Analyse und Vergleich der Lebensqualität im ländlichen und städtischen Bereich in Deutschland

Untersuchung des Einflusses persönlicher Vorlieben


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Theoretische Annahmen
3.1 Glück, Lebenszufriedenheit und Lebensqualität
3.2 Der ländliche und städtische Bereich
3.3 Operationalisierung
3.4 Hypothesen

4. Datenanalyse

5. Kritische Diskussion

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ob ein Quiz in der Frauenzeitschrift Brigitte oder eine Diskussion bei Spiegel Online mit über 400 Kommentaren, es geht immer um die Frage: Lebt es sich in der Stadt oder auf dem Land besser bzw. glücklicher? Während die Diskussion bei Spiegel Online in sehr aggressivem Ton geführt wird und sich ein Grabenkampf zwischen „Städtern“ und „Ländlern“ entwickelt, werde ich versuchen die Frage etwas wissen- schaftlicher anzugehen. Allerdings zeichnet sich in der Diskussion ab, dass es im Endeffekt auf die persönlichen Vorlieben ankommt, nicht auf allgemeine Vor- und- Nachteile des Wohnortes. Dieser Aspekt hat auch für meine Arbeit Bedeutung.

Als erstes werde ich in Kapitel zwei den Stand der Forschung in Bezug zu Lebens- qualität erläutern, hier zeigt sich vor allem wie breit das Spektrum dieses Themas ist. In Kapitel drei werde ich zuerst auf verschiedene Theorien von Glück, Lebenszufrie- denheit und Lebensqualität eingehen. Danach wird der ländliche vom städtischen Bereich abgegrenzt. Wenn dann alle relevanten Begriffe definiert sind, werde ich Lebensqualität durch verschiedene Indikatoren operationalisieren (messbar machen). Daraufhin werden Hypothesen generiert, um sich der Hauptfrage; ob die Lebensqua- lität im ländlichen oder im städtischen Bereich höher ist, anzunähern. Diese Hypo- thesen werden in Kapitel fünf durch Daten aus zwei verschiedenen Quellen über- prüft. In Kapitel sechs werde ich durch eine kritische Diskussion verschiedene Prob- leme und Schwächen meiner Arbeit aufzeigen. Abschließend wird im Fazit (Kapitel sechs) die Haupthypothese beantwortet und ein Forschungsausblick gegeben.

2. Forschungsstand

Die Themen Lebensqualität, Lebenszufriedenheit und Glück sind Gegenstand zahlreicher Literatur und Forschungen. Eine konkrete Differenzierung der Begriffe werde ich in Kapitel drei vornehmen. Zuerst wird jedoch die historische Entwicklung der Forschung über die Lebensqualität dargestellt.

Die Glücksforschung ist eine interdisziplinäre Wissenschaft und wird heutzutage vor allem von Psychologen und Sozialwissenschaftler betrieben. Sie hat jedoch ihren Ursprung in der Philosophie. Bereits im Jahre 300 vor Christus beschäftigte die Ge- sellschaft der Gedanke eines glücklichen Lebens und wie es zu erreichen ist. Damals wie heute gab es gegensätzliche Auffassungen bzw. Schulen zum Thema Glück. Der Epikureismus besagt, dass man die Gesundheit der Seele und damit das pflichtlose Glück nur durch das Philosophieren erreicht. Im Gegensatz dazu steht die Schule der Stoa, welche die Philosophie als „Kunst der Lebensführung“ sieht und man nur durch strenge Regeln und glücklose Pflicht, wirklich zufrieden leben kann (vgl. Weischedel 1993: 60ff). Trotz etlicher Studien beschäftigt sich die Philosophie bis heute mit die- sem Thema. Es wird dabei aber eher mit alten grundlegenden Erkenntnissen gearbei- tet und diese in Bezug zu heutigen Themen neu interpretiert. „Wo es um Fragen des richtigen Lebens geht, könnte nur Falsches wirklich neu sein“ (Spaemann 2009: 9).

Erste sozialwissenschaftliche Ansätze zur Messung der Lebenszufriedenheit in Deutschland sind 1919 zu finden. Ledige ältere Frauen galten als egozentrisch, ver- schroben und bemitleidenswert (vgl. Everwien 1933: o. S.). Everwien untersuchte ausgewählte psychische und soziale Aspekte von Frauen der Geburtsjahrgänge 1919 bis 1933 anhand von Interviews mit Blick auf ihre Lebenszufriedenheit. Sie versuch- te herauszufinden, wie stark sich der Familienstand auf die Zufriedenheit auswirkt. Eines der am meisten zitierten Werke der sozialwissenschaftlichen Einstellungsfor- schung ist „Lebensqualität in der Bundesrepublik. Objektive Lebensbedingungen und subjektives Wohlbefinden“ von Wolfgang Glatzer und Wolfgang Zapf aus dem Jahr 1984. Sie untersuchten erstmals nicht nur die Wechselwirkung zwischen Bruttoin- landsprodukt und Wohlfahrt, sondern zwischen objektiven Lebensbedingungen und subjektivem Wohlbefinden und definierten, differenzierten und operationalisierten diese Begriffe unter dem Oberbegriff allgemeine Lebensqualität (Wohlfahrt).

