Der Regisseur und Dramatiker René Pollesch gehört in Deutschland zu den erfolgreichsten Theaterautoren und erhält dafür dieses Jahr den Lasker-Schüler-Dramatikerpreis. Der 50-jährige Hesse studierte von 1983 bis 1989 in Gießen an der Justus-Liebig-Universität Angewandte Theaterwissenschaft bei Andrzej Wirth und Hans-Thies Lehmann. Ab 1998 führte er die ersten Stücke in eigener Regie auf wie zum Beispiel „Drei hysterische Frauen“ an der Berliner Volksbühne, „Heidi Hoh“ am Podewil in Berlin und „World Wide Web-Slums 1-10“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Im Jahre 2001 übernimmt er die künstlerische Leitung des Praters in Berlin und inszeniert weiterer Theaterwerke . Seine Trilogie verschafft ihm die Einladung zum Theatertreffen 2002.
Die Auftragsarbeiten bekannter Schauspielhäuser lassen ihn durch ganz Deutschland reisen und verschaffen ihm die Möglichkeit seine Ideen frei umzusetzen. Mehrmals wird Pollesch mit dem Mühlheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet (2001, 2005 und 2009) und mit lobender Kritik gefeiert.
Er ist bekannt für ein neues und komplexes Theater, das eine gewaltige Dyna-mik und eine enorme Wirkungsstärke aufweist. Die Inhalte seiner Stücke sprechen nicht nur das Publikum, sondern auch die Schauspieler an, da sie oft von politischen Themen, Diskursen aus der Gesellschaft oder Sozialwissenschaften handeln. Diese besonderen Eigenheiten machen ihn zurzeit zu einem attraktiven Theaterautor, dem ich mit dieser wissenschaftlichen Arbeit meine Aufmerksamkeit widmen möchte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 These
2 Inszenierungsanalyse
2.1 Mädchen in Uniform
2.2 Raum und Bühnenbild
2.3 Kostüme
2.4 Licht und Ton
2.5 Darsteller und Spielweise
2.6 Text
2.7 Inszenierung
3 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Schaffen des Regisseurs und Dramatikers René Pollesch zu beleuchten und dessen gesellschaftskritischen Ansatz anhand der Inszenierung „Mädchen in Uniform – Wege aus der Selbstverwirklichung“ zu analysieren und zu verifizieren.
- Biografische Einordnung und künstlerischer Werdegang von René Pollesch
- Analyse der ästhetischen Mittel: Raum, Licht, Ton und Kostümbild
- Untersuchung der schauspielerischen Ausdrucksformen und der choreografischen Arbeit
- Reflektion über die inhaltliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Diskursen
- Hinterfragung der Erwartungshaltung des Publikums an klassische Theaterformen
Auszug aus dem Buch
2.2 Raum und Bühnenbild
Die Inszenierung findet im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg statt. Es ist das größte deutsche Sprechtheater im neobarocken Stil und feierte seine erste Premiere im Jahre 1900. Hier befindet sich ein klassischer Theatersaal, der mit roten Samtstühlen und Samtvorhängen eine großartige Atmosphäre schafft und einen charmanten Theaterabend verspricht. Zentral liegt ein großer Innenraum, der mit kleinen Balkonen seitlich und zwei Rängen in der Mitte umschlossen wird. Ein Blick an die Decke des Saals gewährt einen wunderschönen Anblick der, mit antiken Verzierungen geschmückten Kuppe und einem beeindruckenden Kronleuchter. Der Zuschauerraum mit 1192 Plätzen wirkt groß im Vergleich zur Bühne.
Eine große mit Holz verarbeitete Bühnenkonstruktion steht auf der Bühne und stellt das Bühnenbild mit Hilfe eines blau weiß karierten Baumwollvorhangs dar. Das Bühnenbild ist etwas Besonderes, denn es zeigt den Bereich hinter der Bühne; das heißt „Backstage“. Links und rechts neben der gebauten Holzkonstruktion sieht man Kleiderspints, Stühle und andere Requisiten, die von dem Zuschauerraum in der Regel nicht einsehbar sind. Wird der Vorhang geöffnet, so spiegelt sich der Zuschauerraum durch eine große Spiegelwand. Das Licht im Saal bleibt während der gesamten Aufführung hell, das Theaterstück spielt an dieser Stelle auf der Bühne „Onstage“. Ist der Vorhang geschlossen, so zeigt die Szene den Bereich hinter der Bühne „Backstage“, wie z.B. die Szenen im Mädcheninternat. Auf der dargestellten Bühne wurden nur wenige Requisiten dezent eingesetzt z.B. eine Schlafdecke oder Holzgewehre für die Tänze des Frauenbatallion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Dramatikers René Pollesch sowie Darlegung der These, dass es sich um gesellschaftskritisches Theater handelt.
2 Inszenierungsanalyse: Detaillierte Untersuchung des Stücks „Mädchen in Uniform“, wobei Bühnenbild, Kostüme, Licht, Ton, Schauspiel und Textgrundlage analysiert werden.
3 Schlusswort: Zusammenfassende Reflexion über den Theaterbesuch und Bestätigung der eingangs aufgestellten These zum gesellschaftskritischen Charakter der Inszenierung.
Schlüsselwörter
René Pollesch, Mädchen in Uniform, Inszenierungsanalyse, Gesellschaftskritik, Deutsches Schauspielhaus, Theaterwissenschaft, Sophie Rois, Selbstverwirklichung, Performative Kunst, Dramatik, Ästhetik, Regie, Zeitgenössisches Theater.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Funktion des Theaters am Beispiel des Regisseurs René Pollesch und dessen Stück „Mädchen in Uniform – Wege aus der Selbstverwirklichung“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die gesellschaftskritische Ausrichtung der Stücke von Pollesch sowie die Analyse von ästhetischen Mitteln wie Bühnenraum, Lichtführung und die besondere Spielweise der Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die These zu untermauern, dass Pollesch ein Theater inszeniert, welches gesellschaftliche Probleme reflektiert, anstatt einfache Lösungen zu präsentieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine direkte Inszenierungsanalyse des am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg aufgeführten Stücks sowie auf theoretische Hintergründe aus Interviews und Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Bühne, Kostümen, Licht/Ton, der schauspielerischen Leistung von Sophie Rois und dem Chor sowie der inhaltlichen Auslegung des Textes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gesellschaftskritik, Performance, Selbstverwirklichung und die spezifische Inszenierungsästhetik von René Pollesch geprägt.
Wie bewertet die Autorin die laute Sprache im Stück?
Die Autorin empfindet die laute und raue Sprache der Figuren zunächst als gewöhnungsbedürftig, erkennt jedoch die Funktion als Ventil für Verzweiflung und Befreiung an.
Welche Rolle spielt das „Backstage“ im Bühnenbild?
Das Bühnenbild zeigt bewusst den Backstage-Bereich und spielt mit der Spiegelung des Zuschauerraums, um die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Inszenierung aufzubrechen.
- Citation du texte
- Mona Sommerfeldt (Auteur), 2012, Funktion des Theaters am Beispiel des Regisseurs René Pollesch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298575