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Die ethische Frage mit dem „post-souveränen“ Subjektbegriff bei Judith Butler

Title: Die ethische Frage mit dem „post-souveränen“ Subjektbegriff bei Judith Butler

Essay , 2015 , 7 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Judith Kronschnabl (Author)

Gender Studies
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„Wir sind alle verletzlich. Ist das die Quelle der Moral?“ Diese Frage stellt sich ein Artikel der Zeit in der Rubrik Philosophie ihrer Online-Ausgabe in Bezug auf Judith Butlers „Kritik der ethischen Gewalt“. Tatsächlich spielen Verletzbarkeit und die Anerkennung dieser Verletzbarkeit in der ethischen Frage Judith Butlers eine entscheidende Rolle. Indem Butler einen Subjektbergriff zugrunde legt, der sich vor allem durch eben jene Verletzbarkeit und die gegenseitige Abhängigkeit konstituiert, ist es ihr möglich, die „ethische Frage“ von einem gänzlich neuen Standpunkt aus zu beantworten den man jedoch durchaus als „dauerhaft problematisch“ beschreiben kann.
Doch wie stehen Butlers Ethik und der von ihr eingeführte Subjektbegriff genau in Zusammenhang? Inwiefern kann ihr Ansatz als „dauerhaft problematisch“ bezeichnet werden und ist die „ethische Frage“ mit einem solchen Ansatz überhaupt zu beantworten?

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das post-souveräne Subjekt und die Anrufung

3. Die ethische Frage und das Nichtwissen

4. Fazit: Ethisches Handeln in einer komplexen Welt

Zielsetzung und Themen

Dieser Essay untersucht die ethische Dimension innerhalb von Judith Butlers Konzept des „post-souveränen“ Subjekts. Das Hauptziel besteht darin zu klären, wie Verantwortung für das eigene Handeln in einem theoretischen Rahmen begründet werden kann, der das Individuum als fundamental abhängig, durch Anrufung konstituiert und sich stets im Prozess des Werdens befindlich betrachtet.

  • Der Subjektbegriff bei Judith Butler
  • Die Rolle der performativen Anrufung
  • Verletzbarkeit als geteilte Bedingung
  • Verantwortung trotz mangelnder Autonomie
  • Ethik als andauernder Prozess des Fragens

Auszug aus dem Buch

Die Figur des post-souveränen Subjekts

Diese Figur des „post-souveränen Subjekts“ ist grundlegend auf andere angewiesen. Es ist anderen Subjekten ausgesetzt, insofern es immer erst subjektiviert werden muss – und zwar mittels Adressierung oder Anrufung durch andere.

Man kann also sagen, dass Subjekte nicht einfach sind. Vielmehr werden sie ständig und immer wieder neu performativ hervorgebracht. Dies geschieht durch Anrufung: Wir können „nicht existieren […] ohne den Anderen anzusprechen und von ihm angesprochen zu werden (Butler 2007, S. 45f.). So macht es durchaus einen Unterschied, ob wir als Studentin, Professorin, Mäuschen, Polizist oder kleiner Lausbub angesprochen werden, denn durch Anrufung und Annahme der Adressierung konstituiert sich unser Selbst. Wir werden angerufen, noch bevor wir überhaupt in der Lage sind uns selbst als „Ich“ zu bezeichnen. Wir konstituieren uns also bereits, bevor wir fähig sind, aktiv Teil dessen zu werden, was uns ausmacht. Mit der fundamentalen Abhängigkeit von anderen beschreibt Butler allerdings mehr als die bloße Anrufung. Wir sind als Subjekte auch immer schon in ein System von Normen und Werten eingebunden, das uns vorausgeht und uns mit konstituiert. „Diese Normen sind Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit, die […] ihr eigenes Gewicht hat und die aufgrund ihrer komplexen Geschichtlichkeit das jeweilige Ich übersteigt“ (Villa 2012, S.126). Wir werden in eine Gesellschaft geboren, die bereits festgelegt hat, welche Subjekte, welche Adressierungen als intelligibel, als denkbar und lebbar gelten und welche nicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Verletzbarkeit und die kritische Fragestellung nach der ethischen Verantwortung bei Judith Butler.

