In einer sich in immer stärkerer Weise globalisierenden Gesellschaft sind, aufgrund moderner Informations- und Kommunikationstechnologien, Informationen so gut wie überall,
jederzeit und auf schnellem Wege verfügbar. Dies hat zweifelsfrei den Vorteil, dass im Rahmen einer Entscheidungsfindung auf eine breite Informations- und Datenbasis Rückgriff genommen werden kann. Neben diesen positiven Aspekten ergeben sich jedoch auch einige problematische Perspektiven. Die Exponiertheit bzgl. der Informationen und Daten macht es zum Einen erforderlich, hinsichtlich der Informationen zu filtern, welche von Entscheidungsrelevanz sind. Zum Anderen muss zeitgleich eine Beurteilung von Qualität und Güte dieser Informationen stattfinden, um die Entscheidung nicht von Vorhinein auf einer unvorteilhaften Basis fußen zu lassen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Thematik und Fragestellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
2 Finanzanalysten als Kapitalmarktakteure
2.1 Definition und Klassifikation von Finanzanalysten
2.2 Analyseformen
2.2.1 Technische Analyse
2.2.2 Fundamentalanalyse
2.3 Nutzen und Nutzniesser der Analysetätigkeit
2.3.1 Erklärungsansätze für die Existenz von Finanzanalysten
2.3.2 Profiteure der Analysetätigkeit
2.3.3 Finanzanalysten als Forschungsgebiet
2.4 Regulierungsaspekte
3 Finanzmarktprognosen und Prognosegenauigkeit
3.1 Gewinnprognosen als Teil der Analysetätigkeit
3.2 Messung von Prognosefehlern
3.2.1 Absolute Fehlermaße
3.2.2 Relative Fehlermaße
3.2.3 Benchmarkbasierte Fehlermaße
3.3 Gewinnprognosen und Verzerrungen
3.4 Einflussfaktoren auf die Prognosegenauigkeit
3.4.1 Verhaltenswissenschaftliche Einflussfaktoren
3.4.1.1 Individuelle Verhaltensanomalien
3.4.1.2 Kollektive Verhaltensanomalien
3.4.2 Einfluss von Interessenkonflikten
3.4.2.1 Prinzipal-Agent-Theorie
3.4.2.2 Prinzipal-Agent Beziehungen in der Finanzanalyse
3.4.3 Weitere Einflussfaktoren
3.4.3.1 Einflussfaktoren auf Analystenebene
3.4.3.2 Einflussfaktoren auf Unternehmensebene
3.4.3.3 Einflussfaktoren auf staatlicher Ebene
3.5 Signalwirkung spezieller Merkmale von Finanzanalysten
4 Effekte zusätzlich prognostizierter Elemente
4.1 Gewinnprognosen in Kombination mit Umsatzprognosen
4.1.1 Datengrundlage der Untersuchung
4.1.2 Marktreaktionen auf ergänzte Prognosen
4.1.3 Einfluss auf die Prognosegenauigkeit
4.1.4 Zusammenfassung und Diskussion der Wirkungsweisen
4.2 Gewinnprognosen in Kombination mit Cash-Flow Prognosen
4.2.1 Datengrundlage der Untersuchung
4.2.2 Einfluss auf die Prognosegenauigkeit
4.2.3 Ursachen der Prognoseverbesserung
4.2.4 Zusammenfassung und Diskussion der Wirkungsweisen
4.3 Gewinnprognosen in Kombination mit Investitionshinweisen
4.3.1 Datengrundlage der Untersuchung
4.3.2 Einfluss auf die Prognosegenauigkeit
4.3.3 Beständigkeit der Ergebnisse
4.3.4 Zusammenfassung und Diskussion der Wirkungsweisen
5 Unternehmensmanagement und Gewinnprognosen
5.1 Beeinflussung von Gewinnen - Earnings Management
5.2 Beeinflussung von Erwartungen - Forecast Management
5.3 Wechselwirkungen – Earnings Game
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Determinanten und die Qualität von Gewinnprognosen durch Finanzanalysten, insbesondere unter Berücksichtigung individueller sowie externer Einflussfaktoren und der Wirkung ergänzender Informationen.
- Analyse der Rolle von Finanzanalysten als Informationsintermediäre am Kapitalmarkt.
- Untersuchung von Verhaltensanomalien und Interessenkonflikten als Einflussfaktoren auf die Prognosegenauigkeit.
- Evaluierung der Auswirkungen von kombinierten Prognosen (Umsatz, Cash-Flow, Investitionshinweise) auf die Vorhersagegüte.
- Diskussion des Einflusses von Unternehmensmanagement (Earnings & Forecast Management) auf die Prognosequalität.
Auszug aus dem Buch
3.4.1.1 Individuelle Verhaltensanomalien
Der Prozess der Prognoseerstellung beginnt mit dem Sammeln relevanter Informationen. Dabei ist es schon an diesem Punkt der Informationskette möglich, dass Informationen nicht unter rein objektiven Gesichtspunkten einbezogen werden.
Mit dem Begriff selektive Wahrnehmung wird der Umstand beschrieben, dass aus einem bestehenden immensen Informationsangebot zumeist diejenigen Informationen wahrgenommen werden, welche der eigenen Meinung entsprechen. Widersprüchliche Informationen treten dabei in den Hintergrund oder werden verdrängt.
Gleichzeitig ist es möglich, dass Informationen, welche subjektiv empfunden eine hohe Verfügbarkeit aufweisen, d.h. etwa für die Analysten leicht zugänglich sind, ein höheres Gewicht beigemessen bekommen und somit überbewertet werden.
Die Wahrnehmung von Informationen wird ebenfalls durch die Art ihrer Darstellung und Präsentation (Framing) beeinflusst. Dabei kann sowohl die Reihenfolge der Darstellung als auch die Weise (positiv oder negativ) von Bedeutung sein, um etwa Einschätzungen in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Nach Erfassung der Daten erfolgt deren Aufbereitung und Auswertung. Aufgrund der hohen Komplexität der Materie kann es während der Informationsverarbeitung zu Vereinfachungen von Sachverhalten kommen. Dies äußert sich darin, dass zur Komplexitätsreduktion für unwichtig erachtete Informationen vernachlässigt werden. Dies birgt jedoch die Gefahr falscher Schlussfolgerungen aufgrund einer falschen bzw. unvollständigen Datenverarbeitung.
Eine Verlustaversion, d.h. ein unterschiedliches Empfinden von Verlusten im Vergleich zu Gewinnen auch bei gleicher Größe, könnte Analysten etwa dazu verleiten, Berichtigungen von Gewinnprognosen im Falle einer negativen Entwicklung weniger häufig vorzunehmen als im positiven Fall.
Der Verankerungseffekt beschreibt die Situation, dass sich bei Prognosen zu stark an Ausgangsdaten (Anker) orientiert wird. So wäre etwa eine Situation denkbar, dass eine Prognoserevision nur eingeschränkt erfolgt (geringe Bandbreite der Abweichungen), da sich die Analysten zu stark an der Ausgangsprognose orientieren und neue Informationen nur unzureichend verarbeiten.
Nach Auswertung der Daten fällen die Analysten eine Entscheidung, d.h. sie geben unter Anderem ihre Erwartungen in Form einer Gewinnprognose bekannt. Neigen Analysten dazu, ihre individuellen Erfahrungen und Ansichten als repräsentativ anzusehen, obgleich die tatsächliche Relevanz durchaus fraglich sein kann, so spricht man von der Anomalie der Repräsentativität.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Informationsverarbeitung durch Finanzanalysten ein und definiert die Zielsetzung sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Finanzanalysten als Kapitalmarktakteure: Hier wird der Status von Finanzanalysten als professionelle Akteure beleuchtet, inklusive ihrer Klassifikation, Arbeitsweisen und der ökonomischen Rechtfertigung ihrer Existenz.
3 Finanzmarktprognosen und Prognosegenauigkeit: Dieses Kapitel erläutert die Messmethoden für Prognosefehler und analysiert eine Vielzahl von Einflussfaktoren, darunter psychologische Faktoren und Interessenkonflikte.
4 Effekte zusätzlich prognostizierter Elemente: Der Fokus liegt hier auf der empirischen Untersuchung, wie die zusätzliche Bereitstellung von Umsatz-, Cash-Flow- oder Investitionsprognosen die Genauigkeit der Gewinnvorhersagen verändert.
5 Unternehmensmanagement und Gewinnprognosen: Dieses Kapitel beleuchtet, wie das Management von Unternehmen aktiv versucht, die Erwartungen der Analysten durch Earnings- und Forecast-Management zu beeinflussen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und bewertet die Rolle der Finanzanalysten bei der Steigerung der Markteffizienz kritisch.
Schlüsselwörter
Finanzanalysten, Gewinnprognosen, Prognosegenauigkeit, Kapitalmarkt, Sell-Side Analysten, Fundamentalanalyse, Verhaltensanomalien, Interessenkonflikte, Earnings Management, Forecast Management, Informationsintermediäre, Marktineffizienz, Prognosefehler, Investitionshinweise, Prinzipal-Agent-Theorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Qualität von Gewinnprognosen, die durch Finanzanalysten erstellt werden, und beleuchtet, welche Faktoren diese Vorhersagegenauigkeit positiv oder negativ beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Rolle von Finanzanalysten am Kapitalmarkt, der Einfluss psychologischer Faktoren (Behavioral Finance), Interessenkonflikte sowie die Auswirkungen von zusätzlichen Informationssignalen und Managementinterventionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über individuelle und externe Determinanten der Prognosegenauigkeit zu geben und zu analysieren, wie sich die Kombination von Gewinnprognosen mit weiteren Prognoseelementen auf die Vorhersagequalität auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung empirischer Studien zur Kapitalmarktforschung, um theoretische Konzepte und empirische Ergebnisse kritisch zu diskutieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Finanzanalysten, der Messung von Prognosefehlern, der Analyse von Verzerrungen, der Auswirkung zusätzlicher Prognoseelemente sowie den Einflussmöglichkeiten des Managements auf die Analystenschätzungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Gewinnprognosen, Verhaltensanomalien, Interessenkonflikte (Prinzipal-Agent-Theorie), Earnings Management und die Effizienz des Kapitalmarktes.
Welche Bedeutung haben Cash-Flow Prognosen in dieser Untersuchung?
Die Arbeit analysiert, ob die zusätzliche Bereitstellung von Cash-Flow Prognosen durch Analysten zu einem besseren Verständnis der Gewinnkomponenten führt und somit die Genauigkeit der Gewinnvorhersagen signifikant steigern kann.
Inwiefern beeinflusst das Management die Gewinnprognosen?
Das Management betreibt gezielt "Earnings Management" und "Forecast Management", um die Erwartungen der Finanzanalysten aktiv zu steuern, häufig um Unternehmensziele zu erreichen oder das Bild der wirtschaftlichen Lage positiv zu beeinflussen.
- Citation du texte
- Markus Schiffbauer (Auteur), 2011, Genauigkeit von Gewinnprognosen und Effekte zusätzlicher Prognosen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299120