Das Deutschlandbild in der spanischen Presse unter der aktuellen Wirtschaftskrise


Bachelorarbeit, 2013

44 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlegende Termini der Untersuchung
2.1 Image (Bild)
2.2 Stereotyp
2.3 Vorurteile
2.4 Einstellungen

3 Das untersuchte Medium: Online-Zeitungsartikel
3.1 Auswahl der Zeitungsartikel
3.2 Analyse nach DIMEAN (diskurslinguistische Mehr-Ebenen-Analyse)
3.3 Intratextuelle Ebene: Textorientierte Analyse
3.3.1 Makro- und Mesostruktur
3.4 Akteure: Medialität
3.4.1 Medium
3.4.2 Kommunikationsformen
3.5 Transtextuelle Ebene: Intertextualität

4 Untersuchung des Deutschlandbildes in der spanischen Presse
4.1 Darstellung des Deutschlandbildes
4.2 Fazit

5 Schlussbetrachtungen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Layout der diskurslinguistischen Mehr-Ebenen-Analyse (DIMEAN)

Abbildung 2: inverted pyramid

Untersuchte Artikel (nicht im Lieferumfang enthalten)

A1: Por qué Alemania dice ‘no’

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://elpais.com/diario/2011/12/18/negocio/1324217665_850215.html

A2: Rajoy decidió plantar cara a Bruselas tras ver a Merkel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://politica.elpais.com/politica/2012/03/03/actualidad/1330807310_517980.html

A3: Las voces contra el ajuste de Merkel se multiplican en Europa

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://internacional.elpais.com/internacional/2012/04/25/actualidad/1335380741_743221.html

A4: La incontenible ambición de Alemania

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://elpais.com/elpais/2012/04/26/opinion/1335436016_799930.html

A5: Alemania se enroca frente a Europa

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://internacional.elpais.com/internacional/2012/06/16/actualidad/1339875405_364988.html

A6: ‘Lebensraum’

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://elpais.com/elpais/2012/06/15/opinion/1339755401_951552.html

A7: Alemania-España, recelos mutuos

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://politica.elpais.com/politica/2012/09/15/actualidad/1347729392_430105.html

A8: Alemania da un respiro

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://elpais.com/diario/2011/10/01/internacional/1317420007_850215.html

A9: Merkel, frente a todos

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://internacional.elpais.com/internacional/2012/10/17/actualidad/1350500181_947397.html

A10: Señalar a España

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://elpais.com/elpais/2012/10/27/opinion/1351364143_093259.html

A11: El ataque alemán desahucia a España

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://elpais.com/elpais/2012/11/27/opinion/1354017582_675331.html

A12: Una Europa verdaderamente común

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://elpais.com/elpais/2012/12/17/opinion/1355766985_375756.html

1 Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung Deutschlands in der spanischen Presse hinsichtlich der aktuellen Wirtschaftskrise. Als Untersuchungsgegenstand wurde die Online-Ausgabe der größten und international bekanntesten Zeitung El País gewählt. Je mehr sich die kritische Lage auf den Märkten verschlimmerte, desto mehr Proteste gab es gegen die geplanten Maßnahmen. Sowie auf den Straßen als auch in der Presse. Hier schien es interessant genauer zu untersuchen, wie die Lage in der spanischen Presse dargestellt wird und inwiefern verallgemeinerte Einstellungen verbreitet werden. Und wenn dies der Fall sein sollte, stellt sich die Frage, ob diese Einstellungen, Bilder oder Vorurteile auf die gesamte Nation bezogen werden oder ob klar differenziert wird zwischen den politischen Machthabern und der Allgemeinheit.

