In meiner Seminararbeit möchte ich mich sowohl in einer fachwissenschaftlichen Analyse als auch in einer didaktisch-methodischen Unterrichtskonzeption der Ballade "Der Fischer" von Johann Wolfgang von Goethe widmen. Die Motivation zu diesem Thema entstand in der Auseinandersetzung mit der im Seminar behandelten naturmagischen Ballade "Erlkönig" von Goethe. Auch Annette von Droste-Hülshoffs Ballade "Der Knabe im Moor" und Goethes "Der Fischer" zählen zu den numinosen respektive naturmagischen Erzählgedichten. Mein Interesse liegt dabei auf der Konstruktion einer irrationalen Erzählwelt und der damit einhergehenden existenziellen Angst der in dieser Welt lebenden Individuen im Kontrast zur einnehmenden Anziehungskraft dieser Natur. Goethe selbst sagte über seine Ballade "Der Fischer", sie drücke „bloß das Gefühl des Wassers [aus], das Anmutige, was uns im Sommer lockt, uns zu baden“ (Eckermann 1836, S. 65). Diese Ambivalenz zwischen dem Wunsch, den Ort des Unerklärlichen zu verlassen und der Sehnsucht nach dieser Welt, wird in beiden Gedichten kunstvoll literarisiert.
Im Hinblick auf den Unterricht bietet die fachdidaktische Literatur viele Möglichkeiten der Erarbeitung von Balladen im Unterricht. In meiner Arbeit möchte ich einer Kombination aus Analyse und Handlungs- bzw. Produktionsorientierung nachgehen. Dabei sollen die Schüler*innen sich derart mit den literarischen Texten befassen, dass man sie „nicht nur in Diskursen analysiert und interpretiert […], sondern auch auf irgendeine Weise zur Aufführung bringt“ (Menzel 2001, S. 6). Diesen Weg betritt auch Röbbelen mit der Ballade "Der Knabe im Moor", indem sie nach einem analytischen Einstieg mit Hilfe von Echo-Texten oder sogar einem Rap die Auseinandersetzung mit der Ballade handlungsorientiert fördern möchte (vgl. 2001, S. 24 ff.). Inwieweit sich diese Idee vergleichend auch auf Goethes "Der Fischer" anwenden lässt, möchte ich in dieser Seminararbeit näher beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Fachwissenschaftliche Analyse
1.1 Annette von Droste-Hülshoff: Der Knabe im Moor
1.2 Johann Wolfgang von Goethe: Der Fischer
1.3 Naturmagie – Zwischen Angst und Anziehung
2 Grundlagen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
3 Unterrichtsentwurf – Der Fischer
3.1 Didaktische Analyse
3.2 Methodische Analyse
3.3 Geplanter Unterrichtsverlauf
3.3.1 Erste Stunde
3.3.2 Zweite Stunde
3.3.3 Dritte Stunde
Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der Naturmagie in den Balladen "Der Knabe im Moor" von Annette von Droste-Hülshoff und "Der Fischer" von Johann Wolfgang von Goethe. Ziel ist es, ein fachwissenschaftlich fundiertes Verständnis für die Konstruktion irrationaler Erzählwelten zu schaffen und dieses in einem handlungs- und produktionsorientierten Unterrichtskonzept für die Sekundarstufe I praktisch anzuwenden, um die Schülerinnen und Schüler zu einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit den Texten zu motivieren.
- Fachwissenschaftliche Analyse naturmagischer Erzählgedichte
- Vergleich der Thematisierung von Angst und Anziehung in der Natur
- Grundlagen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
- Didaktische und methodische Konzeption eines Unterrichtsentwurfs
- Praktische Erprobung durch kreative Zugänge (z.B. Phantasiereisen, Strophenpuzzles, szenisches Vortragen)
Auszug aus dem Buch
1.1 Annette von Droste-Hülshoff: Der Knabe im Moor
Annette von Droste-Hülshoff wurde am 12. Januar 1797 auf dem Wasserschloss Hülshoff bei Münster in Westfalen geboren. Waren einige ihrer frühen Werke durchaus als Misserfolge zu interpretieren, folgte spätestens 1842 mit der Veröffentlichung ihrer über viele Dekaden bearbeiteten Novelle Die Judenbuche ihr literarischer Durchbruch. Ihre Lebenswelt wurde durch drei Umwelteinflüsse maßgeblich geprägt und deren Wirkung auf ihr Werk lässt sich durchaus herausstellen. Neben dem westfälischen Regionalismus, beeinflusste vor allem der Katholizismus und der Traditionalismus des Landadels ihr Denken (vgl. FREUND 2005, S. 7). Gerade ihr oft rezipiertes Hauptwerk (Haidebilder, Bei uns zu Lande, Die Judenbuche u. a.) nimmt immer wieder Bezug auf ihre westfälische Heimat und das Münsterland, in denen „schon viele zeitgenössische Kritiker die Substanz und die Eigenart ihres literarischen Werkes begründen“ (SCHNEIDER 1995, S. 29) sahen.
Mit der Vollendung der Novelle Die Judenbuche, beginnt die Balladenzeit der Droste, in der sie insgesamt zwanzig Balladen verfasst, darunter auch die Ballade Der Knabe im Moor. Veröffentlicht wurde sie am 16. Februar 1842 im Morgenblatt für gebildete Leser (vgl. WEIß-DASIO 1996, S. 125). In ihrer Gedichtausgabe von 1944 führt sie dieses Gedicht wohlüberlegt nicht unter die Balladen, sondern als abschließendes Gedicht ihres Zyklus Haidebilder. Epochal kann dieser Zyklus als „Muster biedermeierlicher Vieltönigkeit“ (SCHNEIDER 1995, S. 135) gelten. Auch die Gattung dieser Ballade lässt sich spezifizieren. Durch das Auftreten inexistenter Gestalten wie der unseligen Spinnerin sowie weiterer übersinnlicher Phänomene, wird die Ballade unter die numinosen respektive naturmagischen Erzählgedichte gefasst. Die naturmagische Ballade beschreibt eine „vorrationale Weltsicht“ (WEIßERT 1993, S. 24) durch den arbiträren und unkontrollierbaren Einbruch von Naturgewalten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der Naturmagie ein und skizziert das Ziel, eine fachwissenschaftliche Analyse mit einem handlungs- und produktionsorientierten Unterrichtsentwurf zu verknüpfen.
1 Fachwissenschaftliche Analyse: Es erfolgt eine detaillierte literaturwissenschaftliche Untersuchung der Balladen "Der Knabe im Moor" und "Der Fischer" hinsichtlich ihrer sprachlichen Gestaltung und inhaltlichen Motive.
1.1 Annette von Droste-Hülshoff: Der Knabe im Moor: Dieser Abschnitt analysiert das Werk, die Entstehung sowie die naturmagischen und psychologischen Aspekte der Ballade.
1.2 Johann Wolfgang von Goethe: Der Fischer: Hier wird Goethes Ballade unter Berücksichtigung von Metrik, Reimschema und der Nixe als narzisstisches Spiegelbild untersucht.
1.3 Naturmagie – Zwischen Angst und Anziehung: Ein vergleichendes Fazit der beiden Balladen, das die unterschiedliche Wirkung der Natur als bedrohlich oder anziehend hervorhebt.
2 Grundlagen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts: Darstellung der theoretischen Fundierung für den angestrebten Literaturunterricht, der Kopf, Herz und Hand verbindet.
3 Unterrichtsentwurf – Der Fischer: Die praktische Anwendung der theoretischen Überlegungen in einem konkreten, dreistündigen Unterrichtskonzept.
3.1 Didaktische Analyse: Begründung der Themenwahl und Einbettung in den Kernlehrplan sowie Diskussion des pädagogischen Mehrwerts.
3.2 Methodische Analyse: Erläuterung des methodischen Vorgehens, das produktive und analytische Verfahren kombiniert, um verschiedenen Lerntypen gerecht zu werden.
3.3 Geplanter Unterrichtsverlauf: Detaillierte Darstellung der geplanten Unterrichtsstunden mit Aufgabenstellungen.
3.3.1 Erste Stunde: Fokus auf die Einstimmung durch eine Phantasiereise und die erste textproduktive Auseinandersetzung mit dem Gedichtaufbau.
3.3.2 Zweite Stunde: Vertiefung der analytischen Arbeit mit der "Think-Pair-Share"-Methode zur Erschließung von Stilmitteln und Metrik.
3.3.3 Dritte Stunde: Abschließende kreative Phase mit verschiedenen Stationen für eine ästhetisch-künstlerische Auseinandersetzung mit der Ballade.
Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflektion über den Erfolg des methodischen Ansatzes im Literaturunterricht.
Schlüsselwörter
Naturmagie, Ballade, Literaturunterricht, Der Knabe im Moor, Der Fischer, Handlungsorientierung, Produktionsorientierung, Didaktik, Sekundarstufe I, Deutschunterricht, Annette von Droste-Hülshoff, Johann Wolfgang von Goethe, Nixe, Interpretationsansätze, Erzählgedicht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie naturmagische Erzählgedichte fachwissenschaftlich analysiert und didaktisch-methodisch für den Deutschunterricht in der Sekundarstufe I aufbereitet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Analyse der Balladen "Der Knabe im Moor" und "Der Fischer", das Motiv der Naturmagie sowie die Umsetzung handlungs- und produktionsorientierter Lehrmethoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erstellung eines Unterrichtsentwurfs, der Schülerinnen und Schüler durch aktive, kreative Verfahren (Handlungs- und Produktionsorientierung) dazu motiviert, eine tiefere analytische Verbindung zu den literarischen Texten aufzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Textanalyse der beiden Balladen mit einer fachdidaktischen Konzeption, die sich auf theoretische Grundlagen des produktionsorientierten Literaturunterrichts stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die fachwissenschaftliche Analyse der Balladen, die theoretischen Grundlagen des Literaturunterrichts und einen detaillierten, dreistündigen Unterrichtsentwurf für die Ballade "Der Fischer".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Naturmagie, Handlungsorientierung, Produktionsorientierung, Balladenanalyse, Didaktik der Literatur und Sekundarstufe I.
Warum ist das Motiv der "Naturmagie" für den Unterricht besonders geeignet?
Naturmagische Balladen wecken durch übernatürliche Elemente das Interesse der Schülerinnen und Schüler und bieten gleichzeitig vielfältige Möglichkeiten für weitreichende Interpretationen, etwa zu religiösen oder sozialkritischen Aspekten.
Wie integriert der Entwurf handlungsorientierte Verfahren?
Der Entwurf nutzt Verfahren wie Phantasiereisen, Strophenpuzzles, szenisches Vortragen und kreatives Gestalten von Texten, um die Schülerinnen und Schüler aktiv am Lernprozess zu beteiligen.
Welche Rolle spielt die Nixe in "Der Fischer" für die Interpretation?
Die Nixe wird unter anderem als narzisstisches Phantasma des Fischers gedeutet, das ihn in den Untergang lockt und eine Sehnsucht nach der Verschmelzung mit der Natur verkörpert.
Was ist das pädagogische Ziel der Stationenarbeit in der dritten Stunde?
Durch die Wahlfreiheit an Stationen (Künstler, Redner, Schriftsteller) sollen die Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich neue Aspekte der Ballade herausarbeiten und ihre Ergebnisse ästhetisch-künstlerisch präsentieren.
- Citation du texte
- Lukas Baumanns (Auteur), 2014, Naturmagie im Literaturunterricht anhand der Ballade "Der Fischer" von Goethe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298875