Europäische Identität und europäisches Kino


Hausarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung und Aufbau der Hausarbeit

2. Europäische Identitätstheorie
2.1 Eine theoretische Annäherung
2.2. Schwierigkeiten mit der Diskussion um eine europäische Identität

3. Europäisches Kino als Kulturbereich
3.1. Europäischer Film als Kunst
3.2. Funktion und Charakteristika der europäischen Filme

4. Zusammenhang zwischen europäischem Film und europäischer Identität

5. Initiative zur Förderung der europäischen Filme
5.1 MEDIA Programm
5.2. LUX-Filmpreis

6. Schlussfolgerung und Fazit

7. Literaturquellen

1. Einleitung

Die Europäische Union (EU) befindet sich wegen ihrer Heterogenität in Bezug auf den Beitritt der damaligen Ost-Länder und der Finanzkrise, die besonders die südeuropäischen Länder betrifft, in einer politischen, sozialen und kulturellen Umbruchsituation. Aufgrund dieser Situation beruft sich der Philosoph Habermas auf eine europäische Identität, die zu gegenseitiger Solidarität verpflichtet ist und die Stabilität herstellen soll (vgl. Habermas 2011:39-40) Es wird festgestellt, dass diese vielfaltige Heterogenität der Länder Europas auf allen Ebenen integriert werden soll, ohne dass demokratische Standards verloren gehen sollen. Ziel der Europäische Union ist nicht nur die Erweiterung, sondern auch die Vertiefung der Integration. Die europäische Union wächst wirtschaftlich immer mehr zusammen, doch jenseits der Ökonomie scheint das Konstrukt Europa bei seinen Bürgern wenig Akzeptanz zu finden (vgl. Standard Eurobarometer 77/2012). Der Prozess der europäischen Integration steht noch am Anfang. Aus diesem Grund muss die EU, um eine funktionierende Demokratie zu werden, die Entfaltung der europäischen Identität vorantreiben sowie eine Kulturpolitik entwickeln ( vgl. Bach 2003: 156f).

Heute ist Europa im Alltagsleben der Menschen immer präsent. Die aktuelle Finanzkrise und der Terrorismus stellen intensiv Fragen nach der Solidarität, dem Mitgefühl, der Zugehörigkeit und dem Gemeinschaftsgefühl. Aus dieser Perspektive soll die europäische Kultur als Mittlerin für die europäische Identität funktionieren, die als Kulturpolitik der EU bezeichnet wird (Bach 2008:10/ Schildberg 2010:14). Film wird als Kultur und Kunstform angesehen. Ist es möglich eine europäische Identität durch Kultur? Es ist umstritten, ob ein typisch europäisches Kino existiert. Gleichwohl betreibt die EU mit MEDIA-Programm und LUX-Filmpreis zur Unterstützung der europäischen Filmindustrie, um der amerikanischen Marktdominanz zu begegnen und das Gemeingefühl und die Identität in der Europäischen Union zu verstärken.

1.1. Zielsetzung und Aufbau der Hausarbeit

Diese Hausarbeit zielt darauf ab, mittels Literaturstudie, vor dem Hintergrund der europäischen Identität, das aktuelle Thema des Einflusses des Films auf die europäische Identität näher zu untersuchen und die damit verbundenen Diskussionspunkte aufzuzeigen.

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der medialen Vermittlung der europäischen Identität durch Filme auseinander und beschäftigt sich besonders mit dem Zusammenhang zwischen europäischen Filmen und einer europäischen Identität. Sie geht der Frage nach, welchen Beitrag das Medium Film im Prozess der europäischen Integration und der Herausbildung einer europäischen Identität leisten kann. In diesem Kontext werden die jährlich verliehenen European Film Awards als Instrument zur Filmförderung auf europäischer Ebene und hinsichtlich ihres möglichen Beitrags für die Herausbildung einer solchen postmodernen europäischen Identität untersucht.

