Die minoische Hochkultur auf Kreta ist für Archäologen nach wie vor eines der bedeutendsten und interessantesten Forschungsfelder. Dabei spielen besonders die berühmten minoischen Palastanlagen, wie etwa der berühmte Palast von Knossos, eine wichtige Rolle. Die Überreste dieser Paläste lassen sich auch heute noch bestaunen und liefern uns somit Einblicke in einen der spannendsten Abschnitte in der Geschichte Kretas.
Im Rahmen dieser Arbeit soll es um die archäologischen Besonderheitenden des minoischen Palasts und der Stadt von Mallia gehen. Die Arbeit ist dabei in zwei Teile gegliedert. Zu Beginn wird ein kurzer Abriss über Chronologie und allgemeine Informationen stehen, dem dann ein paar Worte zur Forschungsgeschichte folgen. Anschließend werde ich den Palast in einer Art Rundgang vorstellen, indem ich mit den Getreidespeichern im Südwesten beginne. Darauf folgt der Westflügel des Palastes, unterteilt in den Aspekt des Eingangs bzw. der Lagerräume auf der einen und den Aspekt als ein religiöses Zentrum auf der anderen Seite. Dann folgt der zentrale Platz, sowie der südliche Teil der minoischen Palastanlage, bevor ich mich dann letztendlich dem Nordflügel und Nordwestflügel zuwende und dabei auch u. a. auf die sogenannte „Banketthalle“ eingehe.
Im zweiten Teil gehe ich dann auf die minoische Stadt Mallia ein, welche den Palast direkt umgab. Es werden die wichtigsten Gebäude und deren Funktionen vorgestellt, jedoch liegt auch ein besonderes Augenmerk auf der Beziehung zwischen Stadt und Palast in Mallia.
Der vorgestellte Themenkomplex ist bis heute schon von mehreren Wissenschaftlern untersucht worden. Im Folgenden erwähne ich daher nur einige der wichtigsten Autoren, auf die ich mich im Laufe meiner Arbeit bezogen habe. Für diese Arbeit waren besonders die Arbeiten von J.W. Graham „The Palaces of Crete“ und von G. Cadogan „The Palaces of Minoan Crete“ von Bedeutung, da beide alle möglichen Aspekte des minoischen Palastes von Mallia, aber auch der angrenzenden Stadt behandeln.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeines und Chronologie
3 Der Palast von Mallia
3.1 Getreidespeicher/Silos
3.2 Westflügel, Eingang und Lagerräume
3.3 Der Westflügel als religiöses Zentrum
3.4 Zentraler Platz, Altar und „Kernos“
3.5 Südeingang und Südflügel:
3.6 Südosteingang und Östliche Magazine
3.7 Nördliches Areal und „Banketthalle“
3.8 Nordwestflügel
4 Die minoische Stadt Mallia
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den minoischen Palast von Mallia sowie die unmittelbar angrenzende Stadt. Ziel ist es, durch eine detaillierte archäologische Begehung der Palastanlage die baulichen Strukturen und deren Funktionen zu erschließen und die enge, wenngleich forschungsgeschichtlich komplexe Beziehung zwischen dem administrativen Zentrum und der umgebenden Siedlung zu beleuchten.
- Bauphasen und chronologische Einordnung des Palastes
- Funktionale Analyse der räumlichen Bereiche (Lager, Kult, Repräsentation)
- Architektonische Besonderheiten und minoische Bautechniken
- Strukturelle Untersuchung des Quartiers Mu innerhalb der Stadt
- Interdependenzen zwischen der Palastelite und städtischen Handwerksarealen
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Westflügel als religiöses Zentrum
Die Überreste des Westflügels gehören sowohl zum alten als auch zum neuen Palast. Das Zentrum dieses Bereiches bildet die sogenannte „Loggia“. Diese ist zum zentralen Platz hin geöffnet und besitzt eine Treppenflucht, welche eine Basis in der Mitte aufweist um diese Flucht zusätzlich zu stützen. Im Inneren finden sich zwei Steine, die in den Boden gesetzt wurden und als Altäre fungierten. Davon ausgehend war die Loggia ein großer religiöser Raum, in dem Kult betrieben wurde. Dieser war wiederum vom zentralen Platz aus her einsehbar. Vermutlich handelt es sich hierbei sogar um das religiöse Zentrum des Palastes von Mallia. Anzumerken ist noch, dass in einem Raum hinter der Loggia mehrere Kultparaphernalien gefunden wurden wie etwa Dolche, Sicheln etc. Dieser Raum bildete daher eine Art Schatzkammer und war über eine Treppe zu erreichen.
Ebenfalls im Westflügel befand sich eine große Treppe, welche in die erste Etage führte. Sie ist ca. 3,20m breit und liegt zwischen der Loggia und einer größeren Halle. Diese Halle befindet sich genau in der Mitte des westlichen Flügels und misst 9m*8,30m. Außerdem liegt sie direkt gegenüber dem Altar auf dem zentralen Platz. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Halle ebenfalls bis in den ersten Stock erstreckte, jedoch befand sich dazwischen kein Flur, was den Eindruck einer „großen Halle“ verstärkte. Im Zentrum befinden sich einige Pfeilersockel, zwischen denen sich Türen befunden haben. Der westliche Ausgang der Halle führt in eine Säulenkrypta mit zwei Säulen. Die hier gefundenen Doppelaxtsignaturen lassen daher auch auf einen religiösen Kontext dieses Raumes schließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die minoische Hochkultur vor und skizziert den Aufbau der Arbeit als Rundgang durch den Palast sowie die Untersuchung der angrenzenden Stadt.