Darauf folgende Literatur greift diesen Gedanken oft auf. Die Sozialwissenschaft verbindet jetzt die Erkenntnisse der Gesellschaftspolitik und Einstellungsforschung um neue Wohlfahrtskonzepte zu entwickeln (z. B. Noll 2000, Ludwig-Mayerhofer 2001 oder Huschka/Wagner 2010). Weitere aktuelle Forschung beschäftigt sich vor allem mit Lebenszufriedenheit im Zusammenhang mit Beruf, Arbeitsbelastung, Ar- beitslosigkeit und Migration.

Nahe dem Thema Analyse und Vergleich der Lebensqualität im ländlichen und städ- tischen Bereich in Deutschland ist ein Konferenzbeitrag bei den Verhandlungen des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in München im Jahr 2004. Anette Spellerberg et al. vergleichen hier das Ost-West Gefälle der Lebenszufrieden- heit und gehen auch auf Land-Stadt Unterschiede ein. Zusätzlich behandelt Denis Huschka bei seiner Forschung über „die Entwicklungen der deutschen Lebensqualität - die Bundesländer im Vergleich“ den ländlichen und städtischen Bereich. Auf diese beiden Werke stützen sich die Daten, welche ich in meiner Analyse verwende.

Zu erwähnen ist auch eine Forschung des Psychologen Oliver Schilling über „Fami- liäre Netzwerke und Lebenszufriedenheit alter Menschen in ländlichen und urbanen Regionen“. Er beschränkt sich jedoch auf die psychologischen Dimensionen wie familiäre Beziehung, Einsamkeitsgefühle, Sorgen etc. und geht nur auf alte Men- schen ein. Zwar habe ich ansonsten den psychologischen Aspekt der Lebenszufrie- denheit im Forschungsstand vernachlässigt, aber die Lebenszufriedenheit wird stark durch Beziehungen und Vertrauen beeinflusst. Auf diesen und weitere Aspekte der Messung von Lebenszufriedenheit werde ich am Ende des nächsten Kapitels einge- hen.

3.Theoretische Annahmen

Um Lebensqualität zu messen, muss der Begriff zuerst operationalisiert werden. Hierbei ist es wichtig, dass er sich definiert von ähnlichen Begriffen abgrenzt, um keine Messfehler durch geringe Validität zu erhalten. Eine eindeutige Abgrenzung kann jedoch angesichts der verschiedenen wissenschaftlichen Auffassungen der Be- griffe (wie früher in den verschiedenen philosophischen Schulen) nicht erreicht wer- den. Zuerst werde ich Glück und Lebenszufriedenheit definieren, um den Begriff Lebensqualität zu isolieren.

3.1 Glück, Lebenszufriedenheit und Lebensqualität

Das Glück lässt sich in verschiedener Hinsicht erläutern. Passend zu meiner Untersuchung ist jedoch diese Definition: „Glück ist ein eher affektiver Zustand und scheint sich aus dem Verhältnis positiver und negativer Erfahrungen und Erlebnisse eines Individuums zu ergeben“ (vgl. Bradburn, zitiert nach Glatzer 1984: 178). Bradburn stellt hier die Hauptmerkmale von Glück dar. Der Begriff Glück beschreibt ein temporäres emotionales Wohlbefinden.

