„Der Wechsel allein ist die Beständigkeit.“ Zu dieser Erkenntnis kam schon der deutsche Philosoph, Autor und Hochschullehrer Arthur Schopenhauer (1788-1860). Er ahnte sicherlich nicht, dass sich ein Jahrhundert später das "Change Management" als eigenständige Disziplin der Betriebswirtschaftslehre etabliert und man sich an Hochschulen gar zum Master of Arts in Change Management ausbilden lassen kann. Schopenhauer hat sich mit dem Thema aus philosophischer Perspektive beschäftigt. Das Change Management - oder Veränderungsmanagement - befasst sich hingegen mit dem systematischen Vorgehen bei Veränderungen. Durch den Einsatz von Change Management sollen Veränderungsvorhaben so begleitet werden, dass Friktionen vermindert werden. Denn Veränderungen werden heute als Alltag der Wirtschaftswelt angesehen: digitale Transformation, fluide Organisationen, Wissensgesellschaft und demografischer Wandel sowie die neu zu findende Balance zwischen Produktivität und sozialen Anforderungen sind laut der „Change Management Studie 2012“ der Capgemini Consulting die vier füh-renden Trends allein der letzten zehn Jahre.
Dass Change Management auch in Behörden an Bedeutung gewinnt, liegt sicherlich auch daran, dass es auf Grund der jahrzehntelangen juristischen Prägung des öffentlichen Dienstes an vielen Stellen an ökonomischem Sachverstand mangelt und in der Vergangenheit zahlreiche Veränderungsvorhaben scheiterten.
Die Bundesregierung hat daher im Jahr 2009 einen Praxisleitfaden als „Anwendungshilfe zu Veränderungsprozessen in der öffentlichen Verwaltung“ erarbeitet.
In dieser Arbeit soll an Hand von untersuchten Veränderungsprozessen die Anwendbarkeit und der Nutzen dieses Praxisleitfadens beleuchtet werden. Hierzu wird im Kapitel 2 zu-nächst in die Grundlagen des Change Management eingeführt. Im dritten Kapitel wird der Leitfaden vorgestellt und untersucht. Das Fazit fasst die Beobachtungen zusammen und soll einen Ausblick geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Change Management
2.1 Grundlagen des Change Managements
2.2 Change Management im öffentlichen Dienst
3. Der Praxisleitfaden zum Change Management
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Aufbau und Inhalt
3.3 Praxistauglichkeit
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die praktische Anwendbarkeit und den Nutzen des vom Bundesministerium des Innern erarbeiteten Praxisleitfadens „Change Management. Anwendungshilfe zu Veränderungsprozessen in der öffentlichen Verwaltung“ anhand von ausgewählten Veränderungsprozessen.
- Grundlagen des Change Managements und dessen Bedeutung im öffentlichen Dienst
- Analyse der Entstehung und des Inhalts des BMI-Praxisleitfadens
- Bewertung der Praxistauglichkeit des Leitfadens für Führungskräfte
- Herausforderungen der Behördenleitung in Veränderungsvorhaben
- Kritische Erfolgsfaktoren wie Kommunikation, Partizipation und Führung
Auszug aus dem Buch
Behördenleitung
In allen ausgewerteten Untersuchungen werden als eine wesentliche Bedingung für den Erfolg eines Veränderungsvorhabens die Sicherung einer Machtbasis und eine Handlungsvollmacht genannt. Beides geht einher mit der Unterstützung durch die Behördenleitung. Fehlte diese, so konnten Projekte, in denen es erhebliche Widerstände und Interessenskonflikte gab, nicht zu Ende gebracht werden. Problematisch erwiesen sich in dieser Hinsicht politisch bedeutende Vorhaben, da hier die politische Führung die Kontrolle aufgrund der gegenüber der Öffentlichkeit zu vertretenden Verantwortung nur selten abgab. Doch wenn der Change Manager sich jeden Schritt von der Behördenleitung absegnen lassen und bei Gegenwind immerzu befürchten muss, die Rückendeckung zu verlieren, wird sein Engagement durch das Gefühl fehlenden Vertrauens in seine Fähigkeiten und fehlender Wertschätzung nachlassen.