Nach den einführenden Gedanken in der Einleitung erläutert der erste Teil über die europäische Identität eine theoretische Annäherung, theoretische Aspekte und Abgrenzung zur nationalen Identität sowie die Schwierigkeiten einer europäischen Identität. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem europäischen Film im Spannungsfeld zwischen Kunst und Ware und beschreibt die aktuelle Situation, die Probleme und die neuen Herausforderungen in diesem Bereich. In diesem Teil wird der Bereich Film nicht auf nationaler Ebene, sondern auf europäischer Ebene betrachtet. Im dritten Kapitel wird der Zusammenhang zwischen dem europäischen Film und der europäischen Identität hergestellt. Im vierten Teil werden MEDIA Programm und LUX-Filmpreis als Initiative der Europäischen Union zur Förderung der europäischen Filmproduktion vorgestellt. Schließlich soll auf der Basis der vorliegenden Kapitel im Rahmen des Seminars „Europäische Öffentlichkeit & kollektive Identität“ am Institut der Kommunikationswissenschaft erläutert werden, wie der europäische Film zur europäischen Kultur und zur europäischen Integration beitragen kann.

2. Europäische Identitätstheorie

2.1 Eine theoretische Annäherung

Seit den 1990en Jahren hat sich die historische und soziale Forschung zunehmend auf transnationale Identitätshemen konzentriert, parallel zu der europäischen Öffentlichkeitsfrage. Nach Anderson und Gellner ist schon bekannt, dass die Vorstellungen der europäischen Gemeinschaften in direktem Zusammenhang mit der Bildung von modernen Gesellschaften stehen (vgl. Anderson 2005/Gellner 1991). Trotzdem ist die Fragestellung nach einer europäischen Identität, gebildet auf europäischer Ebene, umstritten und unstabil.

Die europäische Identität ist ein problematisches, kontrovers diskutiertes politisches Konzept, das "sich auf die Zugehörigkeit zu einem politischen Gemeinwesen bezieht, welches gerade auf der gleichen Anerkennung der unterschiedlichen religiösen, ethnischen und kulturellen Identitäten seiner Bürger und Bürgerinnen beruht." (Meyer/Eisenberg 2009:8).

Aus der postmodernen konstruktivistischen Perspektive heraus wird europäische Identität als eine soziale Konstruktion bezeichnet, die sich auf zwei Dimensionen bezieht: die Intensität der Identität zur EU, die als Zugehörigkeit und Zugehörigkeitsgefühl verstanden wird und die soziale Repräsentation der EU (vgl. Lichtenstein 2014 ). Die europäische Identität enthält auch das Konzept der Gruppenidentität, das zwischen der Ebene der kollektiven Identität der EU und der Ebene der sozialen Identitäten der Akteure als Europäer, die einen engen Bezug zueinander haben, unterscheidet. Zu berücksichtigen ist hierbei die Koexistenz der verschiedenen sozialen Identitäten der EU-Akteure und der kollektiven Identität der EU (vgl. Seidendorf 2007:18). Bei der Konstruktion der europäischen Identität spielen die Medien eine wichtige doppelte Rolle dazu: einerseits dienen sie der Konstruktion kollektiver Identität und anderseits beeinflussen sie die soziale Identität der Individuen als Europäer.

Jedoch ist die Stabilität und das Konzept der europäischen Identität von Kritikern aus der Sicht der konstruktivistischen Perspektive fragwürdig (vgl. Scharpf 1999). Sie weisen darauf hin, dass die Entstehung einer EU Identität schwierig sei, wegen der Vielfältigkeit an Sprachen und Kulturen in der EU sowie wegen den mangelhaften Voraussetzungen der Homogenität des europäischen Volkes, die die Legitimität der Regierungen sich versichert lässt (vgl. Grimm 1995: 295). Nach dieser Ansicht bleibt die Demokratie lebensfähig, effektiv und funktionsfähig, "wenn das Volk als ihr Herrschaftsträger innere Konstanz aufweist, der Wille zur politischen Einheit es zusammenhält und dieser Wille hinreichend Homogenitätshintergrund findet" (Isensee 1993: 123).

Die europäische Identität hat einen engeren Zusammenhang mit der Integration abgelöst (vgl. Kraus 2008:37). Aus der Perspektive dieser Theorie, deren Basis die Anerkennung der Pluralität der sozialen Identität in der EU ist, befinden sich die sozialen Identitäten der nationalen und sozialen Gruppen mit der kollektiver Identität der EU, mittels Frames, in einem Zusammenhang. Kollektive europäische Identität gilt als Ergebnis oder Produkt sozialer Verhältnisse und die Akteure erscheinen ihrer Ansicht nach in der Öffentlichkeit durch die Vermittlung von Medienforen (vgl. Habermas 1994:13f).

