Der Zusammenhang von Gesundheitsförderung und Gesundheitserhaltung in der Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2015

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verständnis und Sichtweisen von Gesundheit
2.1 Begriffliche Klärung: Gesundheit/Krankheit
2.2 Gesundheitsmodelle
2.2.1 Biomedizinisches Modell
2.2.2 Salutogenetisches Modell
2.2.3 Bio-psycho-soziales Modell

3. Einflussfaktoren auf die Gesundheit
3.1 Determinanten der Gesundheit
3.2 Soziale Ungleichheit und Gesundheit/Krankheit

4. Gesundheitsförderung
4.1 Grundlagen
4.2 Ansätze zur Gesundheitsförderung
4.3 Handlungsebenen und –strategien
4.4 Gesundheitsförderung und Soziale Arbeit

5. Gesundheitsförderung im Setting Betrieb
5.1 Zusammenhang zwischen Arbeit und Gesundheit
5.2 Gesundheitsförderung im Betrieb

6. Fazit

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Gesundheit gilt als höchstes Gut, das ein Mensch besitzen kann und dementsprechend fürsorglich sollte damit umgegangen werden. Gerade in der heutigen Leistungsgesellschaft ist es wichtig, gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Die Ottawa-Charta, 1986 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde zum Motor der Gesundheitsförderung. Allen Menschen sollen ihrer Gesundheit gestärkt und mehr als bisher über ihre Gesundheit bestimmen können. Die sich verändernden Lebens- und Arbeitsbedingungen haben einen großen Einfluss auf die Gesundheit und Gesundheitsförderung soll und kann sichere und befriedigendere Lebens- und Arbeitsbedingungen schaffen. Allerdings braucht es dazu die Mitwirkung aller der am Prozess beteiligten Personen, Institutionen und der Politik. (vgl. Ottawa-Charta 1986)

In der Ottawa-Charta der WHO wurde eine Mitwirkung der Sozialen Arbeit verankert bzw. fokussiert (Franzkowiak et al. 2011, 30f.). Die strategischen Prinzipien der Ottawa-Charta verweisen auf die engen Zusammenhänge zwischen Sozialer Arbeit und Gesundheitsförderung. So „besteht Deckungsgleichheit, etwa in der Anwaltschaft [...], dem Lebensweisen-/Lebensweltkonzept, auch in der Orientierung auf die Beseitigung sozialer (und gesundheitlicher) Ungleichheiten (Franzkowiak 2003, 5)“. Auch hat die Bearbeitung von gesundheitlichen Problemen eine lange Tradition in der Sozialen Arbeit – da ein Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Benachteiligung besteht.

Um folgende Forschungsfrage geht es in dieser Hausarbeit: Welchen Einfluss hat die Gesundheitsförderung auf die Erhaltung der Gesundheit? Da Soziale Arbeit eng mit der Gesundheitsförderung verbunden ist und eine wichtige Funktion bei der Bekämpfung von gesundheitlicher Benachteiligung hat, ist die Forschungsfrage für die Soziale Arbeit relevant, damit diese ihren Auftrag erfolgreich erfüllen kann.

In der folgenden Hausarbeit wird in Kapitel 2 eine begriffliche Erklärung von Gesundheit durchgeführt und die verschiedenen Modelle von Gesundheit/Krankheit vorgestellt. Im Kapitel 3 werden die Einflussfaktoren auf die Gesundheit beleuchtet und die sozialen Ungleichheiten im Zusammenhang mit Gesundheit angeschaut. Kapitel 4 erläutert die Grundlagen und Ansätze der Gesundheitsförderung im Allgemeinen und anschließend wird in Kapitel 5 Gesundheitsförderung im Setting Betrieb beschrieben. Im letzten Kapitel erfolgt ein abschließendes Fazit.

2. Verständnis und Sichtweisen von Gesundheit/Krankheit

2.1 Begriffliche Klärung: Gesundheit/Krankheit

Gesundheit als Begriff umfasst, abhängig von individuellen und kulturellen Einflüssen, einen großen Bedeutungsspielraum und lässt sich nur schwer eindeutig definieren. So werden über die Generationen hinweg bestimmte Sichtweisen von Gesundheit und Wohlbefinden als Teil des gemeinschaftlichen Erbes weiter gegeben. Solche als „Laienkonzepte“ von Gesundheit benannten Definitionen werden mit der Sozialisation erworben. Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Vorstellungen, was unter Gesundheit zu verstehen ist.

