Im Vergleich zwischen Pudowskins Film die Mutter und Sergej Eisensteins Streik werden die verschiedenen Montagekonszepte der Zeit miteinander verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Historische Einleitung
2. Sergej Eisenstein
2.1 „Montage der Attraktionen“
2.2 „Streik“
3. Wsewolod Pudowkin
3.1 „Die Mutter“
4. Kurzer Vergleich
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungen der Montage im sowjetischen Film der 1920er Jahre, wobei insbesondere die unterschiedlichen Ansätze von Sergej Eisenstein und Wsewolod Pudowkin im Kontext der gesellschaftspolitischen Umbrüche jener Zeit analysiert werden.
- Entwicklung und historischer Kontext der sowjetischen Filmindustrie nach 1917.
- Analyse der Theorie der „Montage der Attraktionen“ bei Sergej Eisenstein.
- Untersuchung der Montageprinzipien in Pudowkins filmischem Schaffen.
- Kontrastierung der Montage als Mittel der Konfliktinszenierung versus psychologischer Kontinuität.
- Vergleichende Einordnung der russischen Montage-Avantgarde gegenüber westlichen Erzähltraditionen.
Auszug aus dem Buch
Montage der Attraktionen
1923 formulierte Eisenstein seine berühmt gewordene Theorie von der „Montage der Attraktionen“. Die Attraktion wird dort wie folgt definiert: „Eine Attraktion (im Theater) ist jedes aggressive Moment des Theaters, das heißt jedes seiner Elemente, das den Zuschauer einer sinnlichen oder psychologischen Einwirkung aussetzt, die experimentell überprüft und mathematisch berechnet ist auf bestimmte emotionale Erschütterungen des Aufnehmenden. Diese stellen in ihrer Gesamtheit einzig und allein die Bedingung dafür dar, dass die ideelle Seite des Gezeigten, die eigentliche ideologische Schlussfolgerung aufgenommen wird.“
Als Attraktion kann man demnach eine abgeschlossene Nummer einer Aufführung verstehen, wie ein Monolog, ein Lied, eine körperliche Darbietung. Hierbei gilt die Attraktion als die kleinste Einheit des Theaters. Eine Aufführung besteht folglich aus einer Abfolge (Montage) von einzelnen Attraktionen, deren Kombination der erstrebten Gesamtwirkung unterliegen, welche nicht etwa die Addition der einzelnen Reize, sondern etwas qualitativ Neues, eine Erkenntnis im Sinne einer ideologischen Schlussfolgerung ergibt.
Diese sinnlichen Reize evozieren keine Bedeutungen, sondern nur eine Wirkung. Es ging Eisenstein also nicht vordergründig um eine neue Werkästhetik, sondern eine Wirkungsästhetik. Denn das primäre Ziel bestand in der Einwirkung auf den Zuschauer. Eisenstein sieht demzufolge Attraktionen nicht als in sich geschlossen, sondern weist ihnen als ergänzendes Element die Reaktion des Zuschauers zu. Das Entscheidende ist die Reizwirkung, die sie auf den Rezipienten ausübt. Man wählte also die Attraktionen nach einer exakten Intention auf bestimmte Endeffekte.
Zusammenfassung der Kapitel
Historische Einleitung: Beschreibt den Aufstieg des russischen Kinos von der Jahrmarktsunterhaltung bis zur Verstaatlichung durch die Bolschewiki und die Entwicklung der Filmkunst als zentrales Propagandainstrument.
Sergej Eisenstein: Analysiert den Übergang von Eisensteins Theatererfahrungen zur Filmpraxis, insbesondere anhand seines Films „Streik“ und der Theorie der „Montage der Attraktionen“.
Wsewolod Pudowkin: Betrachtet Pudowkin als Gegenentwurf zu Eisenstein, wobei die Montage hier stärker zur Verdeutlichung psychologischer Zustände und zur Schaffung atmosphärischer Kontinuität dient.
Kurzer Vergleich: Setzt die sowjetische Montage-Avantgarde in Bezug zu Griffith und stellt fest, dass die dialektische Bildgestaltung eine spezifische Folge der sozialistischen Gesellschaftsordnung war.
Schlüsselwörter
Russisches Montagekino, Sergej Eisenstein, Wsewolod Pudowkin, Montage der Attraktionen, sowjetische Filmavantgarde, Propagandafilm, Filmgeschichte, Montage, Typisierung, Heroic Realism, Agit-Drama, Revolution, sowjetischer Film, Kinematographie, Wirkungsästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und den theoretischen Besonderheiten des sowjetischen Montagekinos in den 1920er Jahren unter Berücksichtigung politischer Einflussnahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Montage-Theorien von Sergej Eisenstein und Wsewolod Pudowkin, der Einfluss der Revolution auf die Filmkunst sowie die Abgrenzung von westlichen Erzählweisen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche Montage-Techniken dazu genutzt wurden, beim Zuschauer spezifische ideologische und psychologische Wirkungen zu erzielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse filmwissenschaftlicher Schriften und einer detaillierten Untersuchung exemplarischer Filme wie „Streik“ und „Die Mutter“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Montage-Theorien Eisensteins, die filmischen Analysen von „Streik“ und „Die Mutter“ sowie einen Vergleich der Ansätze beider Regisseure.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Montage, sowjetische Filmavantgarde, dialektische Weltanschauung, Wirkungsästhetik und Revolution.
Wie unterscheidet sich Eisensteins Montage von der Pudowkins?
Während Eisenstein Montage als Kollision und Konflikt zur Erzeugung neuer Erkenntnisse versteht, nutzt Pudowkin sie eher als Baustein für narrative Kontinuität und psychologische Vertiefung.
Welche Rolle spielte die politische Zensur bei der Entwicklung dieser Filme?
Die Zensur ab 1922 führte dazu, dass Filme ideologisch bearbeitet wurden, was Regisseure dazu zwang, ihre künstlerischen Ansätze in den Dienst der kommunistischen Erziehung und Propaganda zu stellen.
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- Andrea Wildt (Author), 2003, Russisches Montagekino, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29941