Kapitel 2 befasst sich mit den Begriffen Bild (Image), Stereotyp, Vorurteile und Einstellungen, um diese vier Termini mit Hilfe derer Merkmale voneinander abzugrenzen. Im darauffolgenden Kapitel untersucht das Medium Zeitungsartikel. Zu Beginn wird beschrieben auf welche Art und unter welchen Kriterien die in dieser Arbeit untersuchten Artikel ausgewählt wurden. Nach einer kurzen Erläuterung der hier verwendeten Analyse DIMEAN wird auf der intratextuellen Ebene die Makro- und Mesostruktur innerhalb der Textanalyse untersucht. Dazu werden die Textsorte und die Textfunktion der Artikel beschrieben. Danach folgt eine engere Sicht auf die Texte, indem neben Isotopie- und Oppositionslinien auch Neologismen, fremdsprachige Ausdrücke und Phraseologismen aufgeführt werden. Der darauffolgende Abschnitt beschäftigt sich mit den in den Texten verwendeten Metaphern, die hier teilweise interpretiert und gedeutet werden und, soweit zutreffend, in die Beschreibung des Deutschlandbilds einfließen. Die Ebene Akteure wird in Kapitel 3.3 untersucht, wo auch ein Überblick auf die Kommunikationsformen und dem verwendeten Medium gegeben wird. Die dritte Ebene der Analyse stellt die Intertextualität in wesentlichen Punkten dar. Kapitel 4 befasst sich mit dem Deutschlandbild in der spanischen Presse. Innerhalb einer groben thematischen Klassifikation, die sich während der Untersuchung der Artikel herausgefiltert hat, werden hier die in der Presse verbreiteten Bilder dargestellt und beschrieben. Abschließend erfolgt die Schlussbetrachtung in Kapitel 5.

2 Grundlegende Termini der Untersuchung

Zeitungsberichte schildern aktuelle Geschehnisse meistens aus einem rein objektiven Blickwinkel und sollten somit frei von jeder persönlichen Beurteilung, Einstellungen oder Vorurteilen sein. Allerdings sind es mittlerweile nicht mehr nur noch die Kommentare, die subjektive Inhalte enthalten. Auch Berichte enthalten häufig Meinungen der Redaktion oder des Autors (mehr oder weniger offensichtlich) und können somit die Einstellung oder das Bild, das die Leser von dem dort Erläuterten bereits haben, noch verstärken sowie eventuell sogar Vorurteile entstehen lassen. Zu den Schlüsselbegriffen Image (Bild), Stereotyp, Vorurteile und Einstellung werden im Folgenden mit Hilfe der Literatur aus der Kommunikationswissenschaft, der Soziologie und der Sozialpsychologie theoretische Überlegungen angestellt. Es werden die Merkmale des jeweiligen Begriffes aufgeführt, anhand derer die Benennungen dann voneinander abgegrenzt werden können.

2.1 Image (Bild)

Die Begriffe Image und Bild werden in der Kommunikationswissenschaft für die Analyse von Fremdwahrnehmungsmustern synonym verwendet. In der Alltagskommunikation wird der Begriff Image unter anderem zur Bezeichnung von „Phänomenen wie das Image einer Person, eines Unternehmens, einer Marke oder eines Produkts“ angewandt (Lüsebrink 2008: 86). Eine sehr kompakte und nach meiner Ansicht zutreffendste Definition gibt Weiss, die im Folgenden zitiert wird:

„Das Image ist verallgemeinert das Erscheinungsbild von einem bestimmten Phänomen, einem Ereignis oder einer Region. […] Das Image ist das Ergebnis einer Vielzahl von partiellen Vorstellungsbildern, die in ihrer Zusammensetzung sehr unterschiedlich sein können. Je stärker die jeweilige Sichtweise von objektiven Faktoren beeinflusst ist, umso einheitlicher, gefestigter und realitätsnäher ist das Image des betreffenden Sachverhalts. Umgekehrt lässt eine Dominanz subjektiver Faktoren eher ein realitätsfernes Image erwarten. […] Sie entstehen zum einen durch den direkten Kontakt mit der Umwelt oder dem jeweiligen Sachverhalt. Die Inhalte können zum anderen auch nur passiv durch die Medien vermittelt werden. Als weitere Komponenten sind schließlich die individuellen Wahrnehmungen, Gefühle, Vorstellungen und Erfahrungen des jeweiligen Images von entscheidender Bedeutung.“ (Weiss 1998: 22)