Für die Wissenschaften, besonders für die Theorie und Praxis der Gesundheitsförderung, ist es wichtig, über ein Konzept von Gesundheit und die Stellung gegenüber Krankheit zu verfügen. Hurrelmann und Franzkowiak (2010) versuchen sich über Göckenjahns Systematik von drei Deutungsfigurationen an eine solche Definition anzunähern:

Gesundheit als Abgrenzungskonzept ist an die medizinische Auslegung von Krankheit gebunden und wird hier als „Abwesenheit von Krankheit“ bezeichnet.

Gesundheit als Funktionsaussage bezieht sich einerseits auf eine soziologische Perspektive und steht für das körperliche und soziale Leistungs- und Arbeitspotenzial eines Menschen. Demgegenüber steht die salutogenetische Perspektive mit der Anpassung des Menschen an die sich ändernden äußeren Bedingungen und den damit verbundenen Vorstellungen vom seelisch-körperlichen Gleichgewicht. Als kritisch wird von Hurrelmann und Franzkowiak (ebd.) in beiden Deutungen die fehlende Konkretisierbarkeit und Klarheit gesehen.

Gesundheit auf Grundlage von Wertaussagen wird positiv gedeutet und wird als „wertvollstes Gut eines Menschen“ beschrieben. Die bekannteste Definition hierfür stammt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1948: „ Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens (engl.: well-being) und nicht nur des Freiseins von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen, ist eines der Grundrechte jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung.“

Die WHO löste sich mit dieser Definition aus der biomedizinischen Sicht und der engen Anbindung ans Krankheitssystem, Gesundheit wird nun als multidimensional bezeichnet und erfasst alle Anteile eines menschlichen Lebens. Auch die Definition der WHO wurde in der Vergangenheit häufig kritisiert. Sie sei zu einseitig in ihrer Sichtweise und die Mehrdimensionalität kaum umsetzbar. Trotz dieser Kritik hat diese Definition ihre Berechtigung und gilt in Politik und Praxis der Gesundheitsförderung als richtungsweisend.

Um wissenschaftlich damit arbeiten zu können, wurde von Hurrelmann und Franzkowiak (ebd.) folgende Definition von Gesundheit vorgeschlagen:

„Gesundheit als das Stadium des Gleichgewichts von Risikofaktoren und Schutzfaktoren, das eintritt, wenn einem Menschen eine Bewältigung sowohl der inneren (körperlichen und psychischen) als auch der äußeren (sozialen und materiellen) Anforderung gelingt. Gesundheit ist gegeben, wenn eine Person sich psychisch und sozial im Einklang mit den Möglichkeiten und Zielvorstellungen und den jeweils gegebenen äußeren Lebensbedingungen befindet. Sie ist ein Stadium, das einem Menschen Wohlbefinden und Lebensfreude vermittelt.“

Da aber Gesundheit nicht nur umfassend bzw. optimal sein kann, braucht es Konzepte, die Einschränkungen mit erfassen und einfügen. Von relativer Gesundheit wird gesprochen, wenn das Gleichgewicht zwischen Risiko- und Schutzfaktoren gestört ist. Im Bereich der Rehabilitation wird mit dem Begriff bedingte Gesundheit gearbeitet. Damit ist die Fähigkeit des Menschen gemeint, trotz chronischer Erkrankung, im Alltag und im Beruf leistungsfähig zu sein. Wichtig ist ebenfalls der Begriff der funktionalen Gesundheit. Sie ist das Kernkonzept der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) und beschreibt den gesundheitlichen Zustand eines Menschen anhand seiner Funktionsfähigkeit. (vgl. Hurrelmann & Franzkowiak 2010, 1ff.)