2. Das post-souveräne Subjekt und die Anrufung: Analyse der performativen Konstitution des Subjekts durch soziale Anrufung und die Einbettung in gesellschaftliche Normsysteme.

3. Die ethische Frage und das Nichtwissen: Untersuchung der Schwierigkeit, Verantwortung ohne absolute Autonomie zu begründen, und die Notwendigkeit, das eigene Unwissen sowie das des Gegenübers anzuerkennen.

4. Fazit: Ethisches Handeln in einer komplexen Welt: Zusammenfassung, dass die Anerkennung der gegenseitigen Verletzbarkeit und die Offenheit für den stetigen Prozess der Subjektwerdung die Bedingungen für ethisches Handeln bilden.

Schlüsselwörter

Judith Butler, post-souveränes Subjekt, Ethik, Verletzbarkeit, Anrufung, Subjektbildung, Verantwortung, Performativität, Anerkennung, Moral, Autonomie, Anderssein, gesellschaftliche Normen, Identität, Nichtwissen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in diesem Essay grundsätzlich?

Der Essay untersucht, wie Judith Butlers Konzept des „post-souveränen“ Subjekts einen neuen Zugang zur ethischen Frage ermöglicht, insbesondere unter der Prämisse, dass das Subjekt nicht autonom, sondern durch soziale Beziehungen geformt ist.

Was sind die zentralen Themenfelder des Textes?

Die zentralen Felder sind die soziale Bedingtheit des Individuums, die Rolle der Sprache bzw. Anrufung bei der Identitätsbildung, die Bedeutung von Verletzbarkeit als ethische Kategorie und die Abkehr von klassischen Gerechtigkeitsethiken.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu ergründen, wie ein Subjekt, dem klassische Autonomie abgesprochen wird, überhaupt Verantwortung für sein eigenes Handeln übernehmen kann und ob die ethische Frage „Was soll ich tun?“ in diesem Rahmen beantwortbar bleibt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Text?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse zentraler Schriften von Judith Butler (insbesondere „Kritik der ethischen Gewalt“) sowie ergänzender Einführungsliteratur von Paula-Irena Villa basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird erörtert, wie das Subjekt performativ durch Anrufung entsteht, warum ein dauerhaftes Nichtwissen über sich selbst und das Gegenüber besteht und warum Geduld und Anerkennung der Verletzbarkeit Voraussetzungen für ethisches Verhalten sind.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Subjektbildung, Verletzbarkeit, ethische Gewalt, Anrufung, Anerkennung, Prozesshaftigkeit und das post-souveräne Subjekt beschreiben.

Warum spielt die „Anrufung“ eine so zentrale Rolle bei der Identitätsbildung?

Laut Butler existieren wir nicht ohne das Angesprochen-Werden; die Anrufung durch andere konstituiert unser Selbst, noch bevor wir als autonomes Ich handeln können.

Warum ist das „Wissen über das Gegenüber“ in diesem Kontext problematisch?

Es ist problematisch, weil das Streben nach einer endgültigen Antwort auf die Frage „Wer bist Du?“ die Prozesshaftigkeit des Gegenübers ignoriert und das Gegenüber fälschlicherweise auf eine starre Identität festlegt.

Warum bezeichnet die Autorin Butlers Ansatz als „dauerhaft problematisch“?

Weil dieser Ansatz den ständigen Verzicht auf Sicherheit fordert und uns zwingt, in einem Zustand des Nichtwissens und der stetigen Transformation zu verweilen, anstatt einfache moralische Antworten zu suchen.

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Details

Title
Die ethische Frage mit dem „post-souveränen“ Subjektbegriff bei Judith Butler
College
LMU Munich  (Institut für Soziologie)
Course
Gendergraphien VI
Grade
1,3
Author
Judith Kronschnabl (Author)
Publication Year
2015
Pages
7
Catalog Number
V298785
ISBN (eBook)
9783656952671
ISBN (Book)
9783656952688
Language
German
Tags
frage subjektbegriff judith butler
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Judith Kronschnabl (Author), 2015, Die ethische Frage mit dem „post-souveränen“ Subjektbegriff bei Judith Butler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298785
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