Wenn Unternehmen übergeben werden, kommt es zwischen dem Altunternehmer und dem Nachfolger häufig zu Konflikten. Vor allem bei der Übergabe von Familienbetrieben laufen die Übergaben durch die zusätzliche systemische Belastung der Familienstrukturen nicht immer harmonisch ab. Oft werden
Familienkonflikte in die Unternehmensübergabe mit hineingetragen. Jedoch auch bei Übergaben an einen externen Nachfolger liegen Schwierigkeiten auf der Hand. Nicht
selten sind Unternehmerpersönlichkeiten davon überzeugt, die einzig richtigen Führungskräfte für das Unternehmen zu sein und haben es schwer die Vergangenheit los zu lassen und positiv in die Zukunft zu sehen.
In der vorliegenden Arbeit wird dargestellt, wie sich Konflikte bei der Unternehmensübergabe bzw. der Unternehmensnachfolge durch Mediation klären lassen. Die Hypothese für die Arbeit ist die folgende: Mediation ist ein geeignetes Mittel, um Konflikte bei der Unternehmensnachfolge zu lösen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Unternehmensnachfolge
2.1 Ablauf der Unternehmensnachfolge
2.2 Prozess der Unternehmensnachfolge
2.3 Unternehmensnachfolge aus systemischer Sicht und daraus entstehende Probleme
2.4 Möglichkeiten die Unternehmensnachfolge prophylaktisch zu gestalten
2.5 Rolle der Kommunikation bei der Unternehmensnachfolge
3 Mediation bei Unternehmensnachfolge
3.1 Definition
3.2 Kennzeichen der Mediation
3.3 Phasen der Mediation im Konflikt von Unternehmer und Nachfolger
3.4 Ziele und Techniken der Mediation
3.5 Notwendigkeit der Mediation bei der Unternehmensnachfolge
3.6 Anwendung auf ein Beispiel
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konfliktpotenzial bei Unternehmensnachfolgen, insbesondere in Familienbetrieben, und bewertet die Mediation als geeignete Methode zur nachhaltigen Konfliktlösung und zur Sicherung des Unternehmensübergangs.
- Systemische Herausforderungen bei der Übergabe von Führung und Verantwortung.
- Kommunikationsprobleme und Kränkungsdynamiken zwischen Altunternehmer und Nachfolger.
- Grundlagen, Phasenmodelle und spezifische Techniken der Mediation im wirtschaftlichen Kontext.
- Prophylaktische Maßnahmen zur Vermeidung eskalierender Konflikte.
- Praktische Anwendung der Mediation anhand eines Konfliktbeispiels.
Auszug aus dem Buch
2.3 Unternehmensnachfolge aus systemischer Sicht und daraus entstehende Probleme
Jedes Jahr werden ca. 22000 Unternehmen in Deutschland übergeben. Der Unternehmer sollte sich bereits im Vorfeld, am besten viele Jahre vorher mit dem Gedanken auseinandersetzen, was die Zukunft bringt. Ein erfolgreiches Unternehmen z.B. aus Altersgründen abzugeben, ist nicht immer einfach. Oft sind die Dinge, die einen Unternehmer vor der Unternehmensübergabe quälen nicht rein rational nachvollziehbar. Meistens ist es ein Bauchgefühl, das innere Team, das sich da meldet und oft nicht ohne Coaching von außen gelöst werden kann. Vor allem in Familienunternehmen prallen Welten aufeinander, die nur schwer vereinbar sind. Nachfolgende Abbildung verdeutlicht den Zusammenhang:
Die beiden Systeme funktionieren nach unterschiedlichen Regeln und die Akteure stehen vor einer großen Herausforderung, weil sie in verschiedenen Rollen agieren müssen und diese auf der einen Seite ausfüllen und auf der anderen Seite trennen müssen. Vor allem die Vater-Sohn Konstellation birgt Explosionspotential. Wesensverschiedenheiten oder zu große Ähnlichkeiten können zu Konflikten in der Nachfolge führen. Fehlende Weitsicht, Teamgeist und fehlender Zusammenhalt können dazu kommen und die Lage verschärfen. Tabus und Denkverbote können verhindern, dass sich die richtige Einstellung zur Unternehmensfortführung in den einzelnen Generationen entwickelt. Vor allem, wenn mehrere Kinder zusammen ein Unternehmen übernehmen bekommt die Einstellung eine enorme Wichtigkeit für die zukünftige Zusammenarbeit.