Beim Begriff Krankheit gibt es keine allgemeingültige Definition. Auch hierbei handelt es sich um ein soziales Konstrukt, welches soziokulturell bedingt ist und den verschiedenen historischen Phasen unterschiedlich definiert wird. Im sozialrechtlichen Sinne wird Krankheit als „Störung der normalen Beschaffenheit oder der normalen Tätigkeit des Körpers, die geheilt oder gelindert werden kann“ (BGH 1958, BVG 1971, zit.n. Franzkowiak 2010, 2) bezeichnet. Im medizinischen Sinn ist Krankheit eine Störung im Organismus, welche durch anatomische, physiologische und biochemische Abweichungen hervor gerufen wird und erkennbare körperliche, geistige und seelische Veränderungen zur Folge hat. (vgl. Franzkowiak 2010, 1ff.)

2.2 Gesundheitsmodelle

So wie es viele Definitionen von Gesundheit gibt, findet sich in der Gesundheitswissenschaft auch verschiedene Gesundheitsmodelle, in denen Prozesse zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit beschrieben werden. Alle Modelle stellen Gesundheit in ihrer Beziehung zur Krankheit dar.

2.2.1 Biomedizinisches Modell

Das biomedizinische Modell wurde entwickelt, um das Auftreten bestimmter Erkrankungen erklären zu können und es orientiert sich dabei an den rein biologischen Faktoren wie Blutwerten, Röntgenbefunde oder Herz-Kreislauf-Werten. Der medizinische Befund erhält einen wichtigen Stellenwert. Gesundheit wird in erster Linie als „Abwesenheit von Krankheit“ verstanden. Die Ursachen für die Erkrankungen werden im Menschen gesehen, die Wechselbeziehungen mit der Umwelt und die seelischen Prozesse bleiben dabei weitgehend unbeachtet. Ausgehend, dass das Krankheitsgeschehen von Risikofaktoren hervorgerufen wird, soll mit Hilfe der Prävention jegliche schädlichen Einflüsse unterbunden werden. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass durch Beseitigung der schädlichen Einflüsse Gesundheit entstehen kann. Die Gesundheitsförderung findet hauptsächlich über Aufklärung in Hinblick auf Ernährung, Bewegung, Rauchen etc. statt und zielt auf eine Verhaltensänderung beim Individuum ab. In der Wissenschaft gilt das Modell zwar als überholt, aber die Ausbildung in den Gesundheitsberufen erfolgt nach wie vor anhand dieses Modells bzw. wird dadurch geprägt. (vgl. Schneider 2011, 28ff.)

2.2.2 Salutogenetisches Modell

Der Begriff „Salutogenese“ ist von Aaron Antonovsky als Gegensatz zur Pathogenese geprägt worden und setzt sich aus dem lateinischen „salus“ (Heil, Glück, Unverletztheit - Gesundheit) und dem griechischen „genese“ (Entstehung) zusammen. Schon hierbei wird sichtbar, das im Mittelpunkt dieses Konzeptes die Frage steht, was ein Individuum gesund hält. Die Grundfrage in der Salutogenese lautet, warum manche Menschen trotz starker Belastungen, schwerwiegenden Lebensereignissen und krankheitsfördernder Risikofaktoren gesund bleiben. Während die Pathogenese Gesundheit als Normalfall betrachtet und Krankheit als davon abweichenden Zustand, nimmt die Salutogenese „Gesundheit und Krankheit als Pole eines gemeinsamen multifaktoriellen Kontinuums (Gesundheits-Krankheits-Kontinuum)“ (Franke 2010, 1) an. Antonovsky ging davon aus, dass der Mensch niemals nur krank oder nur gesund ist. In seinem Modell ist man also eher krank oder eher gesund, je nachdem, wie nah man an einem der beiden Pole gerade ist.

Zwei wichtige Grundpfeiler des Salutogenetischen Modells stellen in diesem Zusammenhang die generalisierten Widerstandsressourcen und das Kohärenzgefühl dar.

Die generalisierten Widerstandsfaktoren sind entscheidende Faktoren für eine gelingende Bewegung zum positiven Pol des Kontinuums. Durch sie wird es möglich, erfolgreich mit den alltäglichen Stressoren umzugehen. Hat ein Individuum genügend Widerstandsressourcen zur Verfügung, wird es widerstandsfähiger gegen belastende Lebensanforderungen, zumal dieses Individuum die Erfahrung macht, dass diese schwierigen Situationen gemeistert werden können. Generalisierte Widerstandsressourcen finden sich als persönliche Ressourcen im Individuum, als soziale Widerstandsressourcen in dessen Umwelt und in der Gesellschaft. Gemeint ist damit z.B. eine gute körperliche Konstitution, soziale Integration, materielle Sicherheit oder Sicherheit der sozialen Systeme.

