Analyse der Erzähltextsituation in "Zorgamazoo" von Robert Paul Weston


Zwischenprüfungsarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bibliographische Angaben

2. Kurze Inhaltsangabe

3. Ontologische Bestimmung

4. Darstellung des Erzählers

5. Die Erzählebenen

6. Die Zeitlogische Bestimmung

7. Darstellung des Adressaten

8. Ausblick

9. Literaturverzeichnis

1. Bibliographische Angaben

Zorgamazoo von Robert Paul Weston erschienen in der englischsprachigen Originalausgabe 2008 im Verlag Razorbill (Penguin Group), vermittelt durch Westwood Creative Artists Limited.

Die deutsche Ausgabe wurde von Uwe-Michael Gutzschhahn nachgedichtet und 2012 im Verlagshaus Jacoby & Stuart veröffentlicht. Zorgamazoo ist das erste Werk von Robert Paul Weston, das in Uwe-Michael Gutzschhahn einen zweimalig mit dem Deutschen Jugendliterarturpreis ausgezeichneten Übersetzer fand. Das Werk wurde von Victor Rivas, einem freischaffenden Illustrator und Comic-Zeichner illustriert.

2. Kurze Inhaltsangabe

Robert Paul Westen erzählt in seinem Versroman „Zorgamazoo“ zum einen die Geschichte des kleinen Mädchens Katrina Katrell, das von der entfernten Verwandten Mrs. Krabone großgezogen wurde und diesem Zuhause flüchtet; und zum anderen das Abenteuer von Mortimer alias Morty Yorgel, einem Zorgel, eine bärenähnlichen Gestallt aus dem Untergrund, der sich auf den Weg machen solle die verschwunden Einwohner aus Zorgamazoo zu finden. Diese beiden Hauptfiguren treffen bald aufeinander und entdecken, dass hinter dem Verschwinden eine intergalaktische Verschwörung steckt, in die nicht nur Zorgel, sondern auch so mach andere fabelhafte Gestellen verstrickt sind.

3. Ontologische Bestimmung

Der aus der Philosophie stammende Begriff Ontologie bezeichnet die Lehre vom Sein. Übertragen auf die Narratologie stellt es die Position des Erzählers zur erzählten Welt da. Hierbei gibt es nur zwei Möglichkeiten, die ontologische Vereinbarkeit, wenn der Erzähler Teil der fiktiven Welt, oder die ontologische Unvereinbarkeit, hierbei sind die beiden Instanzen in unterschiedlichen fiktiven Welten angesiedelt.

Genette unterscheidet die heterodiegetische Erzählung, bei der Erzähler und Protagonisten verschiedene Personen sind, und die homodigetische Erzählung, bei der der Ich-Erzähler eine „Figur“ der Handlung ist (Fludernik, 2006, S. 42). „Den Extremfall, in dem ein homodiegetischer Erzähler seine eigene Geschichte erzählt, nennt er autodiegetische Erzählung“ (Strasen, 2004, S. 120)

In Zorgamazoo teilt uns die Erzählfigur Morty erst ganz am Ende des Buches mit, dass er der eigentliche Verfasser ist, dies zeigt wie wichtig es zur Analyse ist, das gesamte Werk zu kennen und nicht nur einen Auszug zu betrachten. Ohne die Erklärung, dass Morty „die wahre Geschichte von Zorgamazoo [schrieb]“ (Weston, 2012, S. 282) könnte auf eine andere Erzähler-Situation geschlossen werden. Somit wäre der Erzähler autodiegetisch einzuordnen, dennoch tritt ein Problem auf: Silke Hahn und Jan Christoph Meister beschreiben es als „Das Ich als Er“. Morty ist eindeutig eine der Hauptfiguren in der Erzählung und ist weiterhin der Erzähler, dennoch spricht er von sich selbst in der Er-Form. Erst in der abschließenden Rahmung[1] verweist die verwendete Ich-Form unmissverständlich auf Morty. Er spricht von seiner und Katrinas Geschichte (Weston, 2012, S. 284).Dies konnte erst geschehen, nach dem der Leser die Erkenntnis über die wahre Identität des Erzählers hatte. Es ließe sich Morty unterstellen, er wolle einen heterodiegetischen Erzähler imitieren, um so für das Erzählte einen höheren Wahrheitsanspruch gelten zu machen. Dies wird unterstützt durch das Medium indem der Text zu finden sei, die Rumor Review, einer Zeitung, die im Allgemeinen für objektive Berichterstattung stehen.

Lahn und Meister verweisen auf ein Beispiel aus der jüngeren Literatur aus dem Jahr 2001 von McEwan Abbitte, in dem ebenso eine der Hauptfiguren gegen Ende des Buches enthüllt, dass sie die Schriftstellerin des Romans sei. Auch hier muss der Leser nun eine Neudeutung des gesamten Romas vornehmen. McEwan thematisiere so die Kraft der Fiktion und die Fiktion der Wirklichkeit (Lahn & Meister, 2008, S. 75). Hierzu schließt sich analog das Zitat von Bakers aus der Einleitung an.

Ein weiteres Phänomen, das in der Erzählung zum Tragen kommt, behandelt Fludernik in ihrer Einführung über die Erzähltheorie, den Du-Text. Dieses sei allerdings ehr in der englischsprachigen Literatur beheimatet. In diesen wird der Leser gezielt und direkt angesprochen. Als Beispiel führt sie den Roman Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino an:

Such dir die bequemste Stellung: sitzend, langgestreckt, zusammengekauert oder liegend. Auf dem Rücken, auf der Seite, auf dem Bauch. Im Sessel, auf dem Sofa, auf dem Schaukelstuhl, auf dem Liegestuhl, auf dem Puff. In der Hängematte, wenn du eine hast. Natürlich auch auf dem Bett oder im Bett. Du kannst auch Kopfstand machen, in Yogahaltung. Dann selbstverständlich mit umgedrehtem Buch. (Weston, 2012, S. 7)

Es ließe sich diese Ansprache parallel zu der Begrüßung in Zorgamazoo stellen, in der der Leser ebenso zu einer direkten Handlung aufgefordert wird:

Hier ist eine Gesichte,

ein unglaubliches Stück.