Ein weiteres Stichwort in diesem Zusammenhang ist die „Legislaturperiodenabhängigkeit“, wonach der Zyklus der Wahlen erheblichen Einfluss auf die in Ministerien ablaufenden Veränderungsprozesse hat. Innerhalb einer Legislaturperiode steht demnach nur ein geringer Zeitrahmen zur Verfügung, indem mit der Unterstützung durch die Behördenleitung gerechnet werden kann. Es werden dann gerne „schnelle Lösungen“ gesucht, aber an einer klaren und nachhaltigen Strategie fehlt es. Schneller als die Verwaltung etwas hätte verändern können, ändern sich die politischen Entscheidungsträger und damit auch die Entscheidungen. (Vgl. BECK/FISCH 2009:111-113, PLAG 2007:401, STRAHLENDORF/KLEINSCHMIDT 2008:10, DÖRNER 2013:989-992) Die Begeisterungsfähigkeit der Belegschaft für neue Veränderungsvorhaben hält sich dementsprechend verständlicherweise in Grenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit von Change Management in der modernen Verwaltung und führt in die Thematik der behördlichen Reformbemühungen ein.
2. Change Management: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen des Change Managements sowie dessen spezifische Herausforderungen im öffentlichen Sektor dargelegt.
3. Der Praxisleitfaden zum Change Management: Das Hauptkapitel analysiert die Entstehungsgeschichte, den Aufbau, den Inhalt und die praktische Eignung des BMI-Leitfadens im Behördenalltag.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und unterstreicht die Relevanz des Leitfadens als Instrument für erfolgreiche Veränderungsprozesse im öffentlichen Dienst.
Schlüsselwörter
Change Management, Öffentlicher Dienst, Verwaltungsreform, Praxisleitfaden, BMI, Veränderungsprozesse, Führungskräfte, Behördenleitung, Erfolgsfaktoren, Organisationsentwicklung, Kommunikation, Partizipation, Widerstände, Strategie, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch den offiziellen Praxisleitfaden des Bundesministeriums des Innern zum Veränderungsmanagement in der öffentlichen Verwaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Change Management, die besonderen Rahmenbedingungen der öffentlichen Verwaltung, Erfolgsfaktoren für Strukturveränderungen und die Bewertung praxisorientierter Leitfäden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu beleuchten, ob der BMI-Leitfaden eine nützliche und anwendbare Hilfestellung für Change Manager in Behörden bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine praxisorientierte Analyse durchgeführt, die den Leitfaden mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Fachliteratur und empirischen Untersuchungen abgleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die detaillierte Vorstellung und inhaltliche Untersuchung des Leitfadens sowie eine Bewertung seiner Praxistauglichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Change Management, öffentlicher Dienst, Veränderungsprozesse, Behördenleitung und Erfolgsfaktoren.
Welche Rolle spielt die Behördenleitung laut der Arbeit?
Die Behördenleitung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor; ohne ihre aktive Unterstützung und Rückendeckung scheitern Veränderungsvorhaben oft an Widerständen oder mangelnder Handlungsvollmacht.
Was bedeutet "Legislaturperiodenabhängigkeit" im Kontext der Arbeit?
Dieser Begriff beschreibt den negativen Einfluss politischer Wahlzyklen, die oft den Zeitrahmen für nachhaltige Reformen einschränken und einen Druck zu kurzfristigen "schnellen Lösungen" erzeugen.
Wie bewertet der Autor den BMI-Leitfaden abschließend?
Der Autor stuft den Leitfaden als sehr gelungen ein, da er relevante Einflüsse aufgreift und wissenschaftlich fundierte Lösungswege für die Praxis aufzeigt.
- Quote paper
- Ri Sa (Author), 2015, Praxisorientierte, kritische Analyse der Broschüre des Bundesministeriums des Innern zum Veränderungsmanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298615