Das Kohärenzgefühl stellt eine Grundüberzeugung dar, die bei genügend zur Verfügung stehenden Widerstandsressourcen ausgebildet werden kann. Es geht dabei um eine innere Haltung eines Menschen, dass sein Leben sinnvoll ist und dass er es auch in schwierigen Zeiten meistern kann. Im Einzelnen umfasst das Kohärenzgefühl drei Teilkomponenten: die Verstehbarkeit, die Handhabbarkeit und die Sinnhaftigkeit.

„Das Kohärenzgefühl ist ein dynamisches Verständnis der eigenen Person, dass man mit den Anforderungen zurechtkommen kann, dass man in der Lage ist, sich selbst und die eigenen Lebensbedingungen steuern und gestalten zu können“ (Franke 2010, 2)

Das Modell der Salutogenese gehört zu den derzeit wichtigsten interdisziplinären, integrierenden Gesundheitskonzepten. (vgl. Franke 2010, 1ff.)

2.2.3 Bio-psycho-soziales Modell

Um körperliche Erkrankungen erklären zu können, werden beim biopsychosozialen Krankheitsmodell neben den körperlichen Faktoren auch psycho-soziale Faktoren hinzugezogen. Engel ging bei der Entwicklung dieses Modells davon aus, das die biologisch-organischen, die seelischen und die sozialen Bedingungen in Wechselbeziehungen stehen, die sich fortlaufend verändern. Daraus ergeben sich die Entstehung und der Verlauf von Störungen.

Nicht nur biologische Faktoren können für die Entstehung von Krankheiten verantwortlich sein – mit dem Wechselspiel zwischen verschiedenen Ebenen wird deutlich, dass auch psychische und soziale Faktoren für die Entstehung von Krankheiten in Frage kommen. Aus diesem Blickwinkel ist der Mensch „ Teil umfassender Systeme und selbst wiederum ein System aus vielen Subsystemen bis hinab zur molekularen Ebene“ (Pauls 2004, 86).

Ausgehend von der Ebene der Person und ihrer Erkrankung werden für die Behandlung und die Bewältigung weitere Ebenen entscheidend: die interpersonale, die familialen und die gesellschaftlichen. Zahlreiche sozialwissenschaftliche, psychologische und psychosomatische Studien belegen diese Aussagen – psychische und soziale Faktoren gehören in die Diagnostik und Behandlung mit einbezogen. (vgl. Pauls 2004, 86f.)

Das biopsychosoziale Modell hat Einfluss in Sozial- und Gesundheitspolitik genommen – so findet es sich in der 1986 verabschiedeten „Ottawa-Charta“ oder auch in der deutschen Sozialgesetzgebung wieder. Die „Ottawa-Charta“ beruht mit ihrem Gesundheitskonzept und den Maßnahmen zur Gesundheitsförderung auf einem biopsychosozialen Grundverständnis. Auch die ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health, dt. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, WHO 2005) basiert auf dem biopsychosozialen Modell und betrachtet die chronischen Erkrankungen und Behinderungen im psychischen und sozialen Kontext und deren Wechselwirkungen. (vgl. Pauls 2013, 20ff.)

3. Einflussfaktoren auf die Gesundheit

In vorherigem Kapitel wurde das Konzept von Gesundheit beschrieben und das breite Spektrum, welches das Konzept beinhaltet, beleuchtet. Es wurde auf die unterschiedlichen Modelle von Gesundheit, die durch Medizin und Sozialwissenschaften angeboten werden, eingegangen. Bereits da wurde deutlich, dass die sozialen Faktoren für das Verständnis von Gesundheit eine wichtige Rolle einnehmen. Im folgenden Kapitel werden die Faktoren beschrieben, die zur Gesundheit beitragen und die gesundheitlichen Chancenungleichheiten untersucht.