Die Definition von Weiss zeigt zwar, dass zum Teil auch objektive Aspekte ein Image bilden, jedoch stimmt dieses Bild dann aber nicht zwingend mit der Realität überein. Denn dieses Bild der Wirklichkeit entsteht auch teilweise durch subjektive und soziale Einflüsse (vgl. Löschmann et al. 1998: 22).

Betrachtet man die globalen Investitionen und Interaktionen vieler Unternehmen, so erscheint es doch sinnvoll, dass einige Vorkenntnissen über eine fremde Kultur, soweit sie denn nicht negativ sind, bereits vor dem Zusammentreffen vorhanden sind: Bei Geschäftsverhandlungen, z. B., und die dadurch entstehenden interkulturellen Gespräche oder bei einer Standorterweiterung im Ausland, wo in dem Betrieb Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern und Kulturen aufeinandertreffen. Dazu gibt es zahlreiche Seminare, die unter anderem im Internet zu finden sind, und verschiedenste Bücher, die Titel haben wie „Russland-Knigge“ (Henze 2011), „Business Know-how Frankreich“ (Barmeyer; Wietersheim 2007) oder „Der China-Knigge. Eine Gebrauchsanweisung für das Reich der Mitte“ (Kuan 2012).

Solche Informationen und Ratschläge vermitteln auch gewisse Bilder. Mit diesen Bildern im Kopf, die durch diese Sekundärerfahrung entstanden sind, begibt man sich dann auf die Reise in das jeweilige Land. Im Vergleich zu den Stereotypen sind Images variabel und können sich mit der Zeit verändern. Bassewitz ist der Meinung, dass ein Bild kein fertiges Produkt sei, sondern sich ständig weiterentwickelt und somit neue sowie bereits vorhandene Informationen auf immer neue Art und Weise kombiniert werden (vgl. Bassewitz 1990: 22). Aus welchem Grund genau ein Image entsteht oder entstand, ist nur selten deutlich erkennbar.

2.2 Stereotyp

Zuerst tauchte der Begriff Stereotyp im Jahr 1922 auf. Nach der Veröffentlichung des Buches The public opinion des amerikanischen Journalisten, Schriftstellers und Medienkritikers Walter Lippmann wurde dieser Begriff in die Sozialwissenschaften aufgenommen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Beschreibungen und Definitionen was unter Stereotyp zu verstehen sein könnte, allerdings kann keine dieser Definitionen als allgemeingültig angesehen werden. Dennoch wird im Folgenden versucht den Begriff Stereotyp differenzierter zu betrachten.

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass ihre Stereotype der Wahrheit entsprechen und sie sind sich häufig nicht darüber im Klaren, dass ihre Eindrücke nicht immer vollkommen zutreffend sind (vgl. Maletzke 1996: 110). Häufig wird ein Stereotyp einfach von anderen übernommen, ohne vorher kritisch zu hinterfragen oder abzuwägen inwiefern das Gesagte verallgemeinert werden kann. Manchmal werden auf diese Weise voreilige Schlüsse gezogen und Meinungen über eine Kultur gebildet, sei es positiv oder negativ, ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass es sich womöglich um eine Ausnahmeerscheinung handeln könnte.

Auch in den heutigen, globalisierten Gesellschaften sind Stereotype über andere Kulturen vorhanden, aufgrund mangelhaftem Kultur- und Wissenstransfer. Schon Lippmann ging davon aus, dass wir uns zuerst eine Meinung bilden und dann erst genauer hinsehen, denn von den Unmengen an Informationen denen wir täglich ausgesetzt sind und die fast unentwegt auf uns einwirken, "wählen wir aus, was unsere Kultur bereits für uns definiert hat, und wir neigen dazu, nur das wahrzunehmen, was wir in der Gestalt ausgewählt haben, die unsere Kultur für uns stereotypisiert hat.“ (Lippmann 1964: 63).