Europäische Identität besteht aus einer Palette von Definitionen und entwickelt sich auf verschiedenen Ebenen. Europa wird nicht nur als eine Währungs- und wirtschaftliche Union verstanden, sondern vielmehr verweist sie auf eine kulturell begründete kollektive Identität, deren Konstruktion einerseits auf der Idee der Transnationalität und andererseits auf die Erinnerung an die Schuld der Vergangenheit begründet wird. (vgl. Giesen 2002:67f). Europäer sein bedeutet nicht die Zugehörigkeit zu einer geographischen Einheit mit natürlichen Grenzen, sondern Mitglied einer kulturellen Einheit und Gesamtheit zu sein, die sich in einem öffentlichen Diskurs weiterentwickelt. Die Formen der europäischen Identität, die aus der Geschichte bekannt sind, neigen zum Bruch mit der Vergangenheit und sie erinnern mehr an Traumata und Schuld (ebd.). Die wichtigsten Eigenschaften der europäischen Identität gegenüber der nationalen Identität sind : a) sie entsteht gegen Weltkriege und zur Vermeidung von weiteren Kriegen im EU Raum, b) sie identifiziert sich mit politischen Zielen wie Demokratie, Friedensversicherung, innere Sicherheit sowie mit europäischer Kultur c) zusätzlich war sie Teil einer multiplen Identität und fiel zurück auf die nationale Identität (ebd.: 70f).

2.2. Schwierigkeiten mit der Diskussion um eine europäische Identität

Die öffentlichen Debatten zur europäischen Identität auf die von Habermas gestellte Frage "Ist die Entwicklung einer europäischer Identität notwendig und ist sie möglich?" (Habermas 2004:67f) dauern an und die soziologischen und politischen Auseinandersetzungen sind gespalten. Die Antworten werden skeptisch sowie optimistisch eingeteilt:

I) Die skeptische Haltung betrachtet die europäische Identität weder als notwendig noch als möglich. Aus der Perspektive eines Europa der souveränen Nationalstaaten scheint europäische Identität unmöglich zu sein, denn die Voraussetzungen auf europäischer Ebene fehlen, wenn die Gleichheit und die Legitimität der Herrschaft weggeleitet werden (vgl. Kohli 2002). Aus soziologischer Sicht stimmt dieser Aspekt, wenn Gesellschaft als nützlich angesehen wird und das Zugehörigkeitsgefühl für die soziale Integration unnötig ist (vgl. Eder 1999).
II) Aus der optimistischen Sicht heraus wird europäische Identität als notwendig und möglich angesehen. Laut Risse wird, in Rahmen der Europäisierungsprozesse, ein Typ der europäischen Identität gebildet, der als eine Wertegemeinschaft sowie "Teil des Westens" in einem christlichen Europa verstanden wird (vgl. Risse 2001/Kohli 2002). Nach Parson ist Gesellschaft auch das Ergebnis von Interaktion durch Kultur und die dauerhafte kollektive Identität dient als wichtige Voraussetzung dafür.

In diesem Fall ist die Bedeutung von Kultur entsprechend, so dass die Identitäten in einer "gesellschaftliche Gemeinde" durch soziale Interaktionen wichtiger als Interessen geworden sind (vgl. Wagner 1998:98).

Diese beiden Aspekte der europäischen Identität, aus der Perspektive einer Wertegemeinschaft oder eines "Verfassungspatriotismus", stehen in Wechselwirkung mit zwei wettstreitenden Konzepte einer politischer Ordnung Europas: das Identitätskonzept, das auf Gleichheit und Homogenität basiert und das multiebene Identitätskonzept, das demokratischen Prozessen folgt (vgl. Eriksen/Fossum 2009). Die gegenwärtige Orientierungskrise der Europäischen Union hat auch mit einer diffusen ausgebildeten europäischen Identität zu tun. Eine europäische Identität ist aber grundlegend, damit die Europäische Union durch Kultur die notwendige Akzeptanz und Legitimation der Bürger gewinnen kann.

3. Europäisches Kino als Kulturbereich

3.1. Europäischer Film als Kunst

Film und Kino sind europäische Erfindungen mittels Technologie. Filme wurden als "laufende Bilder" eingesetzt und seit den 1920en Jahren als das kommerziell erfolgreichste Medium der Massenkultur in Europa etabliert. Seit dem ersten Weltkrieg erweist sich Kino als massenwirksames und wirtschaftlich bedeutendstes Medium der Unterhaltungskultur, das sich zum Leitmedium der neuen Massenkultur entwickelte. Vor allem Frankreich hatte eine Führungsposition in der Filmproduktion. Gleichwohl wurden intensive Debatten über den Stellenwert des Films als Kunstform geführt. Die Intellektuellen halten das Kino für ein Instrument zur gesellschaftlichen Veränderung und für ein klassenüber-greifendes Medium, aufgrund seiner demokratisierenden Wirkung (vgl. Klautke 1999). Der Film ist ein dynamisches Medium, das der ganzen Bevölkerung Kultur vermittelt. Gegen diese Ansicht war die konservative Richtung, die besonders die Jugendlichen vor allem Neuen schützen wollte (ebd.).