„»Zufriedensein« ist im Vergleich zum »Glücklichsein« eine eher kognitive Bewer- tung und hängt insbesondere von sozialen Vergleichen mit wichtigen Bezugsgruppen ab und davon, was jemand wünscht, erwartet, erhofft und anstrebt“ (Campbell, Converse, Rodgers zitiert nach Glatzer 1984: 178, Hervorhebung im Original; der Verf.). Nach Campbell et al. und Richard Easterlin basiert die Lebenszufriedenheit auf einem längerfristigen kognitiven Vergleich mit dem sozialen Umfeld und Erfah- rungen. Dadurch erklärt sich auch, warum Menschen trotz hohen objektiven Lebens- bedingungen (z.B. hohes Einkommen) nur eine durchschnittliche subjektive Lebens- zufriedenheit aufweisen, diesen Wiederspruch nennt man auch Easterlin-Paradox (vgl. Easterlin 1974: 118 ff). Easterlins Forschungen zeigen, dass Menschen der Oberschicht zwar im Durchschnitt zufriedener sind als jene der Unterschicht: Das Paradox ist jedoch, dass die Lebenszufriedenheit ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit einem höheren Einkommen steigt. Dies liegt vor allem daran, dass die Menschen im näheren Umfeld oftmals gleich viel Geld verdienen. „In judging their happiness, people tend to compare their actual situation with a reference standard or norm, derived from their prior and ongoing social experience” (Easterlin 1974: 118) Des Weiteren besteht laut Campbell et al. zwischen Lebenszufriedenheit und Glück, obwohl sie sich definitorisch unterscheiden, ein hoher statistischer Zusammenhang. Nach Glatzer messen beide Konzepte durchaus etwas verschiedenes, es ist jedoch anzunehmen, wenn jemand eine hohe Lebenszufriedenheit aufweist, er gleichzeitig auch glücklich ist. Trotzdem gibt es eine partielle Unabhängigkeit von kognitiven und affektiven Bewertungen der subjektiven Lebensqualität, da verschiedene Zufriedenheitsmaße untereinander stärker miteinander korrelieren als mit Glück (vgl. Glatzer 1984: 185 ff).

Die allgemeine Lebensqualität bzw. Wohlfahrt ist als Überbegriff zu sehen. Sie be- steht nach Zapf aus dem subjektiven Wohlbefinden (Lebenszufriedenheit und Glück) und der Konstellation der objektiven Lebensbedingungen (materiell und immateri- ell). Als materielle Lebensbedingungen wird z.B. das Haushalteinkommen gesehen, als immateriell der Berufsbildungs- und Gesundheitsbereich (vgl. Zapf 1984: 23f). Hiermit sind nach Zapf vier Wohlfahrtsposition zu unterscheiden. Wenn jemand gute objektive Lebensbedingungen hat und ein gutes subjektives Wohlbefinden, wird er als well-being bezeichnet. Schlechte Bedingungen dagegen im Zusammenhang mit positiver subjektiver Bewertung nennt Zapf Adaption (Zufriedenheitsparadox). Gute Lebensbedingungen und ein schlechtes Wohlbefinden betitelt er mit Dissonanz (Unzufriedenheitsdilemma), schlechte Bedingungen und schlechtes Wohlbefinden mit Deprivation (vgl. Zapf 1984: 25f).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wohlfahrtsposition

Quelle: Eigene Darstellung nach Zapf 1984: 25

Wie anfangs schon erwähnt sind diese Definitionen in der Literatur nicht einheitlich, sondern stehen immer im Zusammenhang mit dem Thema der Arbeit und der Daten- analyse. Nachdem jetzt ein Überblick über die Lebensqualität gegeben wurde, müs- sen die restlichen Begriffe, welche Gegenstand der Forschung sind, definiert werden.

3.2 Der ländliche und städtische Bereich

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) unterteilt Deutschland in vier Kreistypen. Als Indikatoren gelten hier der Bevölkerungsanteil und die Einwohnerdichte.

1. Kreisfreie Großstädte: Kreisfreie Städte mit mind. 100.000 Einwohnern
2. Städtische Kreise: Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in Groß- und Mit- telstädten von mind. 50% und einer Einwohnerdichte von mind. 150 E./km²; sowie Kreise mit einer Einwohnerdichte ohne Groß- und Mittelstädte von mind. 150 E./km²
3. Ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen: Kreise mit einem Bevölke- rungsanteil in Groß- und Mittelstädten von mind. 50%, aber einer Einwoh- nerdichte unter 150 E./km², sowie Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in Groß- und Mittelstädten unter 50% mit einer Einwohnerdichte ohne Groß- und Mittelstädte von mind. 100 E./km²
4. Dünn besiedelte ländliche Kreise: Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in

Groß- und Mittelstädten unter 50% und Einwohnerdichte ohne Groß- und Mittelstädte unter 100 E./km²

(Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: o. S.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Analyse und Vergleich der Lebensqualität im ländlichen und städtischen Bereich in Deutschland
Untertitel
Untersuchung des Einflusses persönlicher Vorlieben
Hochschule
Universität Stuttgart  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Analyse und Vergleich politischer Systeme
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V298654
ISBN (eBook)
9783656950127
ISBN (Buch)
9783656950134
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, vergleich, lebensqualität, bereich, deutschland, untersuchung, einflusses, vorlieben
Arbeit zitieren
Joachim von Streit (Autor), 2014, Analyse und Vergleich der Lebensqualität im ländlichen und städtischen Bereich in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298654

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