Das Jahr 610 n. Chr. brachte für die Gesellschaft und vor allem für die Frauen im damaligen Arabien eine große Veränderung mit sich.
Es fing damit an, dass ein Mann namens Mohammed sich als der Gesandte Gottes bekanntgab und die neue Religion, den Islam, verkündete. Doch es gab ein Problem: Die bestehenden gesetzlichen und gesellschaftlichen Normen stimmten nicht mit den Maßstäben des Islams überein. So wurden die bisherigen Normen mit der Zeit abgelegt, sodass der größte Teil der Bevölkerung nach den islamischen Prinzipien lebte, die heutzutage von einem Großteil westlicher Gesellschaften als Missachtung, Unterordnung oder Unterdrückung verstanden werden; dies gilt vor allem für die Stellung der muslimischen Frau.
Obwohl diese Problematik in gewisser Hinsicht den Alltag vieler Muslimas beschreibt, bleiben die Gründe für diese Assoziierungen oftmals im Verborgenen. So habe auch ich als praktizierende Muslima die Erfahrung gemacht, mich aufgrund meines Glaubens, vor allem aber aufgrund des Tragens eines Kopftuches, rechtfertigen zu müssen. Zudem stellte ich fest, dass viele Personen in meinem Umfeld eine sehr kritische Position gegenüber der Frau im Islam haben. So tauchten meinerseits viele Fragen auf. Hat der Islam die Stellung der Frau verschlechtert? Schreibt der Koran eine Unterdrückung gegenüber der Frau vor? Wieso werden muslimische Frauen des Öfteren mit eher negativen Begriffen beschrieben?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen
2.1 Unterdrückung
2.2 Islam
2.3 Koran
2.4 Hadith
2.5 Scharia
3 Die Stellung der Frau
3.1 Die Stellung der Frau vor der Verbreitung des Islams
3.2 Die Stellung der Frau im Islam
3.2.1 Die Gleichstellung der Geschlechterrollen
3.2.2 Die Heirat
3.2.3 Die Scheidung
3.2.4 Die Verschleierung
3.2.5 Beruf und Bildung
3.2.6 Unterdrückerischer Vers
3.3 Der Islam in Saudi-Arabien und in der Türkei: Untersuchung am Beispiel der Züchtigung der Frau
3.3.1 Saudi-Arabien
3.3.2 Türkei
4 Auswertung der Umfrageergebnisse
4.1 Vorstellen der Umfrage
4.2 Informationsquellen über den Islam
4.3 Geschlechterrollen im Islam
4.4 Die Stellung der Frau in bestimmten Ländern
4.5 Kopftuch – Symbol der Unterdrückung?
4.6 Der Kontakt zu muslimischen Frauen
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Facharbeit untersucht die weit verbreitete Annahme, dass der Islam die Frau unterdrücke. Das zentrale Ziel ist es, die Hintergründe dieser Behauptung zu analysieren, indem die theoretischen Grundlagen des Islams der tatsächlichen Lebensrealität muslimischer Frauen gegenübergestellt werden.
- Historische Analyse der Stellung der Frau vor und nach der Verbreitung des Islams.
- Untersuchung religiöser Texte und Regelungen (Koran, Scharia) hinsichtlich der Geschlechterrollen.
- Länderstudien zu Saudi-Arabien und der Türkei bezüglich häuslicher Gewalt.
- Empirische Auswertung einer Umfrage unter der deutschen Bevölkerung zur Wahrnehmung von Islam und Geschlechterrollen.
- Reflektion über die Rolle der Medien und persönlicher Kontakte bei der Meinungsbildung.
Auszug aus dem Buch
3.2.6 Unterdrückerischer Vers
Eine der größten Formen von Unterdrückung stellt die körperliche Gewalt dar, welcher gleichzeitig auch eine psychische beinhaltet. Im Koran aber stehen viele Verse, die zunächst auf eine Unterdrückung hindeuten. Unter anderem erfahren wir an mehreren Stellen die Legitimation der körperlichen Gewalt gegenüber der Ehefrau. Als Beispiel wird folgender Vers herangezogen:
„Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet, ermahnt sie (zuerst), meidet sie im Ehebett und schlagt sie (leicht, wenn es nützlich ist)! Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht gegen sie keine Ausrede. Wahrlich, Allah ist Erhaben und Groß.“ 94
Dieser Vers thematisiert die Befürchtung des Ungehorsams der Ehefrau, in dem zur Behebung dieses „Problems“ stufenweise drei Stadien zur Lösung beschrieben werden. Das erste Stadium ist die Ermahnung, welche die Ehefrau daran erinnert, wie wichtig es sei, den Anweisungen des Mannes zu gehorchen. Wenn diese weiterhin nicht gehorsam ist, so soll sie nach dem zweiten Stadium im Bett gemieden werden und eine Verweigerung des Geschlechtsverkehrs erfahren. Wenn die Situation immer noch erfolglos erscheint, so kommt es zum dritten Stadium. Zur Interpretation dieses Versabschnittes ist zunächst die Wortbedeutung von „schlagen“ (arab. Daraba) zu beachten, da die Vielfältigkeit der arabischen Sprache uns einen großen Interpretationsspielraum bietet. In der Übersetzung dieses Wortes erhalten wir aber einen Ausnahmefall, denn die wörtliche Bedeutung lautet entweder „körperliche Züchtigung“ oder „schlagen“.95 Demnach laufen beide Übersetzungen auf dasselbe hinaus; in unserem Fall übersetzt Ibn Rassoul das Wort mit „schlagen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problematik und Erläuterung der Motivation, warum die Frau im Islam häufig mit Unterdrückung assoziiert wird.
2 Definitionen: Begriffliche Klärung der zentralen Termini Unterdrückung, Islam, Koran, Hadith und Scharia.
3 Die Stellung der Frau: Historische und religiöse Analyse der Frauenrolle, von vorislamischen Zuständen bis hin zu spezifischen Aspekten wie Ehe, Scheidung, Verschleierung und Bildung.
4 Auswertung der Umfrageergebnisse: Analyse der Meinungen der deutschen Bevölkerung zum Thema Islam und Frauenrechte basierend auf einer Online-Umfrage.
5 Fazit: Zusammenführung der theoretischen Analyse und der Umfrageergebnisse mit dem Ergebnis, dass Medienberichterstattung und Kultur einen maßgeblichen Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung haben.
Schlüsselwörter
Islam, Frauenbild, Unterdrückung, Koran, Geschlechterrollen, Scharia, Häusliche Gewalt, Kopftuch, Saudi-Arabien, Türkei, Medien, Religion, Emanzipation, Menschenrechte, Umfrageanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Hintergründe und Ursachen für die häufige Assoziation der muslimischen Frau mit Unterdrückung in der westlichen Wahrnehmung.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die religiöse Theorie des Islams im Vergleich zur gelebten Praxis, die Rolle von Rechtsschriften und die öffentliche Meinung in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Weshalb wird die Frau im Islam mit der Unterdrückung verbunden?“
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine fundierte Literatur- und Textanalyse (Koran/Hadithe) mit einer empirischen Online-Umfrage unter 303 Personen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Frauenrolle im Islam sowie eine konkrete Untersuchung der Situation in Saudi-Arabien und der Türkei.
Welche Begriffe beschreiben die Facharbeit am besten?
Wichtige Schlagworte sind Islam, Unterdrückung, Geschlechterrollen, Koran, Menschenrechte und Medienwahrnehmung.
Wie unterscheidet sich die Situation der Frau in Saudi-Arabien und der Türkei in der Arbeit?
Während in Saudi-Arabien die Scharia die Verfassung prägt, ist die Türkei eine demokratische Republik; dennoch werden für beide Länder Tendenzen zur Duldung von Gewalt gegen Frauen identifiziert.
Welche Rolle spielt das Kopftuch in der Argumentation der Arbeit?
Das Kopftuch wird sowohl theoretisch als religiöses Symbol als auch empirisch in der Umfrage als umstrittener Gegenstand der öffentlichen Wahrnehmung diskutiert.
- Arbeit zitieren
- Burcu Kocakaplan (Autor:in), 2015, Die Stellung der Frau im Islam und ihre Assoziation mit der Unterdrückung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299205