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Das Gefühl, wertvoll zu sein. Die Bedeutung des Selbstwertgefühls in der frühen Kindheit

Title: Das Gefühl, wertvoll zu sein. Die Bedeutung des Selbstwertgefühls in der frühen Kindheit

Pre-University Paper , 2015 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Doreen Kleingünther (Author)

Pedagogy - Nursery Pedagogy, Early Childhood Education
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Summary Excerpt Details

Eins der Ziele des Berliner Bildungsprogramms ist es, dass Kinder sich ihrer selbst bewusst werden und eigeninitiativ handeln . Werden Stellenbeschreibungen oder gar
Kontaktanzeigen näher untersucht, so wird schnell festgestellt, dass unsere Gesellschaft starke und vor allem selbstbewusste Persönlichkeiten verlangt. Bedenkt man die hierarchischen Strukturen im Arbeits- und Familienleben Mitte des 20. Jahrhundert, so ist dies für unsere Gesellschaft ein gewaltiger Fortschritt. Zudem ist wissenschaftlich bewiesen, dass ein gesundes Selbstwertgefühl die Lebensqualität eines Menschen positiv beeinflusst. Meiner Meinung nach wird gerade dieses Ziel von vielen Pädagogen immer wieder aus den Augen verloren. Gehorsam, Regeln und Strafen schränken das Kind in
der Entwicklung seines Selbstwertgefühls häufig ein.
Während eines Praktikums erlebte ich mit einem zweijährigen Mädchen eine Situation, welche mich sehr nachdenklich machte und ausschlaggebend für diese Facharbeit war.
Die Situation fand während des Mittagessens statt. Zum Nachtisch wurde ein Obstteller herumgereicht, von dem sich alle Kinder selbstständig nehmen durften. E. griff nach
einer Weintraube und wurde dabei von der Erzieherin sofort ermahnt, dass sie diese ohnehin nicht essen würde. E. entschied sich dennoch für die Weintraube. Als die anderen Kinder nach und nach den Tisch verließen, saß sie noch immer mit dieser Weintraube am Tisch. Sie probierte immer wieder die Weintraube zu essen, konnte sich aber nicht überwinden. Die Erzieherin war mittlerweile sehr verärgert und sagte zu E.
im barschen Ton: „Du bleibst so lange am Tisch bis du diese Weintraube gegessen hast“. E. war nun sichtlich verängstigt. Die Begründung der Erzieherin lautete: „Sie muss
endlich lernen, dass sie nicht machen kann, was sie will. Erst zugreifen, dann wegschmeißen. Woanders verhungern Kinder.“ Nun saß ich da mit der zweijährigen E. und ihrer Weintraube. Ich versuchte mich in ihre Lage zu versetzen. Der Gedanke, jemand würde mich zwingen etwas zu essen, was ich nicht mag oder einfach nicht möchte, löste Unbehagen in mir aus. Nach ein paar Minuten löste ich den Konflikt, in dem
ich E. zulächelte, ihre Weintraube entsorgte und der Erzieherin erzählte, was sie hören wollte. Ich wage zu bezweifeln, dass E. sich aufgrund dieser Situation zu einem
egoistischen, verschwenderischen Menschen entwickelt, welcher nicht in der Lage ist, sich in die Gesellschaft zu integrieren. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen

3. Die Entwicklung des Selbstwertgefühls

4. Merkmale gesunden Selbstwertgefühls

5. Das Bild vom Kind

5.1. Kindliche Integrität

5.2. Der Drang nach Kooperation

6. Die Rolle des Pädagogen

6.1. Entwicklungsfördernde Aspekte in der pädagogischen Praxis

6.2. Entwicklungshemmende Aspekte in der pädagogischen Praxis

7. Die pädagogische Haltung

7.1. Erziehungsstile und ihre Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl

7.2. Selbstreflexion in der pädagogischen Arbeit

7.3. Regeln und Grenzen als persönliche Botschaft

8. Schlüsselsituationen in der pädagogischen Praxis

8.1. Die Eingewöhnung

8.2. Mahlzeiten

8.3. Schlaf- und Ruhephasen

8.4. Pflege

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Facharbeit untersucht die zentrale Bedeutung des Selbstwertgefühls in der frühen Kindheit und analysiert, wie pädagogische Fachkräfte durch ihr Handeln und ihre Haltung die Entwicklung eines gesunden Selbstwerts fördern oder hemmen können. Im Fokus steht die Frage, wie Kindern durch wertschätzende Beziehungen und respektvolle Begleitung in Alltagssituationen gestärkt werden können.