Das europäische Kino hat sich zum populärsten Unterhaltungsmedium entwickelt, obwohl der erste Weltkrieg der Filmindustrie in einer tiefen Krise geführt hat. Fünf europäische Mitgliedstaaten machen heute die größten und wichtigsten Filmproduktionen in Europa aus: Frankreich, Deutschland, England, Italien und Spanien. Heute, wie nie zuvor, wird Film im europäischen Raum als künstlerisches Ausdrucksmittel und als Kulturgut akzeptiert.

Filme europäischer Herkunft werden hauptsächlich als hochwertige Kunstfilme betrachtet, während amerikanische Filme als billige Massenware angesehen werden. "Kino ist Kunst" sagt der Regisseur Alain Bergala und er betont, dass das Medium Film die Menschen heutzutage zu einem kompetenten Publikum mit vielfältiger ästhetischen Erfahrung heranbilden kann. (vgl. Bergala 2006). Kadmi-Cohen kritisiert den Einfluss der Hollywood Filme, da sie die nationalen Identitäten zerstören. Wegen der Sprache werden sie auf die ganze Erde verstanden, aber sie bedrohen die französische, deutsche sowie jede nationale Kultur. "Uns liegt daran, hier zu betonen, dass das Kino eine Kunst ist, es in den USA aber als eine Industrie angesehen wird, deren in Europa die Volksseele überschwemmen, korrumpieren, und herabwürdigen"(Kadmi-Cohen 1930:116). Ein europäischer Film ist ein kulturelles und demokratisches Medium, das der gesamten Bevölkerung als Vermittlungskanal von Werten, Ideen, Kulturen und Geschmack zugänglich gemacht wurde. "Für uns nun das wichtigste, dass der Film von seiner Geburtsstunde an demokratisch ist"(Behne 1978: 163).

Ungeachtet der technologischen Entwicklungen der neuen digitalen Medien spielt auch der Film als historisch gewachsene Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung aufgrund seiner Massenwirkung. Um die vermittelte Art und Weise der filmischen Wirkung zu verstehen, ist es empfehlenswert, die Rezeption der Darstellungsformen zu erläutern. Jeder Film spiegelt seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltungsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen politischen und ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen. Medien prägen unsere Welt und besonders ein Film überzeugt mit der Kraft der Bilder. Die Filmbildung als Teil der Medienbildung vermittelt Kenntnisse für einen kritischen, kreativen und nicht zuletzt genussvollen Umgang mit Filmen. "Die Amerikaner haben schon vor langer Zeit begriffen, und das radikal umgesetzt, was die Menschen bewegt und womit man sie zum Träumen bringt. Der ganze Amerikanische Traum ist eine Erfindung des Kinos, den inzwischen die ganze Welt träumt", sagte Wim Wenders auf der Berliner Konferenz der Initiative der EU "A Soul for Europe" im November letzten Jahres. Wenders empfahl das Medium Film als bestes Transportmittel der Bilder Europas, weil das Kino Landesgrenzen verschwinden lässt und die Zuschauer für die Dauer eines Films in die Gedanken und Gefühle ihrer europäischen Nachbarn eintauchen können. Das Kino fördert das Verständnis für andere Kulturen und Länder und führt zu einer Wertschätzung des kulturellen Reichtums in Europa (vgl. Wenders 2014).

Der europäische Kinofilm ist so vielfältig, wie nie zuvor. Das Nebeneinander von romantischen Komödien, historischen Filmen, Heimatstreifen und Krimi-Produktionen macht es interessant, einen Blick auf das Selbstverständnis eines ausgewählten Filmmachers in Europa zu werfen. Dabei soll herausgefunden werden, welche Ziele er verfolgt und inwiefern sein Selbstverständnis das Filmprodukt und damit mögliche Wirkungen beim Publikum beeinflusst.

3.2. Funktion und Charakteristika der europäischen Filme

Was macht eigentlich einen Film europäisch? Das europäische Kino ist meistens intellektuell. Europäisch bedeutet dass es intellektueller Anspruch, ästhetische und dramaturgische Komplexität verfügt versus amerikanische Filme, die als populäre Unterhaltung, Spektakel und als klassische Erzählform betrachtet werden (vgl. Lorenz 2003/Orr 2004).

Das amerikanische Kino wurde Synonym zur anspruchslosen filmischen Massenware. Trotz seines Erfolgs beim Publikum wurde es als Beispiel eines Mangels an künstlerischen Möglichkeiten des Films betrachtet. Künstlerischer Wert und Massenerfolg schienen sich gegenseitig auszuschließen. Die europäischen Filme sind Ausdruck spezifischer Charakteristika des europäischen Bewusstseins. Laut Ang haben diese eine Gefühlsstruktur, die sie kritisch als Nostalgie und Selbstgefälligkeit beschreiben(vgl. Ang 1992:21f). Ein EU Film stellt sich als Reflexionsform soziokultureller und geopolitischen Realitäten dar. In Filmen lassen sich diskursive Praktiken ermitteln. Der Film ist Spiegelbild der Gesellschaft und die in ihm enthaltenen Diskurse konstituieren erst die Gegenstände, die unser Wissen und Denken erreichen. Filme reflektieren auf sehr unterschiedlicher Art und Weise Kultur und meistens europäische Kultur. Die wichtigsten Merkmale des europäischen Films sind die folgenden:

- Der EU Film wird bestimmt von einer Vielfalt von Themen, die die europäische Gesellschaft reflektieren. Sie drücken die politischen und sozialen Probleme des Europas der Gegenwart aus und halten eine kritische Distanz zu Differenzen. Die europäischen Filme behandeln häufig relevante gesellschaftliche oder politische Themen und sie fokussieren meistens alltägliche Probleme jener nationalen Gesellschaft.
- Die Filmfiguren der EU Filme sind meistens nicht die erfolgreichen Europäer, sondern Migranten, Flüchtige, Asylsuchende, Gesellschaft in Diaspora, und im allgemeinen die Figuren der Fremden, die die Integration in eine "Dominanzkultur" suchen ( vgl. Keupp et all. 2006:171).
- Die EU Filme sehen die Geschichte "von unten" und nicht "von oben", d.h. sie haben einen introspektiven Blick auf Europa Der EU Film funktioniert als ein interpretatives Produkt der Außenwelt (ebd.).
- Die EU Filme appellieren an Empathie und Emotionen der Zuschauer für die Filmfiguren, so dass sie die Teilnahme der Zuschauer an der fiktionalen Welt zu erreichen. Der Zuschauer wird in EU Filmen mit den Figuren identifiziert, in denen er sein eigenen und alltäglichen Themen der Gesellschaft erkennt.
- Die Zuschauer der EU Filme sind sich natürlich bewusst, dass es sich um eine fiktionale Geschichte handelt aufgrund ihrer Medienkompetenz und ihrer Erfahrungen mit der außerfilmischen Welt. Der EU Film wird nach dem Merkmal der Authentizität charakterisiert, das bedeutet nach einer künstlerischen und ästhetische Kreativität, die als Kriterium für die reflexive Auseinandersetzung der Zuschauer mit dem Film und ihrer eigenen Lebenswelt dient. (vgl. Oehlmann 2013).
- Die EU Filme erzählen meistens Geschichten, in denen Fragen, Wiedersprüche oder Konflikte dargestellt werden, die unbeantwortet und offen bleiben, so dass der Zuschauer seine eigene Interpretation geben kann. Sie haben häufig ein offenes Ende.
- Der EU film dient als Ressource und Kommunikationsmittel reflexiver Erfahrung des Zuschauers, die für die Konstruktion der EU Identität von Bedeutung ist.
- Die EU Filme bieten eine erweitere Perspektive (fremde oder pluralistische), die im Kontrast zu traditionellen, geopolitischen oder soziokulturellen Grenzen stehen.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Europäische Identität und europäisches Kino
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Europäische Öffentlichkeit und kollektive Identität
Note
1,5
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V299088
ISBN (eBook)
9783656953777
ISBN (Buch)
9783656953784
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
europäische, identität, kino
Arbeit zitieren
Vasiliki Evangelinidi (Autor), 2015, Europäische Identität und europäisches Kino, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299088

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