Somit ist man in vielen Situationen voreingenommen und wird von dieser bereits bestehenden Meinung beherrscht. Dies hat wiederum Auswirkungen auf unsere gesamte Wahrnehmung der Ereignisse, die wir erleben oder erleben werden. Wenn dann eine Erfahrung gemacht wird, die „wirklich genau dem entspricht, was wir voraussahen“, meistens negative Erwartungen, so werden die bereits bestehenden Stereotypen bestätigt und somit auch für die darauffolgende Zeit verstärkt (vgl. ebd.: 74).

Bestimmte Dinge oder Situationen rufen die teilweise seit der Kindheit bestehenden Stereotype in einem hervor und wirken dann auf die neuen Erfahrungen ein (vgl. ebd.: 68). Andererseits muss jedoch auch bedacht werden, dass ein gewisses Maß an Stereotype vor unüberlegten, allzu naiven Entscheidungen in der Fremde, z. B., schützen kann. Heringer geht davon aus, dass Stereotype nach bestimmten Verfahren gebildet werden, die Entstehung solcher Denkmuster unvermeidlich ist und nicht etwa auf „Unbedachtheit oder Dummheit“ beruht (2004: 200).

Diese Verfahren sind:

Kategorisierung

Selektion: Einmal ist keinmal.

Generalisierung: Zweimal ist immer.

Stereotypisierung: Wiederholung, Petrifizierung

(ebd.)

Kategorisierung sei notwendig, denn die Unmengen an Informationen, die wir tagtäglich

verarbeiten müssen, können nur so erfasst werden und bieten zugleich eine Orientierungsfunktion. Wie an den vorangegangenen Definitionen zu erkennen ist, bestehen einige Widersprüche bezüglich des Begriffs Stereotyp. Häufig liegen diese Unterschiede im Wahrheitsgehalt und darin, ob Stereotypisierung positiv oder negativ anzusehen ist. Im Folgenden wird eine für diese Arbeit relevante Definition festgelegt:

Stereotype sind relativ konstante, verallgemeinerte und vereinfachte Vorstellungen über eine Sache, Menschen und Menschengruppen. Sie enthalten einen relativen Wahrheitsgehalt, da sie durch die Generalisierung von Merkmalen entstehen und können ebenso neutral wie positiv oder negativ sein.

2.3 Vorurteile

Vorurteile sind in der Welt weit verbreitet und werden in den meisten Ländern, vor allem in Staaten mit liberal-demokratischen Gesellschaftsstrukturen, stark kritisiert (vgl. Hogg et al. 1995: 279). Sie entstehen, wenn allgemeine Eindrücke mit negativen Emotionen besetzt werden. Sie implizieren „ideologisch besetzte Verfälschungen von Wirklichkeitsphänomenen (wie der Wahrnehmung anderer Gesellschaften und Kulturen)“ (Lüsebrink 2008: 91).

Anders als Stereotype, die durch Wahrnehmungen sowie Erfahrungen entstehen und durch negative Meinungen und Gedanken hervorgerufen werden, resultieren Vorurteile durch eine wenig reflektierte Meinung und beinhalten negative Gefühle gegenüber bestimmten Menschen, einer Gruppe oder einer Sache (vgl. Forester et al. 2013; Blaine 2007: 62). Im Wesentlichen machen folgende charakteristische Eigenschaften ein Vorurteil aus: voreilig, falsch und generalisierend. Ein voreiliges Urteil entsteht, wenn es nicht oder nur unzulänglich geprüft wurde oder durch „Erfahrung gestützt wird“ (Barres 1978: 20). Ein generalisierendes Urteil bezieht sich nicht auf den Einzelfall, sondern immer „auf alle oder zumindest die meisten Urteilsgegenstände (seien dies Menschen, Dinge oder Ereignisse)“ (ebd.).

