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Niederdeutsch im Niedergang. Ein Dialekt auf dem Totenbett?

Título: Niederdeutsch im Niedergang. Ein Dialekt auf dem Totenbett?

Trabajo de Seminario , 2015 , 19 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Christian Schwießelmann (Autor)

Filología alemana - Lingüística
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Der Besucherrückgang der niederdeutschen Bühne ist nur ein Indikator für den fortschreitenden Schwund des Niederdeutschen, der sich sowohl im Rückgang der Sprachkompetenzen und der Verwendungshäufigkeit bei den Sprechern als auch im Abbau dialektaler Eigenheiten und in der Angleichung an die Standardsprache widerspiegelt.

Die vorliegende Arbeit will diesen Sprachwandel auf pragmatischer und grammatikalischer Ebene nachzeichnen. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der Zukunft des Niederdeutschen, dessen Funktionsverlust seit Beginn der Neuzeit sehr gut erforscht ist. Zentrale Frage ist, ob es sich im Falle des Niederdeutschen retrospektiv um einen „aussterbenden“ Dialekt (Sprachwechsel) oder prospektiv um eine regionale Varietät des Standarddeutschen handelt (Sprachwandel).

Entsprechend gestaltet sich die Methodik der Untersuchung: In einem ersten Schritt wird die geänderte Sprachverwendung des Niederdeutschen beschrieben; in einem zweiten Schritt folgt der Analyse der pragmatischen Ebene die der grammatikalischen: Wie verändert sich das niederdeutsche Sprachsystem unter dem wachsenden Einfluss des hochdeutschen Standards? Welche dialektalen Besonderheiten schleifen sich ab und warum? Dominiert der Abbau oder die Angleichung? Der dritte Schritt ist weniger deskriptiv angelegt und fragt stattdessen analytisch nach den inneren und äußeren Gründen des veränderten Sprechverhaltens. Liegen sie endogen in einem Einstellungswandel der Sprecher gegenüber dem Niederdeutschen oder aber in exogenen Faktoren wie Medieneinfluss, inner- und außerdeutsche Migration, Demographie, unzulängliche institutionelle Tradierung des Niederdeutschen usw. begründet? Basis der Untersuchung bilden jüngere und ältere Studien, insbesondere empirisch angelegte Umfragen, die Änderungen in der Kompetenz und Performanz des Niederdeutschen dokumentieren. Am Schluss stehen ein Fazit und ein Ausblick in die Zukunft.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung - Ohnsorgs Sorgen

1.1 Fragestellung: Ein Dialekt auf dem Totenbett?

1.2 Forschungsstand: Was die Linguistik dazu sagt

2 Hauptteil: Der Verlust der Sprache

2.1 Pragmatisch: Aus dem Munde aus dem Sinn

2.2 Abbau und Angleichung

2.3 Ursächlich: Sein oder Bewusstsein?

3 Schluss: Düstere Prognosen

3.1 Fazit: Rückzug auf allen Ebenen

3.2 Ausblick: Tummelplatz für Sprachhistoriker?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den fortschreitenden Sprachwandel des Niederdeutschen mit dem Ziel zu klären, ob es sich dabei retrospektiv um einen aussterbenden Dialekt im Sinne eines Sprachwechsels handelt oder prospektiv um eine regionale Varietät des Standarddeutschen, die durch Sprachwandel geprägt ist.

  • Analyse der Sprachverwendung und Kompetenz des Niederdeutschen
  • Untersuchung grammatikalischer Angleichungsprozesse an die Standardsprache
  • Evaluation externer und interner Ursachen für den Sprachverlust
  • Diskussion der soziolinguistischen Einordnung als Minderheitenvarietät
  • Prognose zur zukünftigen Entwicklung und Überlebenschance des Plattdeutschen

Auszug aus dem Buch

2.1 Pragmatisch: Aus dem Munde aus dem Sinn

Das Institut für Niederdeutsche Sprache hat 2007 die Dialektkompetenz in Norddeutschland in einer Telefonumfrage vermessen. Die Stichprobe umfasste 800 Teilnehmer aller Bundesländer, die zum niederdeutschen Sprachraum gehören: Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, der westfälische Teil Nordrhein-Westfalens, Teile von Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Im Ergebnis stellte sich heraus, dass nur noch ein kleiner Teil der insgesamt 19 Millionen Menschen Platt sprechen kann. 6 Prozent der Befragten schätzten ihre Kenntnisse als sehr gut, 8 als gut, 23 als mäßig ein; ein Viertel der Befragten spricht nach eigener Einschätzung nur ein paar Wörter, die größte Gruppe mit 38 Prozent gar kein Wort Niederdeutsch.

Die Dialektkompetenz variiert je nach Bundesland, wobei grundsätzlich gilt: Je nördlicher und je ländlicher, desto besser ist die Sprechfähigkeit ausgeprägt. In Schleswig-Holstein sind 27 Prozent der Einwohner davon überzeugt, dass sie über sehr gute bis gute plattdeutsche Sprachkompetenzen verfügen, in Mecklenburg-Vorpommern 23 Prozent und in Niedersachsen immerhin noch 14 Prozent, während es im urbaner geprägten NRW nur noch 10 Prozent sind. Der Sprachverlust sticht jedoch erst im Zeitverlauf ins Auge. Nach der GETAS-Umfrage 1984 befanden noch 46 Prozent aller Schleswig-Holsteiner, sehr gut bis gut platt sprechen zu können. 23 Jahre später teilten diese Selbsteinschätzung nur noch 27 Prozent der Einwohner des Bindestrich-Bundeslandes zwischen Nord- und Ostsee.

Die Sprachkompetenz (beinhaltet sowohl aktives Sprechen als auch passives Verstehen) hat in allen Altersgruppen im Zeitverlauf dramatisch abgenommen. Waren 1984 noch 53 Prozent der über 50jährigen nach Selbstauskunft gute bis sehr gute Plattdeutschsprecher, zählten sich 2007 nur noch 21 Prozent aller Befragten dazu. Bei der mittleren Alterskohorte zwischen 35 und 49 Jahren sank der Wert sogar um zwei Drittel von 36 auf 12 Prozent ab, wohingegen die jüngeren bis 34 Jahre ihre Sprachkompetenz ungefähr auf 5 Prozent halbierten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung - Ohnsorgs Sorgen: Die Einleitung führt in das Thema ein, beleuchtet das Ohnsorg-Theater als kulturellen Indikator und formuliert die zentrale Forschungsfrage zum Sprachwandel des Niederdeutschen.

1.1 Fragestellung: Ein Dialekt auf dem Totenbett?: Dieses Kapitel konkretisiert die Problemstellung, indem es den Wandel vom ehemals lebendigen Dialekt zum schwindenden Sprachsystem thematisiert.

1.2 Forschungsstand: Was die Linguistik dazu sagt: Hier wird der fachsprachliche Diskurs über den Status des Niederdeutschen als Sprache, Dialekt oder Minderheitenvarietät dargestellt.

2 Hauptteil: Der Verlust der Sprache: Dieser Teil widmet sich den empirischen Befunden zur Dialektkompetenz und den strukturellen Sprachveränderungen.

2.1 Pragmatisch: Aus dem Munde aus dem Sinn: Es wird die aktuelle Sprachkompetenz der Sprecher analysiert und der massive Rückgang im Zeitverlauf belegt.

2.2 Abbau und Angleichung: Der Fokus liegt auf der grammatikalischen und phonetischen Annäherung des Niederdeutschen an das hochdeutsche Sprachsystem.

2.3 Ursächlich: Sein oder Bewusstsein?: Das Kapitel diskutiert, welche externen Faktoren (Sozioökonomie, Migration) und internen Einstellungen (Sprachbewusstsein) den Wandel vorantreiben.

3 Schluss: Düstere Prognosen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die künftige Existenzgrundlage des Dialekts.

3.1 Fazit: Rückzug auf allen Ebenen: Die Arbeit schlussfolgert, dass das Niederdeutsche moribund ist und sich auf einem irreversiblen Rückzug befindet.

3.2 Ausblick: Tummelplatz für Sprachhistoriker?: Abschließend wird diskutiert, unter welchen Voraussetzungen das Plattdeutsche als Minderheitenvarietät überleben könnte.

Schlüsselwörter

Niederdeutsch, Plattdeutsch, Sprachwandel, Sprachverlust, Diglossie, Dialektologie, Soziolinguistik, Sprachkompetenz, Standardkonvergenz, Regionalsprache, Minderheitenvarietät, Sprachgebrauch, Sprachsoziologie, Interferenz, Sprachkontakt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den fortlaufenden Prozess des Sprachverlusts des Niederdeutschen und bewertet, ob die Sprache als eigenständiges System ausstirbt oder in eine regionale Standardvarietät übergeht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten zählen die Sprachkompetenz der Sprecher, die grammatikalische Angleichung an das Hochdeutsche sowie die soziokulturellen Ursachen für den Rückgang des Gebrauchs.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Autorin untersucht, ob es sich bei der Entwicklung des Niederdeutschen retrospektiv um einen Sprachwechsel (aussterbender Dialekt) oder prospektiv um Sprachwandel (Entstehung einer Varietät des Standarddeutschen) handelt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Untersuchung basiert auf einer Auswertung empirischer Studien, insbesondere umfragebasierter Dialektzensen und Wahrnehmungsakzeptanzanalysen der letzten Jahrzehnte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des schwindenden Sprachgebrauchs, die Analyse der grammatikalischen Anpassung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit sprachexternen und internen Ursachen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Sprachwandel, Dialektverlust, Soziolinguistik und Standardkonvergenz beschreiben.

Warum wird der Begriff "moribund" verwendet?

In Anlehnung an die linguistische Fachdiskussion beschreibt der Begriff, dass die ungesteuerte Weitergabe der Sprache innerhalb der Familie an die nächste Generation nicht mehr gewährleistet ist.

Welche Rolle spielen "schulische Angebote" bei der Erhaltung des Dialekts?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass schulische Programme den Wegfall der familiären Tradierung bislang nicht kompensieren können und das Interesse junger Menschen ohne langfristige Strategien schwer zu wecken ist.

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Detalles

Título
Niederdeutsch im Niedergang. Ein Dialekt auf dem Totenbett?
Universidad
University of Potsdam  (Institut für Germanistik)
Curso
Dialekt, Soziolekt, Ethnolekt - Variation des Deutschen
Calificación
1,3
Autor
Christian Schwießelmann (Autor)
Año de publicación
2015
Páginas
19
No. de catálogo
V299258
ISBN (Ebook)
9783656957973
ISBN (Libro)
9783656957980
Idioma
Alemán
Etiqueta
niederdeutsch niedergang dialekt totenbett
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Christian Schwießelmann (Autor), 2015, Niederdeutsch im Niedergang. Ein Dialekt auf dem Totenbett?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299258
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