In welcher Weise sich ein Individuum entwickelt und welche Rolle sein soziales Umfeld dabei spielt, ist eine Frage, mit der sich die Sozialisationsforschung fundamental beschäftigt. Im Laufe der individuellen Persönlichkeitsentwicklung üben die jeweilige Kultur, Werte und Normen einen erheblichen Einfluss auf das sich zu entwickelnde Individuum aus. Eine Interaktion mit anderen Individuen der gemeinsamen, gesellschaftlichen Szenerie ist daher unabdinglich für die Entwicklung der kollektiv geprägten Identität. So ist die Identität des Individuums und ihre Ausbildung sehr eng mit der Sozialisation, der gruppenspezifischen Interaktion und der Sprache verknüpft und bildet ein Netzwerk aus sozialen, wie auch psychischen Vorgängen, zur Regelung des individuellen Selbstverständnisses. Dessen zufolge wird die Sozialisation durch die Eingliederung eines Individuums in die soziale Gruppe definiert, wobei das Individuum gruppenspezifische Rollenerwartungen, Normen und Regeln erfährt, Fähigkeiten erlernt um selbigen zu entsprechen, seine eigenen Überzeugungen und sein Denken an die Gruppe anpasst und in Folge dessen auch die Einhaltung und das Erlernen gruppenspezifischer Ordnungen von anderen erwartet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Identitätskonzept nach George Herbert Mead
3. Identitätskonzept nach Lothar Krappmann
4. Mead und Krappmann: Ein systematisch-exemplarischer Vergleich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Sozialisation und Identitätsbildung, indem sie die Konzepte von George Herbert Mead und Lothar Krappmann systematisch darlegt und vergleicht, um zu verdeutlichen, wie Identität als dynamischer Prozess innerhalb gesellschaftlicher Interaktionszusammenhänge entsteht.
- Grundlagen des symbolischen Interaktionismus nach G.H. Mead
- Die Konzeption der Identität als Balanceakt bei Lothar Krappmann
- Analyse identitätsfördernder Fähigkeiten wie Rollendistanz und Ambiguitätstoleranz
- Systematischer Vergleich der sozialisationstheoretischen Ansätze
- Zusammenhang von Sprache, Interaktion und individueller Identitätsentwicklung
Auszug aus dem Buch
3. Identitätskonzept nach Lothar Krappmann
In seiner Dissertationsschrift „Soziologische Dimensionen der Identität“, erstmals veröffentlicht in Jahr 1969, nimmt sich Krappmann der Frage an, unter welchen strukturellen Bedingungen Individuen an Interaktionsprozessen teilnehmen und welche Auswirkungen selbige auf die Identitätsbildung der Individuen hat. Allgemein geht Krappmann davon aus, dass die vielfältige, soziale Gesellschaft einer enormen Fülle an gruppenspezifischen Normen und Werten unterliegt. Diese bilden einen gigantischen Normkomplex, welcher fortlaufend durch den anhaltenden sozialen und kulturellen Wandel geprägt ist und daher immer wieder verändert wird und neu interpretiert werden muss. Daraus geht hervor, dass spezifische Normen und Werte nicht immer miteinander d‘accord gehen, sondern sich auch widersprechen können. Die allgemeine Norm- und Wertelandschaft der Gesellschaft ist somit nicht einheitlich und bedarf situationsspezifischen Interpretationen. Hierbei helfen Erfahrungswerte den Individuen.
Krappmann nutzt die Grundlage der Kommunikation, der Interaktion und der Sprache als Ausgangspunkt. So ist laut Krappmann in Alltagssituationen zu beobachten, dass jede interpersonale Kommunikation und Interaktion individuell und an die jeweilige Situation angepasst ist (Krappmann 1988: S.7). Hierbei stellen sich Individuen auf ihren Interaktionspartner ein um die Erwartungen des Gegenübers vorwegnehmen zu können, selbigen zu entsprechen und einen möglichst positiven Eindruck beim Interaktionspartner zu hinterlassen. Dies ist nur durch eine punktgenaue Anpassung möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Fragestellung der Sozialisationsforschung ein und erläutert die Bedeutung der Interaktion für die Entwicklung der menschlichen Identität.
2. Identitätskonzept nach George Herbert Mead: Dieses Kapitel expliziert Meads Theorie des symbolischen Interaktionismus, wobei insbesondere die Komponenten I, Me und Self sowie die Rolle von Play und Game beleuchtet werden.
3. Identitätskonzept nach Lothar Krappmann: Hier wird Krappmanns Verständnis von Identität als dynamischer Balanceakt zwischen personaler und sozialer Identität sowie die Bedeutung spezifischer Fähigkeiten wie Ambiguitätstoleranz erörtert.
4. Mead und Krappmann: Ein systematisch-exemplarischer Vergleich: Das Kapitel vergleicht die Ansätze beider Theoretiker und arbeitet Gemeinsamkeiten in der Interaktionsprämisse sowie Unterschiede in der theoretischen Ausdifferenzierung heraus.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Identität, Interaktion, symbolischer Interaktionismus, George Herbert Mead, Lothar Krappmann, Rollenübernahme, Rollendistanz, Ambiguitätstoleranz, Identitätsdarstellung, Selbstbild, Kommunikation, Identitätsbildung, soziale Gruppe, Persönlichkeitsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie sich die menschliche Identität im Rahmen gesellschaftlicher Sozialisationsprozesse entwickelt, und stellt dazu die theoretischen Ansätze von George Herbert Mead und Lothar Krappmann gegenüber.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die symbolisch vermittelte Interaktion, der Prozess der Rollenübernahme, die Balance zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Normen sowie die Entwicklung spezifischer sozialer Kompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein systematischer und exemplarischer Vergleich, um aufzuzeigen, wie Mead und Krappmann die Identitätsbildung jeweils theoretisch begründen und wo ihre Konzepte konvergieren oder divergieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, bei der die Hauptwerke der Autoren (wie "Mind, Self and Society" von Mead und "Soziologische Dimensionen der Identität" von Krappmann) herangezogen und komparativ ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Identitätsmodelle von Mead und Krappmann und mündet in einer vergleichenden Gegenüberstellung beider Theoretiker.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sozialisation, Identität, symbolischer Interaktionismus, Rollendistanz und Ambiguitätstoleranz charakterisiert.
Wie unterscheidet Mead zwischen den Komponenten "I" und "Me"?
Mead definiert das "I" als die impulsive, spontane Seite des Selbst, während das "Me" die verinnerlichte soziale Perspektive darstellt, die den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht.
Was versteht Krappmann unter dem "Balanceakt" der Identität?
Krappmann sieht Identität als die ständige Anforderung an das Individuum, zwischen dem Bedürfnis nach Einzigartigkeit (personale Identität) und dem gesellschaftlichen Druck zur Konformität (soziale Identität) zu vermitteln.
Welche Bedeutung haben die von Krappmann genannten Fähigkeiten?
Fähigkeiten wie Rollendistanz und Ambiguitätstoleranz sind laut Krappmann identitätsfördernd, da sie das Individuum in die Lage versetzen, mit widersprüchlichen Rollenerwartungen umzugehen und die eigene Identität aktiv zu behaupten.
- Citation du texte
- Linda Rabisch (Auteur), 2015, Interaktion und Identität. Darstellung und Vergleich der Sozialisationstheorien nach George Herbert Mead und Lothar Krappmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298645