Die oben genannten Erklärungen haben gemeinsam, dass sie davon ausgehen, Vorurteile seien immer, oder zumindest hauptsächlich, negativ bzw. würden sich nur auf negative Eigenschaften bezüglich anderer beziehen. Aronson et al. dagegen sind der Meinung, dass Vorurteile sowohl positiv als auch negativ sein können:

“The term prejudice refers to the general attitude structure and its affective component. Technically, there are positive and negative prejudices. […] While prejudices can involve either positive or negative affect, social psychologists (and people in general) reserve the word prejudice for use only when it refers to negative attitudes about others.”

(Aronson et al (1997): 478)

Diese Ansicht teilt auch Blaine größtenteils, jedoch ist er der Meinung, dass positive Vorurteile im Vergleich zu den negativen sehr viel seltener vorkommen. Sie seien ein Gefühl von Respekt und Bewunderung, welches viele Fans gegenüber berühmten Persönlichkeiten empfinden (Blaine 2007: 62). Wissenschaftler der Psychologie und Soziologie haben herausgefunden, dass Vorurteile nur allzu leicht von anderen übernommen werden. Kleinkinder sind besonders aufnahmefähig und lernen durch Nachahmung. Folglich haben sie fast immer dieselben Vorurteile wie ihre Eltern (vgl. ebd.: 483).

Ebenso durch die Massenmedien werden manchmal Vorurteile vermittelt. Denn durch diese Sekundärerfahrung kann sich gegebenenfalls, insofern hauptsächlich negative Informationen übermittelt werden, nach und nach ein negatives emotionales Reaktionsmuster entwickeln (vgl. Barres 1978: 97). Die oben genannten Erklärungen werden in der Definition von Barres, die in diesem Sinne auch für diese Arbeit gelten soll, sehr gut zusammengefasst:

„[…], so kann zusammenfassend Vorurteil bestimmt werden als eine allgemeine und umfassende Bezeichnung für negativ oder positiv getönte emotionale Einstellungen oder Mitmenschen, die sich weniger auf Erfahrungen (Informationen) als auf Generalisierungen stützen und relativ überdauernder Natur sind.“

(Barres 1978: 23)

Auf die genaue Entstehung, auf die Gründe sowie die Folgen bzw. Gegenmaßnahmen um Vorurteilen vorzubeugen und entgegenzuwirken kann nicht weiter eingegangen werden , da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

2.4 Einstellungen

Als Einstellungen werden „die wertenden Stellungnahmen zu Personen, Gruppen, Sachverhalten, Objekten“ bezeichnet (Maletzke 1996: 116). Sie entstehen bei Menschen im Laufe ihres Lebens bzw. durch die Erfahrungen, die sie über einen gewissen Zeitraum sammeln. Die so entstandenen Einstellungen gegenüber bestimmter Objekte, Personen oder Meinungsgegenständen beeinflussen diese Einstellungsobjekte. Sie werden dann mit genau jener Einstellung wahrgenommen, beurteilt und es wird dementsprechend gefühlsmäßig (positiv oder negativ) darauf reagiert sowie „unter dem Aspekt ihrer Verhaltens- und Handlungsmotivation“ nur beschränkt kommuniziert und gehandelt (vgl. Barres 1979: 27). Gollwitzer und Schmitt unterteilen diese Verhaltensreaktionen in drei Aspekte:

(1) Reaktionsdispositionen: Wenn jemand eine negative Einstellung gegenüber einem Objekt hat, so wird er dieses höchstwahrscheinlich meiden.
(2) Bestimmte Klasse von Objekten: Man kann gegenüber so ziem- lich alles und jeden eine Einstellung haben: von abstrakten oder konkreten Objekten über belebte oder leblose Dinge bis hin zu anderen Personen, Gruppen von Personen oder sich selbst.
(3) Bestimmte Formen des Verhaltens: Dadurch, dass man eine Einstellung gegenüber einem Objekt hat, „reagiert man auf einen Stimulus, indem man seine Wertschätzung (positiv oder negativ) ihm gegenüber zum Ausdruck bringt.“

(Gollwitzer; Schmitt (2009): 150)

In der Regel sind Einstellungen sehr stabil und obwohl es unter bestimmten Bedingungen Einstellungsänderungen gibt, sind sie häufig jedoch „nicht so dramatisch und so schnell, wie man annehmen könnte“ (Maletzke 1996: 118). Diese Meinung wird von Aronson et al. noch etwas erweitert und zwar durch die Feststellung, dass eine Einstellung umso resistenter gegenüber Änderungen wird, je stärker sie ausgeprägt ist (1997: 232). Dies betrifft vor allem die Verhaltenskomponente (ebd.: 233), die im Folgenden noch erläutert wird. Jedoch können im Laufe der Zeit Einstellungsänderungen durch persönliche

Erfahrungen, Ereignisse, Informationen und Kontakte mit den Einstellungsobjekten stattfinden (vgl. Barres 1978: 28).

Einstellungen können sehr unterschiedlich sein und durch sie entwickelt ein Individuum bestimmte Meinungen und Ansichten. Diese helfen ihm wiederum die Ereignisse, die unentwegt auf ihn einwirken, einzuordnen und miteinander in Verbindung zu bringen (vgl. Mann 1997: 172). Wenn eine Person zum Beispiel weiß, welche Einstellung eine andere Person bezüglich eines gewissen Themas hat, so kann sie ungefähr das Verhalten bzw. die Reaktion von der anderen Person abschätzen. In der Soziallinguistik wird häufig zwischen drei Einstellungskomponenten unterschieden, die im Folgenden erläutert werden:

(Rosenberg; Hovland 1960 in Gollwitzer; Schmitt 2009: 151)

Die kognitive Komponente beinhaltet die „Wahrnehmungen, Ansichten und Stereotypen des Individuums, d. h. seinen Vorstellungen von dem Objekt“ und wird häufig durch den Begriff Meinung ersetzt (Mann 1997: 165). Bei der affektiven Einstellungskomponente, die äußerst widerstandsfähig gegenüber Änderungen ist, geht es um die Gefühle, die einer bestimmten Sache entgegengebracht werden. So kann es sein, dass zwei Personen eine positive Einstellung gegenüber einer Sache haben, die Gefühle sind jedoch verschieden. Der eine empfindet zum Beispiel Respekt aufgrund einer bestimmten Leistung, die jemand erbracht hat, währenddessen der andere für diese Person regelrecht schwärmt und sie quasi anhimmelt. Die Verhaltenskomponente beinhaltet die bestimmte Art und Weise wie eine Person hinsichtlich einer Sache agiert oder reagiert (vgl. ebd.: 166). Hinsichtlich des Themas dieser Arbeit, welches auch wirtschaftliche und politische Aspekte beinhaltet, erscheint es doch interessant, dass die Einstellungen der Menschen gegenüber politischen Kandidaten häufig mehr affektiv als kognitiv sind. Meistens wird nach Gefühl gewählt, anstatt verstandesmäßig logische Wahlentscheidungen zu treffen. Wenn ein Politiker zum Beispiel gewählt wird, weil er einem sympathisch erscheint und nicht wegen seiner politischen Versprechen (vgl. Aronson et al. 1997: 230).

