Diese Arbeit entstand aus der Beobachtung heraus, welche geringe Rolle die Neue Musik in der Ausbildung spielte, und zwar sowohl bezüglich der praktischen Auseinandersetzung im Instrumentalunterricht als auch bezüglich ihrer Thematisierung in musikdidaktischen Seminaren. Dieser beobachtete Mangel sowie die Publikation des Begleitbandes zu dem Kongress Kinder zum Olymp! führten zum Entschluss aktuelle Ansätze zur Vermittlung Neuer Musik in die Arbeit mit einzubeziehen. Die große öffentliche Resonanz auf die Arbeit des Ensembles L'Art pour L'Art mit ihrer Kinderkompositionsklasse und die Bekanntschaft mit dem österreichischen Projekt Klangnetze waren schließlich ausschlaggebend für die Wahl der Ansätze.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
1. Zum Verhältnis zwischen Neuer Musik und der Schule heute – einleitende Gedanken
1.1. Neue Musik im Alltag von Kindern
1.2. Neue Musik und Schule
1.3. Neue Musik im Unterricht der Grundschule
1.4. Unterrichtsmaterialien zur Neuen Musik
1.5. Historische Grundlagen
1.6. Bedingungen der Rezeption Neuer Musik
1.7. Konsequenzen für die Vermittlung
1.8. Hinweise zur vorliegenden Arbeit
2. Verschiedene Konzepte Neuer Musik in der allgemein bildenden Schule seit 1970 – ein Überblick
3. Aktuelle Konzeptionen zur Heranführung von Schülern an Neue Musik: Response – Klangnetze – Kinderkompositionsklasse
3.1. Das Response-Projekt
3.1.1. Die Entstehung von Response
3.1.2. Der Projektverlauf
3.1.3. Ziele und Inhalte des Projekts
3.1.4. Beispiele für Response-Projekte
3.1.5. Kritik an der Response-Idee
3.2. Das Projekt Klangnetze
3.2.1. Die Entstehung der Klangnetze
3.2.2. Der Projektverlauf
3.2.3. Ziele und methodische Aspekte des Projekts
3.2.4. Öffentliche Resonanz der Klangnetze
3.3. Die Kinderkompositionsklasse des Ensembles L'Art pour L'Art
3.3.1. Die Entstehung des Projekts
3.3.2. Das Komponieren von Kindern
3.3.3. Methodische Aspekte des Unterrichtsverlaufs
3.3.4. Eigene Beobachtungen
3.3.5. Ergebnisse und öffentliche Resonanz
4. Fazit und Ausblick
4.1. Inhaltliche Merkmale der aktuellen Konzepte
4.1.1. Gemeinsame Merkmale der aktuellen Konzepte
4.1.2. Differenzen zwischen den aktuellen Konzepten
4.2. Didaktische Aspekte der Vermittlung
4.2.1. Berücksichtigung lerntheoretischer Erkenntnisse
4.2.2. Ästhetische Erfahrung durch Produktion
4.2.3. Pädagogische und institutionelle Bedingungen der Vermittlung
4.2.4. Braucht Neue Musik eine Spezialdidaktik?
4.3. Musikunterricht und Neue Musik – Kritik und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Vermittlung Neuer Musik im schulischen Kontext mit einem besonderen Fokus auf aktuelle Ansätze, die den praktischen, produktionsorientierten Umgang mit Klängen als zentralen Lernweg etablieren und damit die kreative Emanzipation der Schüler fördern wollen.
- Analyse des Stellenwerts Neuer Musik in der heutigen Schulpraxis.
- Historischer Überblick didaktischer Konzepte zur Vermittlung Neuer Musik seit 1970.
- Eingehende Betrachtung aktueller Modellprojekte: Response, Klangnetze und Kinderkompositionsklassen.
- Erörterung der Bedeutung von produktiven Aneignungsformen (Experimentieren, Improvisieren, Komponieren) für ästhetische Bildung.
- Kritische Reflexion der institutionellen und pädagogischen Gelingensbedingungen für Neue Musik im Unterricht.
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Die Entstehung von Response
Die Idee des Response-Projektes stammt ursprünglich aus England. Durch Kontakt mit den englischen Berufskollegen lernten die Mitglieder des Ensemble Modern Ende der 1980er-Jahre die Arbeit der London Sinfonietta kennen und konnten dabei beobachten, "dass Schüler aller sozialen Schichten durch die sehr engagierte Arbeit mit musikalischer Komposition zu enorm kompetenten und differenzierten Aussagen über die in dem Konzert der in London aufgeführten Werke fähig waren". Die Idee, den Zugang zur Neuen Musik durch eigene Produktion zu ermöglichen, ist in England nicht neu. Bereits bei John Paynter existiert die Auffassung, dass Kinder Musik nur verstehen können, wenn sie selber zu komponieren versuchen. Dieser Ansatz wurde während der letzten 30 Jahre weiter ausgebaut und führte zu einer Kooperation von professionellen Orchestern und Schule. Diese Entwicklung beeinflusste auch den neuen staatlichen Lehrplan Englands, der in der Revision von 1992 ausdrücklich fordert, jedes Kind im Alter von 5 bis 14 Jahren müsse angeleitet werden zu komponieren, Musik aufzuführen und sie mit Verständnis zu hören.
Die ersten gelungenen Response-Projekte in Deutschland wurden 1988 unter Anregung des damaligen Geschäftsführers des Ensemble Modern, Karsten Witt, zusammen mit dem Verantwortlichen für das Programm der Alten Oper, Dieter Rexroth, durchgeführt. Man holte zunächst die englischen "Response-Experten" Terry Edwards, Richard McNicol und Nigel Osborne von der London Sinfonietta zur Unterstützung. Ausgehend von der Initiative der Mitglieder des Ensemble Modern in Frankfurt, entstand Response in Deutschland in Anlehnung an das englische Modell. In ihrer heutigen Form werden die Response-Projekte seit 1990 in Hessen organisiert und sind zudem mittlerweile in fast jeder deutschen Großstadt vertreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zum Verhältnis zwischen Neuer Musik und der Schule heute – einleitende Gedanken: Dieses Kapitel thematisiert die geringe Präsenz und die Schwierigkeiten bei der Vermittlung Neuer Musik im schulischen Alltag sowie die Notwendigkeit, bereits im Grundschulalter mit einem produktionsorientierten Ansatz zu beginnen.
2. Verschiedene Konzepte Neuer Musik in der allgemein bildenden Schule seit 1970 – ein Überblick: Hier wird der historische Wandel musikdidaktischer Ansätze nachgezeichnet, der von rezeptiven Modellen hin zu einer stärker produktionsorientierten, am kreativen Handeln ausgerichteten Vermittlung führt.
3. Aktuelle Konzeptionen zur Heranführung von Schülern an Neue Musik: Response – Klangnetze – Kinderkompositionsklasse: Dieser Hauptteil analysiert drei spezifische Ansätze, die den Prozess des Komponierens und das Experimentieren in den Vordergrund stellen, um Schülern einen direkten und motivierenden Zugang zur Neuen Musik zu ermöglichen.
4. Fazit und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die inhaltlichen Merkmale und didaktischen Bedingungen zusammen und reflektiert kritisch über die Notwendigkeit, Neue Musik als festen Bestandteil ästhetischer Bildung in den Schulalltag zu integrieren.
Schlüsselwörter
Neue Musik, Musikdidaktik, Kinderkomposition, Response-Projekt, Klangnetze, Produktionsdidaktik, Musikerziehung, ästhetische Erfahrung, Instrumentalunterricht, Kreativität, Improvisation, Musikvermittlung, Schulpraxis, Rezeption, Klanggestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie zeitgenössische Neue Musik sinnvoll und effektiv an Schüler vermittelt werden kann, insbesondere in der Grundschule und in der allgemein bildenden Schule.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Vermittlungsproblematik, der Vorstellung praxisorientierter Modelle wie "Response" oder "Klangnetze" und der theoretischen Fundierung durch das selbstständige Komponieren von Kindern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine produktive Auseinandersetzung (das eigene Komponieren) Barrieren gegenüber Neuer Musik abgebaut und eine ästhetische Haltung bei Kindern gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die kritische Auswertung didaktischer Konzepte sowie eigene Beobachtungen und Interviews im Rahmen von Hospitationen bei aktuellen Vermittlungsprojekten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden drei aktuelle Konzeptionen – das Response-Projekt, die Klangnetze und die Kinderkompositionsklassen – detailliert hinsichtlich ihrer Entstehung, Methodik, Ziele und Resonanz untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Neue Musik, Musikdidaktik, Kinderkomposition, kreatives Handeln, ästhetische Erfahrung und Vermittlungskonzepte charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die "Kinderkompositionsklasse" von schulischen Musikprojekten?
Im Gegensatz zu schulischen Projekten erfolgt der Unterricht in den Kompositionsklassen oft im privaten Einzelunterricht, was eine individuellere Begleitung durch eine pädagogisch und künstlerisch qualifizierte Person ermöglicht, ohne den Zeitdruck starrer Lehrpläne.
Welche Bedeutung kommt der "Emanzipation des Geräuschs" in der Didaktik Neuer Musik zu?
Die Emanzipation des Geräuschs ist ein zentrales ästhetisches Merkmal Neuer Musik; in der Didaktik dient sie dazu, den Musikbegriff zu erweitern und Kindern Wege zum Erfinden eigener Klangwelten zu eröffnen, die über tradierte harmonische Vorstellungen hinausgehen.
- Citar trabajo
- Ragnhild Eller (Autor), 2004, Neue Musik in der Grundschule. Die Projekte Response, Klangnetze und L'Art pour L'Art, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299391