  • Die psychologische Bedeutung des Selbstwertgefühls in der frühen Entwicklung.
  • Die Rolle des "Bildes vom Kind" in der pädagogischen Praxis.
  • Einfluss der pädagogischen Haltung und verschiedener Erziehungsstile.
  • Analyse alltäglicher Schlüsselsituationen (Eingewöhnung, Essen, Wickeln, Schlafen).
  • Bedeutung der Selbstreflexion für professionelle pädagogische Arbeit.

Auszug aus dem Buch

5.2. Der Drang nach Kooperation

Bereits im Säuglingsalter sind Kinder in der Lage mit ihren Bindungspersonen zu kooperieren. Sie passen sich dem bewussten und unbewussten Verhalten ihrer Eltern an. Dabei werden sowohl positive Verhaltensweisen, als auch negative Verhaltensweisen auf unterschiedliche Weise kopiert. Jedes Mal, wenn Kinder anfangen zu kooperieren, versuchen sie ihre Integrität mit den Anforderungen von außen (Eltern, Erzieher, Gesellschaft) unter einen Hut zu bekommen. Die Frage lautet also: Wie kann ich meine eigenen Bedürfnisse befriedigen ohne die Beziehung zur Außenwelt zu gefährden?

In der Krippengruppe der Kita findet jeden Tag um 11:00Uhr das Mittagessen statt. An einem Tisch, der eigentlich Platz für acht Kinder bietet, finden sich zehn Kinder und zwei Erzieherinnen zusammen. Während des Mittagessens geht es bei Tisch sehr turbulent zu. Häufig müssen die Erzieherinnen C. und J. ihre Stimme erheben um für Ruhe zu sorgen.

Die Kinder können zwischen frisch zubereiteter Breikost oder dem „normalen“ Mittagessen wählen. Heute gibt es Kartoffelbrei, Gurkensalat und Würstchen. Die Erzieherinnen freuen sich immer sehr über ihre „guten Esser“. Leider fällt die eineinhalbjährige S. da aus der Reihe. Wie jeden Tag entscheiden die Erzieherinnen, dass die „kleine S.“ lieber Brei bekommt. C. nimmt sie auf den Schoß und startet die ersten Fütterungsversuche. S dreht den Kopf weg. C. reagiert verärgert: „Mensch S., du musst aber was essen. Jeden Tag diese Spielereien. Wir sind hier nicht bei „Wünsch-Dir-was. Das kannste zuhause machen“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Selbstwertgefühls ein und motiviert die Facharbeit durch eine beobachtete Schlüsselsituation im pädagogischen Alltag.

2. Begriffsbestimmungen: Hier werden zentrale Begriffe wie „Selbst“, „Selbstwert“, „Selbstwertgefühl“ und „Selbstbewusstsein“ theoretisch definiert und voneinander abgegrenzt.

3. Die Entwicklung des Selbstwertgefühls: Das Kapitel beleuchtet, wie Bindungserfahrungen und Rückmeldungen durch Bezugspersonen das kindliche Selbstwertgefühl in den ersten Lebensjahren prägen.

4. Merkmale gesunden Selbstwertgefühls: Anhand des Ansatzes der Bildungs- und Lerngeschichten werden Indikatoren aufgezeigt, die ein gesundes Selbstwertgefühl im Kindesalter verdeutlichen.