Diese drei Einstellungskomponenten grenzen jedenfalls die in der Alltagssprache oft synonym verwendeten Begriffe Stereotyp und Vorurteil deutlich voneinander ab: Im Gegensatz zum Stereotyp, das die kognitive Einstellungskomponente beinhaltet, enthält das Vorurteil die affektive. Allport definierte den Einstellungsbegriff als „einen seelisch-geistigen und neurologischen Zustand der Bereitschaft, der aus Erfahrung erwachsen ist und einen steuernden oder dynamischen Einfluss auf die individuellen Reaktionen gegenüber allen Objekten und Situationen ausübt, mit denen er im Zusammenhang steht“ (Allport in Barres 1978: 27).

Beim Vergleichen der bisher genannten Definitionen wird deutlich, dass die meisten sich in gewisser Weise ähneln, bzw. zum Teil ähnliche Ansichten vertreten. Manche wiederum ergänzen Aspekte, die in einer anderen Darlegung nicht enthalten sind. Eine sehr konkrete Definition, die kaum noch zu vervollständigen ist, vermittelt Barres, der hier als abschließende Zusammenfassung der bisher genannten Ausführungen zitiert wird:

„Unter dem Begriff Einstellung wird in den Sozialwissenschaften üblicherweise die Erscheinung verstanden, dass Menschen in bezug zu einem bestimmten Gegenstand oder einer bestimmten Gegenstandsklasse […], einer Person oder einer Kategorie von Personen […], oder zu einem bestimmten Meinungsgegenstand überhaupt […] im Laufe ihrer Lern- und Erfahrungsprozesse bestimmte Reaktionsbereitschaften entwickelt haben, d. h. eine Geneigtheit zeigen, auf diese Gegenstände, Personen oder Personengruppen oder Sachverhalte in Bestimmter Weise sowohl affektiv-emotional, wie auch in ihrem Verhalten (verbal, indem bspw. bestimmte Ansichten und Meinungen über den Gegenstand geäußert werden; handlungsmäßig, indem bspw. bspw. eine Person gemieden wird) über eine relativ lange Zeit relativ ähnlich zu reagieren.“ (Barres 1978: 25)

3 Das untersuchte Medium: Online-Zeitungsartikel

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Analyse der Textsorte Online-Zeitungsartikel. Zuerst wird in Abschnitt 3.1 die Auswahl der Artikel beschrieben und danach in 3.2 die hier angewandte Analysemethode DIMEAN vorgestellt. In Abschnitt 3.3 wird dann die intratextuelle Ebene mittels der textorientierten Analyse näher betrachtet, wobei hier der Fokus auf der Makro- und Mesostruktur der ausgewählten Texte liegt. Besonders ausführlich wurden hier die Bereiche Textsorte und Metaphern/-felder behandelt. Da zwei unterschiedliche Textsorten untersucht wurden, erschien es sinnvoll, die generellen Unterschiede zusammenzufassen. Der Bereich Metaphern/-felder unterstützt in diesem Fall die Herausarbeitung des Deutschlandbildes und ist einer der wichtigsten Analysebereiche in dieser Arbeit. Von der zweiten Analyse-Ebene, die die Akteure betrachtet, wird die Kategorie Medialität, mit den ausgewählten Bereichen Medium und Kommunikationsformen, näher untersucht. Die letzte Ebene der Analyse, die transtextuelle Ebene, wird in Abschnitt 3.5 nur kurz behandelt und beschränkt sich auf den Bereich der Intertextualität.

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Das Deutschlandbild in der spanischen Presse unter der aktuellen Wirtschaftskrise
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Sprach- & Informationswissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
44
Katalognummer
V298996
ISBN (eBook)
9783656955320
ISBN (Buch)
9783656955337
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Untersuchte Artikel nicht im Lieferumfang enthalten
Schlagworte
deutschlandbild, presse, wirtschaftskrise
Arbeit zitieren
Julia Ulm (Autor), 2013, Das Deutschlandbild in der spanischen Presse unter der aktuellen Wirtschaftskrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298996

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Deutschlandbild in der spanischen Presse unter der aktuellen Wirtschaftskrise



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden