Das Ruhrgebiet stellt als Europas größte Industrieregion ein Paradebeispiel für die Existenz industrieller Ballungsgebiete dar. Auffällig dabei ist, dass industrielle Agglomerationen immer eine dominante Industrie aufweisen. Das Ruhrgebiet repräsentiert die Kohle- und Stahlindustrie, Hollywood die Filmindustrie und Silicon Valley die IT- und High-Tech-Industrie. Dieses Phänomen ist zu stringent, als dass man es als reinen Zufall bezeichnen könnte. In der Tat ist der Wirtschaftsliteratur gelungen, das Phänomen vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen: Zum einen siedeln sich Firmen, die dieselben umweltbedingten Ressourcen benötigen, in Orten an, welche diese zur Verfügung stellen. So wird sowohl der Bootsbauer als auch die Fischerei eine Küstenregion bevorzugen. Zum anderen besagen die sogenannten Marshall Theorien, dass das Ansiedeln eines Unternehmens neben einer Firma mit ähnlichen Industrieeigenschaften zur Reduzierung der Transportkosten von Gütern, Personal und Ideen führt.
Auch wenn diese zwei Theorien in der Literatur wiederholt auftauchen, so wird dennoch Literatur vermisst, welche die Theorien empirisch verifiziert und sich mit der Beantwortung der Frage beschäftigt: Welche relative Bedeutung haben die Marshall Faktoren, sowohl untereinander als auch im Vergleich zu den umweltbedingten Faktoren?
Genau auf diese Frage versucht die vorliegende Arbeit eine Antwort zu finden. Denn erst ein detailliertes Wissen über die in Agglomerationen entstehenden Vorteile liefert Unternehmen eine solide Entscheidungsgrundlage für die Standortwahl, insbesondere unter Berücksichtigung, dass jede Coagglomeration auch Kosten mit sich bringt und daher ein Trade-off zwischen Nutzen und Aufwand darstellt.
Die Begriffsabgrenzungen in Kapitel 2 bilden die Basis für das Verständnis der Arbeit. Der Hauptteil beschäftigt sich zunächst mit einer linearen Regression welche im zweiten Schritt um Instrumentenvariablen erweitert wird, um eine umgekehrte Kausalität auszuschließen. Das Fazit rundet die Arbeit ab, indem es die Erkenntnisse zusammenfasst, kritisch würdigt und einen Ausblick verschafft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
3 Untersuchung der relativen Gewichtungen der für Coagglomerationen ausschlaggebenden Faktoren
3.1 Methodik, Daten und Restriktionen
3.2 Ergebnisse der OLS-Schätzung
3.3 Ausschluss der umgekehrten Kausalität
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die relative Bedeutung verschiedener Einflussfaktoren auf die industrielle Coagglomeration empirisch zu untersuchen und dabei insbesondere die Marshallschen Theorien gegen umweltbedingte Standortvorteile abzuwägen.
- Empirische Verifizierung industrieller Agglomerationstheorien
- Analyse der Bedeutung von Güteraustausch, Arbeitnehmerbecken und technologischen Übertragungseffekten
- Methodische Abgrenzung gegenüber rein umweltbedingten Standortvorteilen
- Anwendung ökonometrischer Schätzverfahren (OLS und Instrumentenvariablen)
- Untersuchung von Robustheit und Ausschluss umgekehrter Kausalität
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Das Ruhrgebiet stellt als Europas größte Industrieregion ein Paradebeispiel für die Existenz industrieller Ballungsgebiete dar. Auffällig dabei ist, dass industrielle Agglomerationen immer eine dominante Industrie aufweisen. Das Ruhrgebiet repräsentiert die Kohle- und Stahlindustrie, Hollywood die Filmindustrie und Silicon Valley die IT- und High-Tech-Industrie. Dieses Phänomen ist zu stringent, als dass man es als reinen Zufall bezeichnen könnte. In der Tat ist der Wirtschaftsliteratur gelungen, das Phänomen vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen: Zum einen siedeln sich Firmen, die dieselben umweltbedingten Ressourcen benötigen, in Orten an, welche diese zur Verfügung stellen. So wird sowohl der Bootsbauer als auch die Fischerei eine Küstenregion bevorzugen. Zum anderen besagen die sogenannten Marshall Theorien, dass das Ansiedeln eines Unternehmens neben einer Firma mit ähnlichen Industrieeigenschaften zur Reduzierung der Transportkosten von Gütern, Personal und Ideen führt.
Auch wenn diese zwei Theorien in der Literatur wiederholt auftauchen, so wird dennoch Literatur vermisst, welche die Theorien empirisch verifiziert und sich mit der Beantwortung der Frage beschäftigt: Welche relative Bedeutung haben die Marshall Faktoren, sowohl untereinander als auch im Vergleich zu den umweltbedingten Faktoren?
Genau auf diese Frage versucht die vorliegende Arbeit eine Antwort zu finden. Denn erst ein detailliertes Wissen über die in Agglomerationen entstehenden Vorteile liefert Unternehmen eine solide Entscheidungsgrundlage für die Standortwahl, insbesondere unter Berücksichtigung, dass jede Coagglomeration auch Kosten mit sich bringt und daher ein Trade-off zwischen Nutzen und Aufwand darstellt.
Die Begriffsabgrenzungen in Kapitel 2 bilden die Basis für das Verständnis der Arbeit. Der Hauptteil beschäftigt sich zunächst mit einer linearen Regression welche im zweiten Schritt um Instrumentenvariablen erweitert wird, um eine umgekehrte Kausalität auszuschließen. Das Fazit rundet die Arbeit ab, indem es die Erkenntnisse zusammenfasst, kritisch würdigt und einen Ausblick verschafft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik industrieller Ballungsgebiete ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der relativen Bedeutung von Marshall-Faktoren gegenüber umweltbedingten Standortvorteilen.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden die zentralen Begriffe wie industrielle Agglomerationen, Coagglomerationen und die Marshallschen Theorien definiert, um eine terminologische Grundlage für die Analyse zu schaffen.
3 Untersuchung der relativen Gewichtungen der für Coagglomerationen ausschlaggebenden Faktoren: In diesem Kapitel erfolgt die empirische Analyse mittels OLS-Schätzungen und Instrumentenvariablen, um die Signifikanz und Stärke der einzelnen Standortfaktoren zu bestimmen.
3.1 Methodik, Daten und Restriktionen: Dieses Kapitel legt den methodischen Rahmen fest, beschreibt die Datenbasis des US Census Bureau und erläutert die Generierung der Variablen für Güteraustausch, Arbeitnehmerbecken und Übertragungseffekte.
3.2 Ergebnisse der OLS-Schätzung: Hier werden die Ergebnisse der univariaten Regressionsanalyse präsentiert und interpretiert, wobei der Einfluss der verschiedenen Marshall-Faktoren und umweltbedingten Vorteile diskutiert wird.
3.3 Ausschluss der umgekehrten Kausalität: Dieses Kapitel adressiert das Endogenitätsproblem durch die Integration von Instrumentenvariablen, um die Robustheit der bisherigen Ergebnisse sicherzustellen.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die ökonometrischen Erkenntnisse zusammen, reflektiert die Limitationen der Studie und gibt einen Ausblick auf potenzielle Forschungsfelder, wie etwa Dienstleistungsunternehmen.
Schlüsselwörter
Industrielle Agglomeration, Coagglomeration, Marshall Theorien, Transportkosten, Arbeitnehmerbecken, technologische Übertragungseffekte, umweltbedingte Faktoren, Standortwahl, OLS-Schätzung, Instrumentenvariablen, Endogenität, Input-Output-Verbindung, ökonometrische Analyse, Fertigungsindustrie, räumliche Konzentration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die Ursachen für industrielle Agglomerationen und analysiert, inwieweit die klassischen Theorien von Alfred Marshall oder rein umweltbedingte Standortfaktoren die räumliche Konzentration von Unternehmen erklären können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Transportkostenersparnissen, dem Nutzen von Arbeitnehmerbecken (Matching) sowie dem Wissens- und Technologietransfer zwischen Firmen.
Welches wissenschaftliche Ziel verfolgt der Autor?
Das primäre Ziel ist es, die relative Gewichtung dieser Faktoren empirisch zu bestimmen, da bisherige Literatur zwar die Theorien nennt, aber eine quantitative Gewichtung und Verifizierung fehlt.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Der Autor nutzt eine ökonometrische Regressionsanalyse (OLS) mit Daten des US Census Bureau und erweitert diese um Instrumentenvariablen, um methodische Verzerrungen wie eine umgekehrte Kausalität zu beheben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Herleitung der Variablen, die Durchführung und Auswertung der OLS-Regressionen sowie die anschließende Robustheitsprüfung unter Verwendung von Instrumentenvariablen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Coagglomeration, Marshall-Theorien, umweltbedingte Standortvorteile und die ökonometrische Messung von Agglomerationsvorteilen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Marshall-Faktoren und umweltbedingten Vorteilen?
Die umweltbedingten Faktoren werden als Kontrollvariable in das Modell integriert, um den Effekt der Marshall-Theorien isoliert und unverzerrt betrachten zu können.
Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der umgekehrten Kausalität?
Durch die Anwendung von Instrumentenvariablen – etwa durch Vergleich mit Daten aus Großbritannien – kann die Skepsis gegenüber der umgekehrten Kausalität weitgehend ausgeräumt und die Existenz der Marshall-Faktoren erneut bestätigt werden.
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- Dario Caliandro (Author), 2014, What Causes Industry Agglomeration? Evidence from Coagglomeration Patterns, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298949