5. Das Bild vom Kind: Es wird diskutiert, wie sich das Verständnis vom Kind von einer „unfertigen“ Person hin zu einem kompetenten, einzigartigen Individuum gewandelt hat.

6. Die Rolle des Pädagogen: Dieses Kapitel analysiert förderliche und hemmende Aspekte pädagogischen Handelns, wobei Wertschätzung als zentrale Voraussetzung betont wird.

7. Die pädagogische Haltung: Es wird dargelegt, wie die innere Einstellung der Fachkraft und die bewusste Reflexion eigener Erziehungsmuster das kindliche Selbstwertgefühl beeinflussen.

8. Schlüsselsituationen in der pädagogischen Praxis: Konkrete Alltagssituationen wie Eingewöhnung, Mahlzeiten, Schlafphasen und Pflege werden hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Integrität des Kindes analysiert.

9. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine tragfähige, wertschätzende Beziehung die Grundlage bildet, damit Kinder ihr Selbstwertgefühl optimal entfalten können.

Schlüsselwörter

Selbstwertgefühl, Pädagogik, Kindliche Integrität, Jesper Juul, Erziehung, Bindung, Wertschätzung, Kooperation, Krippenalltag, Selbstreflexion, Erziehungsstile, Entwicklungsförderung, Frühkindliche Bildung, Autonomie, Professionelle Haltung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des Selbstwertgefühls für die Entwicklung von Kindern in der frühen Kindheit und untersucht, wie pädagogische Fachkräfte dieses gezielt unterstützen können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder umfassen die Theorie des Selbstwertgefühls, das veränderte Bild vom Kind, die Bedeutung der pädagogischen Haltung sowie die Gestaltung alltäglicher Routinesituationen in Kitas.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, aufzuzeigen, wie pädagogisches Handeln – insbesondere durch Wertschätzung und respektvolle Beziehung – die Entwicklung eines gesunden Selbstwerts fördern kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur (unter anderem von Jesper Juul) in Kombination mit der Reflexion eigener Praxiserfahrungen und Fallbeispielen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Einflussfaktoren auf das Selbstwertgefühl, vergleicht Erziehungsstile, beleuchtet die Rolle der pädagogischen Reflexion und untersucht Schlüsselsituationen wie das Wickeln oder Essen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind Selbstwertgefühl, pädagogische Haltung, kindliche Integrität, Wertschätzung und Beziehungsqualität im pädagogischen Kontext.

Welche Rolle spielt das "Bild vom Kind" für das Selbstwertgefühl?

Ein wertschätzendes Bild vom Kind, das dieses als kompetentes und eigenständiges Individuum sieht, ist die Voraussetzung dafür, dass sich das Kind in seiner Integrität respektiert fühlt.

Warum sind alltägliche Pflegesituationen wie das Wickeln für den Selbstwert wichtig?

Diese Situationen sind intime Eins-zu-eins-Momente; wird hier feinfühlig und bedürfnisorientiert kommuniziert, erfährt das Kind Anerkennung seiner Person, was den Selbstwert stärkt.

Wie unterscheidet sich die "kooperative" Reaktion eines Kindes bei Druck?

Die Autorin unterscheidet zwischen der angepassten Kooperation, bei der das Kind eigene Bedürfnisse aufgibt, und der spiegelverkehrten Kooperation, bei der das Kind Widerstand leistet und das autoritäre Verhalten des Erwachsenen übernimmt.

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Details

Title
Das Gefühl, wertvoll zu sein. Die Bedeutung des Selbstwertgefühls in der frühen Kindheit
Grade
1,0
Author
Doreen Kleingünther (Author)
Publication Year
2015
Pages
31
Catalog Number
V299491
ISBN (eBook)
9783656958789
ISBN (Book)
9783656958796
Language
German
Tags
gefühl bedeutung selbstwertgefühls kindheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Doreen Kleingünther (Author), 2015, Das Gefühl, wertvoll zu sein. Die Bedeutung des Selbstwertgefühls in der frühen Kindheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299491
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