Bevor es losgeht, lehn dich zurück.

Hol dir ´ne Decke,

ein kuschliges Kissen.

Mach´s dir bequem.

Den Kakao nicht vergessen? (Weston, 2012, S. 7)

Das Vorkommen verschiedener Erzählpositionen in diesem Werk beschreiben Lahn und Meister als „[einen] schwierigen Sonderfall […], [der] nach den narratologischen Regeln […] im Grunde nicht möglich [sei]“ (Lahn & Meister, 2008, S. 74). Dennoch lässt sich dieses terminologische Wirrnis auflösen, denn Genette kam zu der Annahme, dass der Erzähler, so er pronominal zutage tritt, immer ein Ich-Erzähler sei, obgleich es sich um einen Er- oder Du- Text handle. (Fludernik, 2006, S. 43). Er ging noch weiter und kam „zu der Annahme, dass innerhalb eines umfangreichen Textes die Erzählposition durchaus alternieren kann“ (Lahn & Meister, 2008, S. 75)

4. Darstellung des Erzählers

In allen Erzähltexten tritt als eine vermittelnde Instanz, der Erzähler auf: Er präsentiert die erzählte Welt (Fludernik, 2006). Dieser kann sich dem Leser auf ganz unterschiedliche Weiße präsentieren und ihm mehr oder weniger Einsicht in die Handlung geben.

Man unterscheidet die Darstellung des Erzählers in die implizite und die explizite, wobei erstere für jeden Text obligatorisch ist, da sie durch das Erzählen an sich entsteht. Der Erzähler entscheidet was (und was nicht) und wie (Wahl der Verben, Adjektive) erzählt wird. „[E]xplizite Darstellungen bezeichnen […] hingegen die verschiedenen Formen von selbstreferentiellen Bemerkungen des Erzählers, also Aussagen die sich auf ihn selbst beziehen“ (Lahn & Meister, 2008, S. 63).Je mehr Dinge der Leser über den Erzähler weiß, etwa biographische Angaben, Geschlecht, Beruf, etc., desto besser lässt sich dieser dann vorstellen. In diesem Fall spricht man von einem overt narrator. Dem gegenüber als anderes extrem steht der verborgene Erzähler, covert narrator, dieser hält sich sehr stark zurück und die Vermittlungsfunktion ist kaum mehr vorhanden (Lahn & Meister, 2008, S. 63)

Wichtig ist, wie schon im vorigen Kapitel geschildert, dass der Leser erst in der retroperspektive äußerlichen Merkmale der Figur Morty dem Erzähler zuordnen kann Es finden sich somit ein Vielzahl von Informationen, über seine äußeres Erscheinungsbild, seinen Beruf, Geschlecht, etc.

Es trug Hörner am Kopf, verdreht und gezwirbelt;

Die schossen aus dem Schädel wie aufgewirbelt.

Die Schultern schienen gedrungen und kräftig,

das Schnurrhaar-Dickicht fest bartartig heftig. (Weston, 2012, S. 15)

Gleichermaßen verhält es sich mit expliziten Charaktereigenschaften, die dann auf den Erzähler als solchen übertragen werden müssen.

Er war aus anderem Holze geschnitzt,

ihm schien zu viel Feigheit ins Blut gespritzt

Der Vater dafür war ein mutiger Mann (Weston, 2012, S. 36)

Ergänzend kommen diese zu den bis dato gewonnen impliziten Eigenschaften, die sich ein jeder Leser bildet, hinzu. Grundlage dafür stellen die gewählten Worte des Erzählers, die sich differenziert betrachten lassen, je nach Erzählsituation, also dem Wechsel von Du-Texten zu Er-Erzählungen.

Die Einordnung des Erzählers zwischen den Polen overt narrator oder covert narrator lässt sich ebenso nur rückblickend vornehmen. Bis zur Enthüllung der wahren Identität des Erzählers wäre er in Richtung des verborgenen Erzählers einzuordnen, seine Kommentare, Einwürfe und direkte Aufforderungen an den Leser ließen ihn dennoch nicht am Höchstpunkt dieser Skale stehen. In der Neuinterpretation des Werkes durch den Besitz aller Informationen stellt sich der Erzähler klar als offener, overt narrator da.

5. Die Erzählebenen

Innerhalb einer Erzählung lassen sich oft eingelassene, Binnenerzählungen, oder rahmende Erzählstrenge, Rahmenerzählstrenge, finden (Lahn & Meister, 2008).

Rahmenerzählungen umfassen die eigentliche Erzählung, können sie aber auch zusätzlich intermittierend auftreten (Fludernik, 2006, S. 39).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Analyse der Erzähltextsituation in "Zorgamazoo" von Robert Paul Weston
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg  (Deutsch)
Veranstaltung
Zu schwer für den Unterricht Kinder- und Jugendliteratur für Jugendliteraturpreis 2013
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V299073
ISBN (eBook)
9783656954682
ISBN (Buch)
9783656954699
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, erzähltextsituation, zorgamazoo, robert, paul, weston
Arbeit zitieren
Maximilian Mergl (Autor), 2012, Analyse der Erzähltextsituation in "Zorgamazoo" von Robert Paul Weston, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299073

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