Die Notwendigkeit einer Reform der internationalen Finanzarchitektur

Möglicher Beitrag zur Bewältigung von Währungskrisen im Euro-Währungsraum?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Reformbedarf? Historische Betrachtung und Problematik der Finanzsysteme

3. Akteure der internationalen Finanzarchitektur
3.1 Der Internationale Währungsfonds ( IWF )
3.2 Die Weltbankgruppe
3.3 Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht
3.4 International Organization of Securities Commissions ( IOSCO )
3.5 Die G-7 ( Siebenergruppe)

4. Ansatzpunkte für Reformen der internationalen Finanzarchitektur
4.1 Kapitalverkehrskontrollen
4.2 Banken- und Finanzmarktregulierung
4.3 Frühwarnsysteme
4.4 Einbeziehung des privaten Kreditsektors
4.5 Umstrukturierung bzw. Anpassung des IWF

5. Reformhindernisse, Interessenkonflikte und Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Auch muss man bedenken, dass kein Vorhaben schwieriger in seiner Ausführung, unsicherer hinsichtlich seines Erfolges und gefährlicher in seiner Verwirklichung ist, als eine neue Ordnung einzuführen; denn wer Neuerungen einführen will, hat alle zu Feinden, die aus der alten Ordnung Nutzen ziehen und hat nur lasche Verteidiger an all denen, die an der neuen Ordnung Vorteile hätten. Diese Laschheit entsteht...teils aus Misstrauen der Menschen, die erst an die Wahrheit von etwas Neuem glauben, wenn sie damit verlässliche Erfahrungen gemacht haben."1

Als hätte Machiavelli bereits vor 500 Jahren geahnt, wie schwer und schleppend Reformen bezüglich des Finanzsystems anlaufen.

Die Finanz- und Währungskrisen der 1990er aber auch zum Teil noch die der 1980er Jahre, gaben bereits vor einiger Zeit einen Anstoß, die etablierten globalen Finanzsysteme zu überdenken, und Veränderungen anzutreiben, welche sich zukünftig anbahnende Problematiken besser erkennen und diese bereits im Vorfeld geglättet werden können.

Zu allererst muss jedoch der Begriff der Finanzarchitektur näher bestimmt werden. Die globale Finanzarchitektur beschreibt keineswegs ein gemeinsames Instutitionsgefüge sondern ist letztlich die sich stetig entwickelnde Konstruktion aus Verträgen, Abkommen und Regulierungsmechanismen der jeweiligen agierenden Finanzsysteme bzw. Finanzräume.2

Hierzu gehören einige Supranationale Organisationen, sowie ganze Bankenorganisationen, die in dieser Arbeit vorgestellt werden sollen.

Außerdem wird ein möglicher Reformbedarf ermittelt, und welche Maßnahmen denkbar wären und wie diese durchgesetzt werden könnten.

Wie in dem Eingangszitat von Machiavelli bereits festgestellt, sind jedoch nicht alle in gleichem Maße von Reformen und Veränderungen zu begeistern. Deswegen werden im abschließenden Teil dieser Arbeit, einige Akteure beschrieben und deren Beweggründe für ein Niederringen der Reformvorhaben.

2. Reformbedarf? Historische Betrachtung und Problematik der Finanzsysteme

Dass sich etwas ändern muss, aber zumindest darüber nachgedacht werden muss steht angesichts der jüngsten globalen Wirtschafts- und Finanzereignissen außer Frage.

Man hat seit dem 2. Weltkrieg versucht diverse Sicherheits- und Kontrollinstitutionen zu etablieren und zu stärken.

Das größte Problem ist jedoch nicht die Zustimmung zu einer Änderungen zu erhalten, sondern eine Zustimmung zu dem „Was geändert werden soll“.

Begünstigt durch technischen Fortschritt wie dem Internet, verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten und der zunehmenden Mobilität der Akteure erreicht der Finanzmarkt eine atemberaubende Geschwindigkeit und kaum kontrollierbare Ausmaße.

Globalisierungskritikern gilt dies immer wieder zur Begründung allgemeiner Finanzmarktinstabilität und wachsender sozialer Ungerechtigkeit.3

Gänzlich zu leugnen ist dies sicherlich nicht, gerade wenn man Untersuchungsgegenstände, wie die aktuelle Entwicklung in Europa hernimmt.

In einer Währungsunion ist es Großbanken und anderen Investoren möglich geworden, im Sekundentakt und –genauigkeit Wetten und Spekulationen gegen ein Mitgliedsland zu setzen. Mit zunehmender Technologisierung maßt diese Art der Spekulation sehr befremdlich an, da die „Entscheider“ meist keine Menschen mehr sind, sondern Computer Programme in Form von algorithmischen Gleichungen, welche in Sekundenbruchteilen durch Käufe und Verkäufe über das Schicksal von Ländern und deren Bürgern entscheiden können.

Neben anderen strukturellen und ordnungspolitischen Gründen für ein Scheitern einer Volkswirtschaft, kommt der Spekulation eine große Bedeutung zu.

Daher werden die Rufe nach einer Rückbesinnung der Banken auf ihr ursprüngliches Kerngeschäft und ihre eigentliche Daseinsberichtigung laut, und dies nicht nur wie traditionell praktiziert aus den linken Lagern. Die Banken sind grundsätzlich als Dienstleister und Geldverwahrer etabliert worden, um den Menschen eines Landes durch diese Funktion einen zuverlässige Stütze zu geben.

Wenn man jedoch die aktuellen Statistiken der Groß- bzw. Systemrelevanten Banken heranzieht, fällt auf, dass der größte Teil des operativen Geschäfts nicht mehr in der Kreditvergabe bzw. als Einlagenverwalter ist, sondern vielmehr ein Großteil der Bankeninfrastrukturen als Investor und Spekulant ausgerichtet ist.

Das wäre soweit noch zu verkraften, wenn die Banken sodann auch für ihre Fehlspekulationen gerade stehen müssten. Doch letztlich wird der Gewinn der mit solchen Geschäften generiert wird, eingesteckt und Verluste unter dem Deckmantel der „Systemrelevanz“ oder „too big to fail“ sozialisiert und somit letztlich dem Steuerzahler auferlegt.4

Im nächsten Kapitel sollen nun die lenkenden und bereits aufgebauten Kontrollinstitutionen vorgestellt werden und welche Aufgaben diese begleiten.

3. Akteure der internationalen Finanzarchitektur

Es wird in diesem Kapitel jeweils eine kurze historische Einführung und Vorstellung geben und welche Funktionen innerhalb der globalen Finanzarchitektur erfüllt wird.

3.1 Der Internationale Währungsfonds ( IWF )

Der internationale Währungsfonds (IWF) wurde am 22. Juli 1944 aufgrund der Bretton-Woods Konferenz gegründet, und hat seinen Sitz in Washington, D.C.

Der IWF stellt eine Unterorganisation der Vereinten Nationen dar, und hat aktuell 188 Mitgliedsstaaten.

Der IWF stellt mit seinem ursprünglichen und historischen Aufgabenbereich sicherlich den prominentesten Vertreter der globalen Finanzsysteme dar. Typische und formulierte Aufgabenfelder des IWF sind:

- Enge Zusammenarbeit unter den Mitgliedsstaaten zur gegenseitigen Hilfe bei Zahlungsbilanzdefiziten
- Errichtung eines multilateralen Zahlungssystems
- Finanzieller Beistand für Länder mit Zahlungsschwierigkeiten

Diese Aufgaben wurden definiert um die Vorgaben und Vorhaben des „Bretton-Woods-Systems“ zu ermöglichen, um eine stabile globale Finanzordnung zu etablieren, welche die Möglichkeiten der kurzfristigen Intervention ermöglicht.5

Aufgrund historischer Begebenheiten hat sich das Spektrum des IWF jedoch im Laufe der Zeit um einige Punkte ergänzt, die in der aktuellen Diskussion um die Finanzarchitektur eine bedeutende Rolle spielen. Hier wären z.B. vor allem folgende Punkte zu nennen:

- Den internationalen Zahlungsverkehr frei von staatlicher Kontrolle und Intervention zu halten
- Beratung und Stabilisierung von problematischen Volkswirtschaften um eine gesamtwirtschaftliche Stabilität zu erhalten
- Enge Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen.

Der IWF hat in der globalen Finanzarchitektur eine tragende Rolle, da es unter anderem auch als Bindeglied der einzelnen angeschlossenen Volkswirtschaften dient, und mit entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet ist, um weitreichende Interventionen zu ermöglichen.

3.2 Die Weltbankgruppe

Der Grundstein der Weltbankgruppe wurde zusammen mit dem IWF 1944 im Zuge der Bretton-Woods-Konferenz gegründet.

Anfangs existierte lediglich die umgangssprachliche „Weltbank“, welche ausgeschrieben die „Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung ( IBRD )“ ist. Wie der Name hier schon sagt, war die IBRD bewusst vor dem Ende des 2. Weltkrieges gegründet worden, da man sich bewusst war, das für den Wiederaufbau der kriegsgebeutelten Staaten Europas massive finanzielle Unterstützung von Nöten war. Durch den Marshall Plan im Jahre 1948 wurde diese Hauptaufgabe jedoch negiert und man beschränkte sich auf das Kerngeschäft der Förderung schwacher Mitgliedsstaaten bzw. Entwicklungsländer. Dies geschieht durch die gezielte Vergabe von Darlehen und Krediten.

[...]


1 Niccolo Machiavelli um ca. 1513

2 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Dr. Michael Kreile: Deutschland und die Reform der internationalen Finanzarchitektur, 2002, abrufbar unter: http://www.bpb.de/apuz/25447/deutschland-und-die-reform-der-internationalen-finanzarchitektur?p=all

3 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Dr. Michael Kreile: Deutschland und die Reform der internationalen Finanzarchitektur, 2002, abrufbar unter: http://www.bpb.de/apuz/25447/deutschland-und-die-reform-der-internationalen-finanzarchitektur?p=all

4 Vgl. Mengel, Herbert: Mensch Macht Politik, Das fast perfekte Gesellschaftssystem: Wie es sein könnte, wenn alle nur wollten, 1. Auflage, Schottwien 2010, Seite 133f

5 Vgl. Onlineauftritt des IWF: http://www.imf.org/external/index.htm abgerufen am 13.02.2013

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Details

Titel
Die Notwendigkeit einer Reform der internationalen Finanzarchitektur
Untertitel
Möglicher Beitrag zur Bewältigung von Währungskrisen im Euro-Währungsraum?
Hochschule
Hochschule für Politik München
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V298930
ISBN (eBook)
9783656955382
ISBN (Buch)
9783656955399
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Euro, Banken, Volkswirtschaftslehre, Euroraum, Reform, Finanzarchitektur, g-7, IWF
Arbeit zitieren
Patrick Schmitt (Autor), 2013, Die Notwendigkeit einer Reform der internationalen Finanzarchitektur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298930

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