2 Allgemeines und Chronologie: Dieses Kapitel behandelt die geographische Lage, die archäologische Entdeckungsgeschichte und die chronologischen Bauphasen des Palastes von Mallia.
3 Der Palast von Mallia: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die verschiedenen Funktionsbereiche des Palastes, von den Getreidespeichern bis hin zur „Banketthalle“.
3.1 Getreidespeicher/Silos: Die acht runden Strukturen an der Südwestecke werden als zentrale Getreidelager interpretiert, die auf eine bedeutende agrarische Funktion der Anlage hinweisen.
3.2 Westflügel, Eingang und Lagerräume: Hier wird der als „Magazinkorridor“ bezeichnete Bereich untersucht, der auf eine komplexe Raumplanung und ein mögliches Obergeschoss schließen lässt.
3.3 Der Westflügel als religiöses Zentrum: Dieser Abschnitt widmet sich der „Loggia“ und den angrenzenden Räumen, die als kultischer Mittelpunkt des Palastes identifiziert werden.
3.4 Zentraler Platz, Altar und „Kernos“: Der zentrale Hof wird als offenes Zentrum beschrieben, wobei der Altar und der „Kernos“-Stein als wichtige Zeugnisse religiöser Rituale hervorgehoben werden.
3.5 Südeingang und Südflügel: Hier werden der beeindruckende Eingangsbereich sowie die funktionalen Arbeitsräume und kleinen Schreine des Südflügels vorgestellt.
3.6 Südosteingang und Östliche Magazine: Dieser Abschnitt befasst sich mit den Lagerbereichen und archäologischen Belegen für die Olivenölproduktion mittels Rinnen im Boden.
3.7 Nördliches Areal und „Banketthalle“: Die Untersuchung konzentriert sich auf die Hallen nördlich des Platzes, deren Architektur auf eine Nutzung als Speisesaal im Obergeschoss hindeutet.
3.8 Nordwestflügel: Hier werden infrastrukturelle Elemente wie Drainagen sowie architektonische Strukturen, die als Gärten oder Bäder interpretiert werden, besprochen.
4 Die minoische Stadt Mallia: Dieses Kapitel analysiert das nordwestlich gelegene „Quartier Mu“, dessen Gebäude A und B administrative und handwerkliche Funktionen innehatten.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass der Palast ein in sich geschlossener Organismus war, der in enger Symbiose mit der umgebenden Stadt agierte.
Schlüsselwörter
Minoische Kultur, Mallia, Palastarchitektur, Bronzezeit, Quartier Mu, Loggia, Kernos, Getreidespeicher, Kultraum, Lustralbecken, Archäologie, Kreta, Palastanlage, Linear A, Siedlungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen systematischen Überblick über den minoischen Palast von Mallia auf Kreta sowie die angrenzende städtische Siedlung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Architektur des Palastes, die funktionale Bedeutung der verschiedenen Gebäudetrakte und die Beziehung zwischen der Palastelite und den handwerklichen Quartieren der Stadt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine archäologische Rekonstruktion und Interpretation der Palastfunktionen sowie der städtischen Strukturen im Kontext der minoischen Epoche.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine archäologische Analyse auf Basis existierender Grabungsberichte und wissenschaftlicher Sekundärliteratur, wobei eine Art „Rundgang“ durch die Anlage als Strukturgeber dient.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist in einen Rundgang durch den Palast, unterteilt in acht Sektionen, sowie eine Analyse der minoischen Stadt, insbesondere des Quartiers Mu, gegliedert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie minoische Kultur, Palastarchitektur, Quartier Mu und spezifische architektonische Elemente wie der „Kernos“ oder die „Loggia“ sind zentral für die Arbeit.
Warum wird der Palast von Mallia als "eigener Organismus" bezeichnet?
Der Autor führt dies auf die spezifische, nicht achsensymmetrische Bauweise zurück, bei der jeder Gebäudekomplex autonom gewachsen zu sein scheint, anstatt einer glatten, einheitlichen Fassade zu folgen.
Welche Bedeutung kommt dem Quartier Mu zu?
Quartier Mu ist für die Untersuchung der Stadt von entscheidender Bedeutung, da es als Beispiel für fortgeschrittene frühpalastzeitliche Architektur mit administrativen und handwerklichen Funktionen dient.
Was lässt sich über die religiöse Praxis in Mallia sagen?
Die Arbeit identifiziert den Westflügel als religiöses Zentrum, unterstützt durch Funde von Kultgegenständen wie Dolchen und Sicheln sowie durch die Existenz von Altären und eines „Kernos“-Steins für Opfergaben.
Welche wirtschaftliche Rolle spielte die Palastanlage?
Neben der administrativen Steuerung diente der Palast als Zentrum für die landwirtschaftliche Vorratshaltung, belegt durch die Getreidesilos und Reste der Olivenölproduktion.
- Citation du texte
- Fabian Lukas (Auteur), 2013, Die archäologischen Besonderheitenden der Stadt von Mallia und des minoischen Palasts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299449