Große Schwierigkeiten können sich vor allem bei der Unternehmerpersönlichkeit herausbilden. Der Verlust von Wichtigkeit und Macht durch die Abgabe von Verantwortung im eigenen Unternehmen können dazu führen, dass der Übergabeprozess verschleppt wird oder so schlecht vorbereitet, dass den Nachfolger nur scheitern kann. Der Glaubenssatz: ‚Nur ich kann es‘ führt oft dazu, dass das Unternehmen nicht übergeben wird, sondern der Übergeber die Zügel in der Hand behält oder sie wieder in die Hand nimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die häufigen Konflikte bei Unternehmensübergaben und stellt die Hypothese auf, dass Mediation ein geeignetes Mittel zur Lösung dieser Konflikte ist.
2 Unternehmensnachfolge: Dieses Kapitel erläutert den Prozess und die systemischen Besonderheiten der Unternehmensnachfolge, wobei insbesondere die Divergenzen zwischen Familien- und Unternehmenslogik beleuchtet werden.
3 Mediation bei Unternehmensnachfolge: Das Kapitel führt in das Konzept der Mediation ein, beschreibt deren Phasen, Ziele sowie Techniken und illustriert die Anwendung anhand eines konkreten Fallbeispiels aus dem Unternehmensalltag.
4 Fazit: Das Fazit bestätigt die Ausgangshypothese, dass Mediation durch Förderung des gegenseitigen Verständnisses und Klärung von Rollen maßgeblich zur Entschärfung von Konflikten in Nachfolgeprozessen beiträgt.
Schlüsselwörter
Unternehmensnachfolge, Mediation, Familienunternehmen, Konfliktmanagement, Nachfolgeregelung, Kommunikation, Systemtheorie, Führung, Konfliktlösung, Unternehmensübergabe, Familienkonferenz, Mediationstechniken, Übergabeprozess, Sozialer Konflikt, Wirtschaftsmediation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Unternehmensnachfolge und der Frage, wie durch den Einsatz von Mediation die typischerweise auftretenden Konflikte zwischen Altunternehmern und Nachfolgern erfolgreich gelöst werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den strukturellen Prozess einer Unternehmensnachfolge, die systemische Unterscheidung zwischen Familien- und Unternehmenswelt sowie die Anwendung mediativer Kommunikationsregeln und -techniken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Hypothese zu belegen, dass Mediation ein geeignetes Instrument darstellt, um die komplexen zwischenmenschlichen und strukturellen Konflikte bei einer Unternehmensübergabe zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse bestehender Modelle der Nachfolge und der Mediation sowie auf die Anwendung eines 6-Phasen-Modells der Mediation an einem praxisnahen Fallbeispiel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der Prozess der Nachfolge und deren systemische Probleme (Kapitel 2) analysiert, gefolgt von einer detaillierten Darstellung der Mediation als Lösungsverfahren (Kapitel 3) inklusive deren Methodik und praktischer Anwendung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Unternehmensnachfolge, Mediation, Konfliktmanagement, systemische Sichtweise, Kommunikation und Familienunternehmen.
Welche Rolle spielt die Kommunikation speziell in Familienunternehmen?
Da in Familienunternehmen rationale wirtschaftliche Ziele auf emotionale familiäre Bindungen treffen, ist eine wertschätzende und aktive Kommunikation essenziell, um Kränkungen zu vermeiden und eine nachhaltige Übergabe zu ermöglichen.
Was zeigt das im Kapitel 3.6 vorgestellte Fallbeispiel?
Das Beispiel illustriert einen typischen Konflikt um Kompetenzen im operativen Geschäft, bei dem durch Mediation die zugrunde liegende Rollenproblematik – statt nur des oberflächlichen Streits um ein Paket – geklärt wird.
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- Gülden Ekeroglu (Author), 2015, Mediation bei Unternehmensnachfolge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298628