3.1 Determinanten der Gesundheit

Mit dem Rückgang der Infektionskrankheiten als Hauptursache für das Sterben im 19. Jahrhundert sind heute die Hauptursachen für Erkrankung und Tod bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen zu finden. In den Industrienationen stieg die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten stetig an. In Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Frauen bei 83 Jahren und bei Männern bei 78 Jahren (Quelle: Destatis 2013). Diese gestiegene Lebenserwartung ist wiederum der Hauptgrund für die Zunahme an degenerativen Erkrankungen.

Erkrankungen entstehen weder zufällig noch durch Fügung oder Pech. Genetische und biologische (individuelle) Faktoren bestimmen die über Veranlagung zu Krankheiten. Allerdings tragen auch physische und soziale Faktoren sowie die Lebensweisen der Menschen zu Gesundheit und Wohlbefinden bei. Dahlgren und Whitehead (1991) entwickelten in den neunziger Jahren ein Modell zur Veranschaulichung der Hauptdeterminanten der Gesundheit. Sie beschreiben darin vier Einflussebenen der Gesundheit, die verändert werden können (siehe Anlage Abb. 1) und die somit Ansatzpunkte für eine Gesundheitsförderung darstellen können:

- die Verhaltens- und Lebensweisen des/der Einzelnen, die durch bestimmte Einflüsse geändert werden können
- die Unterstützung und Beeinflussung durch das soziale Umfeld, welches gefördert oder behindert werden kann
- die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen und deren Zugang zu Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitsdiensten
- die ökonomischen, kulturellen und physischen Umweltbedingungen

Das Gesundheitsverhalten und die Gesundheit unterscheiden sich in allen Gesellschaften entsprechend der Zugehörigkeit zu den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Im Vordergrund stehen dabei solche Merkmale wie: die ökonomische und soziale Stellung, das Geschlecht, die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit und der Wohnort. Besonders zum Zusammenhang zwischen Schichtzugehörigkeit (oder auch sozioökonomischer Status) und Gesundheit finden sich zahlreiche Untersuchungen, welche belegen, dass Gesundheit/Krankheit gesellschaftlich geprägt sind. Die Menschen mit gesicherten, hohen Einkommen leben gesünder und haben eine längere Lebenserwartung als solche Menschen, die in ungünstigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen leben müssen. Auch ist der Gesundheitszustand eng an das Einkommen geknüpft. Durch Arbeit erhält der Mensch sein Einkommen und füllt das Leben mit Sinn und Struktur und er erlangt dadurch seine gesellschaftliche Anerkennung und sozialen Status. Der Verlust von Arbeit und Einkommen hat weitreichende Folgen – auch auf die Gesundheit. (vgl. Naidoo & Wills 2010, 24ff.)

Wer aufgrund von Erwerbslosigkeit über kein Einkommen verfügt, ist in seinen Teilhabe- und Verwirklichungschancen eingeschränkt und ist somit Einschränkungen in der materiellen Grundversorgung, Gesundheit, Kultur und Freizeit, Bildung, Integration ausgesetzt. Im Alltag bedeutet das u.a. ein erhöhtes gesundheitliches Risiko durch ungesunde Ernährung, wenig körperliche Aktivitäten und Vermeidung von Arztbesuchen, weil die Kosten für Medikamente nicht bezahlt werden können. (vgl. Höblich 2012, 54)

3.2 Soziale Ungleichheit und Gesundheit/Krankheit

Unter „sozialer Ungleichheit“ wird die ungleiche Verteilung von Ressourcen verstanden. Das bedeutet, einige Bevölkerungsgruppen verfügen über weniger Ressourcen als andere und werden dadurch immer benachteiligt sein. Im Alltag wird „soziale Ungleichheit“ meist als Unterschiede in Bildung, Einkommen und Beruf verstanden.

Gesundheitliche Ungleichheit bedeutet, dass sich die sozialen Ungleichheiten im gesundheitlichen Bereich bzw. im Gesundheitszustand ausdrücken lassen. Verschiedene internationale (Black Report 1982, Whitehall Study seit 1976) und nationale Studien (KiGGS 2008) weisen einen Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Status und Mortalität und Morbidität nach (siehe auch Kapitel 3.1).

Um gesundheitliche Ungleichheiten zu erklären, bieten sich in der Literatur verschiedene Modelle an. Folgende Elemente sind jedoch immer wieder vorzufinden: soziale Ungleichheit, Lebensbedingungen, gesundheitsrelevantes Verhalten und Gesundheitszustand. Bisher war es schwierig, die unterschiedlichen Erklärungsansätze in einem Modell zu vereinen. Entweder zeigt sich nur ein Ausschnitt aus einem vielschichtigen Gefüge oder das Modell bleibt zu abstrakt. Mielck (2005) hat versucht, die grundlegenden Zusammenhänge zu verdeutlichen (siehe Anlage Abb. 2). Soziale Ungleichheit führt zu unterschiedlichen gesundheitlichen Belastungen und zu Unterschieden im Zugang und Qualität gesundheitlicher Versorgung. Ausschlaggebend ist dabei die Bilanz aus der gesundheitlichen Belastung einerseits sowie der Ressourcen und Erholungsmöglichkeiten andererseits. Das Gesundheitsverhalten wird durch diese Balance der Belastungen, gesundheitlichen Ressourcen und die gesundheitliche Versorgung beeinflusst. Der nach oben gerichtete Pfeil deutet auf die größere Gefahr des sozialen Abstieges bei kranken Personen. Mielck (2010) betont, dass es eine gesundheitsfördernde Gesamtpolitik braucht, um die soziale Ungleichheit zu bekämpfen, da gerade die Unterschiede in Bildung, Beruf und Einkommen aus gesundheitlicher Sicht von großer Bedeutung sind. Es wurde immer wieder betont, dass das Gesundheitsverhalten Einfluss auf den Gesundheitszustand eines Menschen hat. Da das Gesundheitsverhalten weniger auf einer freien Entscheidung basiert, sondern durch die Lebenslage hervor gebracht wird, sollten Verbesserung der gesundheitlichen Lage an den Lebensbedingungen ansetzen. (vgl. Mielck 2010, 1ff.)

Unter Chancengleichheit verbirgt sich das Recht auf eine gerechte Verteilung der Zugangs- und Verteilungschancen. Gesundheitliche Chancengleichheit ist gesundheitsbezogen und beinhaltet für jeden Menschen die gleichen Chancen für die Erhaltung der Gesundheit. Und das unabhängig vom sozialen Status, Alter, Geschlecht und nationaler Zugehörigkeit. Gesundheitliche Chancengleichheit braucht ein gut ausgebautes Gesundheitssystem und impliziert Lebens- und Arbeitsbedingungen, die gesundheitsförderlich gestaltet werden können und Gesundheitsrisiken, welche gering gehalten werden können. Die gesundheitliche Chancengleichheit war für die Gesundheitsförderung bedeutend und war zeitgleich ein Antrieb für die Entwicklung für die Entwicklung des Konzeptes. Schon in der Ottawa-Charta der WHO (1986) wird die Schaffung gesundheitlicher Chancengleichheit als zentrales Ziel formuliert. So sollen soziale Unterschiede des Gesundheitszustandes verringert werden und für alle Menschen gleiche Chancen geschaffen werden, um ihr größtmögliches Potential an Gesundheit zu realisieren. In Deutschland wurde die Forderung nach gesundheitlicher Chancengleichheit in der Neufassung des Paragraphen 20 im SGB V gesetzlich verankert. Die Krankenversicherer sollen mit ihren Präventionsaktivitäten die „Verminderung sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen“ bewirken. Die Einrichtung des Sozialgesetzbuches zur Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen (SGB IX) und die Neufassung des §20 im SGB V gelten als Beitrag für die gesundheitliche Chancengleichheit. (vgl. Altgeld 2010, 1ff.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang von Gesundheitsförderung und Gesundheitserhaltung in der Sozialen Arbeit
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Veranstaltung
Modul O8.2
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
23
Katalognummer
V299105
ISBN (eBook)
9783656956198
ISBN (Buch)
9783656956204
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheit, Gesundheitsförderung, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Andrea Bubeck (Autor), 2015, Der Zusammenhang von Gesundheitsförderung und Gesundheitserhaltung in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299105

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