hier erhebliche Schwierigkeiten (es wird dann „unten von dem Bruch“ geschrieben). Jonas hat hier ebenfalls Probleme, sich Regeln der deutschen Grammatik einzuprägen und dementsprechend auch anzuwenden. Er vergisst oft Buchstaben, sowie die Deklination der Verben und Artikel. Später im Text schreibt der Schüler „von ersten Bruch“ (Z. 11), was wieder der Dativ-Fehler ist (richtiger wäre „vo m ersten Bruch“). Diesen Ausdruck verwendet er häufiger (siehe auch Zeile 9, 12, 13f). Zu loben ist, dass er in Zeile 13 den Relativsatz mit einem Komma eingeleitet hat („[...] Zahl , die [...]“), auch hier haben sehr viele SchülerInnen Probleme. Dies ist eventuell auf die Sprache Englisch zurückzuführen, da man hier bei den Relativsätzen vor „that“ kein Komma benutzt.

[...]


1 =siehe http://www.laenderaktiv.de/laenderdb/MATuploads/01NL0248_P_Kompetenzanalyse_Fehlerarbeit.pdf

2 = siehe http://www.duden.de/deutsche_sprache/sprachberatung/newsletter/archiv.php?log=0&suchwort=das+hei%DFt&id=2

3 = sofern „also“ eine Schlussfolgerung einleitet

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Analyse von Schülertexten im Hinblick auf Rechtschreibung, Ausdruck und Grammatik
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Germanistik, DGD)
Veranstaltung
DGD-B2, Didaktische Analyse von Unterrichtsmaterialien
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V298555
ISBN (eBook)
9783656950547
ISBN (Buch)
9783656950554
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, schülertexten, hinblick, rechtschreibung, ausdruck, grammatik
Arbeit zitieren
Knut Kumpe (Autor), 2010, Analyse von Schülertexten im Hinblick auf Rechtschreibung, Ausdruck und